verdrängtes Seelenvakuum

Gestern früh, ich hatte ergiebig ausgeschlafen, hatte entspannt ein paar Zeilen gelesen (ISBN 978-3-423-24880-8) , hatte leckeren Tee und ein fruchtiges Müsli „verinnerlicht“, hatte Nachrichten im Radio gehört und auf WP „kommentiert“, war ich auf angenehme Weise gelöst, als ich mich auf den Weg zum Wochenendeinkauf machte. Meine Gedanken tollten wie junge Hunde um mich herum. Sie eilten mir weit voraus, quasi um schon einmal die Auslage zu inspizieren, um dann wieder trödelnd hinter mir herzudackeln, als würden sie sich von den spannenden Sachen zu Hause gar nicht losreißen können. Plötzlich tauchte in dieser bunt jagenden Meute ein neuer Gedanke auf, der mich prompt auch gleich umwarf, jedenfalls beinahe: ›Es war gut, nachdem die Zeichen wahrlich nicht mehr zu übersehen waren, sich von B zu trennen. Ich fühle mich (hic & nunc) richtig wohl, mir fehlt nichts. Jedenfalls nichts, das ich nicht gleich kaufen können würde, und B ist ganz sicher nicht dabei.‹
Und schon hatte ich mich beim Selbstbetrug erwischt. Wenn mir B meilenweit „am Ar… vorbei“ gehen würde, warum drängelt sich dann dieser Gedanke erst in mein Unterbewußtsein, um dann mit schmerzhafter Präsenz nicht nur ins Bewußtsein zu wandern, sondern dort auch noch alle anderen Gedanken ins Exil zu verbannen? Und warum blieb, als ich den Gedanken an B erfolgreich vertrieben hatte, plötzlich dieses laut schmatzende Seelenvakuum zurück? …

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Über ausgesucht

…desillusioniert
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18 Antworten zu verdrängtes Seelenvakuum

  1. labaera schreibt:

    Genau, geht mir genauso.Du hast mir aus der Seele geschrieben, ich liebe Deinen Stil!

  2. labaera schreibt:

    Nein, Du schreibst wirklich gut. Absolut ungewöhnlich, schreib ein Buch!

  3. Gertje aka Inch schreibt:

    Nun, das mit dem Seelenvakuum ist natürlich blöd, wird aber vergehen. Und dass sich B. immer mal ins Unterbewusstsein und dann ins Bewusstsein schleicht, damit musst Du leben lernen. So wie auch andere Erfahrungen und Erinnerungen in Dir sind und immer mal hochgespült werden durch einen bestimmten Geruch, eine Farbe, einen Geschmack, ein Bild oder eine Situation.

  4. oriondelmar schreibt:

    Dieses Seelenvakuum ist das wohl Ergebnis der Unzulänglichkeit der Vernunft, mit Schmerz umzugehen. Jedenfalls wird es sich nach und nach füllen, mit neuen Erinnerungen und Gefühlen. Beschleunigt wird dieser Prozess mit Akzeptanz, denke ich. Es gibt dafür wahrscheinlich keinen guten Rat oder Ähnliches, aber es wird gut tun, dieses Vakuum zunächst als Teil des eigenen Lebens und sich selbst anzuerkennen. Hilfreich könnte der Gedanke sein, dass es unvermeidlich ist, ein solches Loch mit sich herumzutragen. Mir selbst hilft es, mich daran zu erinnern, dass ich es teilweise selbst in der Hand habe, womit sich das Loch füllt. Somit wird aus Hilflosigkeit eine Art Macht, deren Ausübung das Leben schlicht erträglicher machen kann.

    Orion

    • sinnsucht schreibt:

      Danke, Orion, für Deine Worte. Aber ich muß widersprechen: Zum einen glaube ich nicht, daß es sich um eine Unzulänglichkeit der Vernunft handelt (eher das Gegenteil, da man offenbar wider alle Vernunft durch Abwege(?!) in eine sonderbare Situation gekommen ist, meldet sich die Vernunft als eine Art „Wegbegleiter aus der Misere“ immer mal wieder zu Wort). Zum anderen ist diese „Wortmeldung“ aber so dominant, daß sie gern einmal alle anderen Gedanken verdrängt, wodurch gerade verhindert wird, sich ablenkenderweise in andere Themenkreise zu vertiefen.

  5. yuppidu schreibt:

    Jetzt mal ganz unter uns, der einzige von dem wir mit Sicherheit wissen, dass er eine hat/hatte, das ist der Fußball und nicht einmal die schmatzt. Ärgerlich, eine Seele mit schlechten Tischmarnieren! Da stehen ein paar läppische Zahlen und etwas von Lesen und ein paar Zeilen – könnte die Leere daher stammen? Und – deine „Hunde“ gehören an die Leine, auch so eine Unart, die immer unangenehmere Formen annimmt, da darfst du dich dann nicht wundern, wenn die „Hunderln“ dir auch noch eine Seele reindrücken und sie zur Feier des Tages laut schmatzen lassen! 😉

  6. Chantao schreibt:

    Und warum blieb, als ich den Gedanken an B erfolgreich vertrieben hatte, plötzlich dieses laut schmatzende Seelenvakuum zurück? …

    Wenn du an Dingen nicht hängst, wird die treibende Welt vergehen.
    Nichts bleibt übrig, leeres Nichts ? das heißt: ein lebender
    Buddha.

    Bankei

    • ausgesucht schreibt:

      Nein, wir hatten dieses Thema schon öfter, ich stehe viel zu sehr im Leben, um ernsthaft nach (einem) Buddha suchen zu wollen…

      • Chantao schreibt:

        Man braucht den Buddha auch nicht zu suchen, denn es wird oft verwechselt, dass das Wort Buddha eine längst verstorbene Person sei, dabei ist es eigentlich eine oft versteckte Dimension des Lebens. Der Person des Buddhas wird oft in den Mund gelegt, dass er solcherlei auch selbst gesagt hätte.

        Eigentlich ist es doch so: Irgendwann ist unsere Welt, wie wir sie zu kennen meinen entstanden, irgendwann ging der Mensch aufrecht, aber, wie alles in der Natur gleich den Blättern am Baum wird geboren und zerfällt wieder, ob man nun etwas sucht oder sich das Leben leichter macht. Das ist es eigentlich, was die „alten Meister“ stets in ihre Parabeln gefasst haben, damit die Spekulations-Menschlein etwas hatten, woran sie geistig rumkauen konnten, und die „alten Meister“ hatten dadurch auch etwas zu beißen, verbreiten von Lehrmeinungen als Broterwerb, heutzutage schreiben dann Leute Bücher darüber, um schnell mit „Esoterik“ reich zu werden. Jedoch, die Welt, wie sie ist, die ist einfach da, ob sie mir nun einer erklärt oder nicht. Und das ist eine schöne Überleitung zu altersgerechte Geschwindigkeiten, denn im Alter nimmt man es dann doch nicht alles mehr so wichtig, Gott, Buddha, die Welt an sich, denn bald fält das Blatt vom Baume mit 60 Lenzen 😉 Selbst Lantagswahlen März 16 oder Asylpaket II, alles alberner Kasparkram, wenn ich ehrlich bin, aus meiner Sicht.

        • ausgesucht schreibt:

          Das mit den Parabeln sehe ich anders: Wo ich verschleiern will (etwa weil kein klarer, überzeugender Gedanke verfügbar ist), rede ich metaphorisch. So einfach ist das. 😉

          • Chantao schreibt:

            ja, Ausgesucht, das ist ein Totschlag-Argument 😉

            • ausgesucht schreibt:

              Au contraire! Das ist kein Totschlagargument, sondern Methode. Das Wort ‚Totschlagargument‘ wird doch meistens nur dann bemüht, wenn der „wortführenden Partei” keine Argumente mehr einfallen, nicht wahr? 😉

              • rainerfauth schreibt:

                Na, es sollte nur zum Ausdruck bringen, dass mir dazu keine „Wiederworte“ mehr einfallen, obwohl im Hinterkopf schon feststand, dass die Wortwahl nicht ganz angemessen war. Leider fiel mir nichts anderes ein 😦 Methode, nun ich nenne es in mir Gedanken-Muster. Wird in der Zen-„Literatur“ oft beschrieben, dass der Denker und die Gedanken eins seien, so sehe ich das nicht so. Ich habe mich zwar viel mit dieser Art von „Philosophie“ auseinander gesetzt, aber meine Denke geht dahin, dass derlei Lebenseinstellungen auch nur einfache Gedankengebäude von Menschen sind, die versuchen, das sogenannte Mysterium menschliches oder alles Lebens zu erklären.

                Prinzipiell bin ich allerdings auch mehr Methodiker und suche die Essenz der Philosophien und Lebensanschauungen zu entdecken. „Gewahrsein – Denken – Gedanken“ und nicht der Denker und die Gedanken sind eins, denn alleine das trennende UND zeigt doch schon an, dass etwas vielleicht eine Summe bildet aber dennoch aus einzelnen Aspekten besteht, und wenn ich jetzt zenisch ( 😉 zynisch) aus allem eine Suppe mache, dann gestalte ich es mir sehr einfach und lebensfern, lebensunpraktisch. Kann man vielleicht so halten, wenn man jenseits der 80 Lenzen steht und auf die Abreise wartet. 😉

              • ausgesucht schreibt:

                Jenseits der 80? Respekt! 😎

                Übrigens finde ich Deine Einstellung sehr erfrischend: „meine Denke geht dahin, dass derlei Lebenseinstellungen auch nur einfache Gedankengebäude von Menschen sind, die versuchen, das sogenannte Mysterium menschliches oder alles Lebens zu erklären”. Jeder Mensch muß schließlich sein Leben leben, und er rüstet sich durch seine Weltanschauung. Kann es denn bequem sein, in den weltanschaulichen Schuhen anderer durchs Leben schleichen oder stöckeln zu wollen? 😉

  7. Wenn Mich ein Impuls der Selbstliebe denkend erfasst
    und Mein Gefühl Ihn begrüßt bejaht
    Und Ich Ihn verdränge weil Ich glaube
    Lüge gehöre zum Überleben
    Und Menschen wollen eher belogen
    Als wahrhaftig angesprochen angschaut sein
    Dann schrumpft Meine Seele
    Auf ein Vakuum wie das Kaninchen
    Welches Sich im Fuchsbau
    Vor Meister Reineke verstecken will

    Geschichtlich ist das während der
    Ära des Nationalsozialismus geschehn
    Die Volkseele hat Goethe Herder Hölderlin
    Kaspar Hauser Und Schiller als Büchermumien
    Zur Wohnstubenzierde verkommen lassen
    Dann kam ein Etwas das dieses Vakuum flutete
    Der Fuchs kam nach Hause
    Wenn es Uns gelingt
    Dem namenlosen Grauen
    Einen Seinen Namen zu geben
    Ist Es gebannt
    Nichts verabschiedet Sich grußlos
    Aus der Geschichte die Spuren
    sind schon in der Zufunft zu lesen
    Wiederholt Sich bis

    • ausgesucht schreibt:

      … da bin ich weniger optimistisch: „homo homini lupus est”; da der Mensch des Menschen Wolf ist, wird er immer mit größtem Nachdruck und kreativstem Eifer Worthülsen suchen und finden und, wo nicht, geistvoll konstruieren, um „die anderen!” mit verbaler Moralkeule niederzustrecken oder wenigstens in Mißkredit zu bringen.

  8. ..dann sei verzagt
    Der Mensch ist des Menschen Bruder und der Hund jenes schwanzwedelnde Freudengetier
    stammt vom Wolfe ab Ich sehe die Kräfte hinter den Menschen denn vollbewusst „Böse“ ist keiner
    von Uns wirklich und bei vollem Bewusstsein
    „Teile und herrsche“ ist das Erfolgsprogramm
    In Deinem Abgesang ist weder ein „ich “ noch ein „Du“
    Mir ist das unheimlich und in dieser Stimmung führe Ich keine weitere unerquickliche
    Konveration mit direkt indirekter Ablehnung und Abwertung
    Mein Gastspiel ist zuende
    danke bis hierher an die Wand
    ein Türchen seh Ich nicht
    drum Er verschwand

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