Broterwerb

Das Konzept der Festanstellung scheint ein Auslaufmodell zu sein: Festanstellung mit 40 ± x Stunden pro Woche bis zum Renten- oder zumindest Vorruhestandsalter. Nicht dieses Kurzarbeits- bzw. Leiharbeitergedöns, mit dem die aktuelle Arbeitslosenstatistik geschönt und die zukünftige Altersarmut potenziert wird. Das Thema „Ich-AG” firmiert unter der Rubrik „Flop”; ach nein, so darf man es ja nicht sagen: das Konzept „Ich-AG” war so erfolgreich, daß es 2006, also nach nur 3 Jahren, durch ein noch viel bessereres abgelöst wurde…
Soll ich mir nun fürderhin als Putzfrau meine Brötchen verdienen oder mich doch lieber selbständig machen? Gegen Letzteres spricht, daß Väterchen Staat an jeder Existenzgründung nicht unerheblich mitverdienen möchte. Mit physikalischen Begriffen: Reibung bzw. Dissipation sind so stark, daß der Anfangsimpuls nur selten ausreicht, um in eine gleichmäßige Bewegung (in die Zukunft) überzugehen.
Tertium datur! Ich biete meine Freundschaftsdienste an: du suchst ein Programm, das eine konkrete mathematisch-numerische Fragestellung löst, oder du brauchst eine Schnittstelle, die das von dir erworbene hochmoderne Auswertungstool mit deiner steinalten proprietären Bürosoftware/Kundendatenbank verknüpft – kein Problem, als Freund zeige ich dir, wie der Quellcode geschrieben werden könnte, der die Fragestellung(en) löst; als Freund spendierst du mir dafür ein Mittagessen oder so. Du suchst schon ewig nach einem Bewertungsschema für Preis-Leistungs-Kalkulationen oder für die Effizienz von Kundenverbindungen oder was auch immer – warum läßt du dir nicht von einem Freund zeigen, welche Möglichkeiten es dafür gibt; zeige dich für den Freundschaftdienst erkenntlich, indem du beim nächsten Schaufensterbummel ein Freundschaftsgeschenk machst…
Ja tatsächlich, das ist eine Renaissance für die Merkantilgesellschaft. Aber warum auch nicht: wenn es nützt?

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Über ausgesucht

…desillusioniert
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23 Antworten zu Broterwerb

  1. heintirol schreibt:

    Hat dies auf HeinTirol's Blog rebloggt und kommentierte:
    Und die fähige Frontfrau der #SPD Frau #Nahles setzt dem Ganzen noch die Krone auf. Die hat sie halt von #Schröder so gelernt.

    • ausgesucht schreibt:

      … ist schon so: die Namen, die auf den Etiketten der Parteien stehen, brauchen ja keine Qualitäten einer „gesetzlich geprüft”-Zertifizierung nachzuweisen. 😉

  2. rainerpeffm rcpffm schreibt:

    sharing economy, hebelt gängige staatliche einnahmequelle und regulatorien aus…
    die höchste form von neoliberalismus …

  3. Anhora schreibt:

    Ich fürchte, auch als Putzfrau kann man von einer sicheren Festanstellung nur träumen, die kommen inzwischen alle von Zeitarbeitsfirmen. Da ist man schneller wieder draußen wie man gucken kann, wenn keine Aufträge da sind. 😦
    Der Arbeitsmarkt nähert sich derzeit bedenklich Zuständen, die wir längst überwunden glaubten.

  4. YDU schreibt:

    Hau auf den Putz, lass deinen Qualitäten freien Lauf! 😉

    • ausgesucht schreibt:

      Du meinst, die Putzfrau müsse nur mal richtig auf den Putz hauen? So habe ich das Berufsbild ja noch gar nicht gesehen. 😀

      • YDU schreibt:

        Nö, die Putzfrau soll für Sauberkeit sorgen, wenn Du auf den Putz gehaut hast! Mit deinem Potential sollte die geistige Keule reichen, eine ganze Kompanie Putzfrauen mit Arbeit zu versorgen! 😉

        • ausgesucht schreibt:

          … ist der Putz nicht putzig, mit dem Putzhauer (und Putzgehaute, also nackte Mauern, nicht nackte Putzfrauen) sich so gern putzen? ❓

          • YDU schreibt:

            Putzig ist das Putzgehaute,
            nackte Wand uns starr anschaute,
            Putzfrau, sie ward starr vor Schrecken,
            konnte keinen Putz entdecken,
            dahin die Pracht – nur nackter Stein,
            der Boden voll mit Putze fein,
            den sie nun sollt‘ transportieren,
            ins Freie, um gar zu schockieren,
            die Menschheit mit dem Putzgekracht,
            das Sinnsucht hat voller Wut vollbracht!
            Jedoch man fand zwischen dem Riesel,
            so zwischendurch ganz weise Kiesel,
            die man erkannte sehr bald alsdann,
            als Weisheit pur von Sucht getan!
            Alle – die davon hörten, kamen,
            um des Putzes Weisheit zu erahnen,
            drehten jedes Stäubchen fein herum,
            voller Weisheit ohne Worte – stumm,
            erkannten sie des Putzes Sinn,
            zogen so aus Putzgehautem für sich Gewinn!
            (So reimte ich vor dem Kaffee,
            ganz ohne Sinn für Dich oh weh,
            wollte Dir den Tag verzücken,
            schließen all die off’nen Lücken,
            komme zum Schluss zur Erkenntnis:
            Hat man Hunger, schnell es reimt sich,
            jedoch der Sinn, er bleibt verborgen,
            muss wohl Putzgehautes mir schnell borgen … )

  5. Anna-Lena schreibt:

    Die Bezeichnung Putzfrau ist ja heute schon diskriminierend, besser wäre Parkettmasseurin. Da bin ich meine eigene Herrin in meiner ach so privaten ICH-AG 🙂 .

    • ausgesucht schreibt:

      … ganz sicher trage ich Eulen nach Athen, wenn ich betone, daß ich den Begriff ‚Putzfrau‘ ganz, ganz gewußt & gezielt eingesetzt habe (soviel Zynismus muß sein!). 😉
      Aber Du bringst mich auf eine Idee: da es in unseren Zeiten weit weniger (praktisch nicht) auf Inhalte als vielmehr auf das Etikett und die Reizworte ankommt, die darauf zu lesen sind, sollte ich die Tätigkeit als Floor-Fondling bezeichnen; es ist zwar noch immer eine Drecksarbeit, aber die gesellschaftliche Reputation dürfte „drei Stufen rauf mit Mappe” kommen. 🙄

  6. YDU schreibt:

    Anstellungen mit permanenten Festcharakter werden überbewertet; diese ständigen Feste stumpfen ab und können sogar zu Depressionen zwischen 4 Uhr und sieben Uhr morgens führen. Pfeif drauf, programmier Dein Leben neu! Neues Betriebssysem mit intuitiver Erfolgsgarantie: Die Arbeit sollte in Richtung Lebensspiel tendieren und … Du weißt ja selbst viel besser, was zu tun ist! Ach, was ich noch sagen wollte: Ein Hoch auf das Reinigungsmangement! 😉

  7. jsbielicki schreibt:

    Hat dies auf psychosputnik rebloggt.

  8. bastepacknews schreibt:

    Und was nimmste jetzt? Ich hätt ja schon hie und da Verwendung für dich. Aber ob ich mir das leisten kann? Mail? 😀

    • ausgesucht schreibt:

      Was ich zu nehmen gedenke?! Nicht allzu viel – es muß nur alle halbe Jahre ein Karibikurlaub dabei herausspringen. „Details dazu” —> Mail 😀

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