soziales Delegationspotential

Da es, wie unsere mehrtausendjährige Wissenschaftsgeschichte recht anschaulich  demonstriert, mit irgendwelchen Moralkonzepten kaum möglich ist, den Sinn des einzelnen Lebens halbwegs objektiv zu beschreiben, geht man mehr und mehr dazu über, persönliche Wohlfahrt als das entscheidende Charakteristikum anzusehen.
Allerdings gewinnt man durch diese Kategorie nicht sonderlich viel, denn auch sie muß auf geeignete Weise geeicht werden, um sie z.B. von Individuum zu Individuum vergleichbar zu machen. Zwar drängt sich förmlich auf, die allgemeine Wohlfahrt als Etalon zu etablieren, nur nähert man sich dabei der gewünschten Objektivität um keinen Schritt an: persönliche Unterschreitungen des allgemeinen Maßes können durchaus für den Einzelnen sinnvoll sein, weil für ihn Altruismus eine erstrebenswerte Maxime ist; andererseits kann eine Vielzahl egoistischer Überschreitungen das allgemeinen Maßes das Niveau der allgemeinen Wohlfahrt früher oder später anheben …

Es widerstrebt mir, die Leute danach zu beurteilen, was sie erträumen und erstreben. Nicht wissend, ob die Zukunftsvisionen realitätsnah oder weltfremd, zu klein oder zu groß, kindisch-naiv oder von tiefster Weisheit geprägt sind, kann der Einsatz der Mittel, die Visionen zu erreichen, nicht fair, schon gar nicht objektiv, sondern nur höchst subjektiv und in Vorurteilen bewertet werden. Da ich dennoch wissen möchte, welches Lebenskonzept (z.B. für mich) das erstrebenswertere ist, versuche ich das soziale Delegationspotential des jeweiligen Individuums abzuschätzen. Gemeint ist die Möglichkeit zum Netzwerken (am allerwenigsten jedoch das Quin­qui­lie­ren auf ‚Gesichtsbuch‘ & Co), also das Angebot wie auch die Fähigkeit und Bereitschaft, anderen im sozialen Netz Aufgaben zukommen zu lassen und derartige Anforderungen aus dem Netz zu übernehmen bzw. auszufiltern.
Robinson Crusoe hatte auf seiner Insel in der Zeit vor Freitag praktisch kein Delegationspotential – nicht erstrebenswert. Durch das Zusammentreffen mit Freitag verbesserte sich sein Delegationspotential, damit verbesserte sich zwar seine Lebensposition, allerdings kann man sich angenehmere Schicksale vorstellen.
Ein heutiger Zeitgenosse verfügt über deutlich mehr Delegationspotential: er braucht sein Mittagessen nicht selbst zu jagen, er kann Kartoffeln kaufen oder mit Gleichgesinnten in einer Selbstversorgerkommune anbauen, er kann für diffizile Aufgaben Fachleute heranziehen (Friseur, Schneider, Arzt, Auto-/Fahrradbauer, TV- und Kinoschauspieler, Sänger etc.). Die Einschränkung besteht durchaus darin, sich mancher „Fachleute” nicht erwehren zu können (Kanzler und Kabinett, GEZ und diverse UnsinnsSteuern, manche Verwandte, Kollegen, aber eben auch NSA etc.) …

Advertisements

Über ausgesucht

…desillusioniert
Dieser Beitrag wurde unter abstrakt, Erkennen abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

16 Antworten zu soziales Delegationspotential

  1. YDU schreibt:

    Nicht fein, der Schlenker bezüglich der NSA, wo sie doch nur das Beste für uns wollen, Dienstleister auf höchster Ebene sind und dafür bei jeder Gelegenheit runter gemacht werden. Ungerechte Welt, die gutgemeinte Leistungen bestausgebildeter Experten nicht einmal ansatzweise anerkennt, geschweige denn zu schätzen weiß. Immerhin haben sie der Kanzlerin eines europäischen Landes klar gemacht, dass die Sicherheitsstandards noch zu verbessern wären, denn wenn schon Freunde locker mithorchen, wie sieht es dann erst mit den Feinden aus … Das war ein guter Tip vom Obi für Angie und was folgt: Aufregung statt Anerkennung – es ist wahrlich zum Weinen! Wohin führt diese bodenlose Undankbarkeit noch, das frage ich mich ganz ehrlich? 😉

    • ausgesucht schreibt:

      … nun ja, fein war er sicherlich nicht, der Schlenker, aber irgendwie notwendig (wenn ich mir Deinen Kommentar mit Freuden auf der Zunge zergehen lasse); und genau das mag auf NSA ja auch zuzutreffen: unfein, aber notwendig 😉

  2. YDU schreibt:

    Ich höre gerade im Radio, dass Mr. Obama nach deutschen Recht verklagt werden soll! Fragt sich nun, wer die Information schneller weiter geben konnte: NSA oder der offizielle Kanal? Oder hätte doch ich den Türlauscher informieren sollen … 😉

    • ausgesucht schreibt:

      Ehrlich!? Kein Vorgriff auf den 1. April??? Obama vor einem dt. Gericht? Was für ein Schwachmatentum… Also, wenn es so wäre, bräuchte man, so glaube ich, nicht nach NSA und offiziellem Kanal zu trennen – im Grunde ist doch alles eins 😉

      • YDU schreibt:

        Wenigstens soll es eine derartige Idee geben, aber frage mich nicht, wer sie hatte oder von wem sie Frau Merkel unterstellt wurde. Andererseits haben wir ein paar ganz gewitzte Radioleute, die gerade am frühen Morgen ihre Hörer auf die „Schaufel“ nehmen … Mal sehen, was die Zeitungen morgen zu berichten haben? 😉

        • ausgesucht schreibt:

          … ein Glück, daß ich mit meinem Händi (auch) Radio hören kann; muß bloß daran denken, die Hördrähte einzupflanzen 😛

          • YDU schreibt:

            Frisch verdrahtet durch das Land, das ist allerhand!
            Nichts kann mehr dir entgehen, der Cyborg liegt allseits in den Wehen … 😉

            • ausgesucht schreibt:

              Na, irgendwie müssen doch die Reize aus der Elektrikbox an die Trommelfelle gelangen, oder nicht? 😉

              • YDU schreibt:

                Alles fängt klein an und entwickelt nach und nach so eine gewisse Dynamik. Wenn der Homo kabeliensis erstmal an das Kabelgewirr am Ohr gewöhnt ist, dann kommt der nächste Körperteil dran und dann … 😉

              • ausgesucht schreibt:

                Ich stimme Dir zu: so oder so ähnlich werden Cyborgs sich entwickeln 🙂

              • YDU schreibt:

                Werden? Mir scheint, die laufen schon überall rum…;-)

              • ausgesucht schreibt:

                Naja, mutig aufgerundet,mag es stimmen. Aber ich würde Cyborgs nicht allein an Ohrstöpseln festmachen, sondern eher an der gedankenlosen Unterwerfung unter eine zentrale Moral- und Denkeinheit… Ach Herrje! Du hast ja vollkommen recht!!! 😯

              • YDU schreibt:

                Und es sind immer wieder die Besten, die im guten Glauben den Anfang machen! Hach, das musste jetzt noch schnell über die Alpen … 😉

              • ausgesucht schreibt:

                … und ist auch schon angekommen 😉

              • YDU schreibt:

                Achte auf die Knoten, sie mindern den Datendurchsatz! 🙂

              • ausgesucht schreibt:

                … und ich dachte immer, daß ein Knoten im Kabel eine sichere Methode sei, den Stromfluß gänzlich zu unterbinden 😕

ein Kommentar ist hier möglich:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s