unendlicher Wahn

Arbeitshypothese: Der Mensch dürfte das einzige Tier sein, das einen Unendlichkeitswahn kultiviert hat; und das wider alle Wahrscheinlichkeit.
Die Lebensspanne des Einzelnen ist nun einmal nicht sonderlich lang bemessen. Somit gleicht sein Blick auf die Welt wohl weniger einem schweifenden Feldherrenblick über die Gesamtszenerie, als einem neugierigen Haschen nach Informationen durch ein winziges Guckloch im Vorhang, der die Bühne der Welt vor neugierigen Blicken verhüllt. TunnelblickWahrscheinlich ist es weniger ein Vorhang als eher eine dicke massive Mauer mit einer sehr, sehr schmalen Schießscharte, durch die ein am Werden der Welt Interessierter lugen muß. Selbst wenn die Welt nur 6000 Jahre alt wäre, würde der an einem Menschenalter ausgerichtete Sichtbereich so verschwindend gering sein, daß nur ein winziger Bruchteil des Ist-Standes der Welt erkennbar wäre. Von Entwicklungen und deren Extrapolationen einmal ganz zu schweigen. Wer könnte ernsthaft erwägen, das Wort (der Einfachheit halber nur ein Wort, nicht die ganze komplexe Welt) zu entschlüsseln, das in der obigen Abbildung – im Rahmen (wortwörtlich!) der Möglichkeiten – im Beobachtungsfenster lesbar ist?
Der Mensch dürfte das einzige Tier sein, das den Staub vom Staub des Erkennbaren ontologisiert, um sich die Unendlichkeit zu unterwerfen. Welch ein Wahn…

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Über ausgesucht

…desillusioniert
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6 Antworten zu unendlicher Wahn

  1. Anhora schreibt:

    Der Mensch ist wohl das einzige Tier mit dem Bewusstsein der eigenen Endlichkeit. Aus Angst davor verfallen wir in Ignoranz und halten unser Leben per se für unendlich, weil man sonst kirre wird. Und da man schon einmal dabei ist, wirft man gleich noch einen Blick auf die Welt als solche und tut so, als verstünde man etwas davon. 😉

  2. YDU schreibt:

    Auf meinem Bildschirm war das Weiß zwischen den Zeilen so weise, sich auf keine Weisheiten irgendeiner Art einzulassen! Was mich nun wirklich wundert, ist die Tatsache, dass die Zeilen mit den folgenschweren Inhalten so ganz ohne Befestigungssystem an ihrem Platz bleiben und nicht von der allmächtigen Schwerkraft in die Tiefe gezogen werden …. Da is‘ was faul, ich sage es dir, auch wenn du mir nicht glauben solltest! 😉

    • ausgesucht schreibt:

      Ha! Da täusche Dich mal nicht. Zugegeben, ich weiß weder wer da die Buchstaben in wechselnder Folge an die Rückseite der Monitor-Bildfläche klebt noch welcher Kleber den schnellen Wechsel von Haften und Kleben überhaupt erst möglich macht. Aber ich weiß, das schwere Texte trotz allem ganz gut gehalten werden: stell den Monitor mal auf eine Waage und laß Dir von ihm einen schweren und einen leichten Text anzeigen – dann wirst Du einen exakten Beweis dafür messen können, daß sich auch die Schwerkraft von schweren Texten herunterziehen läßt, oder so. 😉

      • YDU schreibt:

        Jetzt hast mich kalt erwischt, da brauche ich doch einige Zeit, um diese Theorie auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen: Monitor abbauen, Texte unterschiedlicher Schwierigkeit besorgen, extrem genaue Waage besorgen und los geht es … 😉

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