amtliche Sprachroboter

„Sie wissen, daß Sie ab **.**.201* kein Arbeitslosengeld (ALG I) mehr erhalten?”

„Ja, ich habe den Liebesbrief vom Arbeitsamt bereits erhalten…”

„Was wollen Sie jetzt tun?”

„Ich werde mich weiter wie doof & verrückt bewerben, um ignoriert zu werden, als wäre ich doof & verrückt…”

„Sie werden nach wie vor durch uns [= Arbeitsamt] betreut.”

„Was bedeutet das? Konkret! Auf welche Leistungen darf ich wohl hoffen dürfen?”

„Ähm. Wir würden unter gewissen Umständen dem potentiellen Arbeitgeber einen gewissen Anteil Ihres Bruttolohns für die Zeit zukommen lassen, die für Einarbeitung bzw. für eine für die Ausübung der Tätigkeit erforderliche Schulung zu veranschlagen ist…”

„Was ist das für ein Unfug?! Glauben Sie allen Ernstes, ein Personaler würde eine Bewerbung auch nur die grobe Vorauswahl bestehen lassen, wenn in ihr erkennbar ist, daß es erst noch wochen- oder monatelange Einarbeitungen oder Schulungen geben muß, ehe die ausgeschriebene Stelle halbwegs dem Anforderungsprofil entsprechend besetzt werden kann?”

— • o ❍ o • —

Wie mich derartige Geistlosigkeit deprimiert! Weiß solch eine Beamtenseele überhaupt, was sie den lieben langen Tag so redet? Oder hatte ich etwa meine erste Begegnung mit einem Androiden, einem Sprechroboter?

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Über ausgesucht

…desillusioniert
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37 Antworten zu amtliche Sprachroboter

  1. Chantao schreibt:

     

    Wir würden unter gewissen Umständen dem potentiellen Arbeitgeber einen gewissen Anteil Ihres Bruttolohns für die Zeit zukommen lassen, die für Einarbeitung bzw. für eine für die Ausübung der Tätigkeit erforderliche Schulung zu veranschlagen ist

    Ein Praktikum, sozusagen, und ich denke auch, nein, ich habe es selbst erlebt, wie der Arbeitgeber das Angebot gerne in Anspruch genommen hat, nur, am 2. Tag da wurdest sklavisch in den Fronprozeß eingebunden, musstest Eigeninitiative zeigen, weil Du ansonsten als dumme und faule Sau beschimpft wurdest, und obwohl Du schon 500 % gabst, warst trotzdem ein faule Sau. Zudem machtest eine Job, wo andere ein Managergehalt der mittleren Oberklasse bekommen hätten, weil Du der Abteilungschef über einen ganzen Trupp anderer fauler Säue warst, so geschehen mir in einem Sägewerk in Veddel bei Hamburg bei einer Leihsklaven-Vermietung beschäftigt.

  2. Marcello Francé schreibt:

    Als Beamter hat man es aber auch nicht leicht… Natürlich gibt es solche und solche, aber wo Leute, die keine Ahnung haben, glorreiche Ideen haben (die Rede ist eventuell von Politikern), da kommen solche intelligenten und realitätsnahen Lösungen gerne mal vor. Aber weil ich nicht genau weiß, wer da am Werke war, verzichte ich mal auf eine nähere Betrachtung des Handels des Zuständigen hinter dem Schreibtisch

    • ausgesucht schreibt:

      Auch ich weiß nicht, wer da am Werke war. Gut, ich kenne den Namen, weiß aber absolut nichts über den Menschen (falls es sich nicht doch um einen Androiden handelt). Aber ich pflichte Dir bei: Entscheidungen, die am grünen Schreibtisch gefällt werden, sind selten – und wenn, dann eher per Zufall als durch Absicht – in der Realität/Praxis brauchbar… :/

    • Chantao schreibt:

      Und auch hier wäre gut daran getan, dass sich die „Androiden“ auf ihre Intuition verlassen würden, anstatt den irrigen Versuch zu unternehmen Paragraphen hinsichtlich Alltagstauglichkeit interpretieren zu wollen.

      • Marcello Francé schreibt:

        Naja, wenn das möglich ist, natürlich schon. Aber die können ja auch nicht machen, was sie wollen, auch wenn es ihnen persönlich besser gefiele. Wobei es sicher auch die gibt, die sich da erst gar nicht bemühen wollen und bei denen man sich fühlt wie beim Erwerb des Passierscheins A38 oder wie in diesem Lied Antrag auf Erteilung eines Antragformulars von Reinhard Mey

  3. S. Meerbothe schreibt:

    Frustrierend. Ich bin mit der Pappe im Rückstand.
    Wünsche Dir eine Lösung!
    Liebe Grüße,
    Silvia

    • ausgesucht schreibt:

      … noch habe ich die Hoffnung nicht aufgegeben, aber ist ein (täglicher, stündlicher, fortwährender) Kraftakt, die Hoffnung am Köcheln zu halten. Danke für Deine Anteilnahme. 🙂

  4. jpritter schreibt:

    Dann direkt mal eine Bewerbung ans Arbeitsamt, dass Bedarf ja wohl keinerlei Einarbeitungen oder Schulungen…zwei Fliegen mit einer Klappe! 🙂

    • ausgesucht schreibt:

      … habe ich mir auch schon durch den Kopf gehen lassen. Ich weiß gar nicht mehr, was mich in letzte Sekunde abgehalten hatte?! Ach ja, jetzt fällt es mir wieder ein: ich vermute, ich hätte nicht die Kraft, immer und immer wieder Menschen so „abzufertigen”, wie es dort offenbar Brauch ist…
      Ist ja Wahnsinn! Ich leiste mir in meiner Situation Anfälle von Anstand &  Moral. Naja, kann ja nix bringen… :/

  5. YDU schreibt:

    Och, manche Arbeitgeber können sich so etwas durchaus vorstellen! Falls du dann noch auf einem Auge blind bist und schlecht hörst, bist noch besser vermittelbar, wenn dies zusätzlich honoriert wird. 😉

    • ausgesucht schreibt:

      Nach wie vor glaube ich, daß die besten Vermittlungsaussichten bestehen für: 25-jährig mit 50-jähriger Berufserfahrung, nicht zur gängigen Geschlechtsspezifik gehörig, mit schwieriger Kindheit (aber geläutert und aus dem Sozialsumpf herausge·phönix·t), von Erzieher/Trainer/Pfarrer kindsmißbraucht…

      • YDU schreibt:

        Zartbitter … Was tun? Unter die Flüchtlinge mischen, hatten wir schon. Beratertätigkeiten sind heute modern, was de facto einer Selbstständigkeit entspricht … Ok, aber das weißt du alles selbst viel besser!

        • ausgesucht schreibt:

          Was, nur zartbitter?! 😯
          Jetzt gelingen mir also nicht einmal mehr richtig bittere Bitterbitter-Texte? … ich will nach Hause! 😉

          • YDU schreibt:

            Sei nicht traurig, aber nach mehr als sechs Jahrzehnten auf dem blauen Planeten, ist für richtig bitter schon etwas mehr notwendig … 😉 * Hatte heute während meiner Autofahrt immer wieder Sinnsucht im Sinn und konnte nicht ganz nachvollziehen, warum Du Dich diesem Nonsense auslieferst. Habe bei der Begleitung meines Sohnemanns so meine Erfahrungen gemacht ( aus zweiter Hand ) und immer wieder fassungslos den Kopf geschüttelt. Meine Frage war ( sei mir nicht böse!) : Was fehlt? Du hast mehr als ein wenig Potential und das in vielen Bereichen! Läufst du etwa gar unter dem Titel „überqualifiziert“ in diversen Listen? Kritikfähigkeit ist natürlich nicht so beliebt, wie man das annehmen könnte, dieser Punkt dürfte bei etwas mehr als 80% für Minuspunkte sorgen, denn wenn jemand permanent die Wahrheit an die Tür nagelt – eh schon wissen! Warum schlägst Du Dich mit diesen Bürohengsten herum, von denen kaum einer mehr Spielraum als Haaresbreite hat? Fakt ist: der trickreichste Stürmer wird nur gefeiert, wenn er Tore macht! Stellt sich nur mehr die Frage, welche Kugel gerade zum Versenken bereit ist? Ich halte Dir die Daumen, bete zum großen Manitou, damit er sich für Deine Sache stark macht! 🙂

            • ausgesucht schreibt:

              Vielen Dank für Deinen ermutigenden Kommentar! Ab und an braucht’s ein kleines Seelenpflästerchen… 😉

              Deine Frage nach den Bürohengsten dürfte ziemlich genau der Kernpunkt sein. Ich begebe mich in deren Ställe Amtsstuben, von Herumschlagen kann überhaupt keine Rede sein, weil sie von Staats wegen einfach da sind und ihnen zu huldigen ist. Egal, was man vorhat: Hausbau, Umzug, Unternehmensgründung, was auch immer, man kommt nicht drumherum… 😦

              • YDU schreibt:

                Ohne Bürokratie geht gar nichts, da ist was dran, aber irgendwie muss man den Tierchen doch die Sporen geben können … 😉

              • ausgesucht schreibt:

                … im Prinzip gebe ich Dir recht. Aber ehe ich dem Amtsschimmel die Schimmelsporen gebe, versuche ich erst einmal, die Suche nach mir selbst zu Ende bringen. 😉

              • YDU schreibt:

                Morgens sind die Chancen groß, dich selbst völlig unerwartet zu treffen, aber sei auf der Hut … 😉

              • ausgesucht schreibt:

                … ich glaube, morgens ist die Chance eher am allerkleinsten: ich weiß meistens nicht, welche Person das dort Waschspiegel ist, aber wenn ich schon mal da bin, wasch‘ ich sie halt. 😉

  6. YDU schreibt:

    Deine soziale Einstellung ist äußerst lobenswert … 😉

  7. YDU schreibt:

    Nun frage ich mich gerade sehr intensiv, ob du einfach alles bezweifelst oder es sich nur um Teilbereiche handelt … 😉

  8. YDU schreibt:

    Nö, natürlich zweifle ich nicht an allem und jeden, einzig die unzweifelhaften Gewissheiten sie werden immer weniger, was mich dann zum Verzweifeln bringt … 😉

  9. YDU schreibt:

    Wobei diese „Verzweiflung“ als unzweifelhaft betrachtet werden kann, was ganz klar ein Zeichen dafür ist, dass der Grund nahe ist. 😉

    • ausgesucht schreibt:

      … eine überraschende Wendung! Gab es nicht immer schon Zeiten, in denen die Zeichen das Ende der Zeit und somit die unzweifelhafte Klärung aller Fragen vom Grunde auf verkündeten?? ^^

      • YDU schreibt:

        Blöd nur, dass die sogenannte Klärung immer in einem überdimensionalen Sandsturm endet, nach dessen Ende alles so wunderbar gleichmäßig verteilt ist … 😉

        • ausgesucht schreibt:

          Naja!? Gleichmäßig verteilt stimmt ja … manchmal … halbwegs; zumindest hätte das was von ausgleichender Gerechtigkeit. Wunderbar ist daran nur, daß manche Phönixe viel, viel schneller und leichter aus der Asche wiederauferstehen als andere. Ist es ein Zufall, daß es mehrheitlich die sind, die auch vordem schon obenauf waren??

          • YDU schreibt:

            Irgend so ein geheimnisumwitterter Effekt, der vermutlich mit der lieben Kohle zu tun hat, die scheinbar in allen Medien auf der Butterseite landet … 😉

            • ausgesucht schreibt:

              Ganz genau: Wenn Katzen immer auf ihren Pfoten landen und Marmeladentoast immer auf seiner Marmeladenseite, wie landet dann eine Katze, der ein Marmeladentoast auf den Buckel geschnallt wurde? Zur Überprüfung der Versuchsreihen hat man das mit Phönixen wiederholt. Dummerweise ist immer der Toast verbrannt…

              • YDU schreibt:

                Das zum Umgang mit diversen Effekten. Tja, es ist noch so vieles „offen“ , nicht ausreichend erforscht … Warum die Ampel immer auf Rot steht, wenn ich komme – auch so eine mystische Sache, die einer wissenschaftlichen Erklärung harrt! 😉

              • ausgesucht schreibt:

                Das Thema, warum ausgerechnet die Ampel auf Rot steht, der man sich gerade nähert, ist doch längst behandelt – erschöpfend(!) behandelt: siehe hier. Und sage nicht, daß Du nach dem Lesen dieses Artikels nicht erschöpft seiest… 😛

              • YDU schreibt:

                Ich erröte gerade vor Bewunderung und gehe, nach dem Gelesenen davon aus, dass das eine gewisse Anziehung auf dich ausüben sollte. Fragt sich nur, ob ich dich damit schon über die Alpen „ziehen“ kann … 😉

              • ausgesucht schreibt:

                Da hilft nur eines:
                Versuch macht kluch… 😉

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