Was ich gern wüßte…

Wenn die Attentäter der „Charlie Hebdo”-Tragödie und die auf den Horrorzug aufgesprungenen Trittbrettfahrer einfach nicht klar im Kopf waren oder ihr Fanatismus sie blind gemacht hat gegenüber elementar humanen Grundsätzen und wenn sie absolut nicht repräsentativ sind für welche Religionsgemeinschaft auch immer, warum wird dann auf das bedauerliche und im höchsten Maße tragische Einzel(!)ereignis dermaßen monströs in der Öffentlichkeit eingegangen? Demonstrationen, die das Recht der Satire, der Presse- und Meinungsfreiheit und der Freiheit an sich einfordern; Diskussionen über Änderungen von Gesetzen; Verschärfung der Überwachungsmöglichkeiten. Aber es waren doch verwirrte Einzeltäter‽ Nichts, was prinzipiell terroristisch wäre‽ Es war doch eine Tragödie von zufälliger Einmaligkeit‽ Oder etwa nicht?
Wollen die Hunderttausenden anläßlich der Pariser Tragödie mit ihrer nicht zu übersehenden Präsenz möglicherweise vor einer wirklichen, die breite Gesellschaft bedrohenden Gefahr warnen? Aber dann wären manche Zweifel an einzelnen Punkten der aktuellen Asylpolitik, die die pauschal als Haßmenschen diffamierten Bürger, die ihre Ängste wegen der derzeitigen Entwicklungen wenigstens in wöchentlich stattfindenden öffentlichen Zusammenkünften artikulieren möchten, am Ende gar berechtigt?

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Über ausgesucht

…desillusioniert
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67 Antworten zu Was ich gern wüßte…

  1. YDU schreibt:

    Wer interessiert für verwirrte Einzeltäter? Natürlich lässt sich diese Stimmung ideal für gesetzliche Mahßnahmen nutzen, die ansonsten niemand akzeptieren würde! Hätten wir eine bessere Überwachung ( als die NSA, die ja kläglich versagt hat), dann wäre uns das erspart geblieben … 😉

    • ausgesucht schreibt:

      … möchtest Du andeuten, daß wir schuld an der Misere sind, weil wir die NSA viel zu sehr an ihrer Arbeit gehindert haben? 😉
      Das soll soooo einfach gewesen sein, dem „Haufen” Sand ins Getriebe zu streuen??? 😛

      • YDU schreibt:

        Seit unseren kecken Aussagen sind die Jungs nur mehr die Hälfte wert: Fertig mit den Nerven und der Welt! Ob wir nicht doch ein klitzkleinwenig schlechtes Gewissen haben sollten? Jetzt wo du es sagst: Ich streue schon die ganze Zeit Sand und Split, hätte aber nicht gedacht, dass ich gleich die NSA ausschalte, obwohl ich ein heimlicher Fan bin, da sie doch immer alles wissen, wenn ich etwas vergessen habe … 😉

        • ausgesucht schreibt:

          Na, auf Dein „Entschuldigungsschreiben” bei den „Jungs” bin ich seeeehr gespannt? 😉

          • YDU schreibt:

            Wir wollen es nicht übertreiben, denn soooo ein schlechtes Gewissen habe ich gar nicht, wenn ich es mir recht überlege. 😉

            • ausgesucht schreibt:

              Na na, jetzt aber nicht kneifen: wenn man ein Fan ist (ein heimlicher oder ein unheimlicher), sollte man mit seinen Dankesbekundungen aber nicht hinter dem Berg halten… 😉
              Wobei mir unheimliche Fans irgendwie unheimlich sind. 🙂

              • YDU schreibt:

                Ach was, ich kneife doch nicht! Wie konntest du bloß auf so eine abwegige Idee kommen? Natürlich entschuldige ich mich in aller Form, aber ich sage es den Jungs nicht, ich schreibe es auch nicht, nicht einmal ein Flüstern werden sie hören, denn ich habe mich dazu entschlossen, meine Dankesbekundung in einer Art Medidation durchzuführen. Und wenn die sich dann bedanken, dann ist alles klar: Sie können sogar Gedanken lesen und ICH habe sie aufgedeckt! Bin ich nicht extrem raffiniert? 😉

              • ausgesucht schreibt:

                Raffiniert!!! 😀

  2. philipwernerk schreibt:

    In deren Kopf werden wir niemals hineinschauen, da diese Menschen keinen haben!

  3. lawgunsandfreedom schreibt:

    Mein Standardspruch, wenn es mal wieder zu einer der seltenen Taten mit einer legalen Waffe gekommen ist, passt auch hier:

    Menschen, Medien und Politiker lieben Sensationen. Sensationen zeichnen sich dadurch aus, daß sie selten und außergewöhnlich sind. Deshalb lassen sie sich auch wunderbar ausschlachten und instrumentalisieren. Die Medien füllen durch emotionale Berichterstattung mit Auflage und Werbung ihr Säckel, während sie die niederen Instinkte des Lesers befriedigen Die Politiker haben wieder was, womit sie sich sicherheitspolitisch profilieren können und der normale Bürger auf der Straße hat wieder seinen geliebten Nervenkitzel, ordentlich Drama und Empörung und fordert Schutz und Sicherheit von der Regierung, die prompt pauschal die Bürgerrechte einschränkt um damit Personen zu treffen, die davon völlig unbeeindruckt sind. Scheinsicherheit auf Kosten der Freiheit. Die Medien – egal ob links, rechts oder mittig angesiedelt – machen Meinung und verbreiten Vorurteile, so lange sie nur die Ängste und Befindlichkeiten ihrer Leser befeuern können.

    Terrorakte, Attentate und Amokläufe sind extrem selten. Sie erscheinen nur so dominant, weil sie eben selten und außergewöhnlich sind.

    Wirft man einen Blick in die Todesursachenstatistik, dann sieht man ja schnell, was die meisten Todesopfer fordert. Terror, Amok und Attentate kommen da ganz, ganz weit hinten vor – wenn überhaupt. 350.000 Tote durch Kreislauf-Erkrankungen, 40.000 Tote durch falsch verschriebene Medikamente jährlich – das hat kein dramatisches Potenzial. Nicht mal die paar Toten, die jährlich vom Blitz erschlagen wurden, sind sensationell genug. Früher™ als Feldarbeit noch von Menschen gemacht wurde, war die Zahl der Treffer auch noch deutlich über 100. 😀

    „Ein einzelner Toter ist eine Tragödie. Eine Million Tote sind nur eine Statistik.“, soll Stalin mal gesagt haben. Außerdem verändert sich die Wahrnehmung auch mit der räumlichen Entfernung. Was in der direkten Nachbarschaft passiert ist uns wichtiger und „geht uns näher“ als wenn Loco Haram (pun intended) in Afrika 2.000 Leute auf einmal abschlachtet.

    Das ist irgendwie so, wie die Affenbande, die kreischend auf den Bäumen hockt und hinter dem Busch einen Leoparden ausgemacht haben will. Daß das nur ein Schattenspiel aus Sonnenstrahlen und Blättern ist — nein, das hat Flecken, Leoparden haben Flecken und Leoparden fressen Affen. Ich bin dann der Affe, der sich zwar erst auch ziemlich aufregt, sich aber dann fragt, warum der „Leopard“ sich nicht bewegt, bzw. falsch bewegt. Dann wirft man halt mal einen Ast in die Richtung oder guckt sich die Situation von einem anderen Baum aus an und stellt fest, daß das gar kein Leopard ist.

    Dem Affenrudel ist das wurscht. Das interessiert sich nicht für Tatsachen, das interessiert sich dafür, kreischend auf den Bäumen zu hocken, an Ästen zu rütteln und sich ganz furchtbar zu ängstigen und aufzuregen. Ich stopf mir derweil was in die Ohren und schäl‘ mir eine Banane.

    • ausgesucht schreibt:

      Das ist treffend beschrieben. Ich möchte dem Bild von der Affenbande noch eine winzige Facette hinzufügen: Da der „Silberrücken” es gar nicht leiden kann, wenn seine Autorität untergraben wird, wird er jeden, der einen klärenden Blick riskiert und Aufklärung betreiben möchte, in der Gruppe diskreditieren (vom Futter oder vom Sex wegdrängen) oder gleich mit K*cke bewerfen… (komisch, wo das so schreibe, habe ich plötzlich unsere Obrigkeitskaste vor dem geistigen Auge…) 😉

      • lawgunsandfreedom schreibt:

        Danke, ich hätte jetzt fast meine Cola über Tastatur und Bildschirm geprustet – aber irgend was ist ja immer.

        • ausgesucht schreibt:

          Vielleicht sollte ich die AGB um einen Artikel erweitern, der Garantieleistungen im Zusammenhang von Essen und Trinken beim Lesen einzelner Blogbeiträge am Computer abklärt… 😉

          • lawgunsandfreedom schreibt:

            Braucht’s zumindest bei mir nicht. Ich weiß, daß Essen und Trinken am Computer mit gewissen Risiken behaftet ist. Meine eigene Verantwortung – nicht Deine 😉

            • ausgesucht schreibt:

              Da bin ich irgendwie beruhigt. Ein Glück, daß wir hier nicht die amerikanische Rechtsauffassung teilen. Denn sonst könnte man noch für eine Beschädigung von Leib oder Gut belangt werden, weil man es versäumte, darauf hinzuweisen, daß das Lesen von Blogbeiträgen Emotionen schüren könnten, die sich auf das gewohnte Schluck- oder Persitaltikverhalten verändernd auswirken könnten, oder so. 😉

  4. S. Meerbothe schreibt:

    Lese ich einen Hauch Zynismus aus Ihren Zeilen, mein Lieber? 😉

    Herzliche Grüße,
    Silvia Meerbothe

    • ausgesucht schreibt:

      Nein, ganz und gar nicht! Ganz ehrlich und nicht nur dahergefaselt: Zynismus verbietet sich bei solchen Themen…

      Im Gegenteil, ich meine es ernst: Auf der einen Seite wird jeder – ich sag’s mal ganz vornehm – feuchte Furz instrumentalisiert, um das tumbe Volk zu manipulieren (sehr effizient ist das Schüren von unbestimmten, nicht rational greifbaren Angstzuständen). Auf der anderen Seite wird jede (zumindest jede, die Substanz möglicherweise angreifende) Diskussion, die ja Klärung bringen könnte, kategorisch abgewürgt, indem die gerade geschürte Angst bagatellisiert wird und/oder die verunsicherten Fragesteller kriminalisiert werden. Zustände sind das!! 😯

      • S. Meerbothe schreibt:

        Da ist was wahres dran.

        • ausgesucht schreibt:

          … und doch muß man der aktuellen Situation wohl das Attribut „nie dagewesen” geben. :/

          • S. Meerbothe schreibt:

            Das ist die Frage. Wirklich nie dagewesen? Haben die Leute damals nicht für mehr Arbeit demonstriert und ihrer Unzufriedenheit Luft gemacht?
            Und wurde die damals aufgeheizte Stimmung nicht auch ausgenutzt?
            Nach einer vernünftigen Asylpolitik zu verlangen ist kein Frevel sogar vernünftig.
            Ich wage sogar zu behaupten, dass, würde das Asylrecht grundlegend und vernünftig reformiert, würde das allen gut bekommen.
            Doch gibt es zu viele Störfaktoren, bestehend aus Angst, Hass und Unverständnis.
            Es wäre so wichtig sich zusammen zu setzen, alle Stimmen anzuhören und dann zu schauen, welche Lösungen möglich sind.
            Das braucht einen kühlen Kopf, Verständnis für alle Beteiligten und Zeit.
            Keine Schnellschüsse.

            • ausgesucht schreibt:

              Du siehst mich beim Lesen Deiner Zeilen zustimmend nicken. Besonders der Satz: „Es wäre so wichtig sich zusammen zu setzen” hat es mir angetan. Aber findet diese Sicht tatsächlich auch einen breiten Konsens? Auch von der Seite, die den anderen alle möglichen negativen Attribute andichtet, um sie dann dafür zu schelten und um ihnen deshalb Dialogfähigkeit und -bereitschaft abzusprechen?

              • S. Meerbothe schreibt:

                Sprechen sich das nicht beide Seiten ab? Wäre die Situation so, wie sie jetzt ist, wenn wenigstens EINE (von wieviel eigentlich?) Seite der anderen trauen würde? Das ist eine wichtige Grundvoraussetzung. Den Mut haben, sich zu öffnen damit einer den ersten Schritt machen kann. Und einer muss anfangen dem anderen Verständnis entgegen zu bringen. Wer traut sich?

              • ausgesucht schreibt:

                Ich fürchte, dieses Dilemma, dem jeweils anderen einen Vertrauensvorschuß einzuräumen, gibt es, seit die Menschenheit das Sprachvermögen „erfunden” hat. An dieser Stelle wird es so bald zu keiner Besserung kommen, leider.

  5. user unknown schreibt:

    Welche Punkte der aktuellen Asylpolitik konkret?

    • ausgesucht schreibt:

      Verkraftet es die dt. Kultur („Dichter und Denker” und so), wenn fremde Einflüsse nicht kooperativ, sondern dominant implementiert werden? Welches ist die „kritische Masse”, ab der die religiös basierte Botschaft, Ungläubige gottgefällig gnadenlos (auch bis zum Tod) zu bekämpfen, nicht mehr toleriert werden kann? Wie wird staatlicherseits gewährleistet, daß keine „Schläfer” placiert werden? Wie trennscharf separiert das Asylverfahren, wie groß ist die Irrtumswahrscheinlichkeit? etc. pp.

      • user unknown schreibt:

        Satz 1 verstehe ich nicht. Wie sieht das aus, wenn eine Kultur etwas nicht verkraftet? Von wem wird was dominant implementiert? Asylbewerber werden dominant implementiert? Von den sie entsendenen Regimen vor denen sie angeblich fliehen?

        Nicht toleriert werden kann religiöse Intoleranz. Da gibt es keine kritische Masse, sondern das ist grundsätzlich so. Das war nun die zweite Gegenfrage auf meine Frage, was die Zweifel an der Asylpolitik sind, aber welche Asylpolitik wird hier kritisiert? Intolerantes Verhalten eines Asylsuchenden ist nicht Inhalt des Asylverfahrens. Wie stellen Sie sich das vor?

        Dass Schläfer platziert werden – dafür fehlt m.W. jeder Beleg. Riecht nach VT.

        Wie trennscharf ist das Asylverfahren – sagen Sie’s mir! Sie haben Zweifel daran, dass das Asylverfahren was macht? Statt Antworten vage Ängste, diffuses Allerlei, Gegenfragen, die sich nicht beantworten lassen.

        • ausgesucht schreibt:

          Ich trage den unerschütterlichen Glauben in mir, daß man die Gebetsmühle nur ordentlich, vor allem ordentlich lange drehen muß, bis die wundersame Wandlung von Phrasen, ob sie nun passen oder nicht, in Argumente stattfindet.

  6. tom174 schreibt:

    Bestimmt sind in Paris viele mitmarschiert, die auch bei Pegida auflaufen.
    Aber das breite Interesse der Medien (und auch meines) erklärt sich daraus, dass dies nicht nur ein Anschlag auf Menschenleben, sondern ein Anschlag auf einen unserer wichtigsten Werte war. Die Demonstration ist ein „Ihr wolltet uns zum Schweigen bringen? Das ging nach hinten los!

  7. bratzenkicker schreibt:

    Gelegenheit macht Gesetzesänderer…

  8. alltagsfreak schreibt:

    Man muß Hass und Terror, egal im Namen welcher Religion, stoppen! In PEGIDA (wenn dies mit wöchentlichen Zusammenkünften gemeint sein soll) sehe ich den Versuch der Bildung einer rechten Volksfront. Auch dies gilt zu verhindern

    • ausgesucht schreibt:

      Grundsätzlich stimme ich zu, im Detail habe ich Bedenken: ‚Muß‘ man Haß, also eine Emotion(!), stoppen? Oder wäre es angemessener, Haß und Terror ‚energisch und konsequent entgegenzutreten‘? Letzteres schließt nämlich auch ein, (beispielsweise) Angst zu nehmen (also Ursachen zu bekämpfen), während „Angst und Terror müssen gestoppt werden” doch sehr nach nach Verbot und Restriktion klingt, jedenfalls nicht nach Kommunikation und Verständnis.

      Und ja, PEGIDA ist ein Furunkel am Arsch der Gesellschaft. Aber deshalb müssen doch nicht alle, die zu solchen Zusammenkünften gehen, weil es zur Zeit das einzige Podium ist, wo ihre Ängste und Verunsicherungen zumindest angesprochen(!) werden, rechts oder braun oder sonstwas sein. Sind denn etwa alle heterosexuellen Gäste, die bei einem schwulen Paar zur Geburtstagsfeier eingeladen sind, plötzlich auch alle schwul?

      Und auch beim letzten Satz stimme ich Dir (mit gewissen Einschränkungen) zu: Der Formierung rechter Kräfte ist energisch und konsequent entgegenzuwirken.

      • lawgunsandfreedom schreibt:

        Ich unterscheide nicht mehr groß zwischen „rechts“ und „links“ beide Richtungen sind autoritär und kollektivistisch. Ich unterscheide zwischen autoritär und freiheitlich. Das alte zweidimensionale politische Spektrum taugt schon lange nicht mehr zur Positionsbestimmung. Besser ist das hier:
        http://www.politicalcompass.org/

        • ausgesucht schreibt:

          Ein interessanter Gedanke, ‚links‘ und ‚rechts‘ nicht mehr zur Charakterisierung heranzuziehen! Denn es ist ja tatsächlich so, daß diese Unterscheidung letzten Endes eindimensional ist – irgendwo müssen die Fraktionen im Parlament ja schließlich sitzen. Aber eine eindimensionale Sicht oder auch plakative Sicht, also Schubladendenken, dürfte der Komplexität des Themas kaum gerecht werden (vgl. hier). Allerdings frage ich mich, ob eine Unterscheidung nach ‚autoritär‘ und ‚freiheitlich‘ (und der Abstufungen dazwischen) nicht auch recht eindimensional ist? Schließlich ist der Gesamtkomplex nicht aus idealtypischen „Memen” zusammengesetzt, sondern aus beliebigen „Mischungen” in beliebigen „Reifegraden”. Könnte nicht in einer bestimmten Entwicklungsphase ein (moderat) autoritärer Führungsstil der allgemeinen Wohlfahrt mehr dienen als ein freiheitliches Konzept, mit dem die „Teilnehmer” schlichtweg (noch) nicht umgehen können? 😉

          • lawgunsandfreedom schreibt:

            Der Political Compass arbeitet durchaus noch mit „links“ und „rechts“ fügt aber eine zweite Dimension mit „autoritär“ und „freiheitlich“ hinzu. Das ist natürlich auch noch lange nicht ausreichend, aber schon mal besser als das bisherige links-rechts Schema.

            • ausgesucht schreibt:

              Es ist meistens ein wenig heikel, wenn f(x1) einen bestimmten Sachverhalt tendenziell zwar ganz gut, aber letztlich nicht gut genug beschreibt, einfach noch einen zusätzlichen Parameter einzufügen, damit die Beschreibung durch g(f(x1), x2) besser werde. Gar zu leicht betreibt man Overfitting. Letzteres geschieht oftmals dann recht schnell, wenn die Ausgangsannahme, also f(x1), deskriptiv ganz gut weil plausibel, aber im Grunde nicht fundiert ist. Und genau diese Fundierung (sprich: Begründung auf einer Meta-Ebene) ist bei politischen Meinungen, politischen Ausrichtungen, bei Parteien und ihren (dynamischen) Koalitionsabsichten wohl kaum sinnvoll möglich…

              • lawgunsandfreedom schreibt:

                Wohl wahr. Nur möchte man gerne kategorisieren und in Schubladen stecken können. Dazu sind dann auch mäßig taugliche Hilfsmittel recht. Hauptsache, man hat überhaupt ein Werkzeug um gewisse Dinge zu „erklären“ oder begreifbar zu machen.

                Bei harten Fakten in den MINT-Wissenschaften kein allzugroßes Problem. Da hat man Daten mit denen man arbeiten kann. Wenn es um Meinungen geht, ist das allerdings schwierig. Das ist dann keine harte Wissenschaft mehr.

                Trotzdem finde ich die Methode für grobe Einordnung und Visualisierung ganz gelungen. Ob man daraus dann allerdings etwas ableiten kann, mit dem man außerhalb von „weichen Wissenschaften“ was anfangen kann, halte ich auch für etwas zweifelhaft 😉

              • ausgesucht schreibt:

                Nimm doch mal die beiden Sätze: „Nur möchte man gerne kategorisieren und in Schubladen stecken können. Dazu sind dann auch mäßig taugliche Hilfsmittel recht“ und „spinne den Faden” ein winziges Stück weiter! Kommt dann nicht plötzlich folgendes heraus: Wenn die Tauglichkeit der Hilfsmittel zur Klassifizierung zweitrangig ist, würde auch die KLasse ‚Gottgefälligkeit‘ eine unter vielen anderen gleichwertigen (oder gleich unwertigen) Schubladen sein können, um als Kategorisierungshilfsmittel zu dienen. D.h. es gibt keinen echten Grund mehr, Religiosität zu bekämpfen? + + + dieser Tag könnte wundervoll werden + + + dieser Tag könnte wundervoll werden + + …

              • lawgunsandfreedom schreibt:

                Rein logisch gesehen hast Du vollkommen recht und im MINT-Bereich stimme ich Dir auch vollkommen zu. Nur sind wir halt hier in einem Bereich der Soziologie, die ja die Regeln der Statistik recht kreativ auslegt (wie auch die Genderisten, die Psychologen und sonstige „Wissenschaften“ die eher selten mit harten Fakten aufwarten können).

                Ich sehe solche Methoden als Krücke um etwas begreiflich zu machen, was den meisten Leute ansonsten nicht verständlich zu machen wäre. Das kann natürlich nur so halbwegs an die Realität rankommen. (Wobei wir jetzt noch definieren müssten, was „Realität“ eigentlich ist. Intersubjektivität innerhalb von sozialen bzw. gesellschaftlichen Gruppen?)

                Ich kenne leider keine statistisch haltbare Methode zur Einordnung von Meinungen – hätte aber gerne eine und weiß, daß das unrealistisch ist. *seufz*

                PS: Trotzdem ist der Political Compass ein nettes Spielzeug, wenn man sich darüber klar ist, wie er funktioniert und was für eine Methode (Logik will ich mal nicht sagen) dahinter steckt.

              • ausgesucht schreibt:

                Da ist was dran: Letzten Endes ist es egal, mit welchem Vehikel man vorankommt. Hauptsache ist, man kommt voran… 😉

                Aber wie ist das mit dem „Political Compass”? Handelt es sich dabei nicht auch um Schubladen? Freilich viel subtiler als einfach nur ‚linke‘ und ‚rechte‘ Schublade und mit einem gewissen „das-glaubst-aber-nur”-Überraschungseffekt, wenn das Ziehen an dem Griff, der mit beispielsweise ‚konservativ-liberal‘ überschrieben ist, ganz unerwartet einen ganz anderen Kasten öffnet…

              • lawgunsandfreedom schreibt:

                Klar ist das ein Schubladensystem. Ein ziemlich clever gemachtes. Es hat natürlich seine Fehler, vor allem, da das System der Fragen eher auf die USA zugeschnitten ist, als auf Europa.

                Meiner Erfahrung nach ist der Compass nicht besonders überraschend. Die Leute finden sich relativ häufig da wieder, wo sie sich selbst verorten.

                Natürlich macht so ein Test mehr Sinn, wenn man sich selbst kennt. Wer sich selbst nicht kennt, der könnte tatsächlich eine Überraschung erleben 😉

              • ausgesucht schreibt:

                Menschen, die sich für sich selbst interessieren (was nur eine abkürzende Schreibweise ist für: ihren Platz im Hier & Jetzt, in Familie, Partnerschaft und sozialem Umfeld), brauchen in der Regel nicht gesagt zu bekommen, „wie sie ticken”, für die anderen wär’s eh nur eine Art Partyspiel…

              • lawgunsandfreedom schreibt:

                Hm … da kenne ich leider Leute, die orientieren sich häufig an solchen Tests (oder Orakelkarten und ähnlichem Unsinn) … bzw. lassen sich massiv davon beeinflussen 😀

              • ausgesucht schreibt:

                Ganz genau: man kennt einige von dieser Sorte und kann so recht gar nicht glauben, wie intensiv sie sich beeinflussen lassen. Allerdings fällt mir ganz spontan keiner aus dieser Riege ein, dessen profundes Denkvermögen ich nun besonders schätzen würde… 😛

              • lawgunsandfreedom schreibt:

                Denkvermögen? Was für ein Denkvermögen? :-p

              • ausgesucht schreibt:

                Was rechtfertigte sich der Schüler, der zum Thema Vakuum geprüft wurde?: „Ich hab’s im Kopf…” 😉

  9. hansarandt schreibt:

    Ich habe die Diskussion nicht gelesen sondern nur deinen Beitrag. Den finde ich erst mal gut. Ich wollte ein Like hinterlassen hab aber keinen button dafür gefunden. Die Damen und Herren, die da in der ersten Reihe für die Meinungs- und Satirefreiheit auf die Straße gegangen sind, verfolgen selbst in ihren Staaten unliebsame Journalisten. In Frankreich wird ein Komiker, Dieudonne, der Millionen likes im Netz hat und riesige Hallen füllt, mit einer Prozesslawine überzogen und mit landesweiten Auftrittsverboten und einem Einreiseverbot in Großbritannien belegt. Auch er ist ein Religionskritiker, allerdings kritisiert er nicht nur den Islam. Man sagt, der mache kein Kabarett, sondern politische Veranstaltungen, wo doch jeder weiß, dass Kabarett schon immer unpolitisch war.

    • ausgesucht schreibt:

      Die „Gefällt mir”-Wertungsmöglichkeit habe ich für dieses Blog ausgeschaltet. Einerseits möchte ich der Versuchung entgegenwirken, leichtfertig ‚Likes‘ hinzuschlenzen, und andererseits ist es eine Art Kur für mich, nicht der Eitelkeit aufgrund vieler ‚Like‘-Trophäen zu erliegen… 😉

      • hansarandt schreibt:

        Respekt.
        Mir fällt gerade noch was ein zum „Unwort“ des Jahres, „Lügenpresse“. Ich weiß nicht genau, wer für solche Kategorisierungen verantwortlich sind, aber mir scheint es ist die Lügenpresse.

        • ausgesucht schreibt:

          Ich kenne das Nominierungskomitee auch nicht, meine aber, daß sich das ergoogeln läßt.
          Allerdings vermute ich, daß „Lügenpresse” kein allzu großes Potential besitzt, erkoren zu werden (auch wenn sie recht wahrscheinlich ein Scherflein zu den gegenwärtigen (Wertungs-)Zuständen beigetragen haben dürfte). Setzt der Tatbestand ‚Lüge‘ nicht voraus, daß wissentlich eine von der Wahrheit abweichende Darstellung eines Sachverhaltes verbreitet wurde? Aber was, wenn politisch, ach, so freie Presse-Mitarbeiter das, was sie schreiben, genau so glauben, weil es ihre empfundene (oder oktroyierte?) Wahrheit ist?

          • lawgunsandfreedom schreibt:

            Bei den Nachdenkseiten hat eins der Komitee-Mitglieder seine Entscheidung begründet. Fand ich interessant, aber unbefriedigend. Das was mich daran störte, hat ScienceFiles in Worte gefasst: https://lawgunsandfreedom.wordpress.com/2015/01/13/von-der-lugenpresse/

            • ausgesucht schreibt:

              Das ist ja echt putzig: Ich hatte das Wort „Lügenpresse” nicht in dem Sinn aufgefaßt, wie ihn die Unwort-Koryphäen gern demagogisieren möchten, sondern als (von denen so als politisch inkorrekt abgetane) Medienkritik…

              Vielleicht sollte man „Unwort” zum Unwort des Jahres 2015 machen (wegen des Schindluders, das damit betrieben wird/werden kann) :mrgreen:

              • lawgunsandfreedom schreibt:

                Ja, ich hatte das auch falsch verstanden. Ich kann nämlich Worte auch ganz unabhängig von einem geschichtlichen Kontext verwenden und tue das oft auch. Das semantische Minenfeld vergrößert sich mit jedem Tabu-Wort, bis man sich sprachlich gar nicht mehr richtig ausdrücken kann.

              • ausgesucht schreibt:

                Falls der Begriff „semantisches Minenfeld” noch nicht Wort des Jahres geworden sein sollte, wird es aber langsam allerhöchste Eisenbahn!!! 😀

          • hansarandt schreibt:

            Dummheit schützt vor Strafe nicht!

            • ausgesucht schreibt:

              Das gilt für manche Presseheinis (ach was, für manche Zeitgenossen!) aber womöglich doch nicht?? 😉

              • hansarandt schreibt:

                Nicht für alle. Man ist immer nur so dumm, wie man sich machen lässt. Allerdings muss man neidlos anerkennen, Dumme leben leichter und der beste Betrug, ist immer noch der Selbstbetrug, und den beherrschen auf die eine oder andere Weise alle, wir beide eingeschlossen.;-))

              • ausgesucht schreibt:

                Das Thema ‚Dummheit‘ hatten wir schon einmal und sind im Unfrieden auseinander gegangen: Es hängt sehr davon ab, wie Dummheit definiert ist (welche Art von Dummheit eigentlich gemeint ist), wenn das mit dem „sich dumm machen lassen” Bestand haben soll. In meinen Augen stellt dieser Satz eine unzulässige Verallgemeinerung dar. Zudem „beißt” er sich mit der Behauptung über den wohlfeilen Selbstbetrug.

          • hansarandt schreibt:

            Praktisches Beispiel:
            Auch die Soldaten im Faschismus haben geglaubt, dass sie für eine Gute Sache kämpfen und die BDM-Mädels waren stolz auf Ihren Führer.

            • ausgesucht schreibt:

              So ist es!
              Und Geschichte ist nicht per se wahr, sie wird von den Siegern gemacht (nachträglich, versteht sich). Auch unsere Wertvorstellungen werden (absolut sicher!) rückwirkend betrachtet ganz anders dastehen, als wir sie im Moment für hehr und zukunftsweisend erachten… 😐

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