Multi-wer-sum

Multiversen besitzen nicht zuletzt wegen der String-Theorie eine gewisse Wahrscheinlichkeit ihrer Existenz. Die String-Theorie ist ein abstraktes Konstrukt jenseits aller Empirie, das zwei wesentliche Fragen beantworten soll: Warum ist? Und warum ist, was ist, wie es ist? Zumindest die erstgenannte Frage wird nicht beantwortet (dazu in einem späteren Artikel (vielleicht) mehr). Achja, auch die zweite Frage wird nicht beantwortet. Aber dafür liefert die Theorie eine ganz nette Beschreibung nicht nur unserer Welt, sondern nebenher auch noch für die verschwindende Anzahl von etwa nur 10500 anderer Welten. Daß sie dabei die Gravitation nicht gebührend würdigt, mag ein Indiz sein, daß es sich bei der String-Theorie um eine nette Spielerei handelt (aber auch kaum mehr – apropos mehr: auch dazu ist ein Artikel am Werden).
Nimmt man die 10500 Parallelwelten als gegeben, ist es nicht unwahrscheinlich, daß sich in einer der vielen, vielen Welten, von denen manche der unseren mehr oder weniger ähneln und manche so völlig anders sind, eine Superzivilisation entwickelt hat. Diese könnte nicht nur Milliarden von Jahren an Entwicklung hinter sich haben (uns also weit, weit, weit voraus sein), sondern eine Superintelligenz entwickelt haben, die unsere Welt als eine Art Computersimulation laufen läßt. Wie gesagt: die Wahrscheinlichkeit ist nicht null – es ist denkbar, daß wir in einer Simulation leben, wenn sich an dieser Stelle nicht sofort ein Widerspruch auftun würde, der das logische Konstrukt nicht nur arg knirschen, sondern gleich gänzlich zusammenbrechen läßt.
Die String-Theorie soll unsere Welt widerspruchsfrei erklären. Das ganze Gedöns von Urknall bis zum seligen Ende. Um unsere Welt konsistent zu „bekommen”, muß mit sehr großen Kanonen geschossen werden. Eine Teillösung, also ein Einzeluniversum, macht eine Zivilisation denkbar, also möglich, die unsere Welt lediglich simuliert hat. Sie ist also durch diskretionäres Eingreifen (der Superzivilisation) entstanden und braucht gar nicht widerspruchsfrei zu sein, da sie sich nicht von Α bis Ω zu entwickeln braucht. Die Extremextrapolationen in Richtung Urknall oder Big Crunch (oder was auch immer) sind wie auch die Frage nach der Parametrisierung des Jetzts schlichtweg überflüssig, da der „Datenpool”, aus dem sie geschöpft sind, „per Knopfdruck” angelegt wurde. D. h. wir brauchen keine Gedankenspielerei, die unsere Welt widerspruchsfrei aus sich selbst erklärt. Und genau an dieser Stelle geht die Logik in die Knie: Um unsere Welt konsistent aus sich heraus erklärbar zu machen, wird ein Konstrukt erschaffen, das es wahrscheinlich macht, daß unsere Welt gar nicht aus sich heraus erklärbar ist.

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Über ausgesucht

…desillusioniert
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14 Antworten zu Multi-wer-sum

  1. ralphbuttler schreibt:

    Hat dies auf Auf dem Dao-Weg rebloggt.

  2. YDU schreibt:

    Mit der Computersimulation habe ich kein Problem, aber die Superintelligenz bezweifle ich ein wenig! Ich vermute eher, dass sich die Kids der Superintelligenz hinter dem Rücken der Großen ein Späßchen erlauben und wir nur hoffen können, dass sie nicht auffliegen, da Big SI den Schrott sicher ins Nirvana befördert, was bei uns Weltuntergangsstimmung aufkommen lassen würde …

    • ausgesucht schreibt:

      Diese Erweiterung des „Modells“ ist Dir richtig gut gelungen! 😀
      Immer, wenn wir glauben, daß es bei uns irgendwie gerade nicht vorangeht, hat Mutti SI ihren Spiele-Nerd wohl gerade zum Abendbrot gerufen… Und Vati SI hat den Spielschrott bisher auch noch nicht gefunden, weil der Spiele-Nerd ihn clever versteckt hat – Superintelligenz halt… 😉

  3. willymahl schreibt:

    Also Meister , es freut mich sehr, daß auch Du findest daß es in unserem Universum Dinge gibt die einfach jenseits des menschlichen Wahrnehmungsvermögens liegen. Die Stringtheorie das sind die kleinen Spatzierstöckchen mit denen wir versuchen ans Ziel zu kommen, die uns nur unsere Aktivität, auf höchstem mathematischen Niveau natürlich , zeigen. Aber Wohl auch nicht ganz zum Ziel bringen.

    • ausgesucht schreibt:

      Ist Dir auch schon aufgefallen, wie inbrünstig die absurdesten Schimären geritten werden, um das ersehnte Ziel vor allen anderen zu erreichen… 🙂

  4. Hat dies auf vivere in tristitia et anxietas rebloggt und kommentierte:
    Ich hoffe es ist okay wenn ich reblogge

  5. hansarandt schreibt:

    Natürlich gibt es viele Welten. Die Welt des Fußballs, die Welt des Films, die Welt des Traums, die Welt des Wohnzimmers und die Welt der Kaffeeflecken auf dem Tischtuch.
    Es kann auch als sicher gelten, dass es unendlich viele solcher Welten gibt. Das Universum und selbst die Multiversen sind nur ein kleiner Teilbereich dieser Weltenmenge, sozusagen eine Provinz oder Provinzen.
    Es gibt auch unendlich viele Wahrheiten. So kann es zum Beispiel wahr sein, dass sich Kaffeeflecken auf dem Tischtuch befinden. Es ist auch wahr, dass es Hexen in Goethes Faust gibt, obwohl weder Faust noch die Hexen in Faust physikalisch existierende Gegenstände in irgend einen Multiversum sind.
    Mauritio Ferraris hat in seinem Maifest für einen neuen Realismus sich einige stringtheoriekritische Gedanken über einen Pantoffel gemacht, die ich hier zusammenfasst habe: http://hansarandt.wordpress.com/2014/08/27/die-wahrheit-wird-euch-frrei-machen/#more-837

    • ausgesucht schreibt:

      „Dass sich Kaffeeflecken auf dem Tischtuch befinden“, kann keine Wahrheit sein, denn in meinem Universum ist diese Aussage falsch. Und man sollte sich hüten, eine „wahre Aussage“ als „Wahrheit“ zu bezeichnen. Der Begriff „Wahrheit“ meint eine Kategorie, ist also immer ontologisch.
      Die Aussage, daß es Hexen im „Faust“ gäbe, ist falsch! Die Aussage, daß literarische Figuren im „Faust“ zu finden sind, die unter dem Begriff „Hexe“ subsumiert sind, ist wahr. Es ist dennoch keine Wahrheit, da nicht erwiesen ist, daß es nicht irgendwo (als unveröffentlicher Nachlaß auf der Erde oder in einem Paralleluniversum) einen Faust ohne Hexen gibt.

      • hansarandt schreibt:

        Kannst du mir mal sagen, wo du die Tischtücher herbekommst, auf denen es keine Kaffeeflecken geben kann, ich hätte auch gerne so eines.
        Warum ist in deinem Universum die Wahrheit ein Subjekt, „ein Begriff, der etwas meinen kann“?
        Ich dachte immer wir sind die Subjekte, die festlegen, was mit einem Begriff gemeint ist. Das ist auch viel demokratischer, weil wir durchaus unterschiedlicher Meinung sein können und der Begriff uns nicht vorschreiben kann, wie wir ihn zu verstehen haben.
        Was soll denn das für eine Wahrheit sein, die sich nicht auf Kaffeeflecken beziehen darf und wie erkläre ich den Kindern, dass sie an der roten Ampel stehen bleiben sollen, wenn das alles nur einer Frage der Interpretation ist?
        Sicher gibt es in den Multiversen alles, was es in der Phantasie auch geben kann. Sicher kann ich mir vorstellen, dass es in Faust keine Hexen gibt aber in jenem Theaterstück, das Goethe verfasst hat gibt es genauso sicher Hexen wie es auf Tischdecken Kaffeeflecken gibt. Wenn du es nicht glauben willst, mache ich schnell ein paar Kaffeeflecken auf ein Tischtuch und faxe dir das an jede beliebige Adresse, dann hast du den experimentellen Beweis, dass die Aussage, dass es solche Tischtücher gibt, tatsächlich wahr ist.
        Oder noch besser du faxt mir so eine wunderbare Tischdecke aus deinem Universum. Wenn ich da wirklich keine Kaffeeflecken drauf machen kann, denke ich über die ganze Sache noch mal nach.

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