geerdet

Ich hätte es mir kaum träumen lassen, daß es möglich ist, das Wohlfühlpolster, das während eines siebentägigen Urlaubs höchst behaglich eingerichtet wurde, binnen nur zweier Stunden zu pulverisieren. Und das bis in subatomare Dimensionen.
Doch sieh da, es ist möglich, offenbar sogar spielend leicht.

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der Wein korkt

»Der Wein korkt!« Mit einer Mischung aus Pikiertheit und abgrundtiefer Verachtung knapp unter den oberen Vorderzähnen hervorgenäselt, soll dieses gegen den Servier­pinguin hervorgebrachte Todesurteil von Weltmännischkeit künden.
Der Wein korkt. Wen kümmert’s? Und wen kümmert’s, daß der Kork weint?

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ja, nein oder was

Nun gibt es durchaus Fragen (etwa diese hier [Stelle 37]), die, konform zu den Regeln einer der Religionen, mit entweder Ja oder Nein beantwortbar sein sollten. Sollten, aber sind sie auch beantwortbar?
Ist eine solche Frage nicht: „Bist du glücklich?” Selbst wenn ich den „einleitenden Text” weglasse (etwa diesen), kann ich mich weder zu einem Ja noch zu einem Nein durch­ringen. Aber woran liegt’s? Hat diese Frage keine Antwort oder habe nur ich keine?

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ungesehen

Was treibt nur den Einäugigen, sich in die Rolle des Königs zu drängen? Nicht nur dem Blinden gegenüber eine vermeintliche Überlegenheit, die wohl eher doch keine ist.

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idiotische Sozialisierung

Daß die Menschheit zuende gehen wird, ist kaum ein Gähnen wert, schließlich hat alles ein Ende. Ich frage mich, ob es ominöse Veränderungen gibt, die die Ära des Niedergangs ankündigen. Und es scheint mir, daß mit der neuerdings grassierenden Sozialisierung der Idiotie* ein solches Zeichen unübersehbar geworden sei.
Nicht verwechseln: Es ist ein Charakteristikum des Spezies, daß sie Einzelne im Sozialverbund durchschleift, die, allein auf sich gestellt, kaum überlebensfähig wären. Aber es gibt auch hier, wie wohl überall, Quantitäten und Qualitäten. Und haben nicht beide bereits ein Ausmaß erreicht, das praktisch nicht mehr steigerungsfähig ist? Aber ist in einem solchen Fall nicht der Zenit bereits überschritten und hat nicht deshalb auch der Niedergang bereits eine freie Bahn?

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*) Auch(!) politisch; nur mal das G 20-Treffen in Hamburg genommen: Welch famose Demokratie, in der hochintelligente (siehe Hervorhebung im obigen Artikel) Vertreter der Obrigkeitskaste durch das Faseln von Schlag(!)wörtern („innere Sicherheit”, „Terrorismusgefahr”, „… Radikalismus” etc.) das Grundgesetz nach Belieben außerkraft setzen können…

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Buch 97 – Ich bin niemand

Der Titel des Romans ist gut gewählt, zumindest lädt er zum Lesen ein: Ich bin niemand. Spätestens nach dem Überfliegen des Klappentextes stellt sich heraus, daß es weniger um den Stoßseufzer eines sich minderwertig fühlenden Menschen als vielmehr um die möglicherweise in der heutigen Zeit einem jeden zugedachten Rolle in der Gesellschaft geht.
Und dann entwickelt P. Flanery auf knapp 400 Seiten einen Roman, in dem Prof. J. O’Keefe als ich-erzählende Hauptperson sein Leben in NY rekapituliert, wobei die jüngsten paar Jahre von Merkwürdigkeiten geprägt sind, die mit seinem etwa zehnjährigen Auslandsaufenthalt in Oxford in einem erst noch zu ergründenden Zusammenhang zu stehen scheinen. Solche Merkwürdigkeiten sind beispielsweise anonym zugestellte Pakete voll von Protokollen individueller Aktivitäten, also Telephonverbindungen, Email-Kontakte oder auch private Photos.
Der Autor leistet sich den Luxus einer falschen Fährte, indem er den Protagonisten an ein psychisches Problem glauben läßt, den er Wahrnehmungsstörungen befürchten läßt. Dieses Sonderlöckchen ist dann auch schon zu Ende, als ihm seine Tochter und sein Schwieger­sohn bestätigen, nichts Auffälliges zu bemerken. Bei einem guten Romancier hätte man erwarten können, daß er ein Wort darüber verliert, warum die beruhigenden Worte aus der Verwandtschaft oder einer Psychologin ihrerseits nicht durch die gemutmaßte Wahrnehmungsstörung getrübt sein sollen. Und wie ist das mit der Erzählform? Irgendwo im Roman bezeichnet O’Keefe sie als Tagebuch. Großes Wort, das nicht trifft. Der Professor schreibt nach seiner Rückkehr aus Oxford und geheimnist munter vor sich hin. Doch dann stellt sich auf einer der letzten Romanseiten heraus, daß er England verlassen mußte, weil er mit ungezügelter Libido in einem Kulturkreis fremdgepoppt hat, der von offizieller bzw. handlangend-geheimdienstlicher Seite als terrorismusnah eingestuft ist. Trotzdem brauchen Hr. Prof. einige Hundert Seiten, um sich eine durchaus naheliegende Assoziation zu leisten. Naja. Oder wie ist das mit dem geistigen Erguß jenes Professors, der sich so liest: »In einer Gesellschaft aufzuwachsen […] bringt es auch mit sich, sich von Kindheit an daran zu gewöhnen, unter Beobachtung zu stehen« (S. 91). Dennoch greint der Protagonist immer und immer wieder darüber, beobachtet zu werden. Und wie das geschieht: da taucht plötzlich eine geheimnisvolle Figur auf, die Stunden und Tage damit zubringt, persönlich als Menetekel in der Landschaft zu erscheinen, um auf eine nebulöse Gefahr hinzuweisen. Ein anonym auf dem gleichen Weg zugestellter Brief, den auch die Pakete genommen haben, oder ein „Beipackzettel” bei jenen sind wahrscheinlich zu kompliziert. Oder zu aufwendig? Da soll doch dem Leser lieber eingeredet werden, Menschen hätten etwas mit dem eigentlichen Akt des Ausspionierens zu tun und nicht etwa stupide Maschinen, die gefühlslos ihre Algorithmen abspulen. Sicher doch, es heißt „Big Data”, aber doch nicht, weil eine große Zahl von Schlapphutträgern sich mit der Spionage im Intimen und gelegentlichen Sentimentalitäten beschäftigen würde, wie es der Roman suggeriert.
Apropos Suggestion. Als „Therapie” gegen das Ausspioniertwerden empfiehlt der Autor schonungslose und umfassende Selbstoffenlegung. Herr, laß Hirn regnen…

PS: Auf dem Schutzumschlag steht diese Einschätzung des Romans:
»Ein dichter, mutiger, souverän erzählter Roman über das Zeitalter der Überwachung von einem Autor mit einem frappierenden Gespür für Neurosen und Ängste, die den Zustand unserer modernen Welt definieren.« HANYA YANAGIHARA.
Tja, so trifft man sich wieder (siehe hier), aber nicht jedes Wiedersehen macht Freude…

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konservativ

Konservativismus als Lebensmaxime? Er lebe hoch!
Täusche ich mich oder ist Konservativismus die praktisch alles beherrschende Handlungs­strategie? Denn wer wollte zum einen den Kokon nicht zu konservieren, zu bewahren bestrebt sein, der ihn beinahe vollkommen vor Veränderungen (seiner, ach, so heilen Welt) beschützen soll? Und ist andererseits die konservative nicht die Sicht kniender Waldameisen, also die Sicht einer überwältigenden Mehrheit der Zeitgenossen (was also könnte daran wohl falsch sein)?
Ob es wohl ein Zufall ist, daß beide Wörter, Kleingeist und konservativ, mit k beginnen?

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