Von den Alten lernen

»Un amant, qui craint les voleurs, n’est point digne d’amour«. Das ist der Schlüsselsatz, mit dem das Fräulein von Scuderi in der gleichnamigen Erzählung von E.T.A. Hoffmann an maßvolles Handeln gemahnt, wo die Stadt wegen einer Serie von Raubmorden verunsichert ist und deshalb von scharfen Polizeimaßnahmen stranguliert werden soll. Was diese Kriminalgeschichte, die 1818 geschrieben wurde und zur Zeit Ludwigs XIV spielt, mit der Edathy-Geschichte zu tun hat? Nun ja, vielleicht fehlt es heute wieder an maßvollem Handeln? Jetzt sind die ersten politischen Trittbrettfahren auch schon auf den rollenden Zug aufgesprungen und verlangen eine Verschärfung der Gesetzgebung zum Schutz der in einschlägigen Bildchen gezeigten Kinder. Ein Einzelfall, dessen Bezug zum Gesetz längst nicht geklärt ist, wird aufgebauscht und mit moralischem Keulenschlag politisch instrumentalisiert. Dabei ist es Privatsache, ob jemand solche Bilder erwirbt, sammelt und auch anschaut. Solange niemand dabei Schaden nimmt (seelisch oder existenziell), ist es privat und geht niemanden etwas an. Und es ist keineswegs so, wie uns die selbsternannten Retter der Kindheit weismachen wollen, daß wir nämlich in einer Spermaflut hinweggespült würden, nur weil Einzelnen die Phantasie angesichts der Bildmotive durchgeht.
GanymedUnd nein, mich interessieren Kinderbildchen überhaupt nicht. Und doch besitze ich welche! Ohne dabei feucht im Schritt zu werden. Die bildende Kunst hat seit ihrer Erfindung kaum etwas anderes gemacht, als die Schönheit zu preisen. Auch und gerade die Schönheit des nackten Körpers – ohne Unterschied: nackte Männlein, Weiblein, Kindlein (siehe Abb.). Oft unter dem Schutzmäntelchen biblischer Szenen. Nacktheit, auch anbetungswürdige Nacktheit, wohin man schaut. Sollen diese Bilder der alten Meister jetzt aus den Ausstellungsräumen verbannt (gab’s auch schon) werden? Oder „züchtig“ übermalt werden (gab’s übrigens auch schon!), nur weil es Einzelne gibt, die mit Nacktheit nicht wie von der Mehrheit erwartet umgehen? Oder kommen jetzt Gesinnungsspitzel ins Haus, die, da auf der Computerfestplatte nun einmal keine Nackedeibildchen vorhanden sind, Bildbände und Kalender auf verbotene Nacktbilder hin untersuchen und sie konfiszieren oder gleich im Hof verbrennen (auch das gab’s schon!)?

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Über ausgesucht

…desillusioniert
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7 Antworten zu Von den Alten lernen

  1. Andrea schreibt:

    so ist es auch…..doch wenn du JUNG bist fehlt die meinstens die ERKENNTNIS zu….doch wenn du ÄLTER wirst wirst du von der HOFFNUNG geTRAGE(n)….das diese ERKENNTNIS für den jungen MENSCHen doch nochzur EinSICHT gelangt doch dazu fehlen dem jungen MENSCHen oft die ERFAHRUNG die ein ältere schon vor diesem jungen MENSCHen gemacht hat…

    • ausgesucht schreibt:

      … ist ja auch sehr, sehr schwer, sich von anderen etwas sagen zu lassen! 🙄
      Denn zum einen lernt man doch recht schnell, daß nicht jeder etwas sagen sollte, der gern etwas sagen möchte. Zum anderen ist es biologisches Programm, eigene Erfahrungen zu machen. Und da „stören“ die Alten doch nur, die einfach nicht kapieren wollen, daß sie ihre Zeit hatten und daß die Zeit deutlich vorangeschritten ist… 😉

  2. Hat dies auf vivere in tristitia et anxietas rebloggt und kommentierte:
    Da haben einige wohl zuviele Pornos im Netz konsumiert, bevor sie sich an die Arbeit machten.

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