ganz oder gar nicht

Es war R., der seinerzeit – damals verdienten wir unsere Brötchen noch beim gleichen Arbeitgeber – diese Geschichte erzählte. Ein Bekannter von R. mußte an den Augen operiert werden. Was es im Detail war, erinnere ich nicht mehr oder habe es vielleicht auch nie gewußt. Zumindest soll es sich um eine schwerwiegende Operation gehandelt haben. Die Ärzte sollen R.s Bekannten vor eine durchaus überschaubare Wahlmöglichkeit gestellt haben: »Ohne die Operation werden sie zwangsläufig blind. Mit der Operation wird wahrscheinlich nur das Skotopische Sehen (schwarzweiß und schemenhaft) erhalten bleiben«. Die Entscheidung war verblüffend: »Entweder ganz, also Breitbildkino in bunt, oder gar nicht!«
Beim Hören der Geschichte war ich sehr irritiert. Das weiße Engelchen auf der einen Schulter säuselte: „Wieso ist jener nicht glücklich und zufrieden, zumindest ein gewisses Sehvermögen erhalten zu können?” Das rote Teufelchen auf der anderen Schulter hielt dagegen: „Es ist doch gar nicht sicher, daß die Torturen der Operation(en) von Erfolg gekrönt sein werden – wahrscheinlich(!) kann ein Restsehen erhalten bleiben!”
Ich weiß nicht, wie die Geschichte ausging. Ich weiß nicht, ob der Protagonist die Radieschen womöglich längst von unten sieht, in Schwarzweiß oder gar nicht. Aber ich weiß, daß ich in Kürze vor einer ähnlichen Ja-Nein-Entscheidung stehen werde. Doch bei der wird es nicht ums Sehen, sondern um geringfügig mehr gehen: Radieschen von oben oder von unten anschauen…

Advertisements

Über ausgesucht

…desillusioniert
Dieser Beitrag wurde unter Tagesflimmern abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

33 Antworten zu ganz oder gar nicht

  1. evajoachimsen schreibt:

    Ich wünsche dir die richtige Entscheidung. Alles Gute!

  2. Frau Tonari schreibt:

    Oh, das liest sich nicht gut.
    So locker der Beitrag beginnt, so nachdenklich endet er.
    Ich wünsche Dir, dass Du die richtige Entscheidung für Dich findest. Und ich wünsche uns Bloglesern, dass es nicht die Radieschen-von-unten-Variante sein wird.

  3. (…)
    er lebt noch, nun etwa 30 Jahre in der Dunkelheit, er war konsequent.

    (…)

    Das erinnerte mich sofort an „Gut gegen Nordwind“ – Kennst Du das Buch ? (Hier ist das
    Hörbuch sogar besser, wirklich nett anzuhören.)

    Aber nun die wichtigen Fragen: Wirst Du an der Aorta operiert? Brauchst Du davor, während
    oder danach Hilfe? (Und erinnere Dich: Der Transport Deines Regulators mit dem Fahrrad unter Missachtung meines Autos hat mir schon damals nicht gefallen.)

    Viele Grüße (…)
    von Christel und Rudi.

    • ausgesucht schreibt:

      Genau diese Konsequenz hat mir damals imponiert! Es ist nur eben schwierig zu entscheiden, wann man besser konsequent ist und wann Konsequenz sich gerade mit der Dummheit verbrüdert…

      Und nein, das Buch “Gut gegen Nordwind” kenne ich nicht. Aber ich wollte meinem Lieblingsbuchhändler eh nachher noch einen Besuch abstatten. Ich werd‘ ihn nach der papiernen Version fragen – ich komme mit Hörbüchern und anderen elektronischen Buchvorführungen einfach nicht zurecht. 🙂

      Übrigens: den Regulator habe ich (sogar funktionsfähig) noch, das Rad schon lange nicht mehr 😀

      Vielen lieben Dank ♥ für Euer Hilfsangebot – ich werde mich rechtzeitig bei Euch melden 😉

  4. user unknown schreibt:

    Wenn ich glaubte es würde was bringen würde ich die Daumen drücken. Alles Gute!

  5. „Immer dann, wenn du Entscheidungen triffst, hast du dein Leben selbst in die Hand genommen.“ … Anthony Robbins – mit besten Wünschen dass es sich bewahrheitet!

  6. Pauline schreibt:

    Solange Du noch genügend Zeit hast, eine Entscheidung zu treffen, wirst Du sie treffen müssen, ob so oder so! Ob es dann die für Dich richtige ist, wird die Zukunft zeigen. Ich wünsche Dir von ganzem Herzen immens viel Kraft ♥ Pauline ♥

    • ausgesucht schreibt:

      Vielen Dank, Pauline, für den netten Wunsch; es ist hilfreich, Empathie zu spüren 🙂

      Was das „richtige Entscheiden“ angeht, weichen unsere Ansichten offenbar ein wenig ab. Ich hab’s noch nicht zu Ende formuliert, weshalb der nächste Satz sicherlich schräg klingt: Jede Entscheidung, die das Resultat gedanklicher Arbeit ist, ist richtig. Das vermeintlich Falsche in manchen unserer Entscheidungen ist retrospektive Umwertung.

      • Pauline schreibt:

        Jede Entscheidung, die man trifft ist richtig! Wichtig und richtig ist, meiner Meinung nach nur, dass man überhaupt eine Entscheidung trifft!
        Außerdem mag ich „schräge“ Sätze 😀
        Habe jetzt zu wenig Zeit, aber das Wort „Ent-scheidung“ ist auch so ein tolles Wort, was da alles drin steckt, ich brösel ja gerne Wörter auf …

        • ausgesucht schreibt:

          Naja, den einen oder anderen schrägen Satz hast Du hier ja schon lesen können – weitere werden folgen 😉

          Und ja, Entscheidung ist ein „dankbares“ Wort – da werden wir uns schon noch ein bißchen daran abarbeiten können… 🙂

  7. YDU schreibt:

    Radieschengeschichten sind nicht mein Ding, wenn ich ehrlich bin! Ich würde die dritte Option wählen!

  8. YDU schreibt:

    Ich liege voll im Plan, obwohl der Umstieg diesmal von etwas schrägen Tönen begleitet wurde! Was die Radieschen betrifft, die sind bereits am Wachsen und werden demnächst Teil meines Speiseplans, allerdings habe ich vor, sie von oben nach unten zu essen.
    Was die dritte Option betrifft: Es gibt immer eine, man muss sich nur die Mühe machen, sie zu finden! Zwei Optionen sind einfach zu wenig!

    • ausgesucht schreibt:

      … von oben nach unten? Knirscht das dann am Ende (also unten) nicht ein bißchen zwischen den Zähnen??? 😕

      Und welche dritte Option bietest Du nun an? 🙂

  9. YDU schreibt:

    Man sollte es nicht übertreiben, wenn man unten angekommen ist oder überhaupt einen kleinen Trick anwenden, indem man das Radieschen vorher aus der Erde nimmt und ein wenig wässert.
    Du gehst von mehreren verfügbaren Optionen aus, die man dann als dritte ins Spiel bringen könnte, das klingt schon sehr gut. Es muss immer mindestens drei Optionen geben, weil der guten Dinge ebenfalls drei sind, das ist ein göttliches Gesetz! Leider bin ich kein Wunderheiler, ansonsten würde ich Dir sofort helfen, so Du das zulassen würdest!

    • ausgesucht schreibt:

      Ist das zu fassen! Da hofft man, einen ganz raffinierten Radieschen-von-oben-nach-unten-Serviervorschlag zu erfahren, und hört dann so ein langweiliges Erst-ausgraben-dann-waschen(Radi und! Hände)-dann-essen *gähn* 😀

      Und was die 3. Option angeht, muß ich Dir ein dickes Lob aussprechen 😉
      Jetzt hast Du wie ein Politiker lange um den heißen Brei herumgeredet, ohne auch nur ansatzweise konkret zu werden. Glückwunsch, das kann nicht jeder! Wie lautet die 3. Option? 🙂

  10. YDU schreibt:

    Ich habe Optionenlage der Faktenlage angepasst! Bekannt ist, dass du beim Betrachten der Radieschen gerade mal zwei Optionen hattest. Nun, wo ich dir eine dritte Option schenkte, nämlich sie von oben nach unten zu essen, bist du unzufrieden mit mir. Was soll ich davon halten? Stecken da etwa gar ein Hauch von Ungeduld und „Maßlosigkeit“ dahinter? 😉

    • ausgesucht schreibt:

      Aber gewiß doch! Meine Großmutter sagte immer: Kopf hoch, auch wenn der Hals einen suboptimalen Reinigungsgrad aufweist (ok ok, sie sagte „wenn der Hals dreckig ist“) 😉

  11. Pingback: ganz oder gar nicht | Unerhörte Worte | Matthiass Space

ein Kommentar ist hier möglich:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s