Buch 58.2 – Alpha & Omega

Cover_OrthsNachdem ich den Roman Alpha & Omega von Markus Orths schon als Markus-Evangelium bezeichnet habe (siehe hier), verbietet sich doch wohl jede Rezension (womit ich nicht gesagt haben will, daß mein hier versammeltes Gelabere über Bücher den Anspruch, Rezension sein zu wollen, haben würde *grins*). Freilich handelt es sich um ein neues Evangelium, wie auch im Roman selbst eine neue Religion gestiftet wird (Zitat, S. 476): »Die neuen Zehn Gebote! (…) Ich bin kein Gott. Ihr sollt mich nicht neben euch selbst haben. Ihr seid die Menschen der Erde. Ihr allein tragt die Verantwortung. Ihr habt diese lange genug abgegeben…«.
Und nein, diese hier von mir herausgepickte Facette ist keinesfalls die tragende Botschaft des Romans. Sie ist ein einzelnes Funkeln in einem Feuerwerk skurriler Ideen, das der Autor auf über 520 Seiten abfackelt. Da muß man erst einmal darauf kommen, daß das Geschäftsmodell einer Investmentbank im Grunde wie ein Schwarzes Loch funktioniert. Nein, nicht nur deshalb, weil das Geld der Anleger auf ewig verschwindet, weil der Moloch alles verschlingt. Viel durchdachter! Das Schwarze Loch gebiert kurz über dem Ereignishorizont permanent Teilchen, die es dann verschluckt, um sich davon zu nähren und zu wachsen. Im Vergleich dazu die Bank (S. 282): »Also: Angenommen, du hast zweihundert Dollar plus jemanden, der dir vertraut, dann leihst du diesem Jemand zehntausend Dollar. (…) Obwohl wir die zehntausend Dollar nicht haben, tun wir so, als – schwupp – hätten wir sie. (…) Es beginnt die wundersame Geldvermehrung: Obwohl die zehntausend Dollar nur virtuell existieren, bekommen wir reale Zinsen dafür. Wir machen also aus Nichts Etwas. Wie ein Gott.« Upps, ich bin ja schon wieder bei der Religion gelandet. Das ist ja wie im Roman auch: vom Hölzchen geht es zum Stöckchen. Aber nicht nervig oder ätzend, erst recht nicht langweilig. Schräge Sichten auf eine schräge Welt. Doch nichts ist falsch, nur weil es schräg ist; manchmal ermöglicht das Schräge eine neue Perspektive und führt zu ungeahnten Erkenntnissen. Wenn im Innern eines Schwarzen Lochs die nackte Singularität vorliegt, in der unsere Vorstellungen von Ursache und Wirkung, von Zusammenhängen, von Gesetzmäßigkeiten nicht gelten, und wenn man das Schwarze Loch zähmen und domestizieren kann, wie es manchen Menschen mit drei Hirndritteln möglicherweise gelingt, können aus Unwahrscheinlichkeiten plötzlich Gewißheiten werden (sprich: es geschehen Wunder). Und dann wundert es überhaupt nicht (mehr), wenn ein Husky nicht nur hohl, sondern auch weiß ist und zudem ein weißes Loch, mit dem die Domestizierung des Schwarzen Lo… – ach, ich lasse den Satz hier einfach mal in der Schwebe. Wie gesagt: In meinen Augen hat Orths seinen Faust in Form des Romans „Alpha & Omega” geschrieben, und das ist des Husky’s Kern.

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Über ausgesucht

…desillusioniert
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Eine Antwort zu Buch 58.2 – Alpha & Omega

  1. hansarandt schreibt:

    Zum Thema Geld und schwarze Löcher empfehle ich meine Unmutsäußerungen und da das Kapitel Geld: http://hansarandt.wordpress.com/unmutsauserungen/

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