Buch 2 – Fremder in einer…

Glücklicherweise gibt es Menschen, die Büchern gegenüber einen beinahe überproportional zu nennenden Respekt haben. Auf diese Weise habe ich von einem Kollegen ein Büchlein „geerbt“. Vielen Dank, Kristian. Ich weiß gar nicht, ob er es nicht in seinem Bestand behalten wollte, weil es zu einer weihnachtlichen Geschenkdoppelung gekommen oder weil das Genre partout nicht mit seinen Lesegewohnheiten vereinbar war, jedenfalls wollte er es loswerden und scheute den ebay-way…
Würde ich an Zufall glauben, müßte ich dieses Buchgeschenk für einen sensationellen Zufall halten. Schließlich offerierte mein Kollege mir ein Buch von einem Autoren, von dem ich genau eine Textzeile kenne: „Der Mensch ist kein rationales, sondern ein rationalisierendes Wesen“ (Robert A. Heinlein). Und dieses Wort war und ist in meinen Augen einer der klügsten Sätze, die jemals gesprochen wurden. Aber ich glaube nicht an Zufälle. Zumindest nicht in dem Sinn, wie ihm fundamentale Bedeutung in einer sehr speziellen Wissenschaft aufgebürdet wird. Aber das ist ein ganz anderes Thema.
Mein Kollege überließ mir das Buch Fremder in einer fremden Welt von Robert A. Heinlein. Letztlich eine Robinsonade, die vor ca. 50 Jahren erdacht wurde – unbedingt lesenswert. Mir fehlen die Worte, das Werk gebührend zu würdigen. So mag es für sich sprechen. Hier einige beispielhafte Textstellen:

  • »Der Zufall [sic! siehe oben] war keine ausreichende Erklärung für das Universum – der Zufall ließ sich nicht mit dem Zufall erklären.«
  • »… seit man Doktortitel für vergleichende Volkstänze und fortgeschrittenes Angeln mit Fliegen vergibt, bin ich zu verdammt stolz, den Titel zu benutzen. Ich rühre keinen verwässerten Whisky an, und ich lege keine Wert auf einen verwässerten Grad.« [wohlgemerkt: 50 Jahre vor Guttenberg]
  • »Die meisten Menschen waren Kandidaten für eine Entmündigung.«
  • »Alle waren, wie es stets der Fall ist, mit dieser Merkwürdigkeit einer verzerrten Entropie infiziert, die man Leben nennt.«
  • »(Er) besaß die überhebliche Demut eines Menschen, der so viel gelernt hat, dass er sich seiner eigenen Unwissenheit bewussst ist.«
  • »Demokratie ist ein armseliges System. Das Einzige, was man zu seinen Gunsten anführen kann, ist, dass es achtmal so gut ist wie jede andere Methode. Sein schlimmster Fehler ist, dass seine Führer das Niveau ihrer Wähler besitzen. Das ist ein niedriges Niveau, aber was kann man anderes erwarten?«
  • »Aber Kunst ist der Prozess des Erweckens von Mitleid und Entsetzen. Das ist nicht abstrakt sondern menschlich. Was moderne Künstler tun, ist pseudointellektuelles Masturbieren… Sie möchten sich lieber darüber lustig machen, dass wir unfähig sind zu erkennen, was sie aussagen wollen. Falls sie etwas aussagen wollen.«
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Über ausgesucht

…desillusioniert
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3 Antworten zu Buch 2 – Fremder in einer…

  1. Chantao schreibt:

    Und da ich ja überall meinen Senf zugeben muss 😉 Heinlein gefiel mir stets, weil er SF so schilderte, als sei es Alltag. „Der Mann, der den Mond verkauft (1949 the Man who sold the Moon)“ fällt mir dazu jetzt ein, echt gut dargestellt mit seinen Medienkonzepten, da könnte sich manch ein aktueller Marketingexperte scheibenweise von abschneiden, da ist nichts science-fiction-hochhinaus dran, sondern alles kommt total realistisch rüber. Und in dem Zusammenhang kann ich auch noch Douglas Adams zitieren mit seinem Anhalter durch die Galaxis, der auch alltagstauglich ist und zudem noch selbstkritsch-humorvoll rüberkommt. So ist ja doch auch der alltägliche Alltag mit seinem Wahnsinn heutzutage nur humorvoll zu ertragen. Heinlein, das ist echte Klassik selbst nach 66 Jahren.

  2. Pingback: Rational – isierung | Dumme Fragen

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