Streik oder Geiselnahme

Neuigkeiten von der Streikfront: „Lokführer starten ab Montag bisher längsten Streik – Ab Dienstag will die Lokführer-Gewerkschaft GDL den Personenverkehr bis zum Sonntag bestreiken. Im Güterverkehr beginnt der Ausstand bereits am Montag. Der Plan sei, ›richtig lange‹ zu streiken” (Quelle: Die Welt).
Soso, der Plan ist also nicht, irgendwelche Forderungen Gewalt zu verleihen, sondern „richtig lange” zu streiken. Was steht eigentlich im Gesetzbuch zum Thema „Nötigung”: „(1) Wer einen Menschen rechtswidrig mit Gewalt oder durch Drohung mit einem empfindlichen Übel zu einer Handlung, Duldung oder Unterlassung nötigt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft” (StGB § 240). Ist demnach streiken, um möglichst lange zu streiken, also rechtskonform? Zumindest ist „Gewalt oder Drohung mit empfindlichem Übel” die Voraussetzung für eine (offenbar wieder einmal millionenfach angestrebte) Geiselnahme (StGB § 239b)…

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…desillusioniert
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20 Antworten zu Streik oder Geiselnahme

  1. Sven Meier schreibt:

    Moin. Das ist eine berechtigte Frage. Obwohl ich selbst fast 40 Jahre Mitglied einer Gewerkschaft bin, bin ich in dem Punkt zwiegespalten. Natürlich bin ich für ein Streikrecht, aber bei Betrachtung der näheren Umstände bei der Bahn habe ich meine Zweifel, ob das alles so in Ordnung ist.
    Viele Grüße

    • ausgesucht schreibt:

      Auch ich habe absolut nichts gegen das Streikrecht; es ist eine demokratische Errungenschaft, die immens wichtig ist. Aber ich habe etwas dagegen, daß zwei „Parteien”, die einen Strauß untereinander auszufechten haben, unbescholtene Dritte dafür in Geiselhaft nehmen… 😐

  2. Der Emil schreibt:

    Der Plan ist, richtig lange zu streiken, um zu erreichen, daß …

    Der Paragraph gegen Aussagenverfälschung, Wortverdrehung und Leser-/Zuschauerverdummung ist leider nie Gesetz geworden; statt dessen kamen das Leistungsschutzrecht und die Diätenerhöhung …

    • ausgesucht schreibt:

      Das überzeugt mich nicht davon, daß sich hier nicht wieder jemand die Eier leckt, weil er es eben kann…
      Hat das ganze GdL-Herumgestreike der wilden Art in diesem Jahr zielbringend etwas bewirkt??

  3. YDU schreibt:

    Ich erkäre mich sofort solidarisch mit den Lokomotivführern und streike mit – so richtig lange! Ideal wäre es, wenn ich nach dem Streikende direkt in den Urlaub fahren könnte, womit auch gleich die Forderung und das Ende des Streiks geklärt wären. Also Streiken finde ich gut, die juristischen Belange soll die Gewerkschaft regeln, wobei ich die oben genannten juristischen Ansätze für total übertrieben halte, denn wir hatten schon lange keinen Langzeitstreik mehr. Jetzt mal ehrlich, der Mensch muss sich auch einmal etwas gönnen, diese ständige Schufterei führt doch zu nichts … 😉

  4. Achim Spengler schreibt:

    Na, wenn dieser Beitrag nicht geradezu zur umgekehrten Geiselhaft der Lokführer aufruft. Die sollen sich gefälligst für die Dauer des Streiks in einer Auffanggesellschaft versammeln. Dort können sie streiken und nehmen niemanden als Geisel. Es werden sich schon Passagiere finden, die die Züge fahren.

  5. kristallundrosen schreibt:

    Also streiken an sich ist schon in Ordnung. Wie sollen denn sonst Arbeitnehmer die Arbeitgeber dazu bekommen ihre Forderungen wenigstens anzuhören. in diesem Falle allerdings…. es gibt auch das arbeitsrechtliche Mittel der Aussperrung…. ist schon lange nicht mehr angewandt worden, Ich kann mich allerdings noch an Streiks erinnern wo dieses Mittel Anwendung fand. vielleicht sollte die Bahn das auch einmal ausprobieren?? So gehts jedenfalls nicht weiter.
    Liebe Grüße KuR

    • ausgesucht schreibt:

      Ich stimme zu: das Streikrecht ist ein wichtiges Recht. Aber ob es in diesem Ausmaß angemessen angewandt wurde/wird? Und ja, so sollte es nicht weitergehen… 🙂

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