Nachteil der Meinungsfreiheit

Während ich mich heute, morgens um 5:55 Uhr, mit einem Kommentar abmühte, der ein recht spannendes Spiel von Rede und Gegenrede fortsetzen soll (siehe hier), überraschte mich siedendheiß der Gedanke, daß Internet & Co und die darin gewährte Meinungs­vielfalt ein sicherer Garant für den Erhalt der Obrigkeitskaste sind.
Was sind wir, ach, so stolz auf Meinungs- und Redefreiheit, die als außerordentlich wichtige demokratische Rechte u. a. im Internet und in Blogistan sowieso eine Plattform gefunden haben. Faksimile_ManifestJeder darf – nun nicht gerade alles – aber doch sehr vieles sagen bzw. schreiben.
Und genau das könnte sich als Crux erweisen: „jeder” schreibt, es gibt für das Geschriebene Stammleser und spontane Leser, die Leserschaft beläuft sich auf ein paar, auf drei Dutzend oder vielleicht auf zehntausend Leute; aber verbreiten sich die wichtigen Ideen, von denen ein verschwindender Bruchteil revolutionär, aber (noch!) unpopulär ist, breit genug, um die Masse zu erreichen (und ggf. zu mobilisieren)?
Wo Meinungsfreiheit eine Mangel­ware ist, sind kluge Gedanken kaum mit Gold aufzuwiegen. Hingegen hätten in Blogistan Bücher wie die Bibel oder das Beispiel aus der Abbildung (Quelle: „Marx Engels – ausgewählte Werke in 6 Bänden”, Band I, Dietz Verlag Berlin 1979) praktisch keine Chance, sich im Gemeinschaftsbewußtsein zu etablieren.

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Über ausgesucht

…desillusioniert
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33 Antworten zu Nachteil der Meinungsfreiheit

  1. rainerpeffm rcpffm schreibt:

    interessanter Ansatz !

    • ausgesucht schreibt:

      … aber ist denn „interessant” nicht die verklemmte Schwester von „Sche*ße”? 😉

      • rainerpeffm rcpffm schreibt:

        Es gibt Vorteile des Internets und Nachteile; der oben genannte Effekt ist erstmal nur eine „statistische Annahme“.
        Es steht ihm gegenüber, dass ein Zugriff durch weitaus größere Mengen an Lesern und möglichen Adressaten zur Weiterverbreitung erfolgen kann.
        Wie viral eine Verbreitung einer neuen Idee sein kann, ist eben die Frage.

        Besonders „fragwürdig“ bzw. problematisch halte ich eher die Lebensdauer von neuen Ideen.
        Das ist aber eher der heutigen Medienvielfalt geschuldet als nur der Eigenschaft, dass das Internet hauptsächlich von Hypes lebt.

        • ausgesucht schreibt:

          Wie ist das mit den „statistischen Annahmen”? Auch die Behauptung: „Es steht ihm gegenüber, dass ein Zugriff durch weitaus größere Mengen an Lesern…” ist auch nichts anderes.

          • rainerpeffm rcpffm schreibt:

            klar, beides sind erstmal nur „Mutmaßungen“. Aber immerhin eben interessante Vermutungen.

            • ausgesucht schreibt:

              Kennst Du dieses Kinderspielzeug (eigentlich: pädagogisches Trainingsinstrument), eine Art Tablett mit geometrisch unterschiedlich geformten Öffnungen darin: Kreis, Quadrat, Stern u. s. w.? Die Spielidee besteht darin, verschiedenfarbige Spielklötzchen durch die richtige Öffnung zu bugsieren. Die Beschäftigungstherapie zielt auf mehrere Ebenen: das Erkennen von Formen, Planung & Antizipation von Handlungen, Farberkennung („versuch mal das Rote, das ist rund”), Sprachschulung, Motorikschulung, Training der Beharrlichkeit etc., aber auch die Entwicklung sozialer Kompetenz, nämlich durch exzessiven Gebrauch von Ermunterung, Lob & Tadel(?)…

              Was das mit „interessanten Vermutungen” zu tun hat? Nun ja: Man kann sich mit dieser Gerätschaft beschäftigen auch ohne Vermutungen oder gar statistisch signifikante Tests darüber anzustellen, mit welcher Wahrscheinlichkeit „das Runde in das Eckige” paßt. Aber, es – das Spielzeug, aber auch obige Anregung – ist zwar für Vieles gemacht, aber gerade dafür nun nicht.

      • Chantao schreibt:

        Vielleicht mag es so scheinen, aber ich möchte einmal etwas anderes anschneiden: Hier in Hamburg, sowie auch in anderen Großstädten in Deutschland hat das normale Volk es geschafft ohne PolitikPupser eine Selbstorganisation der Flüchtlinkshilfe auf die Beine zu stellen. Und nun kommen wieder die
        Bibel und die UrKommonisten
        zum Thema:

        Ohne PolitikDarsteller schaffen es die Menschen (und auch ohne Bibel) kommunistische Nächstenliebe zu praktizieren. Ja, in München mussten die Neo-Kommunisten schon von ihrer Nächstenliebe fast gewaltsam abgebracht werden, weil es zuviel des Guten war, also, die
        schnöde Bürokratie der Verwaltung von Hilfsgütern in die Knie ging.
        Darüber hinaus hoffe ich, dass der „Reale Kommunismus“ und nicht der, der ehemaligen Ostgebiete nicht auch durch den PoliticalCorrectness-Wahn in *** geschrieben werden muss, denn nur ohne *** hat er wirklich die Chance im www Verbreitung zu finden. Gehobene Re**e Fa**st

        • ausgesucht schreibt:

          … in dem obigen Artikel geht es – nur zu Erinnerung kurz eingeworfen – weder um die Bibel noch um irgendeinen Kommunismus (welcher Glaubensgemeinschaft auch immer).

  2. Chantao schreibt:

    Flüchtlinkshilfe ist übrigens eine Wortneuschöpfung (links, nicht wie Linksextrem, sondern wie Verlinkung) . Anstatt mit „g“ in der Mitte also ein „k“ schafft aus passiven „-lingen“ eine Weltumfassende Gruppe von Schutzsuchenden und Helfern zu einem NeoRealistischemKommunismus, wie es sich der olle Lenin wahrscheinlich in seinen kühnsten Träumen nicht vorgestellt hätte.

    • ausgesucht schreibt:

      … ich mag weder Wortschöpfungen, die nicht aus sich heraus verständlich und nur mit „Beipackzettel” für eine Verwendung brauchbar(?) werden, noch Spekulationen darüber, was Altvordere, die schon über 90 Jahre lang nicht mehr an der gesellschaftlichen Entwicklung teilnehmen konnten, möglicherweise für Vorstellungen haben könnten.

  3. kristallundrosen schreibt:

    auch eine Idee KuR

  4. aussteiger geno schreibt:

    was für menschen wollen wir sein? nach wissen strebende, denkende und fühlende individualisten? oder verdummte, ferngesteuerte leistungsträger eines systems, das nicht unser aller wohl anstrebt, sondern nur und ausschliesslich seine eigene selbsterhaltung? mehr hierzu:
    https://campogeno.wordpress.com/2015/09/04/verdummte-ferngesteuerte-leistungstraeger-made-in-germany/

    • ausgesucht schreibt:

      Die zur Wahl stehenden Alternativen erscheinen gar sehr tendenziös und populistisch. Was ist mit ‚fühlenden Altruisten‘, sind das die Guten, die nach Wissen streben und denken, oder die bösen, die ein System tragen, das viele von uns ernährt. Strebt – als Beispiel – ein Putzerfisch nach dem Leben von Haien oder Walen, weil die immer(!) die größeren Brocken fressen? Haben die Kasten einer eingespielten, funktionsfähigen und stabilen Gesellschaftshierarchie im Sinne von „was für menschen wollen wir sein?” eine Wahl, welche Kasten sie sein wollen?

  5. Chantao schreibt:

    Der Journalist Wolfram Weimer zitierte gestern bei #illmer etwas Schönes, wie wir es handeln heute und zukünftig. Mit Herz und Verstand

    • ausgesucht schreibt:

      „Mit Herz und Verstand”. Das klingt doch mal gut. Oder vielleicht doch nicht? Besteht denn nicht die Schwierigkeit im „Was wem”? Soll heißen: Einen allgemeingültigen Verstand gibt es nicht, Herzensgüte gleichermaßen für alle auch nicht. Güte, allgemeiner: überdurchschnittliche Bevorzugung(!), kann es nur für ausgewählte Gruppen, nicht für samt und sonders alle geben. Ähnlich der Verstand, also die Fähigkeit zum Erkennen. Es ist nur erkennbar, was sinnlich zugänglich ist. Ein wie auch immer „aufgestellter” Vordenker kann schlichtweg keinen Verstand für alles(!) aufbringen…
      Ist denn unter diesem Paradigma die „Herz&Verstand”-Maxime nicht mehr populistisch als pragmatisch? ❓

  6. Chantao schreibt:

    kategorisch bauchmäßig, also intuitiv ;

    • ausgesucht schreibt:

      … das Wie wäre geklärt, also „kategorisch bauchmäßig, also intuitiv”. Und frage ich mich *grübel, grübel*, was intuitiv entschieden worden ist?

      • Chantao schreibt:

        Nichts ist entschieden, noch nicht, aber wenn Entscheidungen anstehen, dann mit Herz zuerst, bevor der Kopf sich einschaltet 😉 Und, das intuitiv bezog sich darauf, ob „Herz & Verstand“ nicht eher populistisch sind, und so länger ich den Gedanken zergehen lasse, tja, nun, warum hat das ein Journalist zitiert ? Welche Beweggründe hatte er ? Wollte er vielleicht mit einem Knalleffekt dem Hintergrundgedanken: „Ah, ein Lügenpressler“ , den Wind aus den Segeln nehmen. Ich meine, ich selbst bin doch auf den Leim gegangen. Hatte nur Herz gelesen und unterstellte sofort biedere Absichten. Es ist ja nun leider Mainstream geworden: Hört und sieht man in einer Diskussionsrunde einen Journalisten assoziiert man politisch unkorrekte Bezeichnungen. Das ist genauso, wie nicht Ne**er sagen dürfen, aber immer *eger denken. Das Verbotene setzt sich einfach fest. Also, nein, pragmatisch ist es nicht, ich revidiere mein intuitives kategorisches NEIN.

        • ausgesucht schreibt:

          Es wird sich kaum herausfinden lassen, was einen bzw. genau diesen einen Journalisten bewegte, etwas so und nicht anders zu sagen. Es wird sich durch die Analyse seiner ursprünglich gesprochenen Worte kaum bewerkstelligen lassen, aber auch nicht durch eine neuerliche Befragung. Möglicherweise glaubt er ja, im kantschen Sinn eine kluge Lebensmaxime „entdeckt” zu haben. Möglicherweise wollte er nur nach Aufmerksamkeit haschen. Oder brauchte er lediglich ein kleines Zusatzhonorar…
          Man wird es nicht wirklich erfahren. Anderseits wäre die Information nach seinen Beweggründen letztlich komplett redundant. Ist es für Personen, die sich (auch von Berufs wegen) an eine breite Öffentlichkeit wenden, nicht vollkommen belanglos, warum sie etwas sagen? Ihr Anspruch sollte sein, auszusprechen, was für die Allgemeinheit gültig ist bzw. werden kann oder soll.

  7. Chantao schreibt:

    Ach, ich für meinen Teil denke, dass ich mich wieder geistigen bzw. taoistischen Themen widmen werde, das ganze Mainstreamthema ist mir mittlerweile zu plakativ geworden, Meinungsbildung ist zu Meinungsmache transformiert worden. Der Taoist meint einfach zu erkennen: Es ist wie es ist. So einfach ist es…. 😉 Und mein Tinnitus belohnt mich dafür, 2 Tage jetzt ohne, weil ich mir die „News“ nicht so intensiv betrachtet habe. Ich glaube, wenn ich mir hier auf dem Blog Excel-Fehler: RGP anschaue und mich reindenke, als ehemaliger Excel-Versteher, habe ich mehr für meinen ortsansässigen Verstand getan, als auf Google-News und Kollegen zu gucken.

    • ausgesucht schreibt:

      „Es ist wie es ist” – wenn man diesen Satz wörtlich nimmt, ist er eine Tautologie; nimmt man ihn dialektisch auseinander, landet man früher oder später beim „ich weiß, daß ich nicht weiß”. Deshalb empfehle ich zum Training der Gelassenheit eine leichte Modifikation des eingangs zitierten Satzes: „Es ist”. 😉

      • Chantao schreibt:

        „Es ist“, na das ist aber extrem minimalistisch, aber als Extremtaoistiker melde ich auch hierbei meine Skepsis an und frage in die Runde: „Wer kann es wirklich absolut wissen ?“

        Nun könnte man spekulieren, in die Richtung vielleicht: Matrix (Film). Kennen hoffentlich/wahrscheinlich alle hier.
        Ansonsten gibt es ja Google. Ich war mal um 2012 dem Jahr des Weltuntergangs in einem Forum, da herrschte die Meinung, sowas haben wir auch … Und es gibt Spekulationen über Spekulationen von temporären, sterblichen Menschlein dieses Thema betreffend. Einige nennen es Religion, andere wiederum die einzig wahre Religion, Psychologen sprechen von Lebensangst, und watt weiß ich …. Dann gibt’s auch noch so „Realisten“ (oftmals die größten Phantasten), die nur das für wahr halten, was sie sehen. „Ich bin ein Realist, ich glaube nur, was ich sehen und anfassen kann…“ Oftmals sehen gerade diese vor ihrem Geistigen Auge eine völlig überzogene Stellung, die sie selbst in der Gesellschaft einnehmen, dabei ist doch wie wir seit Buddha wissen

        Leere = Form äquivalent Form = Leere. Alles ist so, wie ein Tempörärling es erfährt und weiter nichts. Alles andere ist einfach hineinspekuliert.

        • ausgesucht schreibt:

          Ich habe noch keinen… – Moment, ich muß etwas früher ansetzen: Ich pflichte Dir bei, der Satz: „Es ist” ist minimalistisch, wahrscheinlich sogar extrem minimalistisch. Aber genau dadurch ist er vom maximaler Aussagekraft. Wie das? Nun, wie Du es selbst angemerkt hast, es gibt keinen Beweis, daß wir über verbindliches Wissen verfügen (wobei „verbindlich” auf einer irgendwie gearteten Akzeptanzebene Mitmensch mit Mitmensch verknüpft). Was wir als ‚Wissen‘ bezeichnen, sind schlichtweg Plausibilitätsannahmen, mehr nicht. Beweisbar bzw. deduzierbar ist da gar nix. Es gilt das als „wahr”, was von allen akzeptiert wird. Und an dieser Stelle gelangt der Torso des Eingangssatzes zur vollen Bedeutung: Ich habe noch keinen Beweis, vermute aber, daß die Anzahl widersprechender Meinungen mit der Komplexität eines Satzes steigt. Wer seine Existenz, also sich selbst nicht in Frage stellen möchte, wird nolens volens den Satz: „es ist” akzeptieren müssen, da er ihn weder beweisen noch widerlegen kann…

          • Chantao schreibt:

            Ja, das kann ich stehen lassen hahahahaha. Und der Knalleffekte, der sich zum Koan und somit zur Erleuchtung steigert kam mir fast, als ich Torso und Torsoergänzung zur Synthese geistig zu verinnerlichen suchte.
            Und jetzt einmal etwas ganz Ernstes: Endlich, endlich einmal einen Blog nebst BlogErsteller, die es schaffen meinen Intellekt soweit zu fordern, dass ich abends ganz befriedigt meinen PC ausschalte und mir sage: Heute war es wirklich gut.
            Denn vieles, was ich mir sonst im Laufe des Tages einsauge ist doch mehr Redundanz

  8. Pingback: taoistischen Themen | Mein Editier-Blog

  9. Bludgeon schreibt:

    Leider seeehr wahr: Wo alles erlaubt ist, ist nichts (mehr) wichtig.

  10. Chantao schreibt:

    also gut, kein Kompliment. Aber wie geht man denn mit der Wahrheit um?

    Der Großmeister Spock meint dazu: „Einfach zur Kenntnis nehmen“

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