Sprachwahn

Focus online meldet, wie an der Humboldt-Uni zu Berlin die deutsche Sprache verunstaltet werden soll:

An der Berliner Humboldt-Universität hat eine Arbeitsgruppe für „Feministisch Sprachhandeln“ eine Broschüre mit „antidiskriminierenden“ Sprachempfehlungen herausgegeben.

In der Broschüre werden unterschiedliche Praktiken „antidiskriminierender“ Sprache vorgestellt: Da ist die „a-Form“, die aus dem „Drucker“ („er!”) einen den Frauen nicht mehr diskriminierenden „Drucka“ macht. Beispielsatz aus der Broschüre: „Unsa Lautsprecha ist permanent auf Demos unterwegs. Ea erfreut sich hoher Beliebtheit.“

„Umfassende Frauisierung“ gegen Diskriminierung

Wem „Türoffna“ und „Computa“ noch nicht antidiskriminierend genug sind, dem steht eine weitere Variante offen: „Eine weitere Möglichkeit ist, als Irritation das Zeichen ‚@’ an Substantive anzuhängen bzw. in Worte einzufügen.“ Beispiel: Aus „human“ wird „hum@an“.

Es kann ja grundsätzlich nicht falsch sein, über Sprachentwicklungen nachzudenken. Zumal die Zeit fließt und die Sprache in ihr es auch tun sollte. Aber ist es sinnvoll, das Kind mit dem Bade auszuschütten (vgl. hier oder hier)? Wenn sich jemand von einem Drucker diskriminiert fühlt, sollte er keinen Linguisten bemühen, sondern eher einen Psychiater oder wahlweise einen VHS-Kurs für Computertechnik. Und warum sollten aus dem Englischen entlehnte Wörter, Computer etwa, verballhornt werden? Und soll der Plural von „Wort“ ab jetzt Wörta heißen, weil das „er“ diskriminierend wäre? Und aus gleichem Grund heißt das Wort nun Diskriminiaung? Und ist Mutta die entdiskriminiate Form von Vata?

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Über ausgesucht

…desillusioniert
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15 Antworten zu Sprachwahn

  1. Anhora schreibt:

    Einen Moment lang dachte ich, das ist ein Scherz, aber es scheint tatsächlich ernst gemeint zu sein! Ich frage mich, ob es dann der Drucka oder die Drucka heißen würde. DER Drucka – weiterhin diskriminierend. DIE Drucka? Die Öffna? Die Computa? Da würd ich mich als Mann diskriminiert fühlen. Im Englischen wurde ja irgedwann alles vermännlicht und die Frauen haben sich damit abgefunden, die sind aus dem Schneider. Aber das ist für mich auch keine Lösung. Die deutsche Sprache in ihrer ganzen Vielseitigkeit wird noch spannende Diskussionen aufwerfen. Mir gefällt das. 🙂

  2. alltagsfreak schreibt:

    So ist es.. Danke auch für Deinen Kommentar auf meina äh meiner Seite zu diesen Thema. Man muß solchen Unsinn meiner Meinung nach stoppen!

    • ausgesucht schreibt:

      Den Unsinn stoppen?! Prinzipiell ja, aber nicht per Ordre de Mufti. Vielleicht reicht es, die Verbreiter solchen Unsinns lächerlich zu machen. Oder vielleicht lassen sich Hohlköpfe für ein Klangerlebnis der besonderen Art verwenden…? 😀

  3. user unknown schreibt:

    Die ganzen Versuche feministischer Sprachkorrektur bauen schon auf einem Irrtum auf, nämlich dem, dass das sprachliche Geschlecht mit dem sexuellen Geschlecht zusammenfällt, obwohl das Mädchen und das Weib sächlich sind, und die Sache weiblich. Auch findet man bei bestem Willen keinen Grund Messer, Gabel und Löffel mit unterschiedlichen Geschlechtern auszustatten.
    Die Briten, die Ärzte und die Schwerverbrecher umfassen Männer und Frauen gleichermaßen – nur die geschlechtliche Markierung Britinnen, Ärztinnen und Schwerverbrecherinnen thematisiert das Geschlecht der Person.

    Der Versuch der Sprachreformation drängt die Geschlechtsfrage in jeden Satz und lenkt damit vom Thema ab. Ständig soll man stolpern und nochmal nachdenken – das ist natürlich Quatsch. Es stört alle sprachlich vermittelten Abläufe und wird daher auch nicht übernommen. Wo es übernommen wird verkommt es zum leeren Ritual.

    Dass mehr Frauen Programmierer werden, wenn man gleich häufig von Programmiererinnen und Programmierern redet und schreibt glaube ich nicht. In anderen Berufen oder Bereichen ist Verteilung der Geschlechter ausgeglichener, ohne dass eine sprachliche Ursache dafür feststellbar wäre.

    Bei Ansprachen und Einladungen kann es aber als höfliche Geste durchaus angemessen sein Studentinnen und Studenten, Professorinnen und Professoren zu begrüßen.

    • ausgesucht schreibt:

      Ja, da möchte ich zustimmen und noch eine Kleinigkeit anfügen: Nicht das Wort diskriminiert, sondern – wenn überhaupt – der, der das Wort benutzt.

  4. Frau Tonari schreibt:

    Das ist nicht Sprachhandeln, sondern Sprachschandeln.
    Wenn Worte, die auf „er“ enden, nun feminisiert werden, dann bestehe ich darauf, dass Gleiches mit denjenigen geschieht, die ein „sie“ am Ende schmückt. Das nenne ich dann doch mal eine(n) irre(n) Phantaer 😆

  5. Frau Tonari schreibt:

    Und irgendwie mag man sich an den Kopf fassen und entsetzt „Alta!“ rufen 😉

  6. lawgunsandfreedom schreibt:

    Das kann man fast nur noch österreichisch sagen: De san alle deppat!

    Man braucht sich nur den feministischen Sprachhandlungsführer von diesen Deppen ansehen: http://feministisch-sprachhandeln.org/wp-content/uploads/2014/03/onlineversion_sprachleitfaden_hu-berlin_2014_ag-feministisch-sprachhandeln.pdf

    Das furchtbare daran ist, daß diese Leute sogar Vorlesungen stören und Leute bedrohen, wenn diese nicht ihren kruden Vorstellungen von „richtigem“ Sprachhandeln folgen. Diese Dogmatiker kann man locker mit den Inquisitioren des Mittelalters vergleichen. Die terrorisieren andere Leute, um ihren Willen zu bekommen. Dazu haben sie natürlich ihre beliebten Keulen: Rassismus, Anti-Feminismus, Maskulismus und ähnliche Pauschalverurteilungen. Vor allem die Universitäten sind schon massiv unterwandert.

    Als Mann ist man in den Augen dieser feministischen Strömungen (es gibt nämlich auch gemäßigte) von Haus aus Maskulist (tolle Schublade in die jeder reingestopft wird, der auch nur ein bisschen gegen den Radikal-Feminismus argumentiert) und hat per se überhaupt nichts zu sagen. Wer sich schon mal auf radikal-feministischen Blogs rumgetrieben hat, der kann nur noch den Kopf schütteln. Fefe hatte da auch schon was profundes dazu: http://blog.fefe.de/?ts=addeacc3

    Gab sogar einen Polizeieinsatz weil Radikalfeministen eine Vorlesung störten: http://genderama.blogspot.de/2014/02/polizeieinsatz-humboldt-universitat.html

    Wenn man mit solchen Idioten konfrontiert wird, ist man erst mal hilflos und weiß gar nicht, wie man reagieren soll. Deshalb: Am besten auslachen – laut und lang. Lachen ist der beste Deppentöter.

    • ausgesucht schreibt:

      Der Vergleich mit der Inquisition ist nicht gerade glücklich gewählt. Die Inquisition beruft sich auf eine höhere Instanz. Ihr Anliegen war – ganz ohne Hintergedanken – Seelen zu retten! Daß diese Institution schmählich mißbraucht wurde und daß sowohl die verwendeten Maßnahmen als auch die höhere Instanz aus unserer Sicht höchst zweifelhaft sind, ändert nichts daran, daß die Inquisitoren einem hehren Auftrag folgten. Den haben die selbst ernannten Muttersprachmörder aber keinesfalls – außer vielleicht einer selbstherrlich versuchten Kompensation für ihren notorischen Frust, mit ihrem Leben einfach nicht klarzukommen. Aus diesem Grund widerspreche ich auch, daß es sich um Idioten handeln würde. Das wohl am wenigsten, eher schon selbstgefällige Egomanen…

  7. lawgunsandfreedom schreibt:

    Hm – ich hatte eine Zeit lang mit solchen Leuten zu tun. Deren Sendungsbewusstsein zeigt starke Parallelen mit den religiösen Eiferern der Inquisition. Das Programm: Rettung der Menschheit durch Feminismus. Natürlich trifft das nur auf einen kleinen Teil der Feministen zu – die sind dafür besonders laut und missionarisch.

    Die selbstgefälligen Egomanen gibt’s bei denen natürlich auch. Das sind die Wortführer und Programmmacher – die Einpeitscher und Manipulatoren. Aber genau so schlimm sind die vielen, vielen Mitläufer, die einfach nachplappern, was ihnen vorgesagt wurde. Also Idioten (im Sinne von „unwissende Menschen, die auch nicht dran interessiert sind, selbst zu denken“) …

    An den großen Unis werden schon die Erstsemester massiv indoktriniert. Wer nicht mitspielt wird ausgegrenzt.

    • lawgunsandfreedom schreibt:

      Um es mit Ambrose Bierce zu sagen: IDIOT, n. A member of a large and powerful tribe whose influence in human affairs has always been dominant and controlling.

      • ausgesucht schreibt:

        Ah, Bierce – starke Geschütze fährst Du da auf. 🙂
        Kennst Du auch das hier, zum Thema „Dummkopf“: Dummkopf – Angehöriger der herrschenden Dynastie in Kunst und Leben. Die Dummköpfe kamen mit Adam an die Macht, und da sie sowohl zahlreich als auch robust sind, haben sie die gesamte bewohnbare Welt überrannt. Das Geheimnis ihrer Macht ist ihre Unempfindlichkeit Schlägen gegenüber; wenn man sie mit einer Keule kitzelt, kichern sie eine Platitüde aus…

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