kompromißlos

Des Menschen Hang zur „entweder oder”-Sicht findet seine Fortsetzung und „Krönung” beispielsweise auch in der Wahl von Unwörtern (siehe hier). Gemeint sind Wörter, die zynisch, in falschem Zusammenhang und/oder in inflationärer Sinnlosigkeit gebraucht werden.
Wie ist es aber mit Wörtern, deren „Unwörtigkeit” darin besteht, mehr und mehr aus dem Sprachschatz zu schwinden. Mit Wörtern, die nicht mehr benutzt werden. Als Wörter nicht, und das, dem sie die Begrifflichkeit geben, schon lange nicht mehr? Wie etwa das Wort: Kompromiß.
Taucht dieses Wort noch ernsthaft im aktiven Sprachschatz auf? Gemeint ist das Wort „Kompromiß” und nicht etwa das ähnlich klingende „kompromißlos”. Letzteres wird häufig mißbraucht, um qua Pseudoautorität die Suche und das – oh, wie gräßlich! – Anwenden eines Kompromisses kategorisch zu unterbinden. Denn „Kompromiß” spiegelt im Sprachschatz wider, daß auch die Kompromiß-Bereitschaft immer weiter schwindet: hier ist mein Standpunkt, dort ist dein Standpunkt, und der – es gibt ja nur ‚entweder‘ oder ‚oder‘ – ist, nein muß, falsch sein. Da er aber falsch ist, gibt es keinen Grund, ein Drittes, also einen Kompromiß, zu suchen…

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Über ausgesucht

…desillusioniert
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10 Antworten zu kompromißlos

  1. Chantao schreibt:

    Gefällt mir zusammen mit 2.683 weiteren wunderbaren Menschen

    • ausgesucht schreibt:

      Wie jetzt, hast Du diese wundervolle Zahl an Followern? Da kann ich nur ehrfurchtsvoll meine Mütze ziehen… 🙂

      • Chantao schreibt:

        Keine Ahnung, ob ich sooo viiiieeellllee habe, aber auf dem Seppo Blog steht sowas, wenn man auf Leiken geht und der hat wohl soviele, aber ist auch ein witziger Blog und wo das hier bei Ausgesucht ein Blog mit sehr viel Esprit ist, da denke ich mal müßten das noch mehr Followers sein.

        • ausgesucht schreibt:

          Ha! Täusch Dich nicht: Dieses Blog hat (rein numerisch) so um die 800 Follower, aber davon sind wahrscheinlich nur 15 bis 20 „aktive” Konsumenten… 🙂

          • Chantao schreibt:

            Eben nur jene, die Esprit zu genießen verstehen; meine Frau ist übrigens trotz Lungen Karzinom guter Dinge, denn es scheint heilbar, bzw. operabel. Und mit diesem Background kann und darf ich wahren Esprit noch sensibler genießen. Ich werde sie von Dir grüßen, wenn ich gleich in der Clinic bin (ja Clinic mit c lol)

  2. lawgunsandfreedom schreibt:

    Worte oder Wortverwendung anprangern und damit eine „Tabuisierung“ erzeugen. Demnächst sind sicher Autobahn, Tisch und Stuhl dran. In ein paar Jahren grunzen wir dann wieder wie die Affen.

    Verarmung der Sprache bedeutet auch Verarmung des Geistes. Ich begebe mich jetzt wieder in meinen Elfenbeinturm und blättere andächtig im „Grimm’schen Wörterbuch“ oder im „Webster“.

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