Bonings Feuchtgebiet

Am Wochenende stellte W. Boning in seiner „Clever!“-Sendung die Frage: »Was wiegt mehr, 10 l trockener oder 10 l feuchter Sand?«
Und er zeigte anschaulich, daß der trockene Sand schwerer als derjenige ist, der noch nicht ganz trocken hinter den Ohren ist. Das klingt durchaus plausibel, da ein Stoffgemisch, bei dem ein Teil des Sandes durch vergleichsweise leichteres Wasser ersetzt ist, freilich weniger Masse auf die Waage bringt. Eine Lösung, die man sich getrost merken sollte. Aber erst, nachdem man sich ein wenig umgeschaut hat.
Das Experiment, das im folgenden als Gedankenexperiment abläuft, kann jeder nach Belieben mit Mitteln praktisch nachvollziehen, die jeder 08/15-Haushalt bietet. Auf einer Waage stehen zwei Behälter, die auf völlig gleiche Weise mit jeweils 10 l trockenen Sandes gefüllt sind. Da auf beiden Seiten der Waage die gleichen Verhältnisse vorliegen, ist die Waage im Gleichgewicht. Nun gießt man in einen der beiden Behälter vorsichtig den Inhalt eines Wasserglases (sagen wir 100 g Wasser). Das Volumen des Sandes wird sich dabei nicht vergrößern, eher im Gegenteil verkleinern. Das liegt daran, weil das einströmende Wasser die unregelmäßigen Sandkörner neu, nämlich kompakter, sortiert (jede Hausfrau kennt den Eingießtrichter beim Blumengießen). Nach dem Ausgießen des Wassers befinden sich 100 g mehr Masse bei mindestens gleichem Volumen auf einer Waagschale. Das Wasser hat nicht nur die Masse erhöht, sondern auch den Zustand „feuchter Sand“ herbeigeführt: 10 l feuchter Sand sind schwerer als 10 l trockener Sand.
Was ist das? Das entgegengesetzte Ergebnis zum Boningschen Experimentierresultat?! Und wer hat nun recht? Das hängt von den Umständen ab. Die sind nämlich nicht vergleichbar. Während beim Gedankenexperiment leichte Luft, die sich zwischen Sandkörnern befindet, durch Wasser verdrängt wird (was die Masse erhöht), verwendet Boning feuchten Sand, der sich auf einer Halde befindet, von wo er ihn in einen Behälter schaufelt. Sein Resultat ergibt sich aus der „Schüttdichte“ des feuchten Sandes…
Merke: Eine Aussage ist wertlos, wenn ihre Gültigkeitsgrenzen unbekannt sind. Und jetzt suche ich nach einem Gedankenexperiment, um den letzten Satz auf die politische Ebene zu wuchten. ^_^

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Über ausgesucht

…desillusioniert
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3 Antworten zu Bonings Feuchtgebiet

  1. hagebuddenbrooks schreibt:

    Faszinierend. Und beide Antworten (bzw. Begründungen) klingen absolut logisch. Wirklich faszinierend…

  2. immerweiter schreibt:

    wow

  3. Timo schreibt:

    Auf meinem Iphone sieht dein Blog irgendwie komisch aus.

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