Einfalt

Aus zoologischer Sicht ist der Mensch sicherlich nicht viel mehr als ein etwas zu groß geratenes nacktes Huhn ohne Federn (vgl. Platon, Diogenes, Ugo da Carpi). Doch das genügt der Hybris der Menschen nicht. So braucht es mit der Anthropologie eine spezielle Wissenschaft über den Menschen. Deren Ausgangsannahme sollte sein: Von allen Dingen der Welt ist der Mensch der Einfaltspinsel, von den Lebewesen allemal.
Ein Grundprinzip der Welt scheint – nicht nur, aber wohl auch, weil die Entropie global jede Grenze übersteigt – die Vielfalt zu sein. Aber der Mensch glaubt an das Klassifizieren der Vielfalt in wenigen Kategorien: die unendliche Vielfalt z. B. von Substanzen und Stoffen reduziert er kategorisch auf etwa 120 Elemente, diese auf 17 Elementarteilchen, diese auf ein paar Bindfädchen. Dieser Hang zum Vereinheitlichen ist im Streben der Menschen ubiquitär. Nur bei den Wechselwirkungen ist es ihm noch nicht ganz gelungen, die Einheitliche Feldtheorie will sich einfach nicht finden lassen. So sucht er in der Vielfalt recht angestrengt nach der Einfalt und macht sich so zum Einfaltspinsel… ^_^

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Über ausgesucht

…desillusioniert
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18 Antworten zu Einfalt

  1. YDU schreibt:

    Stimmt gar nicht! Der ganze Kram mit diesen fiesen Teilchen, die im Kreis gejagt werden müssen, damit man sie dann mit Krawumm in die Luft jagen kann, interessiert bei uns in der Kneipe kaum jemanden. Die Prioritäten werden lebensnah und pragmatisch gesetzt: Alles was zählt und falls möglich erzählt wird, ist das Hier und Jetzt in seiner flüssigen und äußerst vielfältigen Form, die im Prinzip nur in der Startphase wirklich kategorisiert wird. Danach, wenn dann die globalen Entroubiquitärtropien wirksam werden und die Uneinheitlichkeit der Feldtheorie erkannt und akzeptiert wird, kommt es zu einer substanziellen Vereinheitlichung aller möglichen physikalischen und chemischen Phänomene mit dem dem Ziel einer grenzüberschreitenden Reduzierung der bekannten Elemente … Mir ist klar, dass das alles ein wenig kompliziert klingt, aber die Realität ist einfach und wirkungsvoll! Was den Pinsel betrifft, so kommt in seltenen Fällen am Ende der berühmte Igel hinter dem Thron zu einem philosophischen Einsatz! Über die nackten Hühner kann ich derzeit wenig sagen, da sie gegrillt serviert wurden. Die, von dir angesprochene Überdimensionierung, kann ich nur bedingt bejahen – leider! Was die Hybris betrifft, muss ich leider passen, diese Hendlkreation muss die hiesige Küche scheinbar erst in Erfahrung bringen. Zoo haben wir in der Umgebung keinen, dafür aber viel Wald und Wiese, wo sich Fuchs und Henne gute Nacht sagen. Wenn das auch als gültig erachtet würde, dann, ja dann, könnte wir die ganze Sache auch mal zoologisch betrachten, obwohl die Logik von so einem Zoo nicht überbewertet werden sollte. Die Geschichte mit den Bindfäden halte ich für völlig übertrieben, da wird viel Wind gemacht, da das Zeug schlicht und ergreifend nichts bringt… Mehr kann ich in aller Eile dazu nicht sagen – ehrlich! Hätte ich diesen ominösen Pinsel bei der Hand gehabt, dann hätte ich natürlich alles gemalt, obwohl ich mir nicht sicher bin, ob sich der Informationsgehalt dadurch wesentlich gesteigert hätte …. Wenn mir noch etwas einfallt, dann melde ich mich klarerweise. So, jetzt habe ich die Einfalt auch noch behandelt … 😉

    • ausgesucht schreibt:

      … und Du hast sie nicht nur einfach so behandelt, sondern in genau der breiten Vielfalt, die ihr gebührt. Und dafür gebührt Dir vielfältigster Dank! 🙂
      Wobei mir gerade eben siedendheiß einfällt, daß Dein Beispiel aus der Stamperl-Bar meinen Artikel leichterhand kippen könnte. ❗ Ja genau, kippen: wenn nämlich am Ende alle Reste in Eines zusammengekippt werden, hat man sie – voilà! –, die Einheitstheoriebrühe, und das ganz in praxi… 😉

  2. Anhora schreibt:

    So ist das eben, wenn der Herr Hirn regnen lässt und einen kurzen Bewusstseinsschauer obendrauf. Schon fängt der Mensch an, Dinge verstehen zu wollen. Ist doch klar, dass man sich da Übersicht verschaffen muss. Und das geht mit einer überschaubaren Anzahl an Schubladen deutlich besser als beim Blick auf unendliche Vielfalt. Wer will den sowas? 😉

    • ausgesucht schreibt:

      Das Bild mit den Schubladen gefällt mir. Man möchte in seinen Reichtümern schwelgen können (nicht nur in den geistigen): da kommt die Schublade mit den Taschentüchern, mit den Halstücher, den Handschuhen, den Socken … gerade recht. Und wer möchte schon eine Kommode mit nur einer Schublade?! 😉
      Das wäre ja dann eine Art Truhe, eine Schatztruhe gar. So ist am Ende das Einfältigskeisstreben eine Schatzsuche, eine Suche nach geistigen Schätzen? Weil, was selten ist (weil es nur einmal vorkommt), zugleich auch wertvoll sein muß? ❓

  3. mickzwo schreibt:

    Ich denke, das kommt nur, weil der Mensch sich langweilen kann. Das ist so ätzend, dass der Mensch sich Linderung in Form von Ablenkung zu verschaffen sucht. Wer immer beschäftigt ist – mit Überleben zum Beispiel – hat kaum Zeit mit Gedanken zu spielen.

    • ausgesucht schreibt:

      Einen recht pragmatischen Naturalismus trägst Du da vor. Ich stimme – allerdings nur zu einem ganz kleinen Teil – zu, daß Langeweile die Leute auf blödeste Gedanken bringt (anders ist nämlich dieses, mein Blog wohl auch kaum zu erklären). Aber ich meine, daß Ehrgeiz, daß die Sucht, den anderen zu überflügeln, daß die Suche nach der Nische, in der man ausgewiesener König Experte ist, entschieden mehr Antrieb/Motivation liefern, sich mit Dingen zu beschäftigen, die es wahrlich nicht wert sind… 🙂

      • mickzwo schreibt:

        Wenn Du es pragmatischen Naturalismus nennen willst, ok. Allerdings werte ich an dieser Stelle nicht. Menschen, die Zeit haben sich Gedanken zu machen, machen sich erst mal Gedanken. Sie können ja gar nicht anders. Den Ehrgeiz andere zu überflügeln, also die Suche nach der Nische andere zu überflügeln, haben viele. Andere haben sie nicht. Zu all dem braucht es aber erst mal Zeit, zum Gedanken haben. Welche Gedanken man hat, worauf man kommt usf. hängt stark von den Umständen ab, in denen man die Zeit findet für Gedanken. Der Ehrgeiz andere zu überflügeln ist sicherlich schon ganz früh in der Geschichte des Denkens aufgekommen. Ob wertvoll oder nicht, erst einmal musste man denken um so einen Gedanken finden zu können. 🙂

  4. Tristan Rosenkranz schreibt:

    Und weil der Mensch so kleinkategorisch glaubt, die Welt verstehen zu können, erblinden seine Sinne immer mehr.

    • ausgesucht schreibt:

      Ich gebe Dir Recht, diesen Aspekt hatte ich „vergessen”. Aber erlaube die – ketzerische(!), ich bitte um Verzeihung! – Frage, ob für die Sinnesabstumpfung eine Reduzierung auf (im wesentlichen) eine Ursache nicht aber auch wohl auch kleinkategorisch aufgefaßt werden könnte? ^^ 🙂

  5. Tristan Rosenkranz schreibt:

    Könnte sie durchaus! 🙂 Ich meine nur, dass die Konzentration auf sichere Plätze und enggesteckte Rahmen folglich auch unseren Fokus immer mehr verengt. Sinne sind eben auf weit mehr ausgerichtet als das Sichtbare.

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