Pluto – andere Fragen

Sieh an, Pluto ist ja ein ganz Hübscher; und wenn vielleicht nicht hübsch, so doch zumindest interessant. 🙂
Nun gut, mit anderen Steinplaneten soll man ihn ja nicht vergleichen, in der Liga der Planeten spielt ein Zwergplanet – tut mir leid, das hattest du nicht verdient – nun einmal keine Rolle, aber er ist weit weniger pockennarbig als diese (oder stellvertretend ihre Monde). Ganz schnell stehen die Wissenschaftler mit einem Schnellschuß aus der Hüfte bereit: da das kosmische Bombardement aus Meteo­riten und Asteroiden in unserem Sonnen­system vor etwa 100 Mio. Jahren zu Ende ging (das Kerlchen, das die Saurier „kassierte”, war ein „Nachschütteln”, danach kam praktisch nichts mehr), kann die weitgehend kraterlose Oberfläche erst in jüngster Zeit, z. B. durch tektonische Aktivität des Planeten, pardon Zwergplaneten, entstanden sein.
Mag ja sein, daß das staunende Betrachten der Pluto-Oberfläche ganz viel über seine Entstehungsgeschichte erkennen läßt, aber was ist mit seinen Monden? Auf der Website AstroInfo tauchte am 11. Juli 2015 (also deutlich vor den jüngsten Veröffentlichungen der NASA-Daten) eine Tabelle mit Daten zu 5 bekannten Pluto-Monden auf. Auf der Basis allein dieser Daten lassen sich – man muß freilich ein bißchen herumformeln – interessante Fragestellungen ableiten, wirklich(!) interessante Fragestellungen. Die Ergänzungen zur oben genannten Mond-Tabelle sind blau hervorgehoben:Pluto_MondeFrage 1: Sollte angesichts der Tatsache, daß Charon immerhin 41,2 % der Pluto-Masse aufbringt, nicht lieber von einem Doppelplaneten sprechen? Bei der Erde und ihrem Mond gilt mMond/mErde = 1,23 % immerhin als spektakulär hoch.
Frage 2: Während die (geschätzte!) Dichte von Charon und Kerberos durchaus mit der von Merkur (5,44 g/cm³), Venus (5,25 g/cm³), Erde (5,52 g/cm³) und vielleicht sogar mit der vom Mars (3,93 g/cm³) vergleichbar ist, sollten Pluto (2,12 g/cm³) und Nix (1,5 g/cm³) wohl eher als von kometenhafter Konsistenz angenommen werden (zur Erinnerung: Komet 67P mit 0,85 g/cm³). Ob wohl die Frage: „Wie findet ein solch bunt gemischtes Planeten-Untersystem zusammen?“ nützlich sein könnte bei der Enträtselung der Entstehungsgeschichte unseres Planetensystems? Vielleicht ebenso nützlich wie eine Frage, die nicht aus der obigen Tabelle abgeleitet werden kann.
Frage 3: Gibt es halbwegs plausible Erklärungsversuche für Plutos auffallende Bahn­ellipse (Rekordneigung gegen die Ekliptik: 17,2°; extreme Elliptizität, die Pluto (Perihel = 29,658 AE, Aphel = 49,305 AE) zeitweise näher an die Sonne bringt als Neptun (Perihel = 29,709 AE, Aphel = 30,385 AE).
Frage 4 läßt sich auch nicht aus den oben genannten Daten extrahieren, könnte aber die spannendste von allen sein. Da draußen, wo Pluto herumturnt, sind die Bahngeschwin­digkeiten deutlich  geringer als für die sonnennahen Planeten. Beispielsweise zischt die Erde mit 30 km/s auf ihrer Bahn um die Sonne, während es Pluto auf etwa 5 km/s bringt. Und genau das macht Kollisionen da draußen weit weniger verheerend. Zudem ist, da das Volumen des Orbits inetwa von Abstandsquadrat zum Sonnenabstand abhängt, die „Projektil”-Dichte für Pluto etwa 1500-mal geringer als für die Erde. Ob derartige Randbedingungen (im wahrsten Sinne des Wortes) möglicherweise eine deutlich geringere Narbenbildung auf der Oberfläche des Plutos gegenüber der Erde bzw. dem Erdmond erwarten lassen sollten?

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16 Antworten zu Pluto – andere Fragen

  1. Wunderwaldverlag schreibt:

    Hat dies auf Wunderwaldverlag rebloggt und kommentierte:
    Das reblogge ich jetzt mal und stelle mir vor, wie man all diese Fakten in einer romantischen Sommernacht unterbringt – natürlich alles in einer Kurzgeschichte. Wäre bestimmt lustig 😉 Danke fürs „Herumformeln“!

    • ausgesucht schreibt:

      Aber nein! Da muß ich widersprechen: Der Pluto ist mit bloßem Auge nicht zu sehen, da kann die Sommernacht noch so romantisch sein, und an den „typischen” Planeten, die als beinahe schon Hauptdarsteller die Staffage für eine romantische Sommernacht sind – Saturn (wegen der Ringe!), Jupiter (wer weiß, in welcher Rolle er bzw. Zeus diesmal ihre Kunst der Verführung praktizieren) und Venus (sowieso!) – verbietet sich jedes Herumformeln… 🙂

  2. Wunderwaldverlag schreibt:

    Herumformeln – wie geil ist das denn 😉 Werde ich beim nächsten Kassensturz auch sagen: „Ich muss mal herumformeln, ob noch Geld für ein Eis übrig ist.“

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