Sprachentwicklung

Umzug_1Lohnt es sich eigentlich noch, sich über den Zerfall, besser: das Zerstörtwerden, der deutschen Sprache zu mokieren?

Dieser Schaufensterhinweis fiel mir förmlich im Vorbeigehen(!) auf, da er durch die korrekte Verwendung des „aufgrund”-Genitivs unweigerlich ins Auge sticht. Der Genitiv ist ja mittlerweile beinahe schon ausgerottet.
Schön und gut, der Zettel scheint aber schon lange genug zu hängen, um ausgereift zu sein. Wahrscheinlich stammt er noch aus einer Zeit, als der Genitiv noch nicht an seiner heute beobachtbaren Schwindsucht litt. Doch dann schaut man genauer hin und entdeckt eine falsche Präposition („von – bis”, nicht „am – bis”) und fehlende Kongruenzen („am [Dat.] Donnerstag, dem 21.08.”). Von der Kommasetzung bei Appositionen ganz zu schweigen.

Umzug_2

Lohnt es sich eigentlich noch, sich über den Zerfall der deutschen Sprache zu mokieren?
O ja, es lohnt sich! Umgangssprachlich sollten Piktogramme ausreichend sein (siehe links), während die Hochsprache zur Kunstform erklärt wird, die nur noch in speziellen Kultureinrichtungen zelebriert wird. Gegen Eintrittsgelder, versteht sich. Mit den Jahren sammeln sich dort Artefakte, die zu verstehen aus der breiten Öffentlichkeit niemand mehr in der Lage sein wird…

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Über ausgesucht

…desillusioniert
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17 Antworten zu Sprachentwicklung

  1. Chaos schreibt:

    Da ich der deutschen Sprache auch nicht ganz mächtig bin, klär mich bitte auf. Wie sollte es komplett richtig heißen?
    Liebe Grüße

    • ausgesucht schreibt:

      Ach, das weißt Du doch (ich habe Dich wahrscheinlich nur mit meinen harschen Worten verunsichert; ich bitte um Entschuldigung).

      „Sehr geehrte Kunden, aufgrund unseres Umzuges bleibt das Geschäft vom Dienstag, dem 19.08., bis Mittwoch, dem 20.08.2014, geschlossen. Wir freuen uns, Sie am Donnerstag, dem 21.08.2014, in der Steinstraße 15 im neuen Laden wieder begrüßen zu dürfen.”

  2. lawgunsandfreedom schreibt:

    Ach … wieder ein Grund, die Stufen der schon etwas altersschwachen Hausbibliotheksleiter hinaufzusteigen und einen Duden von 1970 zur Hand zu nehmen. Gleich daneben steht auch noch eins meiner Lieblingswerke, obwohl ich nur selten einen Blick reinwerfe – das „Grimm´sche Wörterbuch„.

    Trotzdem ist der Aushang immer noch besser als der denglische Marketingsprech, der einem ständig um die Ohren gehauen wird.

    • ausgesucht schreibt:

      Da bin ich platt! Und das gleich dreifach: ad 1) Hausbibliothek [na gut, die besitzt so mancher, einschließlich meiner selbst] ad 2) Hausbibliotheksleiter [also ist die Bibliothek höher als „normale Reichhöhe”; falls nicht alle Bücher in einem 1-Buch-Stapel übereinander liegen, dürfte die Bibliothek also ein stattliches Volumen haben] ad 3) das Grimmsche Wörterbuch im Bestand [ich hoffe, es ist die spannend erzählte Ausgabe] 😉

      • lawgunsandfreedom schreibt:

        Nun ja – Altbau. Die Hütte ist 150 Jahre alt und hat hohe Decken. Die sind zwar ein bisschen abgehängt, aber an die oberste Reihe komme ich nicht ohne Tritt oder Leiter ran. Gäste können sich nicht entscheiden, ob sie im Wohnzimmer oder in der Bibliothek sitzen. Das ist so ein Multi-Use-Zimmer 😉

        Stattliches Volumen … könnte hinkommen … ein paar tausend gedruckte Werke sind’s schon. Das meiste allerdings SF, Fantasy und Comics. Dazu ein paar Regalmeter Fachliteratur und Wissenschaft, eigentlich gibt’s zu fast jedem Thema ein bisschen was.

        Und die spannende Ausgabe von Grimm steht eher auf der anderen Seite, bei den gesammelten Märchenbänden 😉

  3. mcralf schreibt:

    Hee Kunda, wir bald weg. Guckst Du neue Adresse Steinstrass 15.

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