Akkuratesse

Als Kind schon, so will es mir heute zumindest erscheinen, spätestens jedoch im Jugendalter habe ich die Akkuratesse zu meiner Lebensmaxime gemacht. Es hat mich immer irritiert, etwa eine Länge mit hilflos im Raum zwischen einem Gesprächspartner und mir herumirrenden Händen anzudeuten, wo die Angabe: „53 cm” eindeutig und im Informationsgehalt kaum zu überbieten wäre. Wäre, aber beileibe nicht ist – nicht erst seit heute weiß ich das. Akkuratesse wird mehrheitlich nicht verstanden: kaum die Botschaft, nicht der Aufwand, nicht der daraus begründete höhere Preis (schon gar nicht der höhere Wert) und nicht das dramatisch verringerte Rückschlagspotential für ein Projekt…

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Über ausgesucht

…desillusioniert
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34 Antworten zu Akkuratesse

  1. Tristan Rosenkranz schreibt:

    Ja, leider wird Akurattesse als Pedanterie mißverstanden und gern autistischen Zügen zugewiesen.

  2. lawgunsandfreedom schreibt:

    Da fühle ich mich doch gleich zuhause. Warum etwas schätzen, wenn man es exakt messen kann? Sogar mein Augenmaß ist wesentlich akkurater als das vieler meiner Mitmenschen. Allerdings gehöre ich nicht zu den Leuten, bei denen die Buchrücken im Regal exakt mit der Kante fluchten müssen. Man kann’s auch übertreiben. 😉

    • ausgesucht schreibt:

      *hahaha*
      Buchrücken, die O’s links! Aaaa’s rechts! Rückt euch!
      Ich schätze, wer mit Büchern arbeitet, hat gar keine Zeit, geometrische Fluchten sisyphal immer und immer wieder anzustreben. Hingegen wird, wer mit Büchern eher nur repräsentieren will, auch derartige Äußerlichkeiten zu einem Statussymbol deklarieren… 🙂

  3. YDU schreibt:

    Ich lese hier mit großem Erstaunen: Esse akkurat des Lebens Maxime, da das Potential dramatisch zurückschlägt, wenn der Informationsgehalt überboten wird oder so … Aber mit der irritierend hilflosen Länge der Gesprächspartner ohne Informationsgehalt und Botschaft, da kann ich etwas anfangen, denn das erlebe ich täglich! 😉

    • ausgesucht schreibt:

      … aber nicht doch „Länge der Gesprächspartner”, sondern ‚irritierende Länge der Gespräche hilfloser Partner‘. Das sind die, wie Du es skizziertest, „ohne Informationsgehalt und Botschaft”. Vielleicht sollte ich Eheberatung machen, oder doch lieber „eher nicht”-Beratung? 😕

      • YDU schreibt:

        Immer diese Entscheidungsfragen … 😉

        • ausgesucht schreibt:

          Jetzt brauche ich eine kühlende Hand auf der heißen Stirn: nicht wegen des Entscheidens an sich, sondern wegen einer in eine Frage mündenden Assoziationskette. Wenn man ein Schwert aus seinem Gefäß zieht (wir Zivilnarren nennen dieses Hieb-und-Stichwaffen-Gefäß ja gern mal Scheide…), wenn man also ein Schwert zückt, ist das demnach eine Entscheidung? 😕

          • lawgunsandfreedom schreibt:

            Vorsicht! Wegen so was wird man von den Grammar-Nazis kielgeholt, verbrannt, gerädert und mit faulem Gemüse beworfen. 😉

            Auch das „Komittee für ästhetische Streichungen“ hetzt einem dafür die „Gesellschaft für kreative Euthanasie“ auf den Hals.

            • ausgesucht schreibt:

              Spätestens dann schlägt die Stunde wahrhafter Ent-Scheidungen!! Dann soll Balmung richtend dreinfahren! ❗ 🙂

              • lawgunsandfreedom schreibt:

                Balmung … angeblich Siggis selbstgedengeltes Schlagetot … soll ja in der Sage eine ent-scheidende Rolle gespielt haben 😉

                https://de.wikipedia.org/wiki/Gram_(Schwert)
                Da gibt’s eine ganze Menge unterschiedliche Versionen von der Geschichte.

                Da halte ich mich lieber an mein Katana oder eins der anderen langen, scharfen Stahldinger, die hier in der Ecke neben den Bücherregalen stehen. Das sind zwar keine Sagen-Schwerter, aber dafür sind sie sagenhaft scharf und teilweise auch sagenhaft schartig. (Das kommt vor, wenn man damit Schaukampf betreibt, damit die Besucher des Mittelalterfestes was zum zugucken haben).

              • ausgesucht schreibt:

                Das ist (mal wieder!) ein Kommentar so recht nach meinem Geschmack. Ganze Lebensphilosophien werden skizziert, garniert mit handgreiflichen Hinweisen darauf, wie beschränkt mein persönlicher Tellerrand ist: mein „Katana” ist ein Küchenmesser, handwerklich zwar meisterhaft, aber ein Nutzgegenstand ohne Seele… 😉

              • lawgunsandfreedom schreibt:

                Ups :mrgreen:

                Die Feder mag mächtiger sein als das Schwert – aber es schadet nicht, einen scharfen Piekser als Argumentationsverstärker bereit zu halten. Selbst ein seelenloses Küchenmesser kann dafür taugen dem Gegner zu zeigen, welche Variationen der Meister beherrscht.

                Da kann dann die Frage: „Sushi oder Sashimi?“ schicksalentscheidend, ja existenziell, sein. 😉

              • ausgesucht schreibt:

                … und noch spitzer als Schwert und Feder, die zu so manchem Piekser führen kann, scheint nur die Zunge zu sein. 🙂

              • lawgunsandfreedom schreibt:

                Hmmm … Worte haben mehr Brände entfacht, als alle Streichhölzer der Welt … 😉

              • ausgesucht schreibt:

                Genau in diesem Sinne. 🙂
                Und da lauert aber auch schon wieder Gefahr, wenn kühl vorgebrachte Worte eine Gruppe von Strohköpfen in Brand setzen… 😉

              • lawgunsandfreedom schreibt:

                Wie man’s macht … man macht’s verkehrt …

                Trotzdem sind kühle, rationale Worte noch lange nicht so brandgefährlich, wie hitzige, emotionale Äußerungen.

              • ausgesucht schreibt:

                Da regt sich Widerspruch bei mir: Unterschätze mir die kühl-rationalen Worte nicht! Nicht umsonst sagt man stillen Wassern Tiefe nach. Aber ich stimme in dem Punkt zu, daß hitzige Äußerungen recht leicht einen Strohkopf im Brand setzen können. Nur, brennt dieses Feuer lang und ist diese Glut von Dauer? 😕

              • lawgunsandfreedom schreibt:

                Hm … so ein Strohfeuer kann ein großer Flächenbrand, ein Feuersturm werden. Das mag schnell wieder vorbei sein, aber die Nachwirkungen halten lange an.

                Wenn ich mir so die Berichterstattung zu diversen Konflikten ansehe, da mögen oberflächlich gesehen, kühle, trockene Worte verwendet worden sein. Die darin versteckten Trigger, gingen aber am Verstand vorbei direkt in’s Gefühls-Zentrum. Hirn aus – Emotionen an …

              • ausgesucht schreibt:

                … sind es nicht genau diese „versteckten Trigger”, mit denen die Obrigkeitskaste virtuos die Klaviatur der Manipulation und der Demagogie bespielt? Aber sind das kühle, trockene Worte der gesetzten Rede oder ist es eher ein widerlicher Sud aus modrig-gammligen Versatzstücken aus der miefigen Manipulationsküche… 😕

              • lawgunsandfreedom schreibt:

                Da werde ich sicher nicht widersprechen. Manipulation hat viele Gesichter, aber sie zielt immer auf die Emotionen, damit der Verstand ausgeschaltet wird.

              • ausgesucht schreibt:

                … und da werde ich nun meinerseits sicher nicht widersprechen. 😉

          • YDU schreibt:

            Wenn du nicht zuckst und vor lauter Verzückung einen assoziativen Streich führst, dann würde ich das als Entscheidung einstufen! 😉

            • ausgesucht schreibt:

              Du hast leicht reden! Wie soll ich bei solchen Ent-scheidungen nicht (vor Angst!) zucken? 😉

              • YDU schreibt:

                Einfach so lange reden, bis niemand mehr weiß, worum es eigentlich geht und was entschieden werden soll: Schau mal auf Politiker, dann wirst du sehen , wie simpel die Scheidung vom Ent ist und wie das Zucken zum Entzücken wird … oder so halt. 😉

              • ausgesucht schreibt:

                … jetzt weiß ich – und schon wieder zucke ich fassungslos zusammen –, was mir zum Entzücken fehlt: die Ausdauer, mein Gegenüber totzuquatschen (denn meistens weiß ich schon vor(!) dem ersten gesprochenen Wort nicht, worum es gesprochenermaßen gehen soll). 😉

              • YDU schreibt:

                Ohne entsprechende Ausdauer geht gar nix, Unsinn muss so lange wiederholt werden, bis er als unumstößliche Wahrheit anerkannt wird! Zugegebenerweise funktioniert das mit der Wahrheit, falls es eine solche überhaupt gibt, wesentlich schwieriger … 😉

              • ausgesucht schreibt:

                … und wenn unter allem Unsinn die Wahrheit schlichtweg daran erkennbar wäre, daß sie mit verkniffenen Gesichtern auf die Tonspur geschickt und mit noch verkniffeneren Gesichtern rezipiert wird? ❓

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