Sonn-entbrannt

Lichtschutzfaktor 50+

Sommer, Strand und Sonnenschein – schnell die Sachen gepackt, um ein paar Pigmente zu haschen. Nichts vergessen: Buch, Wasservorrat, Sonnencreme? Dann kann es ja losgehen. Moment! Wozu denn Sonnencreme? Dann doch lieber einen Kurzzeitwecker!
Es klingt zugegebenermaßen ein klein wenig absurd, statt der Sonnencreme einen Kurzzeitwecker zum Sonnen mitzunehmen, ist aber durchaus sinnvoll. Jedenfalls wenn man bereit ist, sich aus den Klauen und Fallstricken der Werbeversprechen zu lösen.
Es gab zu noch keiner Zeit Sonnencremes mit Lichtschutzfaktoren über fünfzig. Wobei ich mich korrigieren muß: vor wenigen Minuten habe ich gegoogelt, daß es wohl eine Verordnung gibt, daß für keinen Sonnenschutz etwa „LSF 80″ deklariert werden darf. Aus diesem Grunde sind derartige Produkte allesamt unter der Rubrik „LSF 50+“ zu finden. Es gab also, um den Gedanken fortzusetzen, noch nie derartig hohe Lichtschutzfaktoren wie heutzutage. Andererseits gab es aber auch noch nie so viel Hautkrebs, der eindeutig vom Sonnenbaden hervorgerufen wurde. Heißt das nun, daß die Kosmetikindustrie sich sputen muß, um uns endlich mit den erforderlichen Schutzcremes auszustatten? Oder heißt es vielleicht das ganze Gegenteil? Was spricht eigentlich gegen folgende Vermutung: Sonnencremes stellen ein beachtenswertes Gesundheitsrisiko dar. Das Risiko für sonnenbad-induzierten Hautkrebs ist mit dem Lichtschutzfaktor positiv korreliert (und nicht etwa – wie uns die Werbung glauben machen will – negativ, also: um das Hautkrebsrisiko zu mindern, soll ja ein möglichst hoher LSF angewandt werden).
Hier ist nicht der Ort, um alle Einflußfaktoren gebührend zu würdigen. Zum Beispiel hängt das Anwachsen der Zahl der Hautkrebserkrankungen auch damit signifikant zusammen, daß zum einen deutlich mehr Freizeit zum Sonnenbaden zur Verfügung steht und daß zum anderen deutlich mehr Möglichkeiten zum Intensivieren der Sonnenbäder (Karibikurlaub, Solarien etc.) genutzt werden. Es wäre sicherlich ein größerer Aufwand, eine solide Statistik zu diesem Themenkreis zu erstellen. Aber vielleicht lohnt sich dieser Aufwand, wenn die potentiellen Folgen in Relation gesetzt werden zu den zugrundeliegenden Wirkmechanismen.
Für den Menschen ist Sonnenbaden von essentieller Wichtigkeit. Ohne Sonne, speziell UV-Licht, kann der Organismus kein Vitamin D erzeugen. Sich zu sonnen ist Pflicht. Aber warum muß die dafür erforderliche Zeit (wenige Minuten(!) pro Tag) künstlich verlängert werden? Haben wir wirklich Klarheit darüber, welchen Schaden die Haut nimmt, wenn sie für lange Zeit überhitzt wird? Stundenlang, weil der Lichtschutzfaktor es hergibt. Haben wir Klarheit darüber, wie eine Haut reagiert, wenn ihre normalen Funktionen durch Fette und wohlriechende Ester aus der Sonnencreme blockiert werden? Stundenlang, und chemisch forciert durch UV- und IR-Licht. Haben wir wirklich Klarheit darüber, welchen Schutz von UV-Licht wir nach dem Eincremen tatsächlich effektiv haben? Die 50 ist nur eine Zahl auf der Creme-Tube, die unter idealen Laborbedingungen ausgewürfelt und als unter akquisitorischen Gesichtspunkten angemessen deklariert wurde.
Über all diese Zusammenhänge machen wir uns normalerweise keine Gedanken; es zählt nur die sportliche Bräune. Aber diese hängt von der UV-Dosis (und natürlich vom individuellen Hauttyp) ab. Kurzes Sonnenbaden mit geringen Lichtschutzfaktoren bewirkt die gleiche UV-Dosis wie langes Sonnenbaden mit hohem Lichtschutzfaktor. Aber langes Sonnenbaden erhöht zusätzlich das Risiko durch andere Belastungen, deren Wirkung und Ausmaß wir gar nicht kennen bzw. abschätzen können/wollen. Um die Zusatzrisiken (neben der UV-Belastung) zu minimieren, sollten diese Risikofaktoren nur möglichst kurz einwirken können. Unter Risikogesichtspunkten ist ein möglichst geringer Lichtschutzfaktor sinnvoll, wo möglich: LSF null – also keine Sonnencreme.
Wir sollten Sonnencreme nicht benutzen, um möglichst lange brutzeln zu können, sondern sie danach auswählen, was uns ein zwingend erforderlicher Aufenthalt (deshalb der eingangs erwähnte Kurzzeitwecker) im Sonnenlicht an Schutz(!) abverlangt.

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3 Antworten zu Sonn-entbrannt

  1. yuppidu schreibt:

    Wo bleibt der Spaß des Eincremens …? Ganz ehrlich, das alles wollte ich über das Sonnenbaden gar nicht wissen …. Pigmente, … abverlangt, zwingend, LSF, Risikogesichtspunkt, Hautkrebs, UV-Dosis, andere Belastungen, Schaden durch Überhitzung, sonnenbad-induzierter Hautkrebs, … Was mir gefallen würde: Sommer, Sonne, Vergnügen, Spaß, diese Dinger, die mehr zeigen als sie verdecken, entspannte Menschen, Gelati, Pizza, … Diese klobigen Begriffe von vorhin habe ich bereits vergessen und freue mich auf Sommer, Sonne und Glücksgefühl! 😉

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