cum hoc ergo propter hoc

Schon vor längerer Zeit habe ich es, allen Vorwürfen zum Trotz, als arrogant zu erscheinen, aufgegeben, an die, ach, in selbstgefälliger Hybris für herausragend im Tierreich gehaltene Vernunft unserer Spezies zu glauben. Und angesichts jederzeit und allerorts zu findender Beispiele fällt es schwer, von diesem Glauben wieder abzufallen.
Die DB informierte heute die auf dem zugigen Bahnsteig durchgefrorenen Reisewilligen, die auf ihren längst überfälligen Zug warteten: „Der Zug XYZ nach ABC über GHI, planmäßige Abfahrtszeit hh:mm, verkehrt heute 15 Minuten später; Grund: Verzögerungen im regulären Dienstablauf”. Ist doch prima! Sogar ein Grund wurde für die Verspätung genannt. Was gibt es da eigentlich zu mosern? Wahrlich wenig. Außer daß dieser „Grund” höchstens lobotomisierte Laborratten zufrieden stellen kann. Regulärer Dienstablauf bedeutet doch wohl: pünktliche Zugfolge. Eine Verzögerung im regulären Dienstablauf ist schlicht und ergreifend eine Verspätung. D. h. den wartenden Reisewilligen wurde die Botschaft zugemutet: „Der Zug wird sich verspäten, weil er Verspätung hat”. *grmmpf*

Advertisements

Über ausgesucht

…desillusioniert
Dieser Beitrag wurde unter konkret, Kritik abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

20 Antworten zu cum hoc ergo propter hoc

  1. user unknown schreibt:

    Das beruhigende an der Nachricht ist, dass die Absicht durchscheint ein Versagen zu verschleiern. Das deutet auf ein Unrechtsbewusstsein hin. „Der Zug wird sich aus Gewohnheit verspäten” wäre aber vielleicht nicht schwieriger zu verkraften, denn Logik und Systematik könnten für die Beseitigung von Verspätungen vielleicht mehr bringen als Bewusstsein und Gefühligkeit.

    • ausgesucht schreibt:

      Na, Du bist ja recht zahm, von wegen ‚Schleier‘ und ‚durchscheinen‘. Ich wollte diesen Verbalschrott schon als Bespaßungsbeitrag abbuchen, mit dem die immer schlechter werdende DB ihre immer höheren Tarife (im Sinne von „Kultur am Arbeits Versagensplatz”) zu rechtfertigen gedenkt… 🙂

  2. YDU schreibt:

    Scheint mir ein Beitrag zum besinnlichen Advent zu sein: Schluss mit der täglichen Hetze, Momente der Besinnung in allen Lebenslagen verbessern die Lebensqualität und dazu noch kleine Geschichten, die das Herz erfreuen und den Geist wieder in Schwung bringen! Ist das Leben nicht herrlich? 😉

    • ausgesucht schreibt:

      Ja, das Leben ist schön. Da fällt mir ein, daß ich die DVD mit diesem Film mal wieder einlegen könnte. Und bei dieser Gelegenheit auch gleich noch – alle Jahre wieder – den Film „Ist das Leben nicht schön?”… 🙂

      • YDU schreibt:

        Mit dieser Antwort habe ich nicht gerechnet … 😉

        • ausgesucht schreibt:

          Wär’s denn nicht gar schrecklich langweilig, immer nur das zu hören oder lesen, was man erwartet hätte? 😉

          • YDU schreibt:

            Es bleibt spannend bei Sinnsucht, das ist mir schon seit einiger Zeit klar! Der Eintopf ist nicht „ihre“ Sache …;-)

            • ausgesucht schreibt:

              Das hoffe ich doch, daß ich den Es-bleibt-spannend-Erwartungen genügen kann – zumindest arbeite ich daran. Und treue Leser/Kommentatoren machen die Sache ja auch deutlich einfacher; da danke ich aus tiefstem Herzen… 🙂

              • YDU schreibt:

                Sehr erstaunlich erscheint mir dieses Geben und Nehmen, das scheinbar aus dem Nichts entstand und nun schon seit einiger Zeit ein lieblichbuntes Mosaiksteinchen meiner „Lebensschatzkiste“ darstellt, das im Hinterhof der Bits und Bytes ein spannendkunterbuntes „Leben“ führt. Einige Male habe ich mich schon gefragt, ob ich die dafür verwendete Zeit nicht „sinnvoller“ einsetzen könnte, aber irgendwie hat sich nichts gefunden, das sich als gleichwertiger Ersatz hätte etablieren können … oder so! 😉

              • ausgesucht schreibt:

                Ach herrje, jetzt stehe ich ja noch tiefer in Deiner Schuld 😛

              • YDU schreibt:

                Und nebenbei ganz frech die Zunge zeigen …* Kopf schüttel * ! Was soll ich davon bloß halten? 😉

              • ausgesucht schreibt:

                Sind denn nicht die spitze Feder und die scharfe Zunge die Grundvoraussetzungen für Artikel, die aus langweiligem Einerlei herauszuragen versuchen? Das Zeigen der Zunge ist wie das Zeigen der Stollen, wenn ein Auswechselspieler auf das Spielfeld läuft. 😉

              • YDU schreibt:

                Und ich dachte, es wäre ein Musenkuss, der seinen „Anschluss“ nicht fand … 😉

  3. lawgunsandfreedom schreibt:

    Diese Sprachverschwurbelung findet man doch heutzutage allerorten. (Ganz besonders in Schriftstücken der Disziplin „Genderforschung“).

    Die Kunst der Verschleierung einer Null-Aussage durch Semantik und wirre, teils rhythmische Prosa (man höre auf die Stimmmelodie der Ansage) ist ja auch in der Philosophie sehr beliebt.

ein Kommentar ist hier möglich:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s