sozialer Status

Das Wochenende war ätzend. Ach was: es war ätzend hoch drei. Ich weiß nicht, wer in der Schicksalsfabrik für individuelle Schicksale zuständig ist, aber es scheint dort wohl als ungeheuer spaßig empfunden zu werden, immer mal wieder den Lebensweg kreuzen zu lassen von jemandem, der einem – ganz individuell! – mit der Schaufel ins Gesicht schlägt. Und man ist sich keiner Schuld bewußt…
Trägt man Schuld? Weiß man es nur nicht? Könnte man es wissen, wenn man es nur wahrhaben wollte? Sollte man das Geschehen mit einem Lächeln abtun, weil man rein zufällig auf jemanden traf, dem es nach einem seelischen Fußabtreter gelüstete?
Zumindest scheint es eine arge Diskrepanz zu geben zwischen meinem Selbstbild und dem, wie mich andere sehen und einschätzen. Ich gehe fest davon aus, zumindest werde ich bis zum Beweis des Gegenteils daran glauben, daß der Sozialstatus (ich nenn’s jetzt mal losgelöst von Definitionen so) sehr wohl eine Eigendynamik besitzt und von Zufällen geprägt ist, die sich einem direkten Zugriff verweigern. Zur Veranschaulichung soll an dieser Stelle die logistische Gleichung dienen, auch wenn sie mit diesem Themenkreis so gar nichts zu tun hat. Ursprünglich dient sie zur Modellierung der Populationsgrößen in Räuber-Beute-Systemen, aber ihre mathematischen Eigenschaften illustrieren m. E. den Sozialstatus recht gut (anstelle des Wachstumsparameters r ist nachfolgend das Lebensalter „eingepaßt” worden).LogistikGlchng1Es erweckt den Anschein, als ob es immer wieder Situationen gäbe, in denen die Entwicklung des sozialen Status‘ in Bahnen gelenkt wird, die vom bislang erreichten Niveau deutlich entweder nach oben oder nach unten abweichen. Lediglich zur Veranschaulichung sind derartige Aufgabelungen (sogenannte Bifurkationspunkte) mit dem Schulbeginn und dem Beginn von Lehre oder Studium datiert. Je mehr man erlebt (z. B. Freundes- und Bekanntenkreis, Arbeitsgebiet, Urlaub und Hobby), desto häufiger können „Sprünge” im sozialen Status stattfinden, wenngleich deren Wirkung sich durchaus abmildern könnte. Aber es ist keinesfalls an dem, daß ‚einmal nach oben‘ zwangsläufig ‚immer nach oben‘ bedeuten würde und vice versa. Sicherlich gibt es durch das soziale Umfeld eine gewisse Prägung, aber sie kann mit nicht unerheblicher Wahrscheinlichkeit „durchbrochen” werden.LogistikGlchng2
Die Abb. rechts (Quelle wie im Link oben) stellt gewissermaßen die „Verlängerung” der obigen Abbildung dar: im Alter von 25 Jahren (r = 3,56) gehen beide Darstellungen nahtlos ineinander über. Die Lücken zwischen den chaotischen Bereichen passen ganz gut zu „2. Frühling”, midlife crisis I & II und Rentenalter (kein Zufall, denn so ist die Altersskale definiert ^^).
Neben der Ästhetik der Graphen reift vielleicht die Einsicht, daß es neben der aktiven Seite auch einen Bereich gibt, der dem Zufall unterliegt und sich partout nicht  steuern läßt, der uns also schlichtweg zu passiven Duldern macht. Und dieser Bereich, in dem wir (lediglich) Objekte sind, mag weiträumiger und „mächtiger” sein, als ursprünglich erwartet…

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Über ausgesucht

…desillusioniert
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8 Antworten zu sozialer Status

  1. YDU schreibt:

    Schaufelschläge ins Gesicht entpuppen sich meist als zärtliche Annäherungsversuche, wenn man sich genauer damit beschäftigt! Was sich liebt, das neckt sich … (hoch drei natürlich!) 😉

    • ausgesucht schreibt:

      … vielleicht sollte ich das Schicksal mehr necken (hoch drei natürlich!)? :/

      • YDU schreibt:

        Ich meinte den nekischen Herrn mit der Schaufel, der tief im Innersten liebevolle Gedanken für Dich hegt, aber sie nicht so recht ausdrücken kann. Klar ist das Schicksal auch daran beteiligt, da es den süßen Kerl immer wieder Deine Lebensbahnen kreuzen lässt – aber wohl nur, weil sich das Schicksal sicher ist, da noch etwas ganz Großes entstehen wird und nicht gleich wegen kleiner Rückschläge aufgeben will … 😉

      • YDU schreibt:

        Ja, es gibt sie, diese Schaufeldrescher!
        Ja, sie kreuzen immer wieder unseren Weg!
        Warum nicht auf der Autobahn,
        wo man entweichen könnte,
        warum immer auf einem schmalen Steg?
        Es führt kein Weg vorbei an deren Kelle,
        die immer bereit ( so scheint es) für diese Fälle,
        es führt kein Weg vorbei am schrägen Ton,
        an all den Phrasen, die wir hassen …
        Was tun?
        Augen zu und durch, vorüberziehen lassen!
        😉

  2. PetSchmi schreibt:

    Keine Ahnung, was Dir da jetzt widerfahren ist. Aber Du weisst doch: „Es gibt keinen Zufall. Nur determiniertes Schicksal.“

    Also: Kopf hoch, es könnte schlimmer kommen (…und so kam es?!).

    • ausgesucht schreibt:

      Sieh an, da will mich wer foppen!? Es ist kein Zufall, daß ich Deinen Satz: „Es gibt keinen Zufall” ablehne (soviel Strafe Kōan muß sein, denk‘ mal drüber nach). Und wie war das mit Pleonasmen, wie „determiniertes Schicksal” einer ist? ^_^ 🙂

      A propos: „es könnte schlimmer kommen”. Das ist wie mit rosa Elefanten – früher oder später kömmt’s… 😉

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