Apokatastasis durch Bombenterror

Es gibt Themen, die zu bebloggen sich schlichtweg verbietet:

In einer Gartenanlage koexistieren zwei Gärtner. Der eine gibt sich mit Leib und Seele der Pflege seines Grünkohls hin (das ist Gärtner G), der andere schwört auf Rotkohl (das ist Gärtner G). Man mag sich nicht, aber weil das Schicksal jeden der beiden auf seine Scholle verschlagen hat, muß man irgendwie nebeneinander auskommen. Das könnte sogar halbwegs funktionieren, wenn nicht G immer wieder mal faulige Kartoffeln zu G hinüberwerfen würde. Aber G hat ja auch allen Grund dazu! Schließlich fühlt sich G von G existenziell bedroht, und damit leitet er alles Recht der Welt für sich allein ab…

Was an dieser „Geschichte” dran ist, daß sie in freiwilliger Selbstzensur besser nicht in einem Blog erscheint? Na, sie geht ja noch weiter. G setzt sich zur Wehr, mit Worten, aber auch, weil die Pisackerei einfach nicht aufhören will, mit Taten. Die Spirale der Gewalt eskaliert: es gibt Tote und Verletzte. Ein anderer Gärtner, der sich eher mit schwarzrotgoldenen Früchtchen abgibt (das ist Gärtner G), spricht sogar von Krieg (siehe hier), dabei ist seine Kompetenz (quasi sein grüner Daumen) längst nicht erwiesen (siehe hier oder hier).
Die Gärtnerzeitungen sind voll von Berichten. Ganz paritätisch werden das Anliegen und die Sicht der „Streithähne” dargelegt: ein Artikel über G, kein Artikel über G; ein Artikel über G, kein Artikel über G etc. … Dumm nur, daß man dabei gar nicht erfährt, wer den ersten Stein warf. Man muß schon sehr suchen, um Textstellen zu finden, die nicht für G, die anderen Gärtner oder beispielsweise G voreingenommen oder polarisierend sind (etwa hier). Denn es gibt ja Meinungsfreiheit! Man kann nach Wissen suchen, wo sich andere mit Gewißheiten begnügen. Nur sollte man darüber (siehe Eingangssatz) nicht bloggen: Lang lebe der Rotkohl! :mrgreen:

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Über ausgesucht

…desillusioniert
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14 Antworten zu Apokatastasis durch Bombenterror

  1. mannedante schreibt:

    Die Welt ist ein bewaffneter Kindergarten! Gut erkannt! M.

    • ausgesucht schreibt:

      Kann gut sein, daß die Welt ein bewaffneter Kindergarten ist, aber wo bleiben die Erzieher, wenn man sie mal braucht? :/

      • mannedante schreibt:

        Erzieher und Waffen können wir nicht gebrauchen! Wir brauchen Talente, Perspektiven, Wasser, Nahrung, ………! Überall dort wo die eigene Heimat ist.

        • ausgesucht schreibt:

          Es ist absolut wichtig, Talente, Perspektiven, Wasser, Nahrung … zur Verfügung zu haben. Und doch reicht es nicht. Es braucht zudem Bereitschaft, den Talenten mehr Spielraum zuzubilligen (und ich meine Talente, nicht die „Opfer” dieser – mit allem Respekt! – widerlichen Casting-Shows), es braucht zudem Mut und Bereitschaft, Perspektiven (neben dem abgestumpften Althergebrachten) sehen, erkennen und vor allem auch angehen zu wollen. Und es braucht Umdenken beim Haben und Teilen von Wasser, Nahrung etc.

          • mannedante schreibt:

            Sorry, aber Spielraum gehört immer dazu, genau wie Selbstbestimmung! Talente auf Castingshows zu begrenzen ist mir zu eng! Sicher braucht es Mut, Sicher braucht es Zuversicht, aber es geht nur, wenn wir dabei friedlich bleiben.

            • ausgesucht schreibt:

              Ich weiß nicht, wer Talente hier auf Castingshows begrenzt hat, ich war’s jedenfalls nicht…

              Und was das Friedlichbleiben angeht: ja, friedlich zu bleiben ist ein hohes Gebot der Stunde, aber es ist weder sakrosankt noch absolut.

  2. Alraune schreibt:

    Was treibt diesen Gauck um? Das frage ich mich schon lange-

    • ausgesucht schreibt:

      … das wüßte ich auch zu gern, was den Gauck umtreibt. Ob er es wohl selbst weiß? Dem Gefühl nach drängt sich mir der Verdacht auf, daß er einen Platz in den Annalen der Geschichte sucht und dafür selbstgefällig die Schindmähre reitet, die auf den stolzen Namen Arroganz Hedonismus hört; er genießt die „Macht”, bei den Oberen Speichel zu lecken und ihn dann salbungsvoll in die Ohren derjenigen zu tröpfeln, über die er gnadenlos unausweichlich (selbst blutende Ohren sind kein Anlaß zur Gnade) hereinbricht…

  3. Alraune schreibt:

    Schön formuliert. Es ist wirklich auffallend, wie pastoral bei ihm das Wörtchen „Krieg“ klingt. Ich glaube, er könnte es zärtlich flüstern.

  4. Chantao schreibt:

    Aber damit ist nicht dieser Rotkohl gemeint (???)

    • ausgesucht schreibt:

      Nein, diesen Blogger hatte ich nicht gemeint (ich kannte sie/ihn bis zu Deiner Verlinkung noch nicht einmal). Nein, ich hatte in der „Fabel” Kohl gewählt, weil er nicht nur das großblättrige Gemüse, sondern durchaus auch sinnentleerten Unfug (Kappes) meint und weil der Ring seit dem Decamerone (1351 von Giovanni Boccaccio), spätestens aber seit Nathan der Weise (1783 von Gotthold Ephraim Lessing, der die Idee einfach mal „ausgeborgt” hatte) als Metapher für Religionen vergeben ist. Und da grün die Farbe des Koran ist, brauchte es eine Kontrastfarbe, also Rotkohl…

  5. Chantao schreibt:

    ’n blauen Koran gibt’s 😉 auch . Ich hatte darüber hinaus in den 68ern auch eine rote Mao-„Bibel“, so sind halt die Farben auch nicht mehr unbewertet in dieser Welt; ja, es gibt nichts, was nicht bewertet wurde von temporären Menschlein, und das ist die GROSSE MAYA von der der buddhistische Meister philosophiert. Jetzt tu’n sich allerdings beim Grünen Koran bei mir schon wieder über meinem imateriellen Kopf lauter neue Vista-Fensterchen auf, sprich Assoziationen, aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte… 😉

    • ausgesucht schreibt:

      Vollkommen korrekt: gerade Farben haben „schon immer” für besondere Zustände oder Wertungen gestanden. Allerdings nicht in ordinalen Skalen (3 ist kleiner als 5, A kommt vor B etc.). Mit ‚rot‘ und ‚grün‘ lassen sich Zustände unterscheiden, ohne daß sich (primär) eine Be·wert·ung aufdrängen würde…

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