göttlich

Einen vollkommenen „Nicht-Gott“-Beweis gibt es nicht, also den Beweis, daß es keinen Gott gibt. Betonung auf ‚vollkommen‘. Das liegt an der Begrenztheit unseres empirischen Wissens, welches zugleich Richtschnur und letzte Grundlage allen Erkennens ist.
Und die Vollkommenheit ist Dreh- und Angelpunkt bei der Suche nach Gott. Dieser soll ja schließlich vollkommen sein: allmächtig, allwissend, vollkommen gütig etc. Aber Vollkommenheit gibt nur in (echten) Untergruppen des kategorischen Alles. Diese Teile der absoluten Vollständigkeit brauchen nicht endlich oder räumlich begrenzt zu sein. Das ‚echt‘ bezieht sich darauf, daß es „außerhalb“ dieser Teilmenge noch etwas gibt, das zur Kategorie Alles gehört. Deshalb muß der vorletzte Satz relativiert werden. Vollkommenheit gibt es entweder in echten Untergruppen des kategorischen Alles oder sie bezieht sich nicht auf konkrete Eigenschaften.
Mag sein, daß es einen unendlichen Gott gibt, aber er wäre nur mächtig, wissend oder gütig, nicht aber allmächtig, allwissend oder grundgütig. Was ist ein solcher Durchschnittsaugust als Gott wert? Schließlich ist er nicht nur mächtig, wissend oder gütig, sondern zugleich auch machtlos, unwissend und alles andere als gut (etwa hinterhältig, egoistisch oder böse). Aber vielleicht ist dieser Gott mit all seinen Eigenschaften ja wirklich vollkommen? Vielleicht auch das, aber dann wäre er kein unendlicher Gott. Dann hätte er „Zuständigkeitsbereiche“, in denen er perfekt wäre, aber es gäbe – ehrlicherweise unendlich – Vieles, für das er vollkommen inkompetent wäre.

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Über ausgesucht

…desillusioniert
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21 Antworten zu göttlich

  1. kosinsky schreibt:

    Die Frage ist, ob wir Gott als Figur/Annahme für die Erkenntnis der (nicht-empirischen) A priori-Grundbedingungen von Existenz und weiterem brauchen. Ich glaube ( 🙂 ) nicht.

  2. Yeti schreibt:

    Ich glaube nicht, dass das empirische Wissen die letzte Grundlage unseres Erkennens ist.

    Wenn in einer Projektbesprechung der Testleiter mitteilt, dass es sich mit den Testergebnissen so oder so verhält, dann wird ihm der Gesamtprojektleiter in erster Linie vertrauen, er wird ihm glauben (eventuell wird er sich um eine Glaubwürdigmachung der Testergebnisse bemühen, z.B. durch Stichproben).

    Aber niemals wird der Gesamtprojektleiter eigenhändig die Testreihe wiederholen, um zu der Erkenntnis zu gelangen, die er für seine Projektentscheidungen benötigt.

    Ich glaube, im täglichen Leben gibt es viel mehr Glauben als empirisches Wissen.

    • ausgesucht schreibt:

      … tja, das ist (D)eine Glaubensfrage; dazu sage ich nichts, außer daß in meinem Text ausdrücklich die Formulierung: „letzte Grundlage“ verwendet wurde… 😉

      • Yeti schreibt:

        auch das glaube ich nicht, denn die allerletzte Grundlage ist unsere gottgegebene Erkenntnisfähigkeit 🙂 vor der Erkenntnis kommt die Erkenntnisfähigkeit, imho

        • ausgesucht schreibt:

          … dann frag doch Deinen Gott bei Gelegenheit einmal, ob die Erkenntnisfähigkeit, die er seinen Geschöpfen mitgegeben hat, sich nicht nur auf empirische Erkennbarkeit bezieht? 😉

          • Yeti schreibt:

            Danke für den Tipp 😉 Er ist der Meinung, dass Erkenntnisfähigkeit eng mit den Fähigkeiten Intuition und Inspiration verwandt ist.

            Was die Inspiration betrifft, ist es ja hinlänglich bekannt, wes Geistes Kinder die gottlos betriebenen Naturwissenschaften und Techniken sind. 😉

            Da fällt mir ein Witz ein: Kommt ein Mann zu spät zum Frühschoppen. Er war noch in der Kirche, sagt er. „Worüber hat der Pfarrer gepredigt?“, fragen die andern. „Über d‘ Sünd'“, sagt er. „Und was hat er gesagt“. „Er war dagegen“. 🙂

            • ausgesucht schreibt:

              … und ist der Herr Pfarrer – um auf die Ausgangsfrage zurück zu kommen – auch dagegen, daß die gottgegebene Erkenntnisfähigkeit sich in empirisch erfahrbaren Belangen manifestiert?

              • Yeti schreibt:

                nö, überhaupt nicht, wollte nur klar machen, dass der Mensch, und vermutlich jedes Lebewesen einige Fähigkeiten sein eigen nennt, die a priori gegeben sind

    • In der Frage der Erkenntnisfähigkeit verweise ich auf die Intuition. Auch sie gehört zur Bandbreite unserer möglichen Erkenntniswege. Genau so wie Glauben und Empirie. Aus meiner Sicht ist die Intuition der erste Schritt, der unter- und damit unbewusst abläuft. Beim Eintritt ins Bewusstsein führt die Information zu Verzweigungen ins Unbewusste, was sich in erster Linie als oft erst nebulöser Glauben zeigt, und ins Bewusste, was die Entscheidung zwischen Glauben und dem Versuch des empirischen Erfassens ermöglicht. Die Grenze zwischen Glauben und Empirie halte ich generell für schwammig-fließend. So kann ich z.B. aus der Erfahrung heraus und dem Verständnis für die physikalischen Zusammenhänge davon ausgehen, dass morgen wieder die Sonne aufgehen wird. Den letzten Beweis dafür, die prüfbare Tatsache, werde ich aber erst morgen bekommen. Bis dahin bin ich auf meinen empirisch begründeten Glauben angewiesen.

      Ob unser empirisches Wissens Richtschnur und/oder die letzte, erste oder andere Grundlage allen Erkennens ist, halte ich für eine rein persönliche Entscheidung, die so ausfallen mag oder auch nicht. Ich selbst klammere mich diesbezüglich von „uns“ aus. Die Zunahme des empirischen Wissens führt zu einer Zunahme des bewussten Unwissens und damit der Suche nach Antworten. Das macht dieses Wissen aber nur zur Grundlage des empirischen Erkennens. Für alle anderen Erkenntniswege wird es das nicht.

      Was dabei gottgegeben ist, vermag ich genau so wenig zu beantworten wie die Frage, ob es Gott gibt oder nicht. Das überlasse ich den Theisten und A-Theisten. So lange beide mir nicht sagen können, was dieser Gott ist, von dessen Existenz bzw. Nichtexistenz sie ausgehen, weiß ich gar nicht, wonach ich suchen sollte. Beide bewegen sich aus meiner Sicht im Bereich des Glaubens. Wobei die Theisten den kleinen Vorteil haben, nicht mit dem Paradoxon einer Nichtexistenz konfrontiert zu sein. Das Erkennen des Ganzen aus einer Schnittmenge heraus dürfte aber auch für sie eine rein philosophische Beschäftigung bleiben.

      • ausgesucht schreibt:

        Ehe Yeti antwortet, eine kurze Anmerkung von mir: Endlich! Endlich bin ich einem Individuum begegnet, das all seine Erkenntnis (nach eigenem Bekunden!) außerhalb der Empirie „gewonnen“ hat, ohne zu sehen oder zu hören, ohne jede Beobachtung (etwa den Blick durch ein Fernrohr oder auch das Ablesen eines Meßwertes), die auch andere stellvertretend gemacht und schriftlich überliefert haben, ja selbst ohne Sprache…
        Ein Wunder!!!

        • Dieses Individuum würde ich auch gern kennenlernen. Vor allem bin ich gespannt auf meine empirische Erkenntnis, wie die Kommunikation funktionieren könnte.

        • Yeti schreibt:

          Weiss nicht, ob ich hier überhaupt antworten soll.

          Ohne eine gewisse Intuition sind wir keiner Erkenntnis fähig. Wenn mir als kleines Kind die Mutter auf den Ball zeigt und „Ball“ sagt, dann brauche ich die nötige Intuition, zwischen den beiden Ereignissen („Zeigen sehen“ und „Ball hören“) den nötigen Konnex herzustellen, sonst werde ich nie wissen was ein Ball ist.

          Wenn ich als Baby plärre und mir dann die Mutter die Brust gibt, dann muss ich irgendwann einmal – durch Zufall ? – herausgefunden haben, dass das Plärren dabei hilft, was zum Futtern zu bekommen (ein Reiz-Reaktions-Mechanismus, der sich oft bis ins hohe Alter hält 🙂 )

          Also eine gewisse Intuition, einige Dinge, die ich „a priori“ kann und verstehe, muss es wohl geben.

          Dass der Glaube an Gott ein Glaube ist und kein Wissen, das steht ja ausser Zweifel.

    • hansarandt schreibt:

      Ich stimme dir zu. Ich glaube, dass man das nicht nur glauben, sondern sogar wissen kann.

  3. Nik Ostertag schreibt:

    Schön. Und es zeigt sich, dass auch die Empirie nicht ohne metaphysische Argumente auskommt.

    Im Übrigen ist die Sache mit Gott entweder ein Irrtum (welcher auch immer), oder eine Liebesgeschichte. Bei letzterer ist ja nie ganz klar, was da a priori gegeben ist und ob man a posteriori klüger geworden ist. Eher eine Art Selbstfeldversuch mit Folgen. So oder so.

    Philosophisch heisst das: Die Mittel der Erkenntnis müssen dem Erkenntnisgegenstand angepasst sein. Sonst hilft’s nicht weiter.

    • ausgesucht schreibt:

      Ich hatte schon immer vermutet, daß es keine Wahrheit gibt. Zumindest ist Dein Kommentar (der vorletzte Satz) ein starkes Indiz dafür: wenn die Erkenntnis nämlich davon abhängt, mit welchem Haken sie aus dem Trüben gefischt wurde… 😉

  4. Nik Ostertag schreibt:

    Ja sicher. Es kommt nun mal nicht viel dabei heraus, wenn ich mich aufmache dem Gesang der Wale mit dem Fernrohr zu lauschen. Aber das heisst nicht, dass es den Gesang der Wale nicht tatsächlich gibt und auch nicht, dass das Fernrohr nicht ein vortreffliches Instrument ist. 😉

    • ausgesucht schreibt:

      … aber es heißt auch, daß im Walgesang nur das gefunden werden kann, das mit den verwendeten Mikrophonen, Aufzeichnungs- und Auswertungsmöglichkeiten gefunden werden kann (oftmals sogar werden will). Das allein mag zwar spannend sein, ist aber begrenzt durch die verwendete Technik.

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