Gewissenskonflikt

Obwohl ich vor einiger Zeit ein paar Silvester Pättagurkig studiert habe (oder wie das heißt) und das Referendariat sogar erfolgreich abschließen konnte, kann ich es heute nicht mehr mit meinem Gewissen vereinbaren, das Füllhorn des Wissens über Schülern auszugießen. Was gilt in unserer Gesellschaft das Wissen? Was gilt die Vermittlung des Lernen-Lernens? Woher leitet sich das Recht ab, Eleven zum Wissenskonsum zu gängeln, wenn das zugrundeliegende Moralkonzept diametral zum Kanon des Wissens steht?

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Über ausgesucht

…desillusioniert
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51 Antworten zu Gewissenskonflikt

  1. YDU schreibt:

    Ziemlich vergurkte Situation, obwohl vermutlich einige Pättagurgiker mit diesem Wissen im Hinterkopf durchaus brauchbar wären! Womöglich ließen sich einige der Eleven in höhere Gefielde lenken … 😉

  2. mannedante schreibt:

    Meine Achtung hast du! Respekt für deine Haltung. Nächstes Jahr mach ich mit!! Füllhörner und Trichter haben ausgedient! Viele Grüße M.

  3. user unknown schreibt:

    Wieviel Wissen steckt denn in den Skrupeln Wissen zu vermitteln?

    • ausgesucht schreibt:

      Gute Frage! Aber braucht es wirklich Wissen, um Skrupel bei der Wissensvermittlung zu haben? Ist an dieser Stelle nicht vielleicht sogar das Gefühl (und ein offener und unbefangener Blick auf das Hier und Jetzt) recht aussagekräftig? Am Ende gar scharfsichtiger und unbestechlicher als das (letztlich doch immer polarisierte) Wissen? Ich weiß es nicht…

  4. Joachim sieht es genau, obwohl er Pädagogik durchaus für ein brauchbares Fach hält, sofern es nicht mit dem Ziel belegt wird, später in einer Regelschule zu arbeiten. Seine gestrige Unterhaltung mit einem Waldorf-Lehrer zeigte ihm wieder mal diese gute Alternative auf, als Pädagoge tätig zu sein oder mit besserem Gewissen Wissen oder was auch immer zu vermitteln.

    • ausgesucht schreibt:

      Nichts gegen die Pädagogik. Trotzdem drängt sich die Frage auf, ob das bestehende Schulkonzept (Waldorf oder andere) überhaupt noch zeitgemäß ist. Und je länger ich darüber nachdenke, desto mehr drängt sich ein kolossales Nein in die Szenerie… 😉

      • YDU schreibt:

        Dann ran an den Speck, da sind neu Konzepte gefragt, die nur von Personen verwirklicht werden, die sich noch nicht im Gewusel verfangen haben! Wenn alle, die was drauf haben, ihrer Wege ziehen, weil sie an eine Änderung nicht glauben, dann wundert mich das aktuelle Ergebnis absolut nicht … 😉

        • ausgesucht schreibt:

          … aber es ziehen ja nicht alle ihrer Wege. Manche suchen auch Wege, den bestehenden Zustand zu ändern. Sie ziehen dann erst, wenn die beabsichtigten Änderungen aussichtslos erscheinen. Wahrscheinlich geht man eh nur um der neuen Aussichten willen neue Wege… 😉

          • YDU schreibt:

            Wer schon aufgibt, bevor er begonnen hat, der wird freilich nicht weit kommen … 😉

            • ausgesucht schreibt:

              Wow, gleich mit der Keule immer druff uff’n Deetz! Man könnte genausogut auch das andere Extrem aus dem Ärmel zaubern: Wer aufgibt, weil das Unterfangen vollkommen aussichtslos ist, spart Energie und Nerven und erspart sich Mißerfolgserlebnisse… 😉

              • YDU schreibt:

                Woher willst Du das so genau wissen,
                das frage ich ganz dienstbeflissen,
                wer hat Dir geflüstert das in Ehren?
                Kannst ruhig es unter den Teppich kehren,
                oder auch werfen in den Müll,
                Gewinner setzen sich ein klares Ziel
                und bleiben auch, wenn mal gar nichts geht – ganz kühl! 😉

              • ausgesucht schreibt:

                Ich glaube einfach nicht, daß sich Gewinner ein klares Ziel setzen. Ja nachträglich, in den Momoiren, sieht das alles ganz anders aus! Dabei wissen wir doch alle, daß Heldentum nichts anderes ist als überlebte Ausweglosigkeit… 😛

              • YDU schreibt:

                Dann wären wir ja wieder am Beginn:
                Pfeif auf das Ziel, auf den tieferen Sinn,
                lass spielen deine Phantasie in allen Farben,
                staple Visionen hoch auf mit güldenen Garben,
                pack ein Optimismus, Hoffnung und Glück,
                bald bewegt sich die Sache ein gutes Stück!

              • ausgesucht schreibt:

                … wirst Du bei der Bewegung mitmachen? 😉

              • YDU schreibt:

                Klar doch, starte bereits die Kettensäge, denn ohne Holz vor dem Haus ist das Leben ein Graus! 😉

              • ausgesucht schreibt:

                Nicht, ob die Kettensäge, sondern ob Du die Bewegung mitmachen wolltest, war die Frage. 😛

              • YDU schreibt:

                Mit der Kettensäge in der Hand – klar doch! So etwas lasse ich mir doch nie und nimmer entgehen, wie wir beide bewegt, den Ereignissen harrend und in froher Erwartung der Ergebnisse froh dreinblickend … Ich an der Deiner Seite hochbewegt, meine kleine Kettensäge in der Linken mit halber Drehzahl laufend, den Blick voller Neugier nach vorn gerichtet! Hach, das wird einfach toll! 😉

              • ausgesucht schreibt:

                Das nenne ich Kopfkino. 🙂
                Wenn’s das nicht schon gäbe, sollte es baldigst verfilmt werden. Oder gibt es sowas etwa noch gar nicht? 😉

              • YDU schreibt:

                Gute Frage, aber ich schätze in dieser Konstellation dürfte das neu sein, obwohl man sich da nie sicher sein kann … 😉

              • ausgesucht schreibt:

                … wenn dem so ist, wird’s wohl doch langsam Zeit, aus der Idee cineastisches Kapital zu schlagen, oder nicht? 😕

              • YDU schreibt:

                Der Schein macht doch nichts her,
                die Realität muss es sein,
                das ist mein Begehr …. 😉

              • ausgesucht schreibt:

                Hmm, naja, nun. Ein Schein in der Realität macht schon was her – mit ’ner fetten Zahl drauf, steigert’s das Begehr. 🙂

              • YDU schreibt:

                Fette Zahlen können mich nicht reizen,
                da muss ich beim Lesen die Augen zu sehr spreizen!
                😉

              • ausgesucht schreibt:

                Gut, das überzeugt. 😉

      • user unknown schreibt:

        Waldorf? Macht das noch jemand? Hat sich nicht rumgesprochen, dass das ein Rassist war, der Hr. Steiner?
        Der hat sich doch eine Pädagogik zusammengesponnen – wie kann man das heute überhaupt noch machen/dulden?

        • ausgesucht schreibt:

          Harsch formuliert! Aber tun wir, wir Menschen, nicht so Vieles wider die Vernunft? Vielleicht ist der Glaube an die W.-Schule letztlich nur ein Ausdruck für eine gewisse Verzweiflung/Hoffnungslosigkeit angesichts der Standard-Schulsysteme?

          • user unknown schreibt:

            Ich weiß nicht, was Du als Schulprobleme so ausmachst. Es gibt so viele, dass sich da jeder was bei denken kann, ohne dass man über das gleiche redet.

            Jedenfalls hat die Schule weder Rassistische Ideologien zu wiederholen, noch Mumpitz zu verbreiten. Ich kenne mich jetzt nicht weit mit Steinerscher Lehre aus, aber doch soweit, dass er von einer Entwicklung des Menschen in Phasen von 7 Jahren ausging, die durch keine empirischen Befunde gerechtfertigt ist.

            Es gibt sicher keine Erzihungswahrheiten wie 2+2=4, die man mit Anstrengungen findet, und dann auf alle Zeit beibehält. Gewiss hat sich unser heutiges System auch aus vielen ad hoc Erklärungen, Vermutungen und unbewiesenen Thesen entwickelt. Aber es gibt den Versuch der Erkenntnisgewinnung und die Bereitschaft sich von falschen Vorstellungen zu lösen, oder?

            • ausgesucht schreibt:

              Im Ausgangstext geht es um das ethisch/moralische Umfeld der Wissensvermittlung, nicht um „Erziehungswahrheiten” irgendwelcher Lehrkonzepte. Es geht um das Was bzw. das Warum-überhaupt, nicht um das Wie. Mithin maße ich mir keine Antwort auf die von dir gestellte Frage an…

              • user unknown schreibt:

                Was ist das, das ethisch-moralisch Umfeld von Wissensvermittlung? Welche Fragestellungen gehören da hin? Das „Warum überhaupt“? Warum überhaupt Erziehung?

                Weil wir in einer komplexen Gesellschaft leben, in der man sich nicht orientieren kann, wenn man nicht lesen, schreiben und rechnen kann, in der man unterprivilegiert ist, wenn man keine Fremdsprachen spricht, in der man permanent reingelegt wird, wenn man Statistik nicht versteht, Logik nicht, wenn man keine Ahnung von Rhetorik hat.

                Wenn man nicht will, dass die folgende Generation hereingelegt wird, dann muss man die Kulturtechniken vermitteln, um die Gesellschaft zu begreifen, und auf der Basis des heutigen Wissens das morgige Wissen zu konstruieren.

              • ausgesucht schreibt:

                Ist es nicht genau Dein letztgenannter Satz, der meine Ausgangsthese stützt? Zitat: „… das morgige Wissen [zu] konstruieren”. Ich kann es nämlich nicht mit meinem Gewissen vereinbaren, was das konstruiert wird, auch noch zu unterstützen.

              • user unknown schreibt:

                Tja, das mag ja sein. Was denn genau? Die Erforschung von Ebola? Die Lösung der Frage regenerativer Energien? Ich vermute eher das Gegenteil ist gemeint, oder die damit verbundene Geschäftemacherei wird verdammt, aber aus dem Beitrag ergibt sich das nicht – ich stehe im Dunkeln.

              • ausgesucht schreibt:

                Im Dunkeln? Ich weiß nicht, ob ich Dich erleuchten können werde, denn im Beitrag stehen drei Fragen, die Dein „Was denn genau?” recht scharf fokussieren. Und es ist ganz sicher nicht der Hauch einer Andeutung dabei, daß kein Wissen notwendig sei, brennende Fragen der Menschheit (Ebola oder regenerative Energiedepots oder was es millionen anderer noch gibt) zu beantworten. Und auch die Geschäftemacherei auf der Basis ungerecht verteilter Mittel, die aus neuen Wissenkomponenten generiert werden, interessiert mich keinen Deut. Das ist nunmal so – wir leben nicht mehr in einer Infantilgesellschaft. Aber welchen Wert hat in unserer Zeit, in unserer Gesellschaft allgemein das Wissen? Also nicht, was ein Einzelner aus konkreten Wissenselementen macht, sondern breites Allgemeinwissen. Allgemeinwissen, das nicht nur dann verfügbar ist, wenn das iDingens funktioniert, sondern das auch allgemeine Grundlage humanen Miteinanders ist…

              • user unknown schreibt:

                Das Wissen erlaubt erst die Fragen zu stellen, die das iDings dann beantworten kann. Ich kann zwar nachsehen wann die RAF war, wer das war, was sie wollte, aber nur wenn ich einen Teil dessen schon vorher weiß komme ich auf die Idee zu fragen, ob es Parallelen zu radikalen Islamisten gibt, die nach Syrien wollen.

              • ausgesucht schreibt:

                … und was sagt das iDinges zu den Parallelen? 😉

              • user unknown schreibt:

                Tja, 😉 da müsste ich erst so ein iDingens kaufen. Vermutlich sagt es „Sorry, das war vor meiner Zeit“. 🙂

              • ausgesucht schreibt:

                … das ist übrigens ein exzellentes Stichwort! Die wenigsten Dinge von historischer (oder auch allgemeiner) Bedeutung liegen in der Zeit von iDingens & Co. Also ist praktisch alles, was heute dort zu lesen und „recherchieren” ist, also praktisch alles Wissen, durch irgendwelcher Leute Tun dort hingekommen (und wenn es nur das Auslösen des Startknopfes einer Maschine zum vollautomatischen Konvertieren von Manuskripten in z.B. PDFs war). Es ist – oder kann zumindest – also gefiltert, geklittert, umbewertet, also durch und durch kein verläßliches Wissen mehr!

              • user unknown schreibt:

                Nun – was ist verlässliches Wissen? Es gibt kanonisiertes Wissen, aber um zu entscheiden was man in den Kanon dessen, was man heute für gültig hält, aufnehmen möchte bedarfs es seinerseits Wissen. Heute weiß man, dass Asbest ein langfristig sehr gefährlicher Baustoff ist – das Wissen geht auch wieder verloren, wenn man es nicht pflegt.
                Das Wissen, was ein sicherer Umgang mit Pferden ist, war dagegen vor 200 Jahren sicher weiter verbreitet als heute, ist aber heute für die meisten Leute entbehrliich – stattdessen müssen sie über Autos in gewissem Umfang bescheidwissen, wenn sie den Alltag bewältigen wollen.

                Es kann natürlich Gruppen geben, die sich diesem Alltag verweigern wollen, aber in der ersten Generation basiert solche Verweigerung selbt wieder auf Wissen. Wird dann den Nachkommen Wissen weitergegeben oder nur autoritäre Verhaltensvorschriften mit Glaubensgeboten?

              • ausgesucht schreibt:

                Aber bestätigt das nicht meine Ausgangsthese? Doch zunächst: ich stimme Deinen Argumenten zu. Alles ist Wissen, ohne Zweifel. Doch dann verhaken sich genau meine Fragen: Ist das Wissen, das heute in unserer Gesellschaft für wertvoll angesehen wird, es wirklich wert, in der Breite in Schüler eingetrichert zu werden?

              • user unknown schreibt:

                Ich weiß immer noch nicht, was davon genau oder typischerweise so problematisch ist – schon Lesen und Schreiben, die Schrift? Welche Alternative dazu wäre denkbar?
                Ich würde auch nicht so weit gehen zu sagen „Alles ist Wissen“. Es gibt viele Leute, die sich auf Glauben berufen und zumindest zum Teil einräumen, dass das kein Wissen ist. Andere haben „tieferes“ Wissen oder „höheres“ Wissen, welches ihnen angeblich offenbart wurde, oder sie haben Einsichtsfähigkeiten in Auren und derartiges, aber es gibt Kategorien, nach denen man derartige Kopfinhalte von dem, was andere Wissen nennen, scheiden kann.
                Man hat auch schon gehört, dass Menschen ernsthafte Entscheidungen von derlei Ideen abhängig gemacht haben, teils in großen Gruppen und mit großartigen Erwartungen.

                Ein gesundes Misstrauen auch gegenüber dem, was wir zu wissen zu glauben weist aber selbst wieder auf Wissen zurück, auf optische Täuschungen, auf Psychologie, auf Rhetorik, Geschichte, Naturwissenschaften – der ganze Zirkus.
                Am Ende beißt auch der mehr Wissende ins Gras – auf der Ebene gebe ich klein bei, aber auf der Ebene muss man letztlich immer klein beigeben – als Zünglein an der Waage einer spezifischen Diskussion taugt es somit also nicht.

  5. Fand der Hochstapler Felix Krull übrigens auch: „Bildung wird nicht in stumpfer Fron und Plackerei gewonnen, sondern ist ein Geschenk der Freiheit und des äußeren Müßigganges; man erringt sie nicht, man atmet sie ein […]“. Fragt sich nur, ob für diese Form oder die allgemeine Form der Bildung Wissen notwendig ist und ob Letztere auch eingeatmet wird.

    • ausgesucht schreibt:

      Das Einatmen der Bildung ist eine nette Matapher, aber Wissen ist für Bildung unabdingbar. Das ist übrigens – vielen Dank für den Hinweis! – die nächste „Entwicklungsstufe”, die zu beklagen sein wird: Unsere Gesellschaft schätzt heute Wissen gering (zumindest bestimmte Formen davon), bald wird deshalb auch ein eklatanter Mangel an Bildung zu beklagen sein.

      • Also bräuchte man einen neuen Weg, Wissen zu vermitteln, damit danach mittels Müßiggang Bildung entstünde, um eine Wissensgesellschaft zu einer Bildungsgesellschaft zu transformieren. Schöne Utopie.

        • ausgesucht schreibt:

          Es ist ein mutiges Vorgehen, aus den hier verfügbaren Texten auf Deine Utopie zu gelangen. Eine kühne Interpretation, aber ist sie auch zielführend?

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