Leerverkäufe

Die Börsenaufsichten einiger europäischer Länder haben für ein paar Wochen Leerverkäufe bei Aktien verboten. Sie wollen damit dem rasanten Kursverfall an den Börsen entgegenwirken.
Ein Wunder! In diesem Jahr regnet es offenbar nicht nur Unmengen von Regentropfen, sondern auch endlos Hirn vom Himmel! Wie unglaublich weise ist doch das Verbot von Leerverkäufen!? Fast so weise wie die Entscheidung, der seinerzeit im Land Brandenburg reihenweise Alleebäume zum Opfer fielen, die gefällt wurden, weil es immer wieder zu Unfällen kam, weil man mit Autos nicht umzugehen vermochte. Jetzt also werden Leerverkäufe verboten, weil es möglich ist, in Situationen fallender Kurse Gewinn zu machen. Allerdings wird der kausale Zusammenhang von offizieller Seite ein kleinwenig anders dargestellt: Um Gewinne zu machen, werden Kurse irgendwie manipuliert, also muß der Anreiz für Aktientransaktionen, die in fallenden Märkten Gewinn machen (sprich: Leerverkäufe), eliminiert werden.
Sicher doch! Wenn heutzutage, also vor dem Verbot von Leerverkäufen, an der Börse Aktien gehandelt werden, radelt ein Fahrradkurier mit einer Tasche voller Geldes zu dem, der die Aktien besitzt, empfängt dort die Aktienscheine im Austausch mit dem Geld und radelt dann umgehend zum anderen Partner des Aktien-Deals zurück, um ihm die Aktien auszuhändigen.
So jedenfalls funktionieren Ammenmärchen. Der Wahrheit ist man deutlich dichter auf den Fersen, wenn man davon ausgeht, daß alle(!) Transaktionen mit Aktien lediglich ein Umbuchen von ein paar Bytes auf mehreren Rechnern sind, jedenfalls keine physische Übergabe von Wertpapieren. Alle Aktien-Deals sind Leerverkäufe, nicht nur die, die diesen Handelstyp im Namen führen, weil verkauft wird, was man nicht physisch besitzt. Der Unterschied liegt lediglich in der Zeitspanne. Aber angenommen, der Börsenaufsicht gelänge es, einen konsensfähigen Zeitraum festzulegen, der computerbasierten Handel von „echten“ Leerverkäufen unterscheidet, wie sollte die Einhaltung wohl überprüft werden? Wo kein Kläger, da kein Richter. Möchte die Börsenaufsicht von jeder Transaktion informiert werden? An allen Börsenplätzen (und alle meint hier wirklich alle, weltweit), mit allen Aktien, allen auf Aktien basierenden Wertpapieren, allen Börsenticks? Und auch an allen Internetportalen? Viel Spaß bei der Bewältigung dieser Datenmenge! Auf technischer Ebene eine Herausforderung, auf rechtlicher zu 100% anfechtbar.
So langsam dämmert die Erkenntnis, daß das Verbot von Leerverkäufen vielleicht doch nicht den Stein der Weisen darstellt, eher den Hirnstein der Greisen

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Über ausgesucht

…desillusioniert
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2 Antworten zu Leerverkäufe

  1. yuppidu schreibt:

    Meine Börse ist leer! Nur mal angenommen, ich tätige einen Einkauf, darf ich den dann als Leerverkauf …? Nicht? Aha, die Börsenaufsicht, Kontrolle – weltweit, klar .. .Muss ja nicht sein, war nur so eine Frage. Wenn ich in der Kneipe anschreibe, Börse leer wie gehabt …, geht jetzt auch nicht mehr? Sag mal ticken diese greisen Steine noch richtig? Nicht mit mir, so nicht! eines sage ich euch, wenn ihr mir unter die Finger kommt … psss, Sysdanamos .. aha .. Gut, ich wollte nur sagen, dass ich den Stein der Weisen auch nicht habe und für alle ein Bier ausgebe. Alle, her mit euch, ihr greisen Säcke, wegen so einem Stein, lassen wir uns doch die Laune nicht verderben und meine Börse könnt ihr nehmen – oder auch nicht! Aber lasst mich nur mit den beschi … Leerverkäufen in Ruhe, mir reicht’s! ;-(

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