Buch 54.1 – Mathe … Kunst

Cover_ZieglerGünter M. Ziegler hat mit Mathematik – Das ist doch keine Kunst! ein Buch vorgelegt, dessen Äußeres allein schon nach Aufmerksamkeit heischt. Erst recht ein flüchtiges Blättern durch einzelne Kapitel.
Aber was läßt sich über den zu erwartenden Lesegenuß vermuten, wenn gleich im Kapitel „1498: Ein Genie macht Fehler” (Seiten 22 bis 39) eine Unstimmigkeit ins Auge springt, ohne daß man die Seiten akribisch studieren müßte? Es geht um ein Rhombenkuboktaeder und einen daraus abgeleiteten Sternpolyeder, den Leonardo da Vinci offensichtlich falsch darge­stellt hat (S. 36; vgl. Abb. unten). Die nach unten weisende rote Pyramide – die farbliche Hervorhebung stammt von M. G. Ziegler – müßte dreiseitig sein. Sie ist aber vierseitig.
Auf Seite 37 liest man: »Gregor Lagodzinski und Andreas Loos haben für uns am Computer ein perspektivisch perfektes Holzmodell ohne Leonardos Fehler konstruiert, und ihr Bild anschließend auf der Leonardo-Manuskriptseite platziert. Das Ergebnis sehen Sie im rechten Bild…«.
Polyeder02Paradoxerweise ist die Verbesserung eine Verschlimmbesserung. Zum einen hat man eine recht ungewöhnliche Perspektive gewählt, weshalb die rechte Abbildung unschön verzerrt ist. Zum anderen weichen die Höhen jeweils der drei- und der vierseitigen Pyramiden offensichtlich von Leonardos Vorgaben ab, die bei ihm eine umschreibende Kugel in guter Näherung ermöglichen würden. Polyeder01Der entscheidende Nachteil der als Verbesserung vorgeschlagenen Zeichnung dürfte allerdings sein, daß sie nicht stimmt. Die nebenstehende Abbildung zeigt den Polyeder in einer räumlichen Anordnung, die etwa der Vorgabe da Vincis entspricht. Auf die perspektivische Verzerrung wurde hier verzichtet (was dem Original inetwa entspricht). Dargestellt sind nur die Spitzen der Einzelpyramiden des Sternpolyeders – die Dreieckspyramiden in rot, die anderen in blau/grau. Da kein geeignetes Malprogramm zur Verfügung stand, ist die Abbildung in Excel entstanden, weshalb die Sichtbarkeit (vor allem die Strichelung der nur zum Teil verdeckten Kanten bei D14, D21 und D23, die ihrerseits allesamt sichtbar sind) nicht korrekt wiedergegeben ist (´tschuldigung). Entscheidend ist, daß die Spitzen der Dreieckspyramiden (rot) exakt in den Eckpunkten eines Würfels liegen. Und genau diese Eigenschaft ist in der Lagodzinski-Loos-Variante nicht wiederzufinden; da kann man die Augen noch so sehr zusammenkneifen…
Die Zeichnung von da Vinci ist gewiß fehlerhaft, aber sie scheint näher an einer korrekten Darstellung zu liegen als die gar nicht so perfekte Verschlimmbesserung.

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…desillusioniert
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12 Antworten zu Buch 54.1 – Mathe … Kunst

  1. tinyentropy schreibt:

    Du hast ja Themen! 😉 Genial

  2. YDU schreibt:

    Komisch, ich jogge auch ab und zu, mein Gehirn ist natürlich dabei aber so etwas kömmt mir nicht in den Sinn! 😉

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