1×Zigarre in 5 Sek.

MiniBiblio1357_CoverDurch einen seltsamen Schachzug des Schicksals ist dieses kleine Büchlein in meine Hände gelangt (8,2 cm × 12,5 cm, 56 Seiten): Elektrizität im Heim, II. Teil, aus der Reihe „Miniatur-Bibliothek”. Gedruckt wurde es wohl 1914 in Leipzig, im Verlag für Kunst und Wissenschaft durch Albert Otto Paul.
Beachtlich ist der Preis. Vor rund 100 Jahren hat es – irgendwo im 3w habe ich es aufgeschnappt – 0,10 RM gekostet, also 10 (Reichs-)Pfennige. Das sind, wie der Tabelle zu entnehmen ist, gerade einmal die Energie­kosten für ein zweistündiges Benutzen des Bügeleisens. Im ZVAB (= Zentrales Verzeichnis Antiquarischer Bücher) wird die „Schwarte” gegenwärtig mit 20 Euronen + Versand gehandelt (siehe hier)…

Die Texte atmen den Zeitgeist des Beginns des zwanzigsten Jahrhunderts. Der Herr Ingenieur, pardon Elektroingenieur (soviel Zeit muß sein), stellt sein Wissen in den Dienst der Profanität des Haushalts: „Einer stetig zunehmenden Beliebtheit erfreuen sich die elektrischen Haushaltsgeräte für das Heim. Sie erhöhen die Arbeitsleistung und Arbeitsgüte, verringern die körperlichen Anstrengungen, sparen Zeit und Mühe, sind leicht bedienbar, gefahrlos, sauber und bequem und erleichtern die Arbeit der schon an sich stets viel beschäftigten Hausfrau” (S. 32). Ach ja, die an sich viel beschäftigte Hausfrau! Aber immerhin wird sie für das Anzünden ihrer Zigarren (siehe Tab., S. 34) kaum höhere Energiekosten beanspruchen als für das 10 Minuten lange Benutzen der Haarschneidemaschine:
MiniBiblio1357_TabSpannend ist auch die Brennschere: sie einmal elektrisch zu erhitzen dauert, man kann es leicht nachrechnen, knapp 5 Minuten. Imponierend ist allerdings (noch immer) der Zigarrenanzünder: in der Zeit, in der z. B. die Heißluftdusche (das „t” müßte auch 1914 schon ein Druckfehler gewesen sein) ihren täglichen Gebrauch findet, ist vergleichsweise auch der Zigarrenanzünder 500-mal einzusetzen. Das nenne ich mal – sportlich! 😉
Übrigens läßt sich auch hier auf die veranschlagte Benutzungszeit schließen: einmal elektrisch zünden dauert knapp 5 Sekunden, das Paffen geht extra.

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Über ausgesucht

…desillusioniert
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16 Antworten zu 1×Zigarre in 5 Sek.

  1. mickzwo schreibt:

    Schachspielen wird nur zu gern in Ecke der nutzlosen Sportarten verbannt. Weit gefehlt: solche Schachzüge (auch wenn sie vom Schicksal gezogen sind) haben so ihre eigenen Qualitäten!
    🙂

    • ausgesucht schreibt:

      Bei den „eigenen Qualitäten” stimme ich zu, aber sowas von. Nur bei „Schach als vermeintlich nutzloser Sportart” möchte ich widersprechen. Schach ist ganz sicher nicht nutzlos, nur ist es halt auch kein Sport. Ach, Gottogott, jetzt habe ich mit einer Bemerkung sicherlich wieder 3 oder 4 Leser vergrätzt (nämlich die Schachliebhaber), also meine „Blog-Kundschaft” gedrittelt… ^_^

    • ausgesucht schreibt:

      … es würde mich schwer wundern, wenn das nicht noch durch Tausende andere Bücher und Werbekampagnen zu toppen wäre. :/

      • Chantao schreibt:

        Naja, das Buch, da fand‘ ich seinerzeit eine Anleitung, wie man Schnupftabak selbst herstellen kann und noch einige andere Sachen, in dieser Altdeutschen Schriftart. Worauf ich hinaus wollte ist eigentlich nur, was man damals alles noch tun durfte unter dem Oberbegriff „Erwerbsquelle für fleißige Deutsche“, was heute doch sehr stark durch das deutsche Steuerrecht begrenzt wird, sodass Erwerbsquellen einfach verboten werden, damit dem Staate dadurch keine Einnahmen entgehen. So ist der Tabakanbau heutzutage nicht verboten im privaten Maße, sondern nur der Weitervertrieb. Oder Haschisch darf man 5 Gr. für den Eigenverbrauch haben, nur damit handeln oder der Anbau sind verboten.

        Gesundheitliche Gründe können ja nicht maßeblich sein, wenn kleine Mengen nicht verboten sind.

  2. YDU schreibt:

    Das Schicksalsschach zählt mit seinen unkonventionellen Zügen zwar nicht zum Sport, da es eher der Kunst zuzuordnen ist. Folglich sollte sich der „Leserabgang“ in Grenzen halten … 😉

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