Buch 35 – Das höllische System

Cover_Vonnegut3Auf dem Buchdeckel (paperback) des Romans „Das höllische System” von Kurt Vonnegut ist eine Kurzbeschreibung dessen abgedruckt, was der Leser zu erwarten hat: „Die dritte industrielle Revolution beginnt – die Maschinen regieren. Sie machen die Menschen überflüssig und stehlen ihnen die Zukunft”. Aha! Ein literarisches Leckerli für Liebhaber von Dystopien?!
Gemach! Der Roman (knapp 200 Seiten)  wurde um 1964 geschrieben bzw. erstmalig veröffentlicht. Zu jener Zeit waren Maschinen, die Vakuumröhren enthielten, Inbegriff des Fortschritts (wenngleich Transistoren doch schon längst erfunden waren^^). Der Autor spielt in der Art, wie sie für K. Vonnegut beinahe schon ein Markenzeichen ist (vgl. Kilgore Trout in „Frühstück für starke Männer” oder „Sirenen des Titan” oder „100$-Küsse”), mit dem Gedanken „Maschinen & Fortschritt”. Und doch handelt es sich nicht wirklich um eine Dystopie (eher um eine reductio ad absurdum). Freilich kann man jede Aussage, die Bezug auf Zukünftiges nimmt, mit dem Etikett „Uto-” bzw. „Dystopie” versehen. Aber ist eine solche Einordnung nicht erst dann sinnvoll, wenn ein ethisch-moralisches Konzept im Klartext formuliert oder zumindest zwischen den Zeilen interpretierbar ist? Und beides trifft hier nicht zu.  Denn es ist mitnichten an dem, daß, wie eingangs zitiert, die Maschinen den Menschen die Zukunft stehlen würden. Die Maschinen sind (nach wie vor) absolut und vollkommen willenlos – können damit aber eben auch nicht den Menschen aktiv irgendetwas antun (etwa die Zukunft stehlen). Die Menschen sind es, die sich gedankenlos den Maschinen und ihren elektrotechnischen Zuckungen unterwerfen…

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Über ausgesucht

…desillusioniert
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9 Antworten zu Buch 35 – Das höllische System

  1. yuppidu schreibt:

    Hmmm, die Maschinen nicht, da gebe ich dir Recht, aber die Jungs, die im Besitz der Maschine sind, die würde ich nicht unterschätzen … 😉

    • ausgesucht schreibt:

      … und schon wäre das Buch deutlich interessanter: Welche Mittel – politisch, propagandistisch, seelisch, aus dem Maschinenpark – setzen die Machtmenschen ein, um ihre Ziele zu erreichen???

      • yuppidu schreibt:

        Je nach Bedarf würde ich meinen … 😉

        • ausgesucht schreibt:

          Nein, der Bedarf allein tut’s nicht – über allem schwebt der Schleier des Allgemeinen. Zumindest wäre es sehr interessant, wenn ein solcher aus Einzelgedanken (und individuellen Ansprüchen – auch solchen von Kettensägenbetreibern ;-)) gewoben werden könnte… 😉

  2. yuppidu schreibt:

    Ganz schön anspruchsvoll für jemanden, der den Maschinen gar nichts zuzutrauen scheint! Tja, ich mache gerade die Kleine „scharf“, um etwas Ordnung in den Dschungel zu bringen, der Schleier des Allgemeinen wird durch den Duft von Zweitaktgemisch und Öl gelüftet … 😉

  3. yuppidu schreibt:

    *Die Menschen sind es, die sich gedankenlos den Maschinen und ihren elektrotechnischen Zuckungen unterwerfen…* Wenn man den Besitzern von Smartphones ganz stille über die Schulter guckt, würde man diese Aussage mit gutem Gewissen verneinen – oder … 😉

  4. yuppidu schreibt:

    Mmmmm, die haben keine Wahl, keine Chance, sind eingekesselt von Bergen aus Zucker, von EEEEEEEEEEEE’s und News – übermächtig ist der kleine Gegner! 😉

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