Vollmond – Schlafstörung?!

Mein lieber Scholli, war das eine miese Nacht. D. h. die Nacht ist in Wirklichkeit ja unschuldig, aber trotzdem habe ich kaum länger als 1 ½ Stunden die Sehschlitze zugekriegt. Ob das wohl was mit dem Vollmond zu tun hatte?
Da ich nun eh nicht schlafen konnte, habe ich mal a bisserl gerechnet. Ganz konkret hat mich interessiert, welchen meßbaren Einfluß so ein Vollmond auf uns Erdlinge ausübt. Damit fallen „biosoziale Felder” gleich einmal aus der Untersuchung heraus. Ebenso die Helligkeit, die kann mit Gardinen, Jalousien, Schlafmasken etc. gebändigt werden. Bleibt eigentlich nur noch – tattaaa! – die Schwerkraft des Mondes, die offenbar imstande ist, den Deckel der Schatulle zu lüpfen, in der die horrenden Traumgespinste normalerweise weggesperrt sind.
Die Berechnungen sind nicht sonderlich kompliziert; um niemanden hier zu langweilen, überspringe ich sie einfach und stelle gleich mal die Ergebnisse vor:

VollMond_Neumond

Da die Erde unsere Sonne auf einer Ellipsenbahn umwandert, hängen die errechneten Werte deutlich von der Jahreszeit ab (Winter auf der Nordhalbkugel bedeutet Sonnennähe etc.). Auch die Mondbahn ist elliptisch. Ihre Elliptizität ist mit ε = 0,055545 zwar mehr als dreimal höher als die der Erdbahn (ε=0,016708), aber aufgrund der gewaltigen Masse­unterschiede von Sonne und Mond wirken sich Mondnähe bzw. -ferne weit weniger aus als der mit den Jahreszeiten schwankende Abstand von Sonne und Erde.
Dargestellt sind die Werte der Fallbeschleunigung an der Erdoberfläche für einen Beobachter des Nachthimmels (also sonnenabgewandt) jeweils für Voll- und Neumond. Freilich gibt es unterschiedliche Werte, abhängig davon, ob der Mond in Opposition (Vollmond) oder Konjunktion (Neumond) zur Sonne steht. Aber! Der Unterschied findet sich in der 5. Stelle nach dem Komma (vgl. Beispiel). Würde man die gleiche Veränderung in der Schwerkraft ohne Sonne und Mond erzielen wollen, bräuchte man sich lediglich um etwa 20 m nach oben bzw. unten zu verfügen; das entspricht etwa der Höhe eines Hauses mit sechs Etagen (mehr nicht).
Nun sage aber niemand, daß sein Schlafkomfort davon abhängt, ob das Bett im Erd­geschoß oder in der 6. Etage eines ideal gelegenen Hotels aufgestellt ist. Zudem überkommt mich gerade in diesem Moment, nach der fast schlaflosen Nacht, eine bleierne Müdigkeit, obwohl sich an den astronomischen Konstellationen fast nichts geändert hat (der Mond steht noch immer in Opposition zur Sonne, nur daß man es nicht sehen kann).

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Über ausgesucht

…desillusioniert
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20 Antworten zu Vollmond – Schlafstörung?!

  1. C/1956 R1 schreibt:

    Tolles Beschleunigungdiagramm! Das ist bewiesen, die Schwerkraft ist’s nicht. Die Beleuchtung könnte es sein! Nein, gestern war bewölkt und Vollmond ist sowieso nichts gegen Strassenlaterne.
    Lösung: Der Mond beeinflußt die Hormone, hier mal das Schlafhormon Melatonin. Die Forschungergebnisse sind von 2013 wohl aus der Schweiz, das hat sich leider noch nicht allzuweit verbreitet. Mit dem Stichwort Current Biology, das ist Biologenfachblatt, solltest du was finden.
    Und jetzt ein Mittagsschläfchen, furchtbare Nacht!

    • ausgesucht schreibt:

      Gegen die „Licht/Melatonin”-Hypothese spricht, daß der Vollmond auch dann seine sprichwörtliche Wirkung zeigt, wenn er tagelang wegen eines Tiefdruckgebietes hinter undurchdringlichen Wolkenbergen nicht einmal zu erahnen ist. Zudem habe ich ein paar Hormone und diverse Drüsen befragt: sie haben weder Uhr noch Kalender. 😉

      Nein, bis zum Beweis des Gegenteils glaube ich an ein „fünftes Element”: siehe u. a. hier.

  2. lawgunsandfreedom schreibt:

    Mir wurscht, ob das jetzt mit Physik, Biologie oder esoterischem Mummenschanz zu tun hat. Ich habe einen gewissen Schlafrhythmus und um den Vollmond herum schlafe ich unruhig bis schlecht. Zweifellos kann es unzählige Faktoren geben die den Schlaf beeinflussen und vielleicht zufällig mit Vollmond zusammenfallen. Bei vielen Leuten spielt auch der Mindfuck eine Rolle.

    Andererseits gibt es durchaus Forschungen die zu belegen scheinen, daß etliche Tierarten ihren Lebens- und auch Fortpflanzungsrhythmus nach dem Mond ausrichten. Darunter sogar Tiere die in Höhlen leben und das alte Käserund nie zu Gesicht bekommen.

    Welche Ursache dafür verantwortlich ist, bleibt aber Gegenstand von Spekulationen.

    • ausgesucht schreibt:

      Wie hat mein Russischlehrer immer wieder mal gesagt: „Prima losgedacht, aber nicht bis ins Ziel gelaufen!” 🙂

      Was wäre, wenn all unsere Anthropologie noch immer ein Stochern im Nebel ist, weil wir uns und unsere tierischen Vorfahren mit einem – vermutlich auf Vorurteilen beruhend! – unzureichenden Instrumentarium zu beschreiben suchen, das wesentliche Zusammenhänge gar nicht erkennen & aufspüren kann? 😕

      • lawgunsandfreedom schreibt:

        Hm, mit der Begründung kann man auch wieder beim Theismus landen. 😉

        Da habe ich von SalvaVenia was vor die Nase gehalten bekommen:
        https://salvaveniaxxl.wordpress.com/2015/07/30/salvas-reply-a-thought-concerning-james-tyberonn-and-chanelling/

        • ausgesucht schreibt:

          Hmm, der SalvaVenia-Text gefällt mir nicht. Ich sag‘ nur: „Höhlengleichnis”. Sollte es wirklich möglich (geworden) sein, Abstrakta aus einem Erfahrungsbereich in Abstrakta eines anderen Empfindungsbereiches übertragen zu können, die dann auch noch das Gleiche meinen? 🙂

          Und nein, auch der Satz: „… mit der Begründung kann man auch wieder beim Theismus landen” gefällt mir nicht (Was war heute nur in meinem Müsli, daß die Widerspruchsader derart am Puckern ist? 😮 )
          Es gibt weder einen Gottesbeweis noch einen Nicht-Gott-Beweis. Wie könnte man da je Theismus ausschließen oder wieder bei ihm landen? Ist aber nicht vielmehr der Ansatz für Theismus oder seine Ablehnung ein recht fragwürdiger, weil er mehr oder weniger scharf akzentuiert einen monokausalen Zusammenhang postuliert (der dann wahlweise „bewiesen” oder „widerlegt” werden soll), wo jedoch die Welt höchst komplex und sehr wahrscheinlich nicht monokausal erklärbar ist?

          • lawgunsandfreedom schreibt:

            Das mit dem Theismus war als Scherz gedacht. Ich hab‘ mich durch Salvas Text und die Antwort auf meinen Kommentar durchgebissen, aber auch bei mir grummelt da einiges. Ich kann nur nicht den Finger drauf legen. Da ist irgendwo ein klassischer Fnord versteckt.

            https://de.wikipedia.org/wiki/Fnord

            • ausgesucht schreibt:

              Ich wollt‘ mich schon wundern. 😛
              Aber da habe ich wohl das Sarkasmus-Schild übersehen… 😀

              • lawgunsandfreedom schreibt:

                Ups – dabei hatte ich doch ein „Vorsicht Ironie und Sarkasmus“-Schild mit Spucke hingepappt. Vorschriftsmäßig – weiße Schrift auf weißem Grund.

                (Ich weiß schon, warum ich es vermeide „Big Bang Theory“ anzugucken. Dieser Sheldon ist zwar nicht grade mein Spielgelbild (ich sehe erheblich besser aus :mrgreen: ), allerdings habe ich dieselben Probleme mit Ironie und Sarkasmus … und noch einiges mehr, was dieser Schauspieler viel zu treffend verkörpert. Ups – falscher Planet!).

              • ausgesucht schreibt:

                Das ist mal ein Kommentar so recht nach meinem Geschmack *kein Sarkasmus*. Immer wenn ich mich selbst einlullen kann in dem Glauben, mein Leben halbwegs im Griff zu haben, passiert eine Winzigkeit, die mein Leben in toto in Frage stellt *kein Sarkasmus*. Das ist mir bislang drei oder vier Mal passiert, daß eine Nichtigkeit mir komplett den Teppich unter den Füßen wegreißt; und mit Nichtigkeiten meine ich vollkommen Banales in absolut durchschnittlichen Situationen (wie etwa einen Kommentar von insgesamt rund 20’000 auf einen Artikel von rund 1’800 in diesem Blog) *kein Sarkasmus*. Was ich damit meine??

                O, das ist mit einem Wort nicht zu beschreiben, auch nicht mit einem Satz. Es ist eine „Erkenntnis”, die überzeugend auszuformulieren einen ganzen Roman bräuchte. Ich habe beispielsweise vor ein paar Jahren mal eine Kurzgeschichte geschrieben (blöderweise finde ich den Papierausdruck einfach nicht wieder), in der Außerirdische unsere ganz normale Arbeitswelt inspizieren. Die war aus irgendeinem Grunde verlassen, bot aber in den Hinterlassenschaften reichlich Stoff für Analysen. Für Analysen, die nicht von den Gewohnheiten und Vorurteilen der Erdlinge polarisiert sind. Eine Episode war die Entschlüsselung der vorgefundenen Texte. Die wollte den Außerirdischen einfach nicht gelingen, bis sie auf die Idee kamen, daß 90 % der abgedruckten Zeichen sinnentleertes Rauschen sind – erst mit diesem Ansatz konnte die Entschlüsselung der Texte gelingen…

                Nun gut, ich hatte damals geschätzt, daß im alltäglichen Sprachgebrauch nur zu 10 % sinnvolle bzw. verläßliche Informationen enthalten seien, Dein verlinkter Artikel – vielen herzlichen Dank dafür – gesteht gar nur 7 % zu, aber immerhin! Aber, im gleichen Atemzug, da ich verdichtete, komprimierte Texte in diesem Blog anstrebe und die 90 % Redundanz gerade zu vermeiden suche, gleichzeitig aber von den meisten Lesern in diesen Artikeln wohl auch nur auf 10 % Informationsgehalt „abgestellt” wird, können von meinen Gedanken/Ideen mühsamst höchstens 10 % entdeckt werden. Vom Verstehen deshalb einmal zu schweigen.
                Da fallen mir noch Dutzende Aha- und Ach-so-Momente ein *stirnklatsch*, die allesamt unter das Rubrum Asperger fallen. Glaub’ste nich‘? Also gut, noch ein Beispiel. Dein Satz über Sheldon könnte genausogut auch über mich gesprochen worden sein… 🙂

              • lawgunsandfreedom schreibt:

                Buchtipp: Tony Attwood – „Ein Leben mit dem Asperger-Syndrom“. Normalerweise brauche ich für lächerliche 400 Seiten gerade mal 2-3 Stunden – außer bei ausgesprochen technischen Fachbüchern mit hohem Informationsgehalt. Aber an dem Buch kaue ich schon seit Wochen – und das liegt nicht etwa daran, daß der Inhalt schwer verständlich wäre …

                In meinem Blog habe ich auch nur ca. 10% Informationsgehalt. Da ich weiß, wie viele Leute ticken, packe ich genügend Füllworte und psychologische Trigger mit rein. Damit können dann diejenigen, die einen hohen Level von inhaltsarmem Grundrauschen benötigen, ihren Spaß mit haben.

                BTW: Ich kann Ironie und Sarkasmus gut selbst anwenden, habe nur Probleme, das bei Anderen zu erkennen, wenn es nicht grade mit dem Vorschlaghammer serviert wird. Mich kann man auch recht leicht rausschießen. Da ich erst mal alles wörtlich nehme und Zwischentöne und Zusatzbedeutungen erst mitkriege, wenn ich etwas länger darüber nachgedacht habe, bin ich ein Quell ständigen Amüsements für meine Mitmenschen. Unter den Umständen dann „spontan“ sein, ist ziemlich unmöglich. Dazu kommt dann noch ADS – was zu „meiner Zeit“ noch nicht erfunden war. Ich war halt einfach der „Zappelphilip“ und der „zerstreute Professor“.

                Müsste ich in der heutigen Zeit aufwachsen, würde man mich wahrscheinlich mit Psychopharmaka traktieren, damit ich dem neurotypischen Durchschnitt nicht auf den Keks gehe. 😀

              • ausgesucht schreibt:

                Das mit dem Wörtlich-Nehmen habe ich mir schon vor Jahren abgewöhnt. Wie ein Goldwäscher viel Wasser durch seine Siebe rinnen läßt, lasse ich stundenlanges Wortgeplätscher über mich ergehen, um das Körnchen Gold zu finden (das möglicherweise enthalten ist). Das ist aber nicht unbedingt der Inbegriff von unverbindlicher Smalltalkerei, die allerorts so beliebt und offenbar irgendwie wohl auch gebraucht wird. Ich komme durchaus damit klar, in Gruppen von 10 Personen und mehr den Sozialkasper zu geben, aber mehr als drei Personen empfinde ich als anstrengend (weil die „Filter” und Analysemodule auf Hochtouren laufen…). 😉

                Und, ach, der Buchtip kommt mir gelegen: ein bißchen Selbstdiagnose hat noch nie geschadet *srcsm*. 😆

              • lawgunsandfreedom schreibt:

                Fällt mir immer noch schwer nicht alles wörtlich zu nehmen. Angewöhnt habe ich mir, daß ich erst über das gesagte nachdenke. Über die Jahre habe ich mir auch ein paar Floskeln zurechtgelegt, damit mich mein Gegenüber nicht für stupide oder schwerhörig hält, während ich am sortieren bin.

                Aber Small Talk? Da siehst Du mich rennen. Da kräuseln sich mir die Eingeweide. Das ist so was von unerträglich für mich. Genau wie größere Menschengruppen. Und auch kleinere Gruppen bis 4 Leute … nach ca. 2-3 Stunden bin ich durch die Reizüberflutung so ausgepowert, daß ich mich verabschieden und erst ein paar Stunden erholen muß.

                Deine Selbstdiagnose kannst Du Dir hier beschaffen. Der beste Test im Netz:
                http://www.rdos.net/eng/Aspie-quiz.php

              • ausgesucht schreibt:

                … hab‘ mal schnell die 200 Fragen durchgezogen:

                • Dein Aspie-Wert: 86 von 200
                • Dein neurotypischer (nicht-autistischer) Wert: 120 von 200
                • Du scheinst sowohl neurotypische als auch Aspie-Charakterzüge zu haben

                Ich hab’s schon immer gewußt, daß ich wohl zum 50:50-Typus zähle. 😉

              • lawgunsandfreedom schreibt:

                Aspie-Wert: 156 von 200
                Neurotypischer (nicht-autistischer) Wert: 63 von 200

                Ziemlich eindeutig. Aber bei hochintelligenten Menschen ist es auch oft so, daß sie Marotten haben, wie sie bei Aspies zu finden sind. Deshalb braucht es eigentlich eine Beurteilung von einem echten Spezialisten und die sind recht selten.

              • ausgesucht schreibt:

                Da hst Du mir ja Einiges voraus! 😉
                Ich für meinen Teil werd‘ das oben empfohlene Buch lesen: ’n bißchen über den Tellrand gucken, kann nicht schaden. Ansonsten werde ich die hochverehrten „Spezialisten” nicht aus ihrem Schlummer dort im Lorbeerwald, der ihre Denkerstirnen umkränzt, reißen. Nicht bei meinem Larifari-Ergebnis des Tests. Ist es Dir übrigens auch aufgefallen, daß sein „Strickmuster” relativ einfach durchschaubar ist? 😕

              • lawgunsandfreedom schreibt:

                Das ist bei allen Tests so. So was wird von durchschnittlich oder leicht überdurchschnittlich intelligenten Leuten gemacht. Jemand der einen höheren IQ hat und einen ausgeprägten Sinn für Muster, der wundert sich über so banale Methodik.

                Mir hat das Arbeitsamt neulich einen psychologischen Test reingedrückt. Die klassischen Zahlen- und Matrixreihen, Merkfähigkeit, etc. Pillepalle. Da saßen 25-jährige mit Abitur drin, die hatten tatsächlich Probleme beim lösen der Aufgaben. Bei den meisten Sachen musste ich nicht mal nachdenken, nur aufpassen, daß ich keine Flüchtigkeitsfehler mache.

              • ausgesucht schreibt:

                … mir kommt eine solche Situation außerordentlich bekannt vor. 🙂

  3. Anna-Lena schreibt:

    Willkommen im Club der Vollmond- und Wetterfühligkeitsgeschädigten. Manchmal spüre ich ihn gar nicht, aber vorgestern hat er alle Stacheln nach mir ausgeworfen. Soll er doch bitte woanders sein Unwesen treiben…

    Liebe Augustgrüße
    Anna-Lena

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