da geht die Post ab

Die Augsburger Allgemeine meldet: „Briefporto könnte für Postkunden bald erneut teurer werden – Postkunden müssen laut einem Medienbericht offenbar mit einer erneuten Erhöhung der Portogebühren rechnen. Künftige Mehreinnahmen könnte die Deutsche Post der Regierung verdanken” (Quelle: AA vom 13.03.2015).
… und der deutsche Michel wird es einmal mehr klaglos hinnehmen, wie die Obrigkeitskaste den Wettbewerb verzerrt (wo bleibt denn die Konkurrenz, die das Geschäft beleben können soll?),  um das Preis-Leistungs-Verhältnis nicht etwa zugunsten der Kunden, sondern in Richtung Maximalprofit zu optimieren.

Es lebe die freie Marktwirtschaft!

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Über ausgesucht

…desillusioniert
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28 Antworten zu da geht die Post ab

  1. mcralf schreibt:

    Hmmm… Belebt beim Benzinpreis Konkurrenz das Geschäft im Sinne des Verbrauchers? Oder beim Strom? Ich glaube, nahezu „echten“ Preiswettbewerb gibt es nur beim Verdrängungswettbewerb der Lebensmitteldiscounter. Und dort geht er oftmals zulasten der Erzeuger… Es ist doch krank, wenn Bauern Milch unter Erzeugerpreis verkaufen müssen…
    Ich glaube, das ganze Kapitalismusschneeballsystem steuert auf sein großes Finale zu.

    • ausgesucht schreibt:

      Die Beispiele sind gut gewählt. Und doch teile ich Deinen Optimismus nicht, daß das System (in Bälde!) auf sein großes Finale zusteuere.

      • mcralf schreibt:

        In „Bälde“ hab ich ja nicht gesagt/geschrieben 😉
        Ich weiß nicht, wie alt Du bist, aber ich glaube (befürchte), Du und ich werden das noch zu Lebzeiten erleben… 😦

        • ausgesucht schreibt:

          Da haben wir recht ähnliche Auslegungen für ‚in Bälde‘, also für die zeitliche Sicht: nicht gerade in der nächsten Sekunde, aber auch nicht so, daß das „Geheimwissen” von Generation zu Generation weitergereicht werden müßte… 🙂
          Und doch halte ich das System ‚Kapitalismus‘ für noch immer (trotz aller offensichtlichen Makel) für stabil genug, daß ich für mein Teil längst noch nicht mit seinem Finale rechne.

      • lawgunsandfreedom schreibt:

        Das „in Bälde“ … da warte ich auch schon seit über 20 Jahren drauf (nein, ich bin kein Endzeitler oder Apokalyptiker). Schade, daß sich das nicht wirklich auf einen gewissen Zeitraum festnageln lässt.

        Erfahrungsgemäß sind die Deutschen extrem obrigkeitshörig und leidensfähig. Wenn in Frankreich längst Barrikaden brennen und Konzernchefs vermöbelt werden (wie vor ein paar Jahren), zieht „der Deutsche“ seinen gewohnten Trott durch. Wir neigen nicht zum Aufstand oder zu Veränderungen. Wir wollen vor allem unsere Ruhe haben.

        Um’s mal mit Heine zu sagen:
        „Was die Deutschen betrifft, so bedürfen sie weder der Freiheit noch der Gleichheit, sie sind ein spekulatives Volk, Ideologen, Vor- und Nachdenker, Träumer, die nur in der Vergangenheit und in der Zukunft leben und keine Gegenwart haben.“

        Ein Systemzusammenbruch … das zieht sich. Prognosen zu einem möglichen Zeitpunkt sind allesamt unseriös. Das System™ wurde schon so oft totgesagt, und es ist sicher sehr krank, aber es wird von vielen Seiten am Leben erhalten.

        A propos „Kapitalismus-Schneeballsystem“ – das sozialistische/kommunistische Schneeballsystem ist weltweit schon den Bach runtergegangen, weil es vom Kapitalismus keine Kapitalspritzen mehr bekommen hat. Der Raubtierkapitalismus wird früher oder später folgen.

        Eine Alternative wäre vielleicht so etwas:

        Aber das großflächig umzusetzen dauert Generationen. Andererseits – das System funktioniert: http://de.wikipedia.org/wiki/Das_Semco_System

        • ausgesucht schreibt:

          Wenn sich eine wirkliche Alternative zum Kapitalismus abzeichnet, wird das (schon so oft herbeizitierte, aber eigentlich ehr herbeigesehnte) Systemende tatsächlich in kürzester Zeit (verglichen mit der Zeitspanne seit Erfindung des Kapitalismus) herbeigeführt werden. Fragt sich nur, ob es solche Alternativen gibt (politisch, soziologisch, ökonomisch und wie „…isch” auch immer). Ich meine, es gibt keine praktikable Alternative, das SEMCO-System inbegriffen. Zu diesem nur mal eine winzige Frage: warum ist es wohl in Brasilien und nicht etwa in Ameristan entstanden?

          • lawgunsandfreedom schreibt:

            warum ist es wohl in Brasilien und nicht etwa in Ameristan entstanden?

            Gier, Macht und Kontrolle (basierend auf Angst) – all das, was das SEMCO-System weitgehend vermeidet.

            • ausgesucht schreibt:

              Ich nehm‘ das mal als Antwort auf meine Frage, indem ich Deinen Satz noch ein wenig verschärfe: Weil „Gier, Macht und Kontrolle (basierend auf Angst)” noch immer das Standardrüstzeug des kapitalistischen Managements sind, sind Alternativen nur ganz weit entfernt möglich (am besten in Utopia).

              • lawgunsandfreedom schreibt:

                Es muß halt erst viel schlimmer werden, zusammenbrechen und dann noch mal von vorne anfangen um die alten Fehler zu wiederholen. 😐

              • ausgesucht schreibt:

                So etwa funktioniert der Mensch in seinen Sozialgefüge! Da ist nicht mehr viel von Darwin übrig – insofern hat sich der Mensch doch schon sehr von der Natur entfernt (nette Schlußfolgerung, nicht wahr?) 😉

              • lawgunsandfreedom schreibt:

                Nu ja – echte Evolution läuft über sehr lange Zeiträume. Im Laufe von ein paar Jahrhunderten Änderungen zu erwarten ist wohl ein bisschen optimistisch. Andererseits waren unsere Altvorderen, z.B. mit ihrem Zinsverbot, einen Schritt weiter, als wir heute sind … 😉

                Allerdings haben wir uns – was Sozialgefüge angeht – nicht wirklich von unseren steppenbewohnenden Vorfahren entfernt. Keine der neueren Gesellschaftsformen funktioniert wirklich.

              • ausgesucht schreibt:

                „Keine der neueren Gesellschaftsformen funktioniert wirklich”.

                Irgendwie treibt es mich zu widersprechen! 🙂
                Ganz pragmatisch gefragt: Woran soll „wirkliches Funktionieren” gemessen werden? Endliche Lebensdauer, Betonung auf ‚endlich‘, dürfte kein Kriterium sein, denn alles, was einen Anfang hat (also irgendwann einmal begann), hat auch ein Ende. Alle meine PCs beispielsweise haben funktioniert, obwohl die meisten von ihnen längst im Computerhimmel schweben…
                Oder sollte man das Funktionieren einer Gesellschaftsform am gefühlten Unrecht ermessen können? An dem der Mehrheit? Wieso nicht am gefühlten Unrecht einer Minderheit? Oder ist eher die gefühlte Wohlfahrt das entscheidende Kriterium?
                Ich wüßte auf Anhieb keine zufriedenstellende Antwort zu beliebigen Fragen zu diesem Themenkomplex, habe aber (zumindest im Moment) auch keine Idee, wer dieses Thema halbwegs rational abgehandelt hätte. Es bleibt viel zu tun!! 😉

              • lawgunsandfreedom schreibt:

                Nun – die kleinen Familienverbände, wie z.B. bei den San (Buschleuten) funktionieren seit zehntausenden von Jahren. Alles, was größer und komplexer ist, ist natürlich auch anfälliger.

                http://de.wikipedia.org/wiki/San_(Volk)

                Aber bei dem Thema kann man sich tatsächlich lang und breit verlustieren, ohne jemals zu einem Ende zu kommen 😉

              • ausgesucht schreibt:

                Einen klugen Gedanken bringst Du da ein: den Zusammenhang von Komplexität und Funktionsfähigkeit. Dieser Aspekt gefällt mir, aber ich überblicke (im Moment) nicht, welche Konsequenzen sich daraus möglicherweise ergeben. Da werde ich mich erst ein wenig grübelnd in die Eremitage zurückziehen (müssen). 😉

                Allerdings habe ich schon jetzt einen „Einwand”. Ein Beispiel (oder auch Gegenbeispiel) beweist schrecklich wenig. Außer bei allumfassenden Aussagen („alle Schwäne sind weiß” – Gegenbeispiel: „hier ist ein schwarzer Schwan”). Somit ist Dein „San”-Beispiel ein Indiz dafür, daß Systeme, die sich durch keine besondere Komplexität auszeichnen, durchaus langlebiger sein können als hochkomplexe. Dennoch muß es nicht zwingend – ich wiederhole mich gerade – so sein, daß das komplexe System aufgrund seines Nichtfunktionierens zu existieren aufhörte; es wurde möglicherweise nur gegen ein anderes ausgetauscht, das vielleicht komfortabler, effizienter, ressourcenschonender oder was auch immer war. Und da sind wir dann wieder beim aktuellen Gesellschaftssystem (z.B. in Mitteleuropa oder in der Bunten Republik): es ist z.Z. nicht absehbar, daß „Optimierungen”, die für das allgemeine Funktionieren vorgenommen werden müssen, nicht durch die „Adjustierung von Parametern” durchführbar wären – es gibt also zurzeit keinen Grund (möglichkeiten noch viel weniger), das System als solches abzuschaffen und durch ein (noch nicht spezifizierbares) anders Funktionsgefüge zu ersetzen…

              • lawgunsandfreedom schreibt:

                Die San nenne ich nur exemplarisch. Es gibt noch eine ganze Menge erforschte „Steinzeitstämme“ dieser Art.

                Natürlich sehe auch ich das Problem mit der Ersetzung eines Systems durch ein anderes. Die Weltgeschichte ist voll von dysfunktionalen, aber nichtsdestotrotz „relativ“ langlebigen Systemen. Zwar bin ich der Meinung, daß man auch das aktuelle System radikal verbessern könnte – nur keinen Weg, wie das machbar wäre. Die meisten Systeme stabilisieren sich auf teils erstaunliche Art und Weise selbst – auch, wenn sie nicht wirklich funktionell sind und es an allen Ecken und Enden hakt.

                Stabilisierende Faktoren sind:
                • Macht- und/oder Kontrollgier
                • Dummheit
                • Faulheit
                • Ignoranz

                Alternative Systeme dagegen sind sehr oft idealistisch bis utopisch, ignorieren aber in der Regel die menschliche Natur, die sich gegen Veränderungen aller Art stemmt. (Ein bekanntes, mäßiges bis schlechtes System wird für erträglicher gehalten als eine Veränderung, die man nicht einschätzen kann).

              • ausgesucht schreibt:

                … der Liste möchte ich noch zwei Punkte anfügen:
                • detaillierte Experteneinschätzung: „Geht doch!”
                • fehlende oder inpraktikable Alternativen

  2. alphachamber schreibt:

    Finde ich total fair. Dafür wartet man dann auch länger auf die Zulieferung und hinter einer Schlange am Schalter. 😀

    • ausgesucht schreibt:

      Das nenne ich „sportliche Sicht”. Es ist nämlich gar keine Portoerhöhung, sondern eine Art Vergnügenssteuer (Betonung auf ‚Vergnügen‘) für das, was einem durch Zustellung und beim Stehen in der Schalterschlange geboten wird… 😉

  3. Anna-Lena schreibt:

    Sollte die Schreibschrift in Deutschland doch abgeschafft werden, brauchen wir keine Briefmarken mehr :mrgreen: .

    • ausgesucht schreibt:

      Ich frage mich schon lange, welchen Anteil die Privatpost (zu den hohen Feiertagen sowieso, aber auch sonst im Jahr) am Briefverkehr von Dt. Post und deren Konkurrenten einnimmt. Und ob die Post diese lästigen von Hand beschrifteten Briefe und Karten nicht längst schon am liebsten loswerden möchte… :mrgreen:

      • Anna-Lena schreibt:

        Steht die Post sich nicht schön längst selbst im Wege?

        • ausgesucht schreibt:

          Diese Annahme ist kaum von der Hand zu weisen – gut formuliert. 🙂
          Ist es aber gerade deshalb nicht umso verwunderlicher, daß Mütterchen Staat jetzt so eine Art Kaperbrief ausstellt, mit dem die Kunden recht freimütig geplündert werden dürfen? Sinnvoller wäre es gewesen, sich der Konkurrenz tatsächlich zu stellen. Und wer’s nicht bringt, fällt hinten runter; so funktioniert nun mal (auch in der Ökonomie!) das Darwinsche „Survival of the fittest”…

  4. YDU schreibt:

    Man war so frei, den Markt zu „bewirtschaften“! Ist das nicht die freie Marktwirtschaft? 😉

  5. Philipp schreibt:

    Ich verstehe diesen ganzen Schwachsinn nicht. Warum haben die das damals nicht gleich von 55 auf 65 ct angehoben.

    Klar, die Leute schreiben immer weniger Briefe, viele Fixkosten für die Post bleiben aber gleich.

    Doch mit diesen Minischritten ist doch auch keinem geholfen. Lieber einmal kräftig aufregen als zehnmal ein bisschen, oder?

    Grüße aus Dresden

    Philipp

    • ausgesucht schreibt:

      Es dürfte sich weniger um ‚Schwachsinn‘ handeln als um die ‚Daumenschraube der Ausbeuter‘. Bislang gingen die Portoerhöhungen in Trippelschritten, weil der Wunsch des Post-Konzerns nach Profitmaximierung, und zwar jeder(!) Wunsch, bei der zuständigen Behörde (staatlich kontrolliert, wie immer sie konkret heißen mag) durchgeboxt werden mußte. Und genau dieser Kontrollmechanismus ist jetzt aufgeweicht (noch nicht ganz aufgehoben) worden. D.h. die Post hat jetzt viel mehr Spielraum, Portoerhöhungen durchzudrücken. Anders formuliert: ab jetzt werden die Portoerhöhungen nicht mehr in Trippelschritten gehen. :mrgreen:

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