4U9525 – Seyne-les-Alpes

Zu bestimmten Themenkreisen lassen sich nur schwer verläßliche Daten finden; die Statistik von Todesfällen in der Bunten Republik wäre so ein Beispiel. Es gibt zwar durchaus ganz brauchbare Infoseiten (siehe hier), aber halbwegs vollständige ÜbersichtenTodesfaelle_2013_BRD muß man sich dennoch recht mühsam zusammenfriemeln. Der Abbildung liegen Angaben diverser Quellen, aber auch etliche Schätzungen und Plausibilitätsannahmen zugrunde. Wie auch immer¹: Viele Tote sind eine Statistik, für den Einzelnen beginnt die Tragödie, wo ein nahestehender Mensch betroffen ist.
Wie aus der Abb. zu ersehen, starben im Jahr 2013 etwa 22 Tsd. Personen in Deutschland infolge eines Unfalls. Das waren im Mittel etwa 60 Unfalltote. Sechzig täglich! Wo war da des Kanzlers, um nur ein Beispiel zu nennen, Geheule von der „wahrhaftigen Tragödie”?

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¹) Das zynische Original stammt (wohl) von J. Dschughaschwili, Stalin genannt: „Der Tod eines Mannes ist eine Tragödie, aber der Tod von Millionen nur eine Statistik”.

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Über ausgesucht

…desillusioniert
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22 Antworten zu 4U9525 – Seyne-les-Alpes

  1. sweetkoffie schreibt:

    Danke, den Beitrag finde ich – mit allem Respekt vor den Absturzopfern – richtig gut. 👍

    • ausgesucht schreibt:

      Danke, das ist gerade jetzt ein wirklich schwieriges Thema… 🙂

      • sweetkoffie schreibt:

        Ja, das finde ich auch. Der Hype, der gerade in allen Netzen/Medien gemacht wird, k***t mich an. Das finde ich würdelos. Besonders die Spekulationen, die heute Morgen wieder verbreitet werden. Ganz äääääätzend! LG sk

        • ausgesucht schreibt:

          Würdelos! Gutes Stichwort. Es scheint so, als ob (bei vielen) völlig an der Seele oder am Herzen vorbei durch extrem überzogene Beteuerungen von Empathie und menschlicher Zuwendung davon abgelenkt werden soll, wie würdelos dieses Tun in Wahrheit ist… :/

  2. Querbeet schreibt:

    ja ich bin der selben Meinung wie Du, vollkommen richtig was zu schreibst, wo bleibt des kanzlers Geheule bei „normalen“ Unfallen. Mich nerven die Brennpunkte und Spzials ebenfalls, keiner weiss was, jeder wird befragt und trotzdem kann keiner was sagen. der Bundespräsident bricht Südamerikaaufenthalt ab. Merkel, Hollande, Kraft, treffen dort ein wo es nichts zu sehen gibt, setzen
    Trauerminen auf, versichern ihre tiefe Anteilnahme, Pflichtprogramm, natürlich ist es tragisch, aber es reicht jetzt mit den Brennpunkten und den Trauerminen auch der Moderatoren.

    • ausgesucht schreibt:

      Ich könnte mir vorstellen, daß eine seriös sachliche Information ergreifender wäre, als dieses marktschreierische Gekreische und Getue…
      Ob wohl die Verantwortlichen so leer sind, daß sie billiges Wortgeklingel als ihre einzige Chance zur Kommunikation ansehen? ❓

      • lawgunsandfreedom schreibt:

        „Operative Hektik, statt geistiger Windstille?“
        oder
        „Klappern gehört zum Handwerk“

        Schließlich geht es um Auflagen, Einschaltzeiten und Werbeplätze. Sensationen und inhaltsleeres emotionales Herumgehechle wird vom gemeinen Konsumentenvieh nun mal besser goutiert als trockene Faktenschilderungen.

        Erinnert an eine Affenhorde, die kreischend auf einem Baum sitzt, weil einer kommuniziert hat, daß da im Schatten was Geflecktes lauert. Könnte ja ein Leopard sein, aber auch nur eine Illusion, wo die Sonnenstrahlen durch die Blätter eines Busches scheinen. Hauptsache Aufregung …

        • ausgesucht schreibt:

          Das mit dem Klappern und mit Werbung der aggressiven Art habe ich noch nie so recht verstanden. Nein, falsch: verstanden habe ich es schon, nur nie geglaubt. Jemand, der es nötig hat, mit Tamtam und Trara auf sein Angebot aufmerksam zu machen, dürfte wohl eher Zeugs anbieten, das von sich aus kaum die Qualitäten mitbringt, die so lautstark beworben werden müssen…

          So, wie sich die eine Sorte Mensch einer Sache eher rational annähert, macht es die andere halt emotional. Und ich meine, die letztgenannten sind deutlich in der Überzahl. Und für die Mehrheit sind die aktuellen „Nachrichten”-Formate (tut mir leid, der Begriff ‚Nachrichten‘ ist historisch bedingt, obwohl es längst nicht mehr um solche geht) offenbar angemessen…

          Ach übrigens: die kreischende Affenhorde hatten wir schon einmal (siehe hier). 🙂

          • lawgunsandfreedom schreibt:

            Das mit der Werbung ist einfach nur gezielte Manipulation. Man erforscht die Zielgruppe(n) findet raus, wie sie ticken und dann drückt man auf die Knöpfe, die von der Evolution an bestimmten Stellen angebracht wurden. Edward Bernays hat die Grundlagenarbeit für die moderne Werbung und Propaganda gemacht und das Konzept funktioniert noch heute bestens: http://www.theintelligence.de/index.php/gesellschaft/zeitgeist/979-werbung-information-oder-manipulation.html

            Es wird ja weniger mit Fakten geworben sondern mit Lifestyle und Lebensgefühl a la: „wer das kauft ist nicht nur hip und modern, sondern auch noch GUT!“

            Die Allegorie mit der Affenhorde ist eins meiner plakativsten Beispiele und lässt sich so schön auf viele menschliche Verhaltensweisen anpassen 😉

            Ich wünsche mir ein Zeitalter der Humanität und der Rationalität. Aber das haben sich die Vordenker seit der Aufklärung gewünscht. Es gibt halt viel zu viele Leute, die eher aus dem Bauch raus leben und handeln. Der rationalen Denker gibt es leider immer nur wenige und man hört ihnen selten zu, wenn sie etwas sagen, weil man sich grade über die neue Apple-Watch oder einen Flugzeugabsturz aufregen muß.

            • ausgesucht schreibt:

              Mir scheint, Du habest mit wenigen Worten unseren Zeitgeist recht treffend beschrieben! 🙂

              Allerdings „drückt” mich der untere Absatz ein wenig, der mit „Zeitalter der Humanität und der Rationalität”. Sind denn an diesem Thema nicht reihenweise die Denker und Vordenker gescheitert? Spätestens, wenn es um die Ausführung in der Realität ging? Warum wohl? Warum ist Rationalität keine Trajektorie für die gesellschaftliche Entwicklung? Wahrscheinlich nicht einmal für einen selbst oder nur unter größten Entbehrungen (siehe hier oder hier)? Oder ist am Ende gar ‚Humanität‘ ein Luxusgut, das sich 99,99% der Menschen gar nicht leisten wollen/können?

              • lawgunsandfreedom schreibt:

                Ja, die Vordenker sind allesamt gescheitert – Idealisten, eben. Die gesellschaftliche Trajektorie hat leider keine physikalische Anziehungskraft, wie z.B. die Gravitation.

                Humanität ist eher ein Ideal, für manche eine zu missbrauchende Ideologie und den meisten ist sie wohl unbekannt. Man kennt das Wort, aber nicht die Bedeutung. Also wird das beliebig verwendet, auch wenn es nur halb oder auch mal gar nicht passt.

                Dabei kann gerade die deutsche Sprache so schön exakt sein – im Gegensatz zu vielen anderen Sprachen, in denen die Vieldeutigkeit kultiviert wird.

                Ich tippe darauf, daß wir die Antworten in der menschlichen Evolutions-Psychologie finden. Man kann’s aber auch lassen. Ändern wird man dieses Verhalten wohl kaum 😉

              • ausgesucht schreibt:

                … da kann ich nur zustimmen. 🙂
                Und was das Ändern des Verhaltens angeht, hab‘ ich irgendwann einmal diesen Weg vorgeschlagen, fand aber weder Beachtung noch Anklang, von Anhängern/Jüngern ganz zu schweigen… 😉

              • lawgunsandfreedom schreibt:

                Die Religion der Rationalität – ein herrliches Oxymoron 😀

              • ausgesucht schreibt:

                Die Freude an „schönen” Oxymoronen hegen wir offenbar gemeinsam. 😀

  3. lawgunsandfreedom schreibt:

    Mit der Todesursachenstatistik des statistischen Bundesamtes habe ich auch immer meinen Spaß. Als Waffenrechtler interessieren mich vor allem Straftaten und Unfälle mit Schußwaffenbeteiligung. Leider weiß ich aber auch, wie fehleranfällig (teils schlampig) die Erfassung der Daten durch die Behörden ist.

    In der „polizeilichen Kriminalstatistik“ des BKA wird regelmäßig behauptet, daß Mißbrauchsfälle von legalen und illegalen Waffen nicht getrennt werden könnten, weil der Unterschied nicht erfasst würde – was nicht stimmt, da die Erfassungsbögen der Polizei dafür ein eigenes Feld haben. Da muß ich dann von Faulheit oder Absicht ausgehen. Wenn ich mir nämlich per Hand die Daten aus der polizeilichen Kriminalstatistik und dem Bundeslagebild Schußwaffenkriminalität raussuche, dann kriege ich nämlich eine recht konkrete Zahl.

    Andererseits gibt es erstaunlich wenige Straftaten mit scharfen Schusswaffen und noch viel weniger mit legalen Waffen (im Schnitt 3-8 Fälle im Jahr, womit echte Verbrechen gemeint sind. Keine Suizide, keine Unfälle, keine Beziehungstaten). In der Öffentlichkeit (also von den Medien und Politikern) wird das Verhältnis gerne falsch dargestellt, obwohl es einfach zu recherchieren ist.

    Richtig plakativ in die Nesseln gesetzt, hat sich da „Die ZEIT“ mit einem Versuch von Datenjournalismus: https://lawgunsandfreedom.wordpress.com/2014/01/17/waffenland-deutschland-die-zeit/
    Was haben wir dem Herrn „Journalisten“ im Kommentarbereich Zunder gegeben, für seine oberflächliche, schlampige Arbeit und die darauf basierenden Falschaussagen, die von anderen Medien ungeprüft (und teilweise ohne Quellenangabe) übernommen wurden.

    • ausgesucht schreibt:

      Nicht umsonst hat sich die Bemerkung: „Traue keinen Statistiken, die du nicht selbst gefälscht hast!” zu einem ‚geflügelten Wort‘ gemausert. 😉
      Allzu oft ist es eine böse Mischung aus perfider Täuschungsabsicht, Unwissenheit (der Materie, aber noch mehr der statistischen Methoden) und Publicity-Geilheit, die nicht Argumente aufbereiten, sondern primitive Vorurteile befeuern soll – so(!) macht man Quote… 😉

      • lawgunsandfreedom schreibt:

        Yapp! Man nimmt ein paar Zahlen und Daten, reißt sie aus dem Zusammenhang, würzt das mit ordentlich Empörung oder Betroffenheit und schon verbreiten sich Scheinfakten und Vorurteile in Windeseile. Oder man macht es wie Jan Böhmermann und einem Experten, der sich gut mit dem Programm After Effects auskennt …

        • ausgesucht schreibt:

          Eigentlich nur konsequent! Da jedes Wissen lediglich auf einen Satz von Vereinbarungen bzw. Glaubensregeln zurückgeht, hat niemand von uns Zugriff auf eine allgemeine Wahrheit. Vielleicht kann man ‚Wahrheit‘ irgendwie mehr oder weniger raffiniert definieren, aber das wäre nur ein Satz mehr im Kanon der Vereinbarungen. Oder pessimistisch formuliert: Jede vernunftbasierte Entscheidung eines Einzelnen kann prinzipiell widerlegt werden (aber eben auch die Widerlegung); mithin ist jede Entäußerung, die übers Vegetative hinausgeht, im Grunde eine Lüge. Kommt es da auf eine Unwahrheit mehr an, nur weil sie leichter zu erstellen ist, als viele der gewohnheitsmäßig akzeptierten Unwahrheiten? ^_^

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