„Je suis Charlie”?

Wie heißt es derzeit in den Medien? „Nach dem Anschlag auf die Redaktion der Satire-Zeitung ‚Charlie Hebdo‘ haben sich in vielen Städten Frankreichs Zehntausende zu Trauerkundgebungen zusammengefunden. […]. Die Zeitung ‚Le Monde‘ berichtete von mehr als 100.000 Demonstranten im ganzen Land” (Quelle: tagesschau.de).
Mein Mitgefühl gilt den Opfern und deren Verwandten und Freunden. Gewalt ist Barbarei, aber niemals die Lösung für irgend etwas, zumindest keine tolerierbare. Wie schwach muß eigentlich ein Gott sein, der eine derartige Barbarei zuläßt?
Und doch! Jetzt gehen also Hunderttausende auf die Straße, die zugleich mit ihrem Mitgefühl auch ihre Empörung darüber ausdrücken, daß ja wohl Demokratie und Meinungsfreiheit nicht durch Terrorakte zu beschränken seien. Wo waren diese, genau diese Demonstranten, als man hätte davor warnen müssen, daß es einen Unterschied gibt zwischen Meinungsfreiheit und lächerlich Machen oder Verunglimpfung? Darf ein Satiremagazin jede Grenze überschreiten? Spielen da vielleicht auch niedere menschliche Instinkte mit, vielleicht Trotz („jetzt erst recht!”) und Häme sowieso? Gewalt ist Barbarei, auch verbale und in Karikaturen gezeichnete!

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Über ausgesucht

…desillusioniert
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62 Antworten zu „Je suis Charlie”?

  1. alexander schreibt:

    Karikaturen und Kabarett sind beides humorvolle Kunstformen. Mehr als unterhalten sollen sie aber zum Nachdenken anregen. Sie sind ein Spiegel der Gesellschaft.

    Wer zur Selbstreflexion nicht in der Lage ist, also sein Spiegelbild nicht verträgt, sollte sich nicht in erster Linie um den Künstler kümmern, sondern um sich selbst Sorgen machen.

    • ausgesucht schreibt:

      Wahrscheinlich weiß ich, was Du meinen könntest. Und ich gebe Dir Recht: man sollte sein Spiegelbild sehr wohl aushalten können. Andernfalls sollte man nach der Beratercouch eines begnadeten Psychiaters Ausschau halten…
      Gilt das aber auch für einen Zerrspiegel? Oder ist vielleicht etwas dran an dem Gedanken, daß das fortwährende Strapazieren (eigentlich schon Überstrapazieren) von Klischeevorstellungen auf dem Humus eines ausgeprägten und sehr tief verwurzelten Chauvinismus gedeiht? 😕

      • Achim Spengler schreibt:

        Ich gehe einfach mal davon aus, dass der extremistische Terror jeden Spiegel, in den er schaut, als Zerrspiegel begreift, sonst würde er Unbegreifliches nicht tun.

    • lawgunsandfreedom schreibt:

      Das Problem ist, daß religiöse Fanatiker (politische Ideologen gehören in dieselbe Kategorie) eher zum projizieren neigen, als zum reflektieren. Wer ihnen den Spiegel der Wahrheit vor die Nase hält (oder ihnen, wie Charlie Hebdo, gleich ins Gesicht wirft), der ist schuld und damit böse. Denn der Gläubige macht nichts falsch. Er hat ja seine Handlungsanweisung in Form seines „heiligen Buches“. Das ist seine Wahrheit und die darf niemand in Zweifel ziehen. Wer zweifelt, der hat alle Konsequenzen zu erleiden, die in diesem Buch geschrieben stehen.

      Je gläubiger und fanatischer, desto weniger Humor. Gilt auch für andere Glaubensrichtungen und Ideologien.

      Hach … es geht doch nichts über ein einfaches Weltbild. Ich wünsche mir manchmal ich wäre dumm genug, mich mit so was zufrieden zu geben … hält aber nicht lange an …

      • ausgesucht schreibt:

        Das ist verblüffend: auf der einen Seite sieht man durchaus die – ich nenne es mal so – religiöse Selbstaufgabe, nämlich: „Er hat ja seine Handlungsanweisung in Form seines ‚heiligen Buches’”. Auf der anderen Seite mag man nicht akzeptieren, daß diese Weltauffassung von der eigenen deutlich abweicht. Das rechtfertigt noch immer weder Mord noch Terror, rechtfertigt aber auch nicht, den anderen konstant mit Boshaftigkeiten zu reizen (diese werden zwar zur Autoheiligsprechung ‚Satire‘ genannt, sind aber alles andere als Humor oder Satire). Rechtfertigt auch nicht, den „Spiegel ins Gesicht zu werfen”, wo allein schon das Vorzeigen desselben religiösen Unmut provoziert…

        • lawgunsandfreedom schreibt:

          Mir ist die Religion der Muslime, der Christen und der Juden ziemlich wurscht. Wenn sie aber anfangen, mir ihre Vorstellungen von „gottgefälligem Leben“ überstülpen (ins Gesicht werfen) zu wollen – was sie auch ständig tun, dann reagiere ich auch hin und wieder gereizt. Die Gläubigen können ihren Glauben gerne in ihren Bet-Hütten mit ihren komischen Büchern ausleben. Wir haben Religionsfreiheit. Ich gehe nicht in ihre Tempel und lese auch nicht ihre komischen Bücher, also fühle ich mich davon selten belästigt (außer es sind wieder mal christliche oder muslimische Missionare unterwegs, aber denen kann man ausweichen). Deren Publikationen sind allerdings nicht annähernd so lustig wie Charlie Hebdo.

          Wer mit dem Humor und der Satire von Charlie Hebdo nicht klar kommt, der soll sich das Blatt einfach nicht kaufen. Wer derart unreif ist, daß er seinen Protest mit Verboten oder Kugeln ausdrücken muß, denn kann ich erst recht nicht ernst nehmen. Angesichts des Unflats, der einem im Internet entgegenschwappen kann, ist Charlie Hebdo noch im gehobenen Mittelfeld angesiedelt.

          Es gibt nichts lächerlicheres als einen Gläubigen auf heiliger Mission. Genau das hat Charlie Hebdo seit Jahrzehnten mit spitzester Feder dargestellt – gegen jede Religion. Das ist gewollt und auch erlaubt. Wer beißende Kritik mit Mord beantwortet, setzt sich selbst ins Unrecht.

          Wenn der Satiriker allerdings aus Vorsicht den Schwanz einzieht, dann ist das zwar verständlich, aber feige. So feige, wie die aktuellen Medien, die die Cover von Charlie Hebdo verpixeln oder beschneiden, damit sich nur ja kein Muslim in seinen religiösen Gefühlen beleidigt fühlen könnte und seinerseits auf einen „shooting-spree“ gegen das veröffentlichende Medium geht. Wenn man dagegen sieht, was in den Satirezeitschriften immer wieder gegen Christen und Politiker aufgefahren wird, dann kann man echt froh sein, daß wir so was wie Aufklärung und Humanismus haben. Nicht auszudenken, die würden so reagieren, wie manche Leute, die sich als Muslime bezeichnen.

          Sind Muslime empfindlicher oder einfach nur selbstgerechter, wenn sie Kritik und Satire mit Drohungen, Mord und Totschlag beantworten, statt mit zivilisierten Mitteln?

          Ja – Satire darf alles – das halte ich wie Tucholsky. Daß Humor und Satire gegenüber frühmittelalterlichen Protestformen inzwischen wieder eine gefährliche Beschäftigung geworden sind, ist klar. Aber auch vor, während und nach der Aufklärung brachte humorlose Ideologie gerne ihre Kritiker um. Das ist also nichts neues.

          Um es mit den Worten des ermordeten Chefredakteurs von Charlie Hebdo zu sagen. „Lieber stehend sterben, als kniend weiterleben“. Das ist ein freiheitliches Motto und das Risiko kannten die Zeichner und Redakteure. War ja nicht der erste Anschlag auf den Verlag.

          Wenn man das Blatt nicht liest, dann bekommt man auch keinen Spiegel ins Gesicht geworfen. Wer dagegen (wie radikale Muslime) ständig nach der kleinsten möglichen Beleidigung sucht um den Verursacher dafür dann abzustrafen – evtl. sogar mit Mord – der gehört meiner Ansicht nach in eine Gummizelle.

          Ich erinnere an die angegriffenen und ermordeten Übersetzer, die Rushdies „Satanische Verse“ übersetzt hatten:

          Wikipedia: Auf mehrere Übersetzer des Buchs wurden Anschläge verübt. Der italienische Übersetzer Ettore Capriolo wurde am 3. Juli 1991 in seiner Wohnung in Mailand durch Stiche verletzt und der japanische Übersetzer Hitoshi Igarashi am 11. Juli 1991 im Gebäude seines Büros an der Universität Tsukuba erstochen.[12] Der norwegische Verleger, William Nygaard, wurde durch Schüsse schwer verletzt.[13]

          Der hat meinen unsichtbaren Freund beleidigt! Der hat mein Buch verunglimpft! Deshalb darf ich ihn töten! (Steht schließlich so geschrieben und mein Imam/Priester/etc. hat’s erlaubt)
          Es gibt hunderte oder sogar tausende solcher Fälle. Und da finde ich kann die Satire nicht scharf und boshaft genug sein um so ein kindisches, unreifes Verhalten anzuprangern.

          • ausgesucht schreibt:

            Nein, Satire darf nicht alles, sie darf nicht beleidigen, nicht verletzen, nicht töten, auch nicht den Satiriker!

            • lawgunsandfreedom schreibt:

              Nicht die Satire tötet den Satiriker sondern durchgeknallte Irre. Bilder und Worte haben noch nie jemanden getötet. Es sind immer fehlgeleitete Menschen oder Verrückte die töten.

              Satire darf beleidigen und verletzen. Das muß sie tun um auf Missstände hinzuweisen indem sie sie überspitzt und überhöht. Das ist die Aufgabe der Satire.

              Wenn die Satire zu weit geht, dann gibt es gerichtliche Mittel. Aber Selbstjustiz? Das ist gegen das Gesetz. Die drei mutmaßlichen Attentäter waren schon vorher polizeibekannte, gewalttätige Verbrecher. Nun haben sie sich ein religiöses Mäntelchen umgehängt und betreiben weiter Gewalt, indem sie sich eine moralische Rechtfertigung dafür gesucht haben.

              Erstaunlich, wie viele Menschen auf diesen Trick reinfallen.

            • hajac schreibt:

              Darüber sollten Sie nochmal nachdenken. Würde sie nicht die Ziele beleidigen und verletzen, wäre es keine Satire, sondern das, was man heute allenthalben in den Medien findet: Lobhudelei, Lriechertum. So kann man keine Missstände aufdecken.
              Mal ganz davon abgesehen: Was tun denn die Parteien dieser Republik z.B. in Sachen Pegida. Sie unterstellen diesen für sie unangenhmen Zeitgenossen alles, was hier heutzutage negativ besetzt ist. Werden damit die dort angesprochenen Probleme gelöst? Sicher nicht. Das Unangenehmefür die Parteien ist, dass die veröffentlichten Punkte ihres Protestes allesamt dem Grundgesetz dieses Landes entsprechen.
              Wenn also unsere Repräsentanten sich gegen diese Forderungen stellen, wollen sie sich damit auch gegen das Grundgesetz stellen, was sie ja faktisch tun? Ich hoffe, nicht.

      • Achim Spengler schreibt:

        Vielleicht ist es in diesem Thread angebracht darauf hinzuweisen, dass sich aktuell eine erkleckliche Menge wunderbarer Satire aus islamischen Ländern vor allem über die Djihadisten der IS/ISIS ergießt, Satire, die in ihrer Provokanz jener von Charlie Hebdo in nichts nachsteht. Sprechen wir dem Islam also nicht die humoristische/satirische Tradition ab, die natürlich verunglimpft und lächerlich macht, weil es ansonsten keinen vernünftigen Umgang mit diesem steinzeitalterlichen Wahn gibt. Aber sie haben natürlich grundsätzlich Recht: Dem extremistischen Islamist/dem extremistischen religiösen Fanatiker ist selbstverständlich dabei nicht zum Lachen zumute. Wie könnte er auch aus seiner Haut.

  2. SalvaVenia schreibt:

    Der klassische Irrglaube, daß Kunst keiner Beschränkung unterläge, erfährt jetzt selbstverständlich eine neue Blüte. Ein dummer, dummer Teufelskreis.

    Und danke für Ihre differenzierenden Gedanken.

    Herzliche Grüße,
    Der Salva

    • ausgesucht schreibt:

      Danke für das Lesen dieser Gedanke, ohne sie gleich mit Händen und Füßen abzuwehren. Es ist eine Form der Hilfestellung, danke. 🙂

      • SalvaVenia schreibt:

        Ja, das Gutmenschentum ist gerade mal wieder in vollster Rüstung und schwer galoppierend unterwegs …

        Und dann ist es eben nicht immer ganz einfach, einen anderen Standpunkt vertreten zu wollen. 🙂

        • ausgesucht schreibt:

          Das mit dem Gutmenschentum kann ich irgendwie verstehen: da hat man es sich in seiner „kleinen Welt” (die aus Gewißheiten und möglichst nicht aus Zweifeln besteht) so recht kuschelig eingerichtet, und dann gibt es Informationsbeben, die alles aus dem Gleichgewicht schütteln könnten. Das würde wehtun, wenn nicht aus dicke Schutzmauern, aus Vorurteilen und Klischees aufgetürmt, bis der Blick auf die Realität möglichst verstellt ist, eine uneinnehmbare Burg errichtet würde, die derartige Anfechtungen trutzig abzufangen imstande ist. Und auf den Zinnen dieser Burg flattert das „Wir(!)-sind-die-Guten”-Banner…

    • Achim Spengler schreibt:

      Ich darf Sie auch an dieser Stelle nachdrücklich darauf aufmerksam machen, dass die Kunst keiner Beschränkung unterliegt, da sie per se frei ist. Dieses per se ist für sie natürlich ein Brocken, an dem Sie zu schlucken haben. Sie kommen sicher darüber hinweg.

      • SalvaVenia schreibt:

        Da der Mensch höher stehen dürfte als alle Kunst der Welt, vermute ich mal, daß die Freiheit von Kunst spätestens dort aufhört, wo die Freiheit des einzelnen Menschen beginnt.

        • Achim Spengler schreibt:

          „Was sie braucht, einzig und allein braucht, ist Material – Freiheit braucht sie nicht, sie ist Freiheit; es kann ihr einer die Freiheit nehmen, sich zu zeigen – Freiheit geben kann ihr keiner; kein Staat, keine Stadt, keine Gesellschaft kann sich etwas darauf einbilden, ihr das zu geben oder gegeben zu haben, was sie von Natur ist: frei.“ (Heinrich Böll)
          Den Riss, den Sie glaubhaft zu machen versuchen zwischen Kunst und dem einzelnen Menschen, den gibt es nicht.

          • SalvaVenia schreibt:

            Wenn der Mensch nicht frei ist, einen Mitmenschen dahinzumeucheln, dann hat m.E. selbstverständlich auch die Kunst Grenzen.

            Und damit verabschiede ich mich von dieser Diskussion hier. Danke und viele Grüße.

            • ausgesucht schreibt:

              Ich zumindest möchte mich für das Mitdiskutieren bedanken. 🙂
              Mit diesem, meinem dankenden Kommentar hatte ich noch ein wenig gewartet, damit A.Spengler sie nicht als abschließende Bemerkung mißverstehe …

              • SalvaVenia schreibt:

                Herzlichen Dank für den Meinungsaustausch hier. 🙂

              • ausgesucht schreibt:

                Nun, nicht dafür. Ist es nicht eine der vornehmen Möglichkeiten eines Blogs, Meinungsaustausch zu ermöglichen? Allerdings hatte ich mich bei diesem Artikel zurückgehalten, da durch einige Kommentatoren eine Stimmung erzeugt wurde, in der Vorurteile kreischten und somit jedes Argument übertönten… 😉

  3. lafillemoche schreibt:

    Es muss heißen : je ne suis pas charlie.;) Zudem denke ich dass es sich als die größte aller Dummheiten darstellt Provokation nicht von Satire unterscheiden zu können und eine ebenso große Dummheit nicht reflektiert handeln zu können. Zudem stellt sich die Frage wie klein und unsicher in seiner Meinung jemand sein muss der sich (zu einem solchen Akt) provozieren lässt! Ich bin nicht deiner Ansicht dass das Magazin zu weit gegangen ist und finde die Anteilnahme positiv. Allerdings stimmt es natürlich dass man sich aus allem raushalten könnte, die Augen verschließen, weil man Angst hat jemandem auf die Füße zu treten. Aber dann sollte man gleich die Freiheit über Bord werfen und die ‚Macht‘ an die Dummheit abgeben.

    • ausgesucht schreibt:

      Gibt es zwischen „sich blind stellend aus allem heraushalten” und „ich weiß, wie ich wider den Stachel löcken kann, und ich tue es mit größtem Vergnügen immer und immer wieder, weil ich egoistisch Rechte nur für mich allein reklamiere” wirklich keine Zwischenstufen?? 😕

      • lafillemoche schreibt:

        Doch, da gibt es sicherlich eine Zwischenstufe. Allerdings denke ich bei Satire daran dass es zwar ein stachel ist aber einer der nicht alle rechte für sich reklamiert sondern eben auch sich selbst genauso auf die schippe nehmen kann. Aber das sehen viele leider nicht weil sie es nicht schaffen den Blick von sich zu wenden. Ich sehe eine starke Schwäche darin sich selbst zu ernst zu nehmen. Und grade beim Thema ‚Glaube‘ kommt diese sehr häufig vor. Natürlich war es ein vorhersehbares Risiko was eingegangen wurde, grade weil es schoneinmal passiert ist dass Satire mit mord beantwortet wurde, aber für die Menschheit wäre es ein größeres Risiko kein Risiko mehr einzugehen denke ich.

        • ausgesucht schreibt:

          … da kann ich nur rundum zustimmen. Ganz besonders gefällt mir Dein Satz: „Ich sehe eine starke Schwäche darin sich selbst zu ernst zu nehmen”. Nehmen sich im Moment nicht alle, die unter dem Banner ‚Satirefreiheit‘ marschieren, ein bißchen zu ernst? Sollte nicht auch die andere Seite ein bißchen ernster genommen werden, z.B. in ihren religiösen Befindlichkeiten? Ich bin Lichtjahre davon entfernt, einen Mord schönzureden, aber wo bleibt die Einsicht, daß Gewalt provoziert werden kann (und im konkreten Fall offenbar auch wurde)?

          • lafillemoche schreibt:

            Ja. Natürlich kann Gewalt provoziert werden. Bei Menschen die so verblendet hinter ihrer Meinung stehen dass sie nicht mehr reflektiert sehen können. In welcher Welt leben wir denn wenn man Gewalt als Antwort betrachtet. Wenn man sich darin ergibt dass Gewalt und Mord provoziert werden können. Wenn jemand einen provoziert ist es dann nicht am klugen Menschen dies mit Ehre wegzulachen anstatt sich noch weiter herunter zu setzten und sich provozieren zu lassen. Für mich gibt es keine so schlimme Provokation die mit Gewalt und Mord beantwortet werden kann. Und in meinem Kopf darf auch nie etwas so schlimmes wie Gewalt damit ‚abgesegnet‘ werden dass dies provoziert worden ist.

    • Achim Spengler schreibt:

      Ich danke Ihnen für diese Klarstellung.

  4. alja|ja schreibt:

    Ich fürchte du hast den Slogan falsch verstanden. Es geht dabei nicht darum alles Gut zu finden oder sich zur eigenen Meinung zu machen, was ‘Charlie Hebdo’ gedruckt und verbreitet hat. Es geht dabei um die Freiheit, die Dinge zu sagen, zu zeichnen zu schreiben, die man ausdrücken möchte. Manchmal verletzen wir andere, wenn wir – im Privaten, wie im Öffentlichen – sagen was wir meinen. Aber erwachsene Menschen können das aushalten. Darüber kann mensch reden, diskutieren, schimpfen, sich austauschen, wieder zu einander finden oder sich auch mal abwenden. Dass manche beim Kuntun ihrer Gedanken gezielt piettätlos, verletzend, unüberlegt oder ef­fekt­ha­sche­risch sein mögen, ist nicht schön, aber auch da gilt das Gleiche: Kommunikation oder links liegen lassen, oder im schlimmsten Fall rechtsstaatliche Mittel einlegen. Wir alle verletzen hin und wieder andere, das lässt sich nicht vermeiden. Menschen haben unterschiedliche Sichtweisen, verschiedene Schwachstellen, unterschiedliche Verletzlichkeiten. Die Kommunikation käme zum Erliegen, wenn mensch alle möglichen Fettnäpfchen umgehen wollte. Wo willst Du die Grenze ziehen …? Wir sind alle Charlie, weil wir alle manchmal Dinge sagen und tun, die anderen nicht gefallen, weil wir verletzen – ob eigene Meinung oder Irrtum, das ist jedes Menschen Recht. Und vor allem wir sind Charlie, weil wir alle verletzlich sind.

    • ausgesucht schreibt:

      … eine hübsche kleine Auflistung, aber sie beantwortet nicht die Frage: „Darf ein Satiremagazin jede Grenze überschreiten?” Denn es wurden offenbar Grenzen überschritten! Wie sonst wären die (vermutlich) 3 Attentäter – so verdammenswert(!) ihre Tat auch ist – auf die Idee gekommen, Deinen Satz: „Wir alle verletzen hin und wieder andere, das lässt sich nicht vermeiden” ihrerseits gelten zu lassen?

      • alja|ja schreibt:

        Ich fürchte du verstehst gar nicht was ich da geschrieben habe. Es tut mir leid, aber ich finde die Art, wie du meine Worte aus dem Kontext reisst und damit dann auch noch kritische Satire mit Terror und Mord gleichsetzen zu versuchtst, extrem abstoßend. Machst Du das öfter? Wenn ich jetzt darauf hinweise, dass Du auf diese Art nicht nur diffamierend mir und meiner Meinung gegenüber bist, sondern auch noch zynisch und beleidigend bist? Behältst dann trotzdem Deine Meinung oder löscht du deinen abscheulichen Kommentar? Wie gesagt, wenn zuviele Grenzen überschritten werden, gibt es juristische Mittel, reichen diese nicht aus muss eben auf einen Diskurs bestanden werden. Ich muss Deine Meinung akzeptieren, auch wenn ich sie für unreif und menschenverachtend halte. Was glaubst du? Wie sollte man mit Leuten umgehen, die mit anderen Meinungen nicht anders umgehen können als Sie zu verdrehen und abzuwerten?

        • ausgesucht schreibt:

          Ich tut mir aufrichtig leid: da ich in Deinen Augen offenbar uga-uga bin und gar nicht verstehen kann, was Du da tolles geschrieben hast, wirst Du mir sicherlich nicht glauben, daß man den Begriff diffamieren auch falsch verwenden kann. Machst Du das öfter? 😕

          • alja|ja schreibt:

            Ich kenne die Bedeutung von’diffamieren‘ sehr gut: Verleumden, das u.a. durch Verdrehung und Unterstellung zustande kommt. Das steht so ähnlich auch in dem von dir verlinkten Wikipedia-Artikel und so hab ich es auch gemeint. Ich halte dich nicht für „uga-uga“, aber für mindestens so rücksichtslos und respektlos, wie du es den Redakteuren von ‘Charlie Hebdo’ vorwirfst.

            • ausgesucht schreibt:

              … und das ist Deine Meinung. Belassen wir’s dabei.

            • Achim Spengler schreibt:

              Sie nehmen mir die Worte aus dem Mund. Mein letzter Kommentar hierzu, weiteres muss wohl auf meinem eigenen Blog noch gesagt weden müssen. So langsam befürchte ich nämlich, dass andere Meinungen, abseits der „JA-Aber“ Klammer hier nicht mehr lange geduldet werden.

      • Achim Spengler schreibt:

        Gegenfrage: Wie können Sie sicher sein, dass die Täter nicht aus bloßen Gründen der großen Symbol- und Strahlkraft eines Anschlages auf Charlie Hebdo töteten? Die getöteten Polizisten und der überfahrene Passant ist Ihnen schon kein Wort mehr wert? Diese haben keine Feder der Satire gespitzt. Was ihnen, laut Ihrer merkwürdigen Logik, wenn man sie negativ wendet, eigentlich das Leben hätte retten müssen.

  5. alja|ja schreibt:

    … es sollte natürlich heißen: Und vor allem sind wir Charlie Hebdo, weil wir alle verletzlich sind. Hier noch ein kleiner Nachtrag. Natürlich gibt es auch Gewalt, die nicht physisch ist: Verbale Gewalt, Gewalt durch Bloßstellung und auch strukturelle Gewalt. Inwieweit diese Gewalten legitimiert werden können, dafür gibt es bereits Regeln und Gesetze (die übrigens auch ein Ausdruck struktureller Gewalt sind). Reichen diese Regeln nicht aus oder sind veraltet oder zu tiefgreifend, dann musss darüber ein gesellschaftlicher Diskurs stattfinden. ‚Charlie Hebdo‘ wie viele ander Journalisten, Künstler, Engagierte, Politiker usw. sind Teil eines solchen Diskurses. Ohne solche Diskurse kann es kaum eine demokratische kulturelle, politische oder gesellschaftliche Entwicklung geben. Beleidigt sein, ist wie ein innerer Türstopper, der auch alles Positive draußen hält.

    • ausgesucht schreibt:

      … gesellschaftlicher Diskurs – das klingt gut. Aber wie soll dieser sich darstellen, wenn die eine Seite mehrfach und mit größtem Nachdruck darauf hingewiesen hat, daß Grenzen (des Anstandes oder religiöser Art oder welche auch immer) überschritten wurden, die andere Seite aber den Dolch nicht nur in der Wunde beläßt, sondern gar noch tiefer bohrt (weil sie ein Recht für sich reklamiert, mit dem sie anderen nach Herzenslust beleidigen „darf”)?

      • alja|ja schreibt:

        Diskurs ist eben mehr, als jemanden darauf hin zu weisen, dass man sein Verhalten falsch findet. Und nochmal: Wenn zu gewisse Grenzen überschritten werden, gibt es juristische Mittel. Dass du hier viele Menschen beleidigst, scheint dir nicht klar zu sein, oder? Was meinst Du, wie Angehörigen der Opfer sich fühlen würden, wenn sie so etwas lesen. Wenn du findest, dass ein Diskurs nicht lohnt, weil das schwierig ist und langwierig, was sollte dann deiner Meinung nach geschehen? Wie sollte man mit Leuten umgehen, die nicht sofort parieren, wenn sich jemand beliedigt fühlt? Du scheinst ja auch nich allzu viel Wert auf Feingefühl und Respekt zu legen.

      • Achim Spengler schreibt:

        Jetzt wird es wirklich langsam hahnebüchen. Der Dolch in der Wunde, und der Tod durch die Kugel. Äpfel und Birnen, Sie wissen bestimmt, auf was ich hinauswill.

  6. YDU schreibt:

    Tja, die Sache mit dem Humor ist keine einfache Sache, denn wirklich lustig ist es immer nur dann, wenn beide lachen können, was oft im Gelächter der besonders Humorvollen untergeht … 😉

  7. Albert, ein Stein schreibt:

    Was Satire darf und was nicht, ist durchaus festgelegt: nämlich durch die Rechtsordnung des Rechtsstaates. Wenn man der Ansicht ist, eine satirische Zeitung habe eine Grenze überschritten, stehen einem im Rechtsstaat Mittel und Wege offen, dagegen vorzugehen. Es muss sich niemand beleidigen lassen. Nur: Eine Gruppe innerhalb des Staates kann nicht allein festlegen, wovon sie sich beleidigt fühlen darf. Das wäre die Begründung für Selbstjustiz.
    Natürlich kann man geteilter Meinung sein, was Satire dürfen sollte. Aber diesen Gedanken in unmittelbaren Zusammenhang mit einem Verbrechen zu äußern mit dem Tenor „Ist ja schlimm, aaaber …“ – das ist hochgefährlich. Denn bei allen einschränkenden Wenns und Abers kann man kaum anders, als eine Rechtfertigung der Selbstjustiz darin zu sehen.

    • ausgesucht schreibt:

      Ein netter kleiner Kommentar, vielen Dank dafür. Nur, warum widersprechen sich einzelne Sätze bzw. Gedanken dieses Kommentars? Der erste Satz im ersten Absatz: „Es ist durchaus festgelegt, was Satire darf” trifft auf den ersten Satz im zweiten Absatz: „Natürlich kann man geteilter Meinung sein…”. Hmm! Allerdings ist die Behauptung: „Eine Gruppe innerhalb des Staates kann nicht allein festlegen, wovon sie sich beleidigt fühlen darf” noch viel schöner. Man muß also erst einmal einige – viele?, die meisten?, alle? – Leute im Lande befragen, ehe man Rechtsmittel beanspruchen kann, gegen eine durch Satire verursachte vermeintliche Grenzüberschreitung vorzugehen? Aber was soll es mit Selbstjustiz zu tun haben, wenn jemand sich persönlich(!) beleidigt fühlt?
      Im übrigen ist die angesprochene „Ist ja schlimm, aaaber…”-Belehrung ein hübscher Gedanke, nur paßt sie nicht zu meinem Artikel. Ich hatte gefragt, ob die Leute, die jetzt den Terror beklagen, im Vorfeld darauf aufmerksam gemacht oder gewarnt haben, daß ein bestimmtes Maß (oder vielleicht sogar Übermaß?) an Satire möglicherweise Terror provozieren könnte.

      • Albert, ein Stein schreibt:

        Den Widerspruch, den Sie sehen, sehe ich nicht: Man darf natürlich geteilter Meinung sein, aber einen Rechtsanspruch auf Bestrafung darf man nicht daraus ableiten. Niemand wirft den Tätern von Paris Empörung vor. Man wirft ihnen Mord vor.
        Niemand muss eine Volksbefragung durchführen, bevor er Rechtsmittel einlegt. Habe ich mich wirklich so unklar ausgedrückt? Tut mir leid. Ich meinte:
        Die „Volksbefragung“ ist unser demokratisch legitimiertes Rechtssystem. In ihm ist festgelegt, was als beleidigend gilt und was nicht. Und es ist auch festgelegt, was bei Streitfällen notfalls zu tun ist: ein Gericht anrufen. Nicht zur Maschinenpistole greifen.
        Was Ihren letzten Absatz der Erwiderung angeht, so zeigt er mir, dass mein Kommentar genau passt. Es ist gerade nicht an denen, die den Terror beklagen, vor ihm zu warnen und Karikaturisten zur Mäßigung aufzurufen. Genau das hieße nämlich auch, der Selbstjustiz den Weg zu ebnen.

      • Achim Spengler schreibt:

        Wo Sie hier einen Widerspruch sehen können, bleibt Ihr Geheimnis. Das eine ist die Festlegung, was Satire darf und was nicht. Darüber kann ich dann persönlich trefflich streiten, ohne daß sich daraus ein unmittelbarer Anspruch auf Unterlassung ehrverletzender Äußerungen ableiten ließe.

  8. Fred Lang schreibt:

    Zitat: „Darf ein Satiremagazin jede Grenze überschreiten?“
    Kants „Kategorischer Imperativ“ sollte auch für Satiremagazine die Richtschnur ihres Handelns sein, denke ich.

    • ausgesucht schreibt:

      Guter Gedanke! Doch ist der Kantsche Imperativ nicht nur in der Satirebranche nicht leider oftmals ignoriert (und zwar rigoros)? So war das mit dem ‚kategorisch‘ sicherlich nicht gemeint… :\

  9. Ein Extrem erzeugt ein anderes Extrem … das wird so lange so bleiben, so lange wir in Extremen leben. Wenn wir (als Individuum und kollektiv) vom Extrem in die Balance gehen (in allen Lebensbereichen), wird sich (individuell und kollektiv) etwas ändern. Ich wollte den Beitrag liken, weil er sehr mutig ist und ich ihm zustimme, aber ich habe keinen Like-Button gefunden … also hiermit ein Like an die mutige Autorin ♥ 🙂

  10. Texthase Online schreibt:

    Ich schreibe kurz und bündig: sehr guter Beitrag und ausgezeichneter Blog!

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