verbieten, aber richtig

Den Deutschen eilt der Ruf voraus, Meister im Verbieten zu sein: es regieren die Verbote. Ob das vielleicht damit zu tun haben könnte, daß sich, nachdem das mit Deutschland als Gebieter so jämmerlich gescheitert ist, ein wenig Trost daraus ziehen läßt, zumindest nach Herzenslust zu verbieten?Verbot20150727a
Aber Verbieten will gelernt sein! Ein delikates Beispiel (Abb. rechts) stammt aus dem Wartebereich einer Agentur, die Seminare und Einzelschulungen an Arbeits­suchenden vornimmt. Delikat deshalb, weil während des Coachings immer wieder auf klaren und exakten Sprachgebrauch hingewiesen wird. Aber welcher Wegweiser geht schon selbst in die Richtung, die er weist? Ich könnte mir vorstellen, daß es einen Raucher nicht interessiert, ob es einen aktuellen oder einen archaischen Anlaß zu einem Verbot gab. Auch die Botschaft, daß überhaupt wegen eines Anlasses das Rauchen untersagt worden ist, ist Redundanz pur. Und dann wird im zweiten Satz gar noch zum Rauchen eingeladen: ›Bitte rauchen Sie‹. Aber warum, obwohl doch Raucher eh schon eine geringere Lebenserwartung haben, im fließenden Verkehr und nicht etwa auf dem Bürgersteig? Und warum erfährt man nicht, bei wem gegen das Verbot interveniert werden kann?
Also, ihr Meister des klaren und exakten Sprachgebrauchs, versucht’s doch mal so: »Die Hausordnung untersagt das Rauchen auf dem Betriebsgelände. Zum Rauchen bemühen Sie sich bitte zur Sickingenstraße.«

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Über ausgesucht

…desillusioniert
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10 Antworten zu verbieten, aber richtig

  1. Egotheist schreibt:

    Das ist ja mal gründlich danebengegangen.

  2. YDU schreibt:

    So ein Plakat müsstest du doch auch schaffen und schon bist du mit dabei! Nö, nicht soooo einfach? Ach,es muss doch jemanden geben, der dir vor dem Schreiben mit einem mächtigen Holzhammer eins über die Rübe zieht … und schon schreibst du so locker und duftig und voll kompetent ! 😉

    • ausgesucht schreibt:

      Wenn der Holzhammer die zarte Stimulanz einer feinfühligen Muse sein sollte, verbleibe ich lieber bei meinem klobigen, musisch ungeküßten Schreibstil.

      • YDU schreibt:

        Guter Rat ist teuer und entspricht oft nicht den Vorstellungen des Ratsuchenden – aber der Erfolg wäre dir ziemlich sicher! So steht uns nur allzuoft die pure Gewohnheit im Wege, wo der Erfolg doch so nah wäre … 😉

  3. lawgunsandfreedom schreibt:

    Da könnte man doch dagegenhalten und ein selbstausgedrucktes Schild daneben kleben:

    „Aus aktuellem Anlass müssen wir leider auf darauf verzichten, sinniges Deutsch und angemessene Grammatik zu verwenden. Wir bitten um Verständnis!“

    Das schafft Verwirrung auf der einen und Belustigung auf der anderen Seite. Ich mache so etwas hin und wieder mit, wenn die „Namenlose Anarchistische Horde“ oder die örtliche Spaßguerilla wieder bei Nacht-und-Nebel-Aktionen unterwegs ist, um hochgestochene, intellektuelle oder halbschlaue Albernheiten zu praktizieren 😀

  4. YDU schreibt:

    Der aktuelle Anlass würde mich ja sehr interessieren, wenn ich ehrlich bin. Verirrten sich die Angestellen in der „Nebelsuppe“ im Gebäude und kam es dadurch gar zu argen wirtschaftlichen Turbulenzen? Kam es durch eine nicht fachgerecht entsorgte Kippe zum Bürobrand? Zogen sich die Rauchpausen derartig in die Länge, dass ein sinnvolles Arbeiten nicht mehr möglich war? Was steckt hinter dem „aktuellen Anlass“? Die Neugier zerreißt mich fast, ganz ehrlich? Wäre es dir möglich, die näheren Umstände zu eruieren, damit eine non Neugier „gequälte“ Seele hinter den Alpen wieder ruhig schlafen kann? 😉

    • ausgesucht schreibt:

      Ich weiß den „aktuellen Anlaß” auch nicht, würde aber Ähnliches wie Du vermuten. Eruieren wird schwierig, weil 10 Pferde mich nicht dahin zurückbringen werden, und für elf kein Budget vorhanden ist…

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