verstehendes Lesen

Die Obrigkeitskaste der Bunten Republik ziert sich gar mächtig, den Umfang der „NSA-BND”-Affäre aufklären zu lassen: „Regierung will NSA-Ausschuss die Spähliste vorenthalten — Die Liste mit unzulässigen NSA-Selektoren soll mehr als 7.000 Personen und Institutionen in Europa enthalten. Die Bundesregierung will offenbar mit allen Mitteln verhindern, dass der NSA-Ausschuss einen Einblick enthält“ (Quelle: golem.de).
Trotz des krampfhaften Versuches, denjenigen nicht zu verärgern, in dessen Hintern einige schwarzrotgoldene Politiker-Darsteller bis zum Bauchnabel stecken, sickern dennoch einzelne Informationen an die Öffentlichkeit, die wie Puzzle-Stücke zu einem Gesamtbild zu fügen sind. So berichtet die oben genannte Quelle: „Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, enthält die Liste mit unzulässigen NSA-Selektoren, die der BND zum Teil in seine Filtersysteme eingespeist hatte, 7.089 Personen und Institutionen in Europa. […] Insgesamt enthalte die ausgedruckte Liste 38.897 Einträge, zumeist E-Mail-Adressen”.
Sieh da, die Selektorenliste soll 38.897 Einträge enthalten, das ist etwa ein Drittel der Stichwortliste des Dudens, der als Buchversion auf meinem Schreibtisch liegt. Warum auch nicht? Wenn man nur paranoid genug ist, sind Begriffe wie ‚Aalfang‘ oder ‚Zylinderschloß‘ (oder welche auch immer) auffallend genug, um Absender und/oder Empfänger derartig brisanter Wörter de facto zum Verbrecher zu deklarieren. Aber nein! Die letzten drei Wörter des letztzitierten Nebensatzes deuten eine viel grausamere Wahrheit an. Es geht gar nicht um Reizworte, die, wie uns bislang immer verklickert werden sollte, aus der Flut täglicher Emails die Botschaften herausfiltern (zur Nachverfolgung, zur Archivierung, zu was auch immer), welche von besonderem Interesse sein könnten, sondern es geht mehrheitlich um Email-Adressen. Dabei scheint es für die Lauscher so ziemlich ohne Belang zu sein, welche terrorverdächtigen und sicherheits­gefährdenden Inhalte die übrigen zigmillionen Email-Accounts versenden? Also handelt es sich nicht um das Verhindern von etwas, das möglicherweise an sprachlichen Aktivitäten (recht früh) erkennbar sein könnte, sondern um das gezielte Ausspionieren von Personen, Instituten und Firmen. Über die rechtliche Einschätzung bedarf es wohl an dieser Stelle keiner weiteren Worte: was die imperialen Menschen­verachter jenseits des Teiches machen, ist nun einmal rechtens, das Recht des Aggressiveren. Aber es stellt sich schon die Frage, durch wessen Zuarbeit oder Denunziation eine Liste von 7.089 Stigmatisierten überhaupt erst erstellt werden konnte…

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Über ausgesucht

…desillusioniert
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2 Antworten zu verstehendes Lesen

  1. lawgunsandfreedom schreibt:

    Da fand ich diese (lange) Diskussion recht nett. Nicht, daß für mich was neues dabei gewesen wäre, aber es ist ein guter Rundumschlag zu den Gepflogenheiten von Politik und Medien.

    • ausgesucht schreibt:

      Danke für den Link. Ich habe nur erst mal „diagonal drübergeguckt”, werde mir die Runde nachher mal in aller Ruhe „reinziehen”. 🙂

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