integrale Richtungslosigkeit

Kann man denn das, was die SPD aktuell als Politik verkauft, ruhigen Gewissens als solche bezeichnen? Muß man wohl, schließlich leitet sich das Wort von pólis (altgriechisch πόλις, ‚Stadt‘, ‚Staat‘, ursprünglich auch ‚Burg‘) ab, wodurch alles, was in irgend einer Form den Staat betrifft, irgendwie Politik ist.
Aber ist das, was die SPD derzeit auf dem politischen Parkett vorführt, gut für die Bunte Republik? Mit welcher Kompetenz sind eigentlich die Unterhändler der SPD in die Sondierungsge­spräche zur GroKo gesandt worden, wenn der mühsam zusammenge­puzzelte Konsens von β-Tierchen (oder reicht die Reihe gar runter bis ω?) nachträglich (vgl. hier) noch SPD-seitig durchgehechelt werden muß?
Unsere Altvorderen sagten: Allen Leuten recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann. Auch die SPD kann das nicht. Auch diesmal nicht, auch wenn sie es ganz, ganz doll will. Das Ausmitteln aller(!) Einzelinteressen, die sich in Richtung und Intensität beliebig voneinander unterscheiden, macht die Summe zu einem strukturlosen und vor allem unbeweglichen, also auch richtungslosen Sammelsurium von unbelastbaren Ansichtsfacetten…

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Pest oder Streckschuss

Da der „Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland ‘katastrophale Folgen‘ für die Schweinehalter haben [könnte]”, fordern die buntdeutschen Bauern einen tiefgreifenden Abschuß – man wünscht sich eine Reduzierung um 70 % – von Wildschweinen (Quelle: n-tv). Es gibt sogar ein moralisches Feigenblatt: „Das Leid der Tiere bei einer Jagd sei deutlich geringer als durch die Pest”.
Kann das die Wahrheit sein? Oder heißt ein Teil der Wahrheit: „Das Leid der Bauern bei einer Jagd sei deutlich geringer als durch die Pest”? Und müßte der andere Teil dieser Wahrheit nicht radikal von menschlicher Hybris und selbstherrlichen Moralvorstellungen befreit werden: „Das Leid der Tiere könnte möglicherweise bei einer Jagd geringer sein als durch die Pest”?

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der tollste Hecht im Teich

Eigentlich juckt es mich schon den ganzen Tag lang, zu dem Shitstorm, den eine Werbe­kampagne wegen nebenstehenden Bildes heraufbeschworen hat, ein paar tiefergehende Gedanken zu publizieren.
Darin würde es dann um Vorurteile gehen. Und darum, was die Modebude tatsächlich gesagt bzw. gezeigt, also gemeint hat und was ihr womöglich in den Mund gelegt wird. Vielleicht würde es auch darum gehen, ob es dem hehren Anspruch der Gleich(!)heit entspricht, wenn für manche Model-Ethnien bestimmte Kleidungseigenheiten für nicht haltbar deklariert werden, während sie bei anderen absolut nicht als anstößig interpretiert blieben. Und möglicherweise wäre auch ein Gedanke dazu zu finden, daß ein Shitstorm (mit einer Halbwertszeit von wenigen Stunden, eher der nächste losgetreten wird) in den Zwitschermedien auf vortrefflichste Weise zu umsatzsteigernder Reklame führen dürfte.
Doch dann dämmerte in mir der Verdacht, daß die Protagonisten eines Shitstorms möglicherweise mit dem Befeuern desselben soweit beschäftigt sein könnten, daß weder Zeit noch Gelegenheit bleibt, das Themengebiet rational zu durchdringen. Und schon hatte sich der eingangs erwähnte Wunsch verflüchtigt…

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Young Sheldon

Gestern habe ich mir mal eine – die erste? – Folge von Young Sheldon angesehen; ach nein, es war ja schon am Montag…
Ich sag mal so: Diejenigen Staffeln von TBBT, die in Einklang mit dem entstanden sind, was in der Physik Zeitstrahl genannt wird, sind nach meinem Geschmack von Mal zu Mal immer schlechter geworden. Das erweckte eine gewisse Hoffnung, daß in der entgegen­gesetzten Zeitrichtung kleine Schätze zu heben sein könnten. Vielleicht passiert das eines Tages dann auch, vielleicht sogar vor dem Datum, an dem die Mutterfolge (mit J. J. Parsons als Nebendarsteller) den Erzählstrang übernimmt. Allerdings steht zu befürchten, daß der cineastische Schatz der „small”-Bang-Theorie nach dem Oak Island-Modell gehoben wird, nämlich gar nicht.
Wegen der „Spannung”, die die oben genannte Folge von TsBT vermittelte, kann man über die Idee zu diesem Serienvorlauf vielleicht Folgendes sagen: Es war ein gähnialer Einfall.

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entschuldigen

Gestern stolperte ich bei Tristan Rosenkranz über die interessante Frage: »Warum ist eine Entschuldigung für viele Menschen so eine enorme Hürde?«
Einen Schnellschußkommentar mochte ich gestern nicht hinpinseln, lieber einmal die Fragestellung überschlafen. Und es ist, so scheint’s zumindest, gelungen. In wort­spielerischer Art könnte man antworten: Den Menschen fehlt das Entschuldi·Gen.
Ganz im ernst, keiner Banane fiele es ein, sich für ein Fehlverhalten zu entschuldigen. Und Bananen haben etwa zu 15 % ähnliche Gene wie die Menschen (Quelle: focus). Zugegeben, das ist nicht sonderlich viel, aber auch Hefepilze (30 - 50 %) entschuldigen sich für nichts.
Selbst bei „rudelnden” Tieren ist das Entschuldigen biologisch nicht vorgesehen. Wenn ein Einzeltier seine Aufgabe im Rudel (in der Herde, im Schwarm oder sonstwo) erfüllt, ist es gut. Falls nicht, verliert das Tier soziales Status (ggf. bis hin zum Verstoß). Rudelsysteme scheinen stabil zu sein, weil ein Einzelnes darin als Objekt agiert, nicht als [aktives] Subjekt. Wären sie nicht stabil bzw. stabil genug, gäbe es heute die aktuelle Form der Rudelsysteme längst nicht mehr.
Ist nicht um Entschuldigung zu bitten nicht vielleicht ein biologisches Erbe, das von ersten Lebensformen von vor rund einer Milliarden Jahre auf den Menschen überkommen ist? Seit der Erfindung des Selbstbewußtseins leistet sich der Mensch den Luxus(!), gezielt seinen Platz in der Sozialstruktur zu gestalten, indem er den anderen im Rudel Erwartungen, seine Person und Sozialkompetenzen betreffend, injiziert. Nackte Existenzangst macht den formalen Akt des Sich-Entschuldigens einfacher. Da eine solche in unserer modernen Gesellschaft recht selten vorkommt, ist Entschuldigen ein ausgesprochen rares Anliegen, nicht wahr?

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längst nicht bereit

Es gibt Meldungen aus der Computerwelt, die mir runtergehen wie Öl: »Massive Lücke in Intel-CPUs [und nicht nur dort] erfordert umfassende Patches« (Quelle: heise Securities). Woher dieser Sarkasmus?! Nun, ganz einfach. Es gibt in dieser Sammlung meiner Gedankensplitter mehrere Artikel, so beispielsweise auch diesen (siehe letzten Absatz), die meine tiefsitzende Skepsis an der aktuellen Hals-über-Kopf-Digitalisierung artikulieren…

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eine Notlösung als Notlösung

Wenn ich den Zeitarbeits-Recruiter richtig verstanden habe, gibt es beim aktuellen Auftraggeber personellen Notstand der heftigsten Art. Wirtschaftlicher Sparzwang hat die Personaldecke extrem ausgedünnt, ein offenkundig (hm, naja, wie soll ich sagen) atypischer Führungsstil trug ein weiteres Scherflein bei.
Nun ruhen alle Hoffnungen auf einer Notlösung, die darin bestehen soll, daß die mittelfristige Risikoplanung durch einen Zeitarbeiter durchgeführt und verantwortet(!) werden soll, während der bislang verantwortliche Referent schnell mal die Flatter macht.
Ist doch nicht so tragisch! Da ist doch eine gepflegte Übergabe vorgesehen, oder nicht?
Ganz genau: oder nicht. Hätte Karl Eduard ein solches Geschäftsverhalten auch nur ansatzweise skizziert, niemand, wirklich niemand hätte ihm Glauben geschenkt…

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