Selbstverleugnung

Einem Satz wie: „Der Glaube an einen Gott ist Selbstverleugnung”, der in dieser Art während des Schlagabtausches zwischen Mustafa Mannesmann und dem Wilden in Huxley’s „Schöne neue Welt” herauspräpariert wird (Kap. 17), mögen nicht vordergründig an Religiosität ausgerichtete Menschen ohne besondere Gewissensbisse zustimmen. Doch dieser Gedanke greift tiefer, denn jeder Glaube bedeutet im Grunde Selbstverleugnung. Das gilt für den Glauben an einen Gott und den Glauben an die Allmacht des Geldes, der Industrie oder der Wissenschaft. Ja selbst der Glaube an sich selbst ist Selbstverleugnung, denn durch das Beziehen eines letztlich doch Beobachterpostens seiner selbst, um eigene Stärken und Bedürfnisse zu werten und gegeneinander abzuwägen, gibt man das unbefangene Ich preis.

Advertisements

Über ausgesucht

…desillusioniert
Dieser Beitrag wurde unter Erkennen, konkret, Wissen, zeitlos abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

43 Antworten zu Selbstverleugnung

  1. sebastianmeisel schreibt:

    Der Mensch ist ein Beziehungswesen. Mit jeder Beziehung „verleugne“ ich etwas von mir – auch in der zu Gott, auch in der zu mir. Das „unbefangene Ich“ kann nur einsam sein. Wer sich selbst verleugnet wird das Leben finden – wenn sie es bewusst tut und nicht einfach geschehen lässt.

    • ausgesucht schreibt:

      Höchst interessant: Dein Satz „Mit jeder Beziehung ‚verleugne‘ ich etwas von mir” steht diametral zu dem von Dir zuerst genannten Satz: „Der Mensch ist ein Beziehungswesen”.

      Und warum behauptest Du: „Das ‚unbefangene Ich‘ kann nur einsam sein”? Das unbefangene Ich mag allein sein, aber warum sollte es kategorisch einsam sein?

      Und schließlich: Auch wer sich selbst verleugnet, muß noch lange nicht das Leben finden…

      • sebastianmeisel schreibt:

        Beziehung heißt mich durch einen anderen verändern zu lassen, mich verletztbar zu machen, mich zu hinterfragen. Das kann man finde ich als Selbstverleugnung bezeichnen und das macht Mensch sein aus.
        Dass Selbstverleugnung nicht automatisch zum Leben führt, habe ich versucht anzudeuten. Mich durch andre oder den Glauben verändern und bereichern zu lassen muss ein bewusster Prozess sein, zu dem gehört, dass auch ich mein Gegenüber verändere – selbst wenn es Gott ist.

        • ausgesucht schreibt:

          Hmm, so ganz erbaulich ist es nicht, wie mit meinen Anmerkungen zu Deinem Kommentar – für den ich mich noch bedanken möchte – umgegangen wurde. Sei’s drum! Es ist schon interessant, wenn Behauptungen, die auf recht schwachen Füßen stehen, wie im Sturmschritt nach vorn geworfen werden: Ist Beziehung nicht doch etwas anderes und vor allem deutlich mehr, als sich „durch einen anderen verändern zu lassen”?

          • Anonymous schreibt:

            Also ich wäre ziemlich stolz, einen Blogeintrag zu verfassen, der eine solche Diskussion auslöst. Ich finde Deine Gedanken sehr tiefsinnig, auch wenn ich ihnen nicht zustimme.
            Ist Beziehung was anderes und mehr als sich verändern zu lassen? Hoffentlich! Aber ich kann Beziehung ohne Veränderungen meines Selbst nicht vorstellen.
            Und Selbstverleugnung ist für mich etwas ganz anderes als Selbstaufgabe – die ich inakzeptabel finde. Sie ist eine Perversion von Beziehungen als auch von Glaube.
            Selbstverleugnung ist für mich der Verzicht auf Selbstbehauptung, der Verzicht auf die Behauptung eines Selbst das unabhängig von anderen wäre, der Verzicht auf die Bestimmung meines Selbst durch Abgrenzung.
            Ich hoffe, Du findest diesen Kommentar etwas erbaulicher.
            Nur noch eines – ich habe nicht die Absicht, deine Meinung zu ändern, nur die, meine zu äußern und deine zu hören.

            • ausgesucht schreibt:

              Ein Kommentar und viele, viele Gedanken – laß mich danken (soviel Wortspiel muß sein) 😉

              Ich stimme Dir zu: es ist ein gutes Gefühl, wenn Blogeinträge wahrgenommen werden (was sich u.a. an Kommentierungen äußert). Und Widerspruch bringt Würze ins Spiel. Wenn alle die gleichen Ansichten hätten, würden kaum Kommentierungen nötig sein (zudem wären sie höchst langweilig). 😉

              Du hast den Gedanken von sebastianmeisel aufgegriffen: „Ist Beziehung was anderes und mehr als sich verändern zu lassen?” Gegenfrage: Geht man in eine Beziehung, um sich ändern zu lassen? Oder geht man eine Beziehung ein und nimmt, damit sie eine Chance auf Bestehen hat bzw. behält, in Kauf, daß sie einen ändert?

              Was Du über ‚Selbstaufgabe‘ schreibst, hätte ich lieber anders formuliert gelesen, finde es aber inhaltlich ok. Ergänzen möchte ich es jedoch noch um den Aspekt „Alarmsignal”.

              Und dann noch eines – ich finde es schmeichelhaft, wenn Du meine Meinung hören möchtest (und dazu die Deine äußerst). Aber was ist der tiefere Sinn dieses Tuns, wenn Du bekundest, daß Du a priori meine Meinung nicht zu ändern gedenkst?? 🙂

              • sebastianmeisel schreibt:

                Da muss ich ja doch noch mal antworten:

                1. Wenn man sich ändert um eine Beziehung zu erhalten – was mir immer wieder passiert 😦 – hat das für mich etwas mit Selbstaufgabe zu tun. Aber ich gehe durchaus Beziehungen um, um mich zu ändern – aber eben bewusst und selbstbestimmt.

                2. Wenn ich schreibe, dass ich deine Meinung nicht ändern will, meine ich damit: Deine Meinung zu ändern ist deine und nicht meine Sache. Mit dem Äußern meiner Meinung biete ich dir eine Möglichkeit deine Meinung zu überdenken. Und das Ergebnis ist offen: Mich jedenfalls bringen manche Widersprüche (und gute Argumente) zum Umdenken und andere bestärken mich in meiner Meinung, naja und manche lassen mich einfach kalt – dass kann mir natürlich auch passieren 😉

              • ausgesucht schreibt:

                … spätestens jetzt müßte man „Selbstaufgabe” definieren. Wenn Du mit Selbstaufgabe meinst, daß man in einer Beziehung einige Eigenschaften aufgibt oder ändert, um dadurch Zugang zu einem umso größeren Schatz zu erlangen, nämlich eine lohnenswerte Beziehung und den für Körper und Seele lebensnotwendigen Partner, dann bin ich Deiner Meinung. Wenn hingegen mit Selbstaufgabe gemeint ist, an sich selbst zu verzweifeln und sich deshalb aufzugeben (die wohl extremste Form ist die mentale Vorbereitung und Ausübung des Suizids), ist es die in Aussicht stehende Beziehung irgendwie nicht wert.

                Ach ja, sich zu ändern, um eine Beziehung zu erhalten (ich hoffe, mit ‚erhalten‘ ist bewahren gemeint und nicht erlangen), darf nicht zur Selbstaufgabe führen. Oder anders: wenn das Ringen um eine Beziehung um den Preis der Selbstaufgabe geschehen würde, wäre die Beziehung es allemal nicht wert…

                Und zum Punkt 2). Es ist mir schon klar, daß niemand jemanden anderes Meinung ändern kann. Deshalb bedeutet der Satz: „ich habe nicht die Absicht, deine Meinung zu ändern” immer: „ich habe nicht die Absicht, Denkanstöße zu geben”. Aber das ist – finde ich – eine recht seltsame Ankündigung in einem Kommentar. 😉

  2. rainerpeffm rcpffm schreibt:

    ohne Gemeinschaft (Beziehung irgendwelcher Art) wird der „normale“ Mensch krank – zB depressiv/psychotisch.
    Das andere ist nur was für lebenslang dazu Geschulte, zB Einsiedler oder Fakire.

  3. nomind123 schreibt:

    Weder ist Gott real, noch Ich.

    • ausgesucht schreibt:

      Sehr sibyllinisch, aber auch wahr?

      • nomind123 schreibt:

        Es ist überprüfbar!

        • ausgesucht schreibt:

          Allumfassende Nicht-Aussagen („Weder ist Gott real, …”) sind meistens heikel. 😉

          • nomind123 schreibt:

            Der Unterschied zwischen uns ist, dass auf der einen Seite nach innerlichen, individuellen Erfahrungen gestrebt wird – und auf der anderen Seite von außen angelernte Informationen, sogenanntes Wissen, als Wahrheit angesehen wird. Wahres Wissen ist erfahrbar, das einzige was notwendig ist, ist Mut. Mut alles loszulassen, was man meint zu Wissen. Worte sind für Dich vielleicht Schätze, Eloquenz Dein Reichtum. Aber sie werden eine Barriere sein, verdecken den Horizont. Es ist geborgt, wurde gelernt und früher oder später vergessen. Dieses Wissen wird nie essenziel sein, denn es ist vergänglich.
            Alles Gute, DWN

  4. hansarandt schreibt:

    Du hast völlig recht, ich stimme Dir 100% zu. Es gibt nur ein winziges Problem: Das „unbefangene Ich“. Es ist dem erwachsenen Menschen nicht gegeben, ein solches unbefangenes Ich zu haben. Der Mensch hat nun mal die Fähigkeit, den „Standpnkt eines Beobachters“ einzunehmen, von dem aus er sich selbst beobachten kann. Man nennt das auch Selstreflexion. Das unterscheidet ihn gerade von Tieren und Kindern unter drei Jahren.

    • ausgesucht schreibt:

      … aber ist das wirklich ein „Problem”? Den Begriff „unbefangenes Ich” habe ich in abkürzender Weise verwendet, um nicht stattdessen einen ganzen Roman anhängen zu müssen. Und letztlich kann diese Wahl gar nicht so abwegig gewesen sein, denn Du hast doch sehr wohl den Punkt identifiziert, den ich im Blick hatte, nicht wahr?

      • hansarandt schreibt:

        Welchen Punkt hattest du im Blick?

        • ausgesucht schreibt:

          Genau den von Dir im Kommentar verwendeten Begriff „Selbstreflexion”. Dazu ist der Mensch (mehrheitlich und anders als wahrscheinlich das Tier) in der Lage. Und er kann werten. Und weil er wertet (z.B. die Ergebnisse seiner Selbstreflexion) wird er sich anders verhalten als ohne dieses. Er entfernt sich also durch Selbstreflexion und Werten immer weiter vom Ideal „unbefangenes Ich”…

          • hansarandt schreibt:

            Wieso ist das ein Ideal? Der edle Wilde von Russeau? Meinst Du, wir sollten wieder so werden wie die Tiere? Ist das Deine Utopie? Wohl kaum oder?

            • ausgesucht schreibt:

              Warum versuchst Du mich jetzt in die Rousseauismus-Ecke zu locken? Hatte ich nicht klar beschrieben, weshalb ich den „unbefangenes Ich“-Begriff verwendet und wie ich ihn gemeint habe? 😕

              • hansarandt schreibt:

                OK, ich lese mir das noch mal durch

              • hansarandt schreibt:

                „Ja selbst der Glaube an sich selbst ist Selbstverleugnung, denn durch das Beziehen eines letztlich doch Beobachterpostens seiner selbst, um eigene Stärken und Bedürfnisse zu werten und gegeneinander abzuwägen, gibt man das unbefangene Ich preis.“

                Meinst Du, es gäbe eine Möglichkeit, das „unbefangene Ich“ nicht preis zu geben? Ich glaube die Piraten versuchen so etwas. Sie sind stolz darauf, keinen Standpunkt zu haben und wollen sich und und uns alle am liebsten „liquid“ machen. Sie wollen uns natürlch nicht zahlungsfähig machen sondern sozusagen irgendwie verflüssigen, weil sie feste Standpunke hassen, sie wollen sich und uns sozusagen liquidieren. George Orwell hat das einmal so beschrieben. Das Neusprech verfolgt das Ziel, den Menschen die Worte zu stehlen, damit sie einen anderen Standpunkt nicht mal mehr denken können.

              • ausgesucht schreibt:

                Das sind ja recht harsche Worte gegen die Piraten. Aber sind sie auch gerechtfertigt? Mir gefällt Dein Wortspiel um „liquid – liquidieren”. Und versuchen die Piraten nicht, verhärtete Strukturen zu – um im Bild zu bleiben – unterspülen. Ich bin absolut nicht der Meinung, daß man das Orwellsche Neusprech auf die Piraten loslassen sollte. Eher das Gegenteil: durch die angestrebte Liberalisierung des Internets (auch wenn die Mittel durchaus naiv(!) sein mögen) wird gerade der Pluralismus der Sprache (und somit der Ansichten) befördert…

                Und was Deine eingangs gestellte Frage angeht („Das unbefangene Ich nicht preisgeben…”), fällt es mir schwer, mich in klarer Entscheidung entweder zu Ja oder Nein durchzuringen. Hängt das nicht von den Umständen, den Ansprüchen, den Personen ab? Wahrscheinlich ist es rational, außerhalb der akademischen Sterilität diese Frage als nicht relevant anzusehen, denn man kann immer einen Einwand finden, der ein aus praktischen Erwägungen gefundenes Ja infrage stellt (siehe hier)…

              • hansarandt schreibt:

                Mir ist in unseren Dialogen schon häufiger aufgefallen, dass du Dich für alles interessierst, keine Tabus scheust und gerne Dinge grundsätzlich in Frage stellst, das gefällt mir. Ein Tabu scheint es bei dir allerdings doch zu geben. Du vermeidest es regelmäßig, Dich auf irgendetwas festzulegen.
                Ich gebe dir mal einen Tipp: Nur wer eine Meinung hat, kann sie auch ändern. Wer keine Meinung hat, bleibt notwendig unflexibel, weil er immer dabei bleibt, keine Meinung zu haben. Wie ich Dich kenne, ist Inflexibilität wahrscheinlich so ziemlich das Letzte, was Du sein möchtest.
                Wie die Piraten wirklich sind, ist mir ziemlich egal. Ich habe sie nur als Beispiel gebraucht, weil sie die Tatsache, kein Programm zu haben, zu ihrem Programm erklärt haben.
                Ehrlicher Weise muss man allerdings zugeben, dass auch die anderen Parteien kein Programm haben, was ehrlicher weise diesen Namen verdient oder nach dem sich auch nur versuchen, sich zu richten.

              • ausgesucht schreibt:

                Was die Parteiprogramme angeht, gebe ich Dir unumwunden recht: etwa hier.

                Allerdings stößt mir Dein Tip etwas säuerlich auf: Sich auf eine Aussage festzulegen und eine Meinung zu haben sind sehr verschiedene Dinge! Auch (geistige) Flexibilität hat nur sehr wenig damit zu tun, ob man überhaupt oder zu wievielen Dingen man eine Meinung hat. Das funktioniert – ich bin mir dessen bewußt – auf Stammtischniveau etwas anders: Wer eine Meinung hat, der sagt sie auch. Selbst wenn man keine Meinung hat, kann man Aussage über Aussage häufen (meistens sogar am besten dann, wenn man keine Meinung hat). Und Meinung und Aussage sind identisch: Ich Tarzan, du Jane. Es gibt keine Graustufen…

                Mittlerweile habe ich aber gelernt, daß praktisch jede Aussage (die sich auf eine Untermenge des Großen & Ganzen bezieht) Gültigkeitsgrenzen besitzt. Und genau das ist der Grund, der es irrational machen würde, sich festzulegen. Und dieser Grund ist fix, also nicht flexibel. Und die damit einhergehende Unflexibilität werde ich bis zum Beweis ihrer eingeschränkten Gültigkeit (aha! da ist es wieder) als eine meiner Stärken hegen und Pflegen. Diese Unflexibilität ist nämlich der Garant für die erforderliche Flexibilität in meiner Weltsicht…

              • hansarandt schreibt:

                Ich gebe Dir recht, dass jede Aussage grenzen hat und Aussagen über „Alles“ nur Vermutungen sein können. Allerdings ist die Aussage, du sollst nicht töten, zwar auch nicht immer gültig, aber in bestimmten festgelegten Grenzen sehr wohl. Innerhalb solcher Grenzen, kann man sich durchaus auf diese Aussage festlegen. Würde man das Bestreiten, fehlte unserem Rechtssystem jede Legitimation. Ich bin froh, dass wir ein solches Rechtssystem haben und finde, es sollte auch so bleiben. Natürlich meine ich nicht jedes Gesetz, da lässt sich wieder vortrefflich streiten. Mir kommt es auf den Streit an. Fatal wäre, wenn alles egal wäre. Dann hat natürlich nur der Stärkere recht und Diskussionen wären sinnlos weil eh nicht die Argumente zählen sondern nur die Gewehre.

              • ausgesucht schreibt:

                Streit lohnt sich nur, wenn man für etwas streitet, nicht um etwas. Also dafür, von der aktuellen Position weg zu kommen, also auch für Dinge, die diese Veränderung (mindestens(!) für die Streitenden) überhaupt erst möglich machen können. Hingegen ist Streit, damit einer sein eigenes Weltbild besser retuschieren kann, ein müßiges Unterfangen.

              • hansarandt schreibt:

                Bei einem Streit für etwas, handelt es sich eher um ein Weltbild, für die Demokratie, für die Freiheit, für unseren Herrn Jesus Christus oder Für Allah.
                Der Streit um etwas ist die Realität, die dahinter steht, um Macht, um Einfluss, um Land, um Besitz, um die Frau eines anderen, um Geld, um Öl, um Rohstoffe, um Ressourcen aller Art.
                Der Streit für etwas, ist die Maske hinter der sich der Streit um etwas verbirgt.
                Mir geht es weder um das eine noch um das andere. Mir geht es um den Streit um die Wahrheit, nicht für die Wahrheit.
                Der Streit um die Wahrheit, kann nur mit dem Wort und dem Argument geführt werden. Man kann die Wahrheit eine Zeit lang mit Gewalt unterdrücken und durch Propaganda verdrehen. Besiegen kann man die Wahrheit aber mit solchen Mitteln nicht.
                Der Streit um die Wahrheit ist prinzipiell offen. Es steht eben nicht vorher fest, wer recht hat und hinterher bleibt es meist ebenfalls unklar.
                Wenn eine Behauptung beansprucht wahr zu sein, dann muss sie auch falsch sein können, sonst wäre es eine leere Behauptung, reiner Dogmatismus, unbezweifelbarer Glaube.
                Ich könnte diese Zeilen nicht schreiben, wenn mein PC nicht zur gleichen Zeit Millionen Entscheidungen nach strengen Gesetzen zwischen wahr und falsch getroffen hätte.

              • ausgesucht schreibt:

                Du behauptest: „Mir geht es um den Streit um die Wahrheit”, aber um die Wahrheit werde ich einfach nicht streiten. Nicht zuletzt, weil es Wahrheit schlichtweg nicht gibt (siehe hier). Es mag Wahrheiten geben. Jedoch lohnt es sich um diese schon gar nicht zu streiten; Wahrheiten gehören festgestellt, mehr auch nicht.

                Und doch ist es höchst interessant, daß Du zwar behauptest, um die Wahrheit zu streiten, in den nachfolgenden Sätzen aber sehr wohl für die Wahrheit streitest…

                Im übrigen tust Du dem armen K.Popper mit dem Satz: „Wenn eine Behauptung beansprucht wahr zu sein, dann muss sie auch falsch sein können“ einen argen Tort an. Eine solche Behauptung muß falsifizierbar sein können. Denn durch das Falsifizieren verliert sie ihren Wahr-Anspruch, sie ist falsch…

              • hansarandt schreibt:

                Ich gebe Dir teilweise recht und teilweise nicht. Sicher gibt es nicht die Wahrheit sondern nur viele verschiedene Wahrheiten. Aber jede einzelne Wahrheit beansprucht für sich wahr zu sein bezogen auf den Gegenstandsbereich auf den sie sich bezieht. Die Aussage, dieses Auto ist rot bezieht sich auf den Gegenstandsbereich der Farben und ist entweder wahr oder falsch. Jeder Computer führt nicht nur 42, sondern Milliarden Entscheidungen zwischen wahr und falsch im Sekundentakt nach strengen gesetzten aus.
                Der Computer kann gegebenenfalls über den Abwurf einer Bombe auf Grund eines Programms entscheiden oder eine Zeugenaussage kann über Leben und Tod entscheiden, je nachdem ob sie als wahr oder falsch angesehen wird.
                Die Wahrheit und die Lüge sind auch unter größten Anstrengungen nicht aus dem Leben wegzudenken. Alle Versuche in diese Richtung sind eine Postmoderne Unsitte, die zum Scheitern verurteilt ist.
                Zu Popper; Wenn eine Behauptung wahrheitsfähig, also falsifizierbar sein muss, wie du und Popper richtig feststellen, dann muss sie auch falsch sein können. Wie willst du das bitteschön vermeiden?
                Demgegenüber gibt es religiöse und andere Wahrheiten, die nicht falsifizierbar sind. Im Grunde genommen, und das meint auch Popper, sind nur empirische Wahrheiten falsifizierbar und übrigens auch Albert Einstein ist dieser Meinung als er sagte:
                „…insofern sich die Sätze einer Wissenschaft auf die Wirklichkeit beziehen, müssen sie falsifizierbar sein, und insofern sie nicht falsifizierbar sind, beziehen sie sich nicht auf die Wirklichkeit.“ (Albert Einstein, Geometrie und Erfahrung – Mein Weltbild S.196)

              • ausgesucht schreibt:

                Deine Frage: „Wie willst du das bitteschön vermeiden?” ist leicht zu beantwort: überhaupt nicht.
                Ich wollte nur darauf hinweisen, daß Du – wahrscheinlich der Enge des zur Verfügung stehenden Raums geschuldet – die Formulierung gebraucht hattest, eine wahre Aussage könne falsch sein…

              • hansarandt schreibt:

                Ich gebe Fehler gerne zu doch in siesem speziellen Fall kann ich den Fehler nicht erkennen. Der Satz: „Wenn eine Behauptung beansprucht wahr zu sein, dann muss sie auch falsch sein können” bleibt richtig. Wenn ich gesagt hätte, dass eine Behaupung wahr ist, dann muss sie auch falsch sein können, wäre das ein Widersspruch gewesen. Der Wahrheitsanspruch allerdings impliziert ja gerade die Überprüfbarkeit bzw. deren Falsifizierbarkeit, jedenfalls bei empirischen Aussagen.

  5. YDU schreibt:

    Ach du meine Güte, was ist denn hier los? Klar ist Gott real, ich rede doch täglich mit ihm: Wir schwatzen, kichern und lachen ganz unbefangen. MEIN unbefangenes ICH würde sich nie und nimmer irgendwohin entfernen oder gar sich selbst verleugnen. Meiner Kettensäge traue ich derartige Dinge zu – zugegeben . Ab und zu verleugnet sie sich auch selbst und hält sich für eine Wühlmaus, aber das akzeptiere ich nicht und …

    • ausgesucht schreibt:

      Das ist ja ein drolliges Resümee. 🙂
      Aber sag doch mal, wenn sich die Kesä (nicht Käse, sondern Kesä (=Kettenge)) als Wühlmaus verleugnet, knirscht es da nicht gewaltig zwischen den Zähnen? Bei ihr sowieso, aber nicht auch beim Kesäführer? 😕

  6. YDU schreibt:

    Das Wühlmaussyndrom der Kettensäge – sie befindet sich bereits in Behandlung . ist wirklich äußerst ärgerlich, obwohl auch ein ganz klitzekleiner Anteil für dieses Verhalten beim Käsaführer liegen mag. Vermutlich wird eine Paartherapie die Sache wieder ins Lot bringen, um auch in diesem Bereich jegliche Selbstverleugnungstendenzen im Keim zu „ersticken“. 😉

    • ausgesucht schreibt:

      Ich habe keine Vorstellung, wie das in diesem Fall mit der Paartherapie ausgehen könnte. Und dabei meine ich nicht einmal die Andeutung von „Trennungsabsicht & Säge”…
      Ich höre so vor meinem geistigen Ohre ihr verträumtes: „In unserer Beziehung fehlt etwas Bodenständiges …”. Aber kaum passiert’s dann aber (daß in den Sand gepupst wird), knirscht sie irgendwie mit den Zähnen. Schwierig, wirklich schwierig. 😉

  7. dephiGnition schreibt:

    Ein interessantes Thema. „ICH“ ist bereits Bezugnahme und diese bedingt auch ein „Anderes“. Von demher ist es eher die Fiction die entsteht wenn Sinnenwahrnehmung und -Empfindung re-interpretiert wird.
    Also ohne gewechselwirkt zu werden wäre da nimand der Ich sagen könnte. Die zweite Ebene auf die sich hier bezogen wird ist die Deutungshoheit über ich. Und was als Freiheitsverlust hier in dieser Unterredung Eingang findet. Ist die ExoZentrische SelbstDefinition und damit Wahrnehmung. Eine begingende Perspektive (im Aussen).

    • ausgesucht schreibt:

      Wow! Echt starker Tobak. Ich danke recht herzlich. Mit Deiner Unterstützung habe ich jetzt sogar das theoretische Rüstzeug, um meine obige Aussage zu begründen. Das freut mich.

ein Kommentar ist hier möglich:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s