Ich kaufe Griechenland!

Kein Besitzer, wovon auch immer, trennt sich freiwillig von seinen Besitztümern. Ist der Besitzer zudem noch ein Händler, also existenziell daran interessiert, diese Besitztümer einem neuen Besitzer zukommen zu lassen (sprich: zu verkaufen), darf er ein Äquivalent für das den Besitzer wechselnde Objekt erwarten: andere Objekte mit vergleichbarem Wert, Geld oder einen zukunftsorientierten Idealismus. Auch wenn man den Idealismus nicht unterschätzen sollte, etwas um seines Seelenfriedens willen zu tun oder zu lassen, wird die Wertkompensation überwiegend auf pekuniärer Basis stattfinden. Vielleicht nicht 1:1, aber tendenziell wohl doch gemäß der Regel: je wertvoller, desto teurer.
Habe ich eigentlich schon erwähnt, daß ich Griechenland kaufen möchte? Ganz im Ernst! Wenn man das tagtägliche Geblöke der Politiker-Darsteller hört, ist der Wert W von Griechenland nicht nur Null, sondern der Wert W ist weit, da das Land nicht nur hoch verschuldet ist, sondern es durch vertragliche Regelungen auch über Jahrzehnte hinaus bleiben wird, weit unter Null (W < 0). Zum Erwerb von Griechenland müßte ich dessen Wert W aufbringen, also zahlen. Aber! Zahlt jemand 5 Euro, gibt er diesen Wert weg, sein Kontostand sinkt; zahlt jemand -5 Euro (Minus beachten!), erhöht sich dessen Kontostand, nämlich um eben 5 €. Und was man als Äquivalent für Griechenland verkaufen/abgeben muß, ist gerade das oben genannte riesengroße Wertminus… 😉

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Über ausgesucht

…desillusioniert
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4 Antworten zu Ich kaufe Griechenland!

  1. kristallundrosen schreibt:

    Stimmt, in der Theorie. In der Praxis nicht so ganz.Nicht jeder Händler möchte seine Kunden behalten, ein paar sind auch auf des sogenannte „schnelle Geld“ aus. Und Griechenland, die hoffen darauf , daß sie schnell an viel Geld kommen, nicht unbedingt mit der Prämisse auch noch Ware zu liefern.;-)
    LG KuR

    • ausgesucht schreibt:

      Da möchte ich widersprechen: unseren Politiker-Darstellern geht’s in Griechenland weniger um „das schnelle Geld”, als vielmehr darum, ihren – ich sag’s mal vornehm – eigenen Arsch zu retten (siehe hier). :/

  2. hajac schreibt:

    Irgendwie nicht so richtig verstanden. Wenn ich jemanden im Geschäftsleben Geld leihe, von dem ich weiß, dass er es nicht zurückzahlen kann, so mache ich mich sogar der Konkursverschleppung schuldig. Zudem läuft so etwas auch unter Betrug.
    Was haben wir bzgl. Griechenland: Die Regierungen haben sich Geld geliehen, obwohl sie wussten – nicht etwa hätten wissen können oder müssen, dass ihre Wirtschaft nicht in der Lage war, das Geld irgendwann zurückhzuzahlen.
    Das wussten natürlich auch die Gläubiger. Spätestens, als das nicht mehr zu verheimlichen war, also so um 2010. 2012 erließen die Gläubiger Griechenland einen erheblichen Teil ihrer Forderungen. Die Gläubiger, das waren damals in aller Regel klassische Gläubiger, also Institutionen wie Banken, Versicherungen, Fonds etc. Wenn die hier in Deutschland Versicherten auch nur einen Funken Verstand hätten, hätten sie das längst bemerken müssen. Sie hätten feststellen müssen, dass ihre Versicherungen nicht unerhebliche Teile der ihnen ursprünglich zugesagten Boni, die bereits verbrieft gewesen waren, reduziert hatten. Normaler Weise könnte man auf die Idee kommen, das als Veruntreuung diesen Versicherungen anzulasten.
    Nun ging das Possenspiel weiter: Ein gewisser Herr Draghi, der immerhin der Firma angehört hatte, die dafür gesorgt hatte, dass Griechenland überhaupt in den Euro aufgenommen wurde, nämlich Goldman & Sachs, verkündete lauthals, er werde alle Staatspapiere kaufen, egal, wie sie zu bewerten seien. Das hatte Draghi offenbar bei GS in den USA gelernt. Was er aber nicht kapiert hat war und ist, dass die USA das auch tatsächlich können. Sie können es, weil ihre Währung Leitwährung in dieser Welt ist. Sie können Geld drucken, soviel sie wollen, solange sie nur diese Stellung halten können. Und die zu halten unterhalten sie die mit Abstand größte Militärmaschine in dieser Welt. Das System ist ebenso einfach wie durchschlagend. Sie müssen lediglich dafür sorgen, möglichst viele Konflikte zu erzeugen und damit den interessanten Länder ihren Schutz anbieten.
    Verwunderlich ist, warum niemand, nachdem der Euro eingeführt wurde, auf die Idee gekommen ist, den gesamten Außenhandel nicht mehr über Dollar, sondern über den Euro abzuwickeln? Klar, auf die Idee sind sicher etliche gekommen, aber da gibt es ein paar gravierende Probleme. Das soll hier genügen.
    Als Hilfe, es nicht soweit kommen zu lassen, war es auch sehr effektiv, Staaten aufzunehmen (besser aufnehmen zu lassen), die keineswegs den Kriterien dieses Eurokonstrukts entsprachen, eben z.B. Griechenland, aber auch Portugal und andere.
    Auch die Deutschen sollten sich hüten, die Nase so hoch zu tragen, auch sie sind keineswegs sicher. Man rechne nur den Fall, dass der Zinssatz von derzeit etwa 1 % p.a. auf eigentlich übliche 5 % steigt. Dann war es das schon. Kommt noch TTIP dazu, können die USA ihre seit fast 50 Jahren dahindümpelnde Wirtschaft sanieren, was zwingend dazu führen wird, dass hier die Wirtschaft einbrechen wird.
    Zudem hat sich ja bereits innerhalb der EU erwiesen, dass die derzeitige Konstruktion die EU zerbrechen wird. Der erste Fehler war sicherlich bereits die Zollunion. Da sollen die Staaten also ihre Haushaltshoheit behalten, sie haben aber keine Möglichkeit, ihre Haushalte zu steuern. Darin liegt ja gerade der Grund vor allem der Griechenlandkrise. Es würde zu weit führen, das hier näher darzulegen.
    Auch die Ukraine-Krise zeigt eine bemerkenswerte Nähe zum Treffem der BRIICS-Staaten in Brasilien. Auch da lässt sich ein ähnliches Szenario entwickeln.
    Da eine Direktkonfrontation sich ausschließt, sie wäre für beide das Ende, muss die Sache mittels Stellvertreter ausgefochten werden. Exakt also das, was wir hier sehen.

    • ausgesucht schreibt:

      Besten Dank für die Kurzfassung. Leider kann ich in ihm keinen Bezug zum politisch-satirischen Inhalt des Blog-Artikels finden, oder habe ich da was überlesen?

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