Buchkritik 1.1

Ohne jeden Zweifel bin ich selbst schuld: Ich hatte mir seinerzeit schon das Buch „Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?“ von R. D. Precht angetan und fand’s unmöglich; oberflächlich, tendenziös und mit weit mehr Inhalt in den Randglossen als im eigentlichen Text.
Dann habe ich ein weiteres Buch „geschossen“ (jaja, der Trend zum Zweitbuch verfestigt sich in diesem Jahr wohl wieder), das mit seinem Titel um Mitnahme (vielleicht sogar ums Lesen) bettelte:„Die Kunst, kein Egoist zu sein“. Erst zu Hause realisierte ich, daß es ja der bekannte Autor meiner persönlichen Pfui-Liste ist.
Nun ja, obwohl es keine schlechten Bücher gibt, ist es noch längst kein gutes. D. h. für Herrn Precht ist es wohl ein gutes Buch, zumindest sichert es ihm Tantiemen. Wonach werden diese eigentlich berechnet? Nach der Anzahl der gedruckten Zeichen? Nach der Zahl der besudelten Seiten? Nach der Zahl der publizierten Gedanken wohl eher nicht – ein oder womöglich zwei prechtige Ideen kommen als mühsam zusammengeknittelte Bonmots daher, der Rest ist seitenlanges Wortgeplätschere der langweiligen Art.
Dabei böte das Konzept – ein Philosoph schreibt in populärer Form – eine Reihe von Möglichkeiten. Leider hat der Philosoph sie weitgehend ungenutzt gelassen. Ach ja, Philosoph – Freund der Wissenschaft/Weisheit. Wenn es doch nur an dem wäre! Wissenschaft besteht nur zu einem, einem geringen Teil aus dem, was in ihren Lehrbüchern zu lesen ist. Ein zumindest ebenso wichtiger Aspekt ist aber auch die klare Abgrenzung, die Bewußtmachung von Gültigkeitsgrenzen. So sollte es zumindest sein.
So ist es aber nicht bei Herrn Precht. Jener hat so gar keine Skrupel, in einem Kapitel „herauszuarbeiten“, daß es absolute Moralkonzepte nicht geben kann, um im nächsten Kapitel ein absolutes Moralkonzept zu unterstellen, das als Grundlage eines munteren Suggestions-„Beweises“ für seine Lesermanipulation herhalten muß…

siehe auch: Buchkritik 1.2 und Buchkritik 1.3

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Über ausgesucht

…desillusioniert
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11 Antworten zu Buchkritik 1.1

  1. april schreibt:

    Und mir gefiel der Titel mit den ‚vielen‘ so gut; gelesen habe ich es nicht, nur seine Autobiografie über seine Kindheit, die ich ein bisschen langweilig fand und irgendso ein Buch über die Liebe, das ich wieder weggelegt und weggegeben habe (auch langweilig).
    ‚Die Kunst, ein Egoist zu sein‘ von Kirschner hat mir besser gefallen, dieses uralte Buch. Daran ist Prechts Titel wohl angelehnt.

  2. doro schreibt:

    Hatte das Buch mal – nach einigen Seiten kam ich zu einem ähnlichen Ergebnis und schaffte es noch, es bei ebay loszuwerden – noch gibt es ja Käufer…

    • ausgesucht schreibt:

      … und da waren es schon zwei 😉
      Ich kann mein Exemplar kaum noch jemandem anbieten, der Rand ist mit Notizen vollgekrakelt – mein Fehler! 😦

  3. yuppidu schreibt:

    Ach wo, das sollte den Wert eigentlich steigern! Mehr Inhalt = Mehrwert 😉

    • ausgesucht schreibt:

      Nicht ganz! Diese Schrift (ich nenn’s mal so), einmal aus der Feder geflossen, kann niemand mehr lesen, auch ich nicht 😯 (das ist so ähnlich wie der „Goldene Topf“ von E.T.A. Hoffmann – die Geheimschrift war ja auch nur kopierbar, wenn man unter dem richtigen Zauber stand…)

  4. yuppidu schreibt:

    Ein Hauch von Mystik auch noch, da kannst du dich schon jetzt freuen, denn da gehen die Preise ab – unvorstellbar! 😉

  5. yuppidu schreibt:

    Ich lasse dich mal allein mit deinem Stift und wünsche dir eine erfolgreiche Versteigerung … 😉

  6. Marcel Schönefeld schreibt:

    Innerhalb einiger Schriften von Erich Fromm oder auch Arno Gruen wird das Thema Egosimus aus einer psychoanalytischen Perspektive erfasst. Ich hab Precht nicht gelesen aber vielleicht treffen einige andere Autoren das Thema ebenso gut, wenn nicht sogar hilfreicher.
    Grüße und vielleicht sieht man sich hier: http://sinnbehaftetegesundheit.wordpress.com/

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