Buch 68 – Du weißt es…

Cover_WegbergGeschichten mit psychologischem Hintergrund fesseln mich. Wahrscheinlich am meisten wohl deshalb, weil ich mich in naiver Unwissenheit diesem Sujet ausliefere und mich ausschließlich von meinem Gefühl durch die Unwägbarkeiten seelischer Manifestationen lotsen lasse.
So erscheint der Roman Du weißt es nur noch nicht von T. A. Weinberg als Verlockung der besonderen Art: der Ich-Erzähler berichtet aus einer nicht näher bezeichneten Zeitposition heraus von seiner Entführung (am letzten Schultag eines niedrigen Gymnasiumschuljahrs) und den daraus resultierenden Geschehnissen mit seiner Familie (Mutter, Vater, Schwester). Zugleich, lediglich durch einen anderen Schriftsatz als gewissermaßen Gegenperspektive erkennbar, schildert er aktuelle Erlebnisse.
Sprachlich ist der Roman, ähm, glaubwürdig – es berichten ein noch junger Pennäler und ein zehn Jahre älteres Nervenwrack. Die Geschichte startet recht naiv, kann sich im Verlauf von knapp 300 Seiten auch nicht überzeugend steigern. Schade! Unangenehm fallen aber auch inhaltliche Fehler auf. Der Autor beginnt seine Erzählung mit dem Überfall in einer ruhigen Wohngegend, bemüht später aber eine Erinnerung an einen über den Schulhof laufenden Entführer. Oder auch: Der Kopf der Entführerbande nimmt eine neue Identität an und zieht in eine neue Wohnung, behält aber trotz dieser Sorgfalt belastendes Beweismaterial an recht exponierter Stelle aufbewahrt? Oder auch: Kann ein während des Abwaschens ins Wasser glitschendes Händi einen Porzellanteller zerschlagen? Oder – meine liebste Unstimmigkeit verlangt allerdings räumliches Vorstellungsvermögen: Jemand wird wie als Geisel in ein Zimmer geführt, auf seinen Rücken zielt eine Schußwaffe in die Nierengegend. Der Waffenträger wird durch eine weitere Person von vorn mit vollem Körpereinsatz nach hinten geschleudert, wobei sich ein Schuß löst, der die Geisel auf der Vorderseite(!) mit einem Streifschuß (in der Höhe eines Rippenbogens?!) verletzt…

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Über ausgesucht

…desillusioniert
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6 Antworten zu Buch 68 – Du weißt es…

  1. YDU schreibt:

    Du nimmst es auch zeimlich genau beim Lesen! 99,9% der Menschheit liest da ganz locker drüber, ohne mit der Wimper zu zucken … Der Rippenbogentreffer stammt vermutlich von einem Querschläger oder es handelte sich um eine Kreativkugel, die absolut keine Lust mehr hatte ständig geradeaus zu fliegen. 😉

    • ausgesucht schreibt:

      … und ich hatte schon vermutet, das war eine Silberkugel, nein, eine Kugel mit Silberblick. Die nicht so ganz genau sehen kann, wohin sie fliegt 😉

      • YDU schreibt:

        Sozusagen eine klassische Silberblickkugel, die im Handel extrem schwer erstanden werden kann! Wen wundert es, dass der geneigte Leser, den Ablauf nur sehr schwer nachvollziehen kann … 😉

  2. finbarsgift schreibt:

    klingt cool, danke für den Tipp!

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