Buch 77 – Gestern Nacht im Taxi

Cover_BorsDer Volksmund weiß es längst: Wenn einer eine Reise tut, so kann er was erzählen. Und was für lange Reisen mit Kutschen, Kreuzfahrtschiffen oder Kamel­karawanen gilt, kann für den öffent­lichen Personennahverkehr eigentlich kaum falsch sein. Wer wüßte das wohl besser als ein Taxler, der Nacht für Nacht Kurzreisen durch die Hauptstadt der Bunten Republik unternimmt, um Leute von A nach B zu bringen? So konnte es nur eine Frage der Zeit sein, bis Sascha Bors seine Sammlung von Reise­erzählungen zu Papier brachte: Gestern Nacht im Taxi – Skurrile Geschichten eines Taxifahrers. Auf 215 Seiten werden 35 Episoden erzählt. Skurril, wie es im Untertitel angekündigt wird, sind die wenigsten. Amüsant und mitunter ein bißchen nachdenklich stimmend sind die meisten, was nicht wirklich verwundern kann, denn die Taxi-Klientel sollte durchaus einen mehr oder weniger breit gefächerten Querschnitt durch Gewohn­heiten, Ansichten und Verhaltensweisen unserer Zeitgenossen bieten. Ich wage die Behauptung, daß weder das „Normale” noch das Absurde nun besonders taxi-affin sind.
Aber wie ist das mit dem Blick in die andere Richtung? Bors richtet seinen Blick auf Personen, die in einem Taxi mitfahren (seltsamerweise wird das immer als Taxifahren bezeichnet, ich hege daran allerdings Zweifel), ein Leser seiner Erzählungen erlebt einen Taxifahrer, der ein nicht unwesentlicher Teil des Transportes von A nach B ist. Ist dieser Taxifahrer nun ein Vertreter des breiten Durchschnitts oder herausragend, in welche Qualitätsrichtung auch immer. Leider kann dieses delikate Detail nicht erlesen werden, da das Büchlein eher eine Taxikunde für Taxikunden als eine offenherzige Darlegung von – allein aufgrund der körperlichen Nähe – individuellen Eindrücken und Wertungen ist.
So ist das Buch seinerseits wie eine ganz reale Taxifahrt: man gelangt irgendwie von hier nach dort (bzw. von der ersten zur letzten Seite), aber es hätte irgendwie auch besser sein können, kostengünstiger allemal. Immerhin habe ich, ohne durch Bors auch nur einen Meter kutschiert worden zu sein, mit dem Buchpreis ein stattliches Trinkgeld entrichtet.

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Über ausgesucht

…desillusioniert
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