Reinkarnation?!

ISBN 978-3-596-17218-4

Es gibt Bücher, bei denen an einer bestimmten Stelle die innere Vorlesestimme mit ebenso unerschütterlicher wie frohgemuter Überzeugung verkündet: ›Ich weiß, wie es weitergeht; mir ist vollkommen klar, wie der Autor den Konflikt, von dem zu schreiben ihm beliebte, auflösen wird‹. Wobei mir nicht so ganz klar ist, ob der Autor ein typisches Verhaltensmuster gesehen, analysiert und literarisch verdichtet hat, oder ob eine literarische Phantasie lediglich oft genug gelesen wurde, daß sie sich mittlerweile als Stereotyp manifestiert hat (die alte ‚Ei-Huhn-Ei‘-Frage). Andere Bücher entsprechen unseren letztlich doch Vorurteilen in exakter Gegenrichtung: ›Das war mir doch gleich klar, daß das auch noch aufs Tapet gewuchtet werden würde‹.
Aber wie geht man mit einem Buch um, bei dem man nicht etwa in ein paar Buchseiten, sondern in einen Spiegel schaut? Kein Zerrspiegel, bei dem die Ähnlichkeit eher eine herbeigesehnte Interpretation ist, sondern ein hochwertiges Präzisionsinstrument, das auch das kleinste Detail wahrheitsgetreu widerspiegelt. Zugegeben, ich habe es noch längst nicht zu Ende gelesen. Aber was ich bisher las, macht es überflüssig, weitere Worte z.B. auf diesem Blog zu verlieren. Hier ein paar Kostproben (ich habe mir Verlinkungen auf Beiträge erlaubt, die ich verfaßte, ohne das ‚Buch der Unruhe‘ gekannt zu haben):

  • Was schon könnte man an Lohnenswertem oder Nützlichem bekennen? Was uns widerfahren ist, ist entweder allen widerfahren oder uns allein; in dem einen Fall ist es nichts Neues, im anderen unbegreiflich.
  • Was, im übrigen, kann ich von mir erwarten? Eine erschreckende Schärfe meiner Wahrnehmungen und das deutliche Bewußtsein zu fühlen … Einen scharfen Verstand, der mich zerstört.
  • Von den Hirngespinsten des Glaubens überzulaufen zu den Gespenstern der Vernunft ist nur ein Gefängnistausch.
  • Ja, meine heimliche Tugend, so oft wie möglich objektiv zu sein, kennt (…) Phasen des Niedergangs. Dann frage ich mich, wie ich es fertigbringe, weiterzuleben.
  • Fragt ihr mich, ob ich glücklich bin, so antworte ich: nein.
  • Die Irrlichter, die unsere Fäulnis erzeugt, sind zumindest Licht in unserer Finsternis.
  • Vergessen wir nicht, die Genießer zu hassen, weil sie genießen, und die Fröhlichen zu verachten, weil wir unfähig waren, fröhlich zu sein wie sie.
  • Ich bin wie einer, der blindlings sucht, nicht wissend wonach noch wo er es finden könnte.
  • Aber wird auch nur eine Seele ergriffen von meinen Worten?
  • Um mich zu unterhalten – denn nichts ist so unterhaltsam wie die Wissenschaft oder die Beschäftigung mit Dingen, die, ohne Zweck verfolgt, den Anschein von Wissenschaft erwecken –, beginne ich oftmals, mein Seelenleben peinlich genau daraufhin zu untersuchen, wie andere es wahrnehmen könnten. Hin und wieder erweist sich der Zeitvertreib, den mir diese zwecklose Taktik beschert, als traurig, mitunter als schmerzhaft.
    Ich versuche ganz allgemein, den Eindruck zu ergründen, den ich bei anderen hinterlasse, und ziehe daraus meine Schlüsse. Im allgemeinen bin ich jemand, dem andere zugeneigt sind, ja, sogar mit einem unbestimmten, sonderbaren Respekt. Lebhafte Zuneigung allerdings erwecke ich nicht. Niemand wird je von Herzen mein Freund sein. Deshalb können mich auch so viele respektieren.
  • Alle Probleme sind unlösbar. Das Vorhandensein eines Problems setzt das Nichtvorhandensein einer Lösung voraus.

Ich habe, peinlich genug es zugeben zu müssen, vergessen, wer mir das Buch empfahl, vermute allerdings, es war ein anderer WordPresser, den mein hiesiges Geschwafel an die literarische Vorlage erinnerte, die vor mittlerweile mehr als 80 Jahren in Lissabon lebte.

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Über ausgesucht

…desillusioniert
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