bewußt unbewußt

Ein Tausendfüßler weiß nicht, wie er das 37. linke und das 291. rechte Bein setzen muß, um den auf dem Boden liegenden Zweig am sichersten zu übersteigen. Eine Qualle weiß nicht, an welches Ziel sie ihre lethargischen Zuckungen gegen die Meeresströmung in 3 Monaten treiben wird. Allerdings glaubt der Mensch wissen zu müssen, was seine hektischen Zuckungen zu bedeuten haben.
Vielleicht ist die Erfindung des Lebens als solches gar nicht die größte Leistung von Mutter Natur, sondern das Konstruktionsprinzip unwillkürlicher Zuckungen. Unwillkürliche Abläufe, die mehrheitlich lebenserhaltend sind. Wer vor einer Gefahr blindlings weggelaufen ist, konnte diese Eigenheit in den Genpool einbringen. Der zögerliche „Forscher”, der die dräuende Gefahr erst zu erkunden gedachte, um die weiteren Schritte sorgfältig zu planen, kam oftmals nicht mehr dazu. Im Laufe der Evolutionsgeschichte haben sich so Lebensformen herausgemendelt, die ihr Leben durch eine höchst effiziente, aber unwillkürliche Steuerung meistern. Auch der Mensch gehört dazu. Allerdings ist er zudem noch mit Bewußtsein geschlagen.MonaLisa
Verhaltensforscher haben in enger Zusammenarbeit mit Neurologen herausgefunden, daß die mit Abstand meisten Prozesse im Menschen unwillkürlich ablaufen. Glückwunsch! Da sie aber nicht wissen, wie Bewußtsein funktioniert (oder Kreativität oder freier Wille), können sie dem Bewußtsein mit ihren sündhaft teuren, aber nicht deshalb auch sinnvollen Maschinen nicht auf die Schliche kommen. Stattdessen kommen sie zu absurden Aussagen wie: »99 % der menschlichen Aktivitäten entstammen dem Unbewußten«.
Die Abbildung zeigt die 99 Prozent, bei denen das Unterbewußte, und den einen Prozent, bei dem das Genie da Vincis bewußt malte…

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Über ausgesucht

…desillusioniert
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25 Antworten zu bewußt unbewußt

  1. Andrea schreibt:

    Ein TAUSENDfüßler soll einer MADONNA gleichen??

  2. YDU schreibt:

    Optimismus pur – würde ich meinen! Da Vinci hat Leinwand, Farben, ein trockenes Plätzchen und seine Hand zur Verfügung gestellt, das war’s dann auch schon! Der Rest konnte vom Unterbewusstsein erledigt werden, da sein Bewusstsein ihm nicht im Wege stand: Genie ist, wenn man das Unterbewusstsein werken lässt! Nun frage ich mich, warum dabei immer nur Strichweibchen rauskommen? 😉

    • ausgesucht schreibt:

      … vielleicht, weil Strichweibchen allerorts vorhanden und – sofern erschwinglich – verfügbar sind?! 😛

      • YDU schreibt:

        Was du wieder denkst, schäm dich! Da versucht man sein Bestes, um der Gleichberechtigung sein Augenmerk zu schenken und dann das … 😉

        • ausgesucht schreibt:

          … ich bitte vielmals um Verzweiflung 😉

          • YDU schreibt:

            Hätte ich „Strichmännchen“ geschreiben, wäre ein Aufschrei durch die weiblichen Reihen gegangen und nun das: Ab jetzt mache ich nur mehr Strichfiguren!!!

            • ausgesucht schreibt:

              Soso, Du willst also Männlein wie Weiblein auf den Strich schicken?? 😛

              • YDU schreibt:

                Was nun? Mein guter Wille bleibt ungedankt, dann zeichne ich eben Strichkätzchen …

              • ausgesucht schreibt:

                Böse Unterlassungssünde! Da bitte ich doch um Vergebung. Für guten Willen kann man ja gar nicht genug danken. Danke, danke, danke, danke, danke, danke, danke… 🙂

              • YDU schreibt:

                Tja, Kätzchen wirken doch immer noch bestens, beflügeln das Gemüt und sind so süß, dass das Herz nicht umhin kann, den Lippen ein begehrenswertes Danke abzuringen. Der Abend ist gerettet, mein guter Wille hat ein Echo gefunden … 🙂

              • ausgesucht schreibt:

                … wie sieht eigentlich eine getigerte Strichkatze aus? 😉

  3. der mensch an sich ist wahrlich mit dem bewussten denken bestraft und so wenige wissen dieses einzusetzen

  4. Treetime schreibt:

    @ausgesucht „Verhaltensforscher haben in enger Zusammenarbeit mit Neurologen herausgefunden, daß die mit Abstand meisten Prozesse im Menschen unwillkürlich ablaufen. Glückwunsch!“

    Wieso „Glückwunsch!“? Wenn es so ist, ist es so.

    @ausgesucht „Da sie aber nicht wissen, wie Bewußtsein funktioniert … können sie dem Bewußtsein … nicht auf die Schliche kommen.“

    Ja, da sind sie am Ende ihrer Möglichkeiten.
    Das liegt daran, daß das Bewußtsein kein Objekt ist.

    Die (unsere) Wissenschaft ist im Grunde noch sehr primitiv. Von Ausnahmen abgesehen, ist sie immer noch dem mechanistischen Weltbild verhaftet, was man allein daran sehen kann, wie wichtig ihr immer noch das Messen, Wiegen und Zählen ist. In Ordnung, für den grob-stofflichen Bereich, aber wenn sie etwas Diffizileres erforschen will, muß sie auch nach dazu passenden Methoden Ausschau halten.

    @ausgesucht „Stattdessen kommen sie zu absurden Aussagen wie: »99 % der menschlichen Aktivitäten entstammen dem Unbewußten«.

    Was daran ist absurd? Wenn es so ist, ist es so.

    Sie „stammen“ nicht „aus“ dem Unbewußten, sondern wir handeln zu 99% in einem unbewußten Zustand. Der Anteil ist sogar noch höher, wenn wir unser Denken mit einbeziehen. Dann bleibt vielleicht noch ein Promille an Bewußtheit übrig. Bei einem Unfall, zum Beispiel. Dann fällt der Zug aus den Schienen und wir sind für einen kurzen Moment bewußt. Oder wir meditieren, oder wir sind (oder eine uns nahestehende Person ist) kurz vorm Sterben. Selbst die Treppenstufen nehmen wir meist nur dann bewußt, wenn sie erkennbar glatt sind. Haben wir das nicht erkannt, spüren wir bewußt… unsere Blessuren.

    Unsere Bewegungsabläufe haben wir irgendwann gelernt, antrainiert. Dabei waren wir vielleicht noch bewußt. Aber mit der Zeit leben wir – von nur wenigen Momenten abgesehen – vollautomatisch, also roboterähnlich. Beim Fahrradfahren geht es uns wie dem Tausendfüßler: Wenn wir erst denken müssen, fallen wir um.

    Wir denken bloß, daß wir selber alles managen – mittels Ratio.

    Kleiner Test: Mal die Zeit stoppen, in der wir ganz bewußt atmen. So, als würde unser Leben von unserer Absicht, zu atmen, abhängen. So können wir leicht herausfinden, wie viele Minuten wir überleben würden, wäre unsere Existenz von „unserem Willen“, zu atmen, abhängig.

    Das Ganze (Mensch) funktioniert nur deshalb so gut, weil wir nahezu nicht beteiligt sind.

    Grüße 🙂

    • ausgesucht schreibt:

      Huch, so viele Anregungen/Fragen. *lächel*

      »Wieso „Glückwunsch!“?« – Weniger der Glückwunsch dafür ist gemeint, daß vieles unwillkürlich abläuft, sondern dafür, daß es auch schon herausgefunden wurde.

      »Die (unsere) Wissenschaft ist im Grunde noch sehr primitiv« – Genau das ist ein Punkt, auf den ich mit dem Artikel (auch) hinweisen wollte.

      »Was daran ist absurd?« – Nun, sicher doch die Pseudowissenschaftlichkeit durch Pseudogenauigkeit. Es sind nämlich in Wirklichkeit nicht 99, sondern 98,73984 %.

      »Wir denken bloß, daß wir selber alles managen – mittels Ratio« – da nicke ich voller Zustimmung und muß gleich mein Lieblingszitat dranhängen: „Der Mensch ist kein rationales, sondern ein rationalisierendes Wesen” (Robert. A. Heinlein, siehe u.a. hier).

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