Das ist nicht mein Krieg!

Na, endlich! Endlich dürfen die Deutschen wieder Krieg spielen. Was, um alles in der Welt, hat Deutschland in Syrien verloren? Und das mit Kriegsgerät und 1200 Soldaten? Soldaten sind – wie hatte es Tucholsky seinerzeit so treffend formuliert? – potentielle Mörder.
Wie jetzt, die Legitimation ist das Hilfeersuchen Frankreichs? So wird es zumindest aktuell durch die Medien gepeitscht. Selbst in den Kommentaren dazu wird munter von einem Krieg zwischen Frankreich und dem IS gefaselt (siehe hier). Wann ist der Krieg erklärt worden? Und ist nicht immer betont worden, daß der Islamische Staat zwar dem Namen nach, nicht aber auf irgendeiner Rechtsgrundlage ein Staat ist. Somit kann die Terroraktion, die Frankreich abzieht und für die es händeringend Verbündete sucht (offenbar glaubt man: geteilte Schuld ist halbe Schuld), niemals ein Krieg sein. Krieg ist Mord mit diplomatischer Legitimation. Kann es rechtens sein, sich zum Gehilfen bei einer vorsätzlich begangenen rechtswidrigen Tat zu machen (vgl. StGB §27.1)?
Oder müssen wir gar diese Kriegshandlungen unternehmen, damit De Maizières Geunke von der länger anhaltenden Terrorgefahr sich endlich bewahrheite? Müssen wir uns wirklich einmischen, um uns selbst als Ziel terroristischer Angriffe zu exponieren?

Das ist nicht mein Krieg! Das ist auch nicht meine Regierung, ich will sie nicht!
Ich schäme mich für sie – ich distanziere mich!

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Über ausgesucht

…desillusioniert
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22 Antworten zu Das ist nicht mein Krieg!

  1. Alraune schreibt:

    Für oder gegen Olympia gibt es eine Volksbefragung. Für oder gegen Krieg nicht. Skandalös.

  2. APunkt schreibt:

    Postmoderne Politik = Aktivismus

    • ausgesucht schreibt:

      Da muß ich doch glatt mal Zweifel anmelden. Nicht, weil ich es besser wüßte, sondern weil ich für einen Autoritätsbeweis auf Wikipedia verweisen kann: „Aktivismus nannte sich ab 1914 eine von Kurt Hiller gegründete pazifistische Bewegung, die eine „Aktivierung des Geistigen zur Herbeiführung einer neuen Menschheitsära“ (Aufbruch zum Paradies) erstrebte” (Quelle: wiki). Ob die aktuelle Politik (oder was immer das ist, das als Politik ausgegeben wird) eine postmoderne Politik ist, steht dahin, aber daß sie die „Aktivierung des Geistigen” zu irgendetwas zum Ziel habe, ist eine üble Verleumdung… 😉

  3. Pingback: Das ist nicht mein Krieg! | Red Skies over Paradise

  4. lawgunsandfreedom schreibt:

    Tilo Jung bringt die Bundespressekonferenz zum schwitzen. Schätze, den Link kannst Du scharf lassen, weil er ja absichtlich vom Produzenten bei Youtube reingestellt wurde und Tilo Jung sich per Spenden finanziert. Der stellt schon freche Fragen und es ist göttlich zu sehen, wie sich die Bundeskasper um eine klare (und offensichtliche) Antwort herum winden …

    Und das hier ist auch genial – eine Timeline, wie sich die Aussagen der Politik im Laufe von wenigen Monaten ändern.

    BTT: Nach meiner persönlichen, unmaßgeblichen Meinung hat Deutschland in Syrien nichts zu suchen.
    – Syrien hat Deutschland nicht angegriffen
    – Syrien hat Deutschland nicht um Hilfe gebeten
    – Deutschland hat kein UN-Mandat

    Also handelt es sich um eine illegalen Kampfeinsatz, wie schon Anno Dunnemals, als Schröder zugegeben hat, daß man in Ex-Yugoslavien wissentlich einen illegalen Krieg geführt hat.

    NOT IN MY NAME!

    • ausgesucht schreibt:

      … gut, daß wir bei „NOT IN MY NAME!” gleicher Meinung sind. 🙂
      Ich frage mich, wie man die in der Syrien-Frage offenbahr wahnsinnig gewordenen Politiker wieder zur Räson bringen kann. ❓

      • lawgunsandfreedom schreibt:

        Gar nicht! „Unsere“ Politiker holen sich doch nur noch alle paar Jahre die „Erlaubnis“ um den Bürger über den Tisch ziehen zu können und die Bürger spielen das Lügenspiel mit. Astreine Demokratiesimulation …

        Wir werden wieder in einen Krieg gezogen, den wir nicht wollen und der noch mehr Mord- und Totschlag (evtl. sogar im eigenen Land) zur Folge haben wird. Das dient dann als Begründung, um die Bürgerrechte wegen Terror noch weiter einzuschränken.

        Aktuell wollen die EU-Kommission und etliche Innenminister die Waffengesetze verschärfen. Vornehmlich, um damit Verbrecher und vor allem Terroristen zu treffen. Besagte Gruppen sind ja dafür bekannt, sich sklavisch an Recht und Gesetz zu halten. Wer halbwegs informiert ist, weiß, daß das nur die rechtstreuen Bürger treffen wird …

        Inzwischen bin ich – wie viele Andere – zu folgendem Schluß gekommen: Der Bürger ist der Feind

        • ausgesucht schreibt:

          „Astreine Demokratiesimulation”? Ja, verdammt gut formuliert – ich suche (noch immer) nach einem Ausweg, nach (m)einer Nebukadnezzar (siehe hier)… ^_^

          • lawgunsandfreedom schreibt:

            Du kommst hier nicht lebend raus … 😉

              • Marcello Francé schreibt:

                Naja, wenn dieses Land keine Demokratie ist, kannst du immer noch die Politiker umbringen GG Artikel 20 (4) Widerstandsrecht. Dafür wirst du nicht mal verurteilt, weil erlaubt. Ne Spaß, weil die herrschende Elite nicht deiner Meinung ist, wirst du natürlich verurteilt, aber vermutlich nicht gleich getötet (wie Bonhoeffer, Canaris und Stauffenberg bspw.) Andererseits meine ich, dass wir in einer Demokratie leben. Das ist nicht das Problem. Das Ding ist, dass Leute von Demokratie genauso wie Kommunismus eine Idealvorstellung haben, die es in echt nicht gibt: “Die Demokratie ist die schlechteste aller Staatsformen, ausgenommen alle anderen.“ Demokratie hat seltenst zu schlauen Entscheidungen geführt (vermutlich unsere Schwarmverblödung): https://de.wikipedia.org/wiki/Scherbengericht “Bei dieser letzten Abstimmung wurde das Verfahren ad absurdum geführt, als die eigentlichen Kontrahenten Nikias und Alkibiades ihre Anhänger auf den Demagogen Hyperbolos konzentrierten, der den Ostrakismos beantragt hatte.“ Dabei war das immerhin noch besser als die Bürgerkriege, die sonst in Athen ausgelöst wurden… Es geht aber immer noch schlimmer:
                https://de.wikipedia.org/wiki/Ochlokratie Und das ist ziemlich nah verwandt mit der Demokratie! Also vermutlich ist die Lage bei uns ziemlich überdurchschnittlich:
                keine Kleptokratie (wie in Russland Anfang der 90er, keine offene Tyrannis, wenige oligarchische Elemente…) Wenn wir alles basisdemokratisch abstimmen würden, würde die Lage nicht zwangsläufig besser werden. Dafür kann einfach zu viel schief gehen. Aber unser jetztiges System hat natürlich auch Nachteile.

              • ausgesucht schreibt:

                Ist es nicht grausam, wenn ein System Anwendung findet, das so voller Fehler steckt, daß es gar nicht funktionieren kann, weil es das beste ist?? 😉

              • Marcello Francé schreibt:

                Schlag doch mal was besseres vor 😀

              • ausgesucht schreibt:

                Hab ich doch schon (siehe hier)… 😉

  5. YDU schreibt:

    Der IS hat den „Aufbruch zum Paradies“ in seinem Programm, da kann man es niemandem verübeln, wenn er auch ein Stück vom „Paradies-Kuchen“ abhaben will! Fragt sich nur, ob die Sache mit dem Paradies den vorherrschenden Vorstellungen entspricht …
    Beim Anzetteln und Durchführen von Kriegen ist der Mensch äußerst kreativ, wenn es aber um den Frieden geht, dann geht es üblicherweise immer wieder in Richtung Krieg. Um Krieg zu führen, wurde schon immer gelogen, dass sich die Balken biegen …
    Nun, was will ich eigentlich sagen? Habe ich mich gerade selbst ein wenig „verloren“? Fakt ist: Der ganze Schlamassel wurde vom „Westen“ eingefädelt und nun hat niemand eine Ahnung, wie man die Sache wieder auf die Reihe bringt. Oder – alles nur Theater und es geht nur darum, dass sich einige krumm und dämlich verdienen und andere ihre Wahnsinnsinteressen, die wir uns noch gar nicht vorstellen können, in naher Zukunft unter Dach und Fach bringen …

    • ausgesucht schreibt:

      … wahrscheinlich hast Du den Nagel ziemlich genau auf den Kopf getroffen mit der Vermutung, „dass sich einige krumm und dämlich verdienen und andere ihre Wahnsinnsinteressen, die wir uns noch gar nicht vorstellen können, in naher Zukunft unter Dach und Fach bringen”. :/

  6. reander schreibt:

    Ganz einfach: Man will „Fluchtursachen“ bekämpfen. Ist Syrien „befriedet“, kann man die angeblichen Millionen von Einwanderern, ordnungsgemäß und ohne schlechtes Gewissen abschieben – natürlich still und heimlich, um schlechter Presse aus dem linksliberalen Lager zu entgehen.Schließlich verläuft sich der rechte Mob auf der Straße, sobald die Asylanträge wieder auf erträgliches (sic!) Maß absinken.

  7. Marcello Francé schreibt:

    Tja. Es sieht so aus als ob wir wieder einmal unsere Freiheit „nicht mehr nur in Hindelang, sondern auch am Hindukusch“ verteidigen, wie es damals hieß. Nur jetzt in Syrien und Irak halt. Dabei war das schon damals verkehrt. Aber es hat ja was gebracht, die Taliban hat Kundus ja bereits wieder unter Kontrolle. Übrigens ein ganz interessantes Buch dazu: http://www.sueddeutsche.de/kultur/der-menschliche-koerper-von-paolo-giordano-zweimal-hoelle-und-zurueck-1.1870461
    Das ist nicht ‚‚dein Krieg‘‘. Hmm, es ist eine Parlamentsarmee, dessen Einsätze vom Parlament abgesegnet wird, das von den Bürgern gewählt wird. Seit wann werden die Bürger denn gefragt? So gesehen hätte es viel weniger Kriege gegeben in der Menschheitsgeschichte. Sehr selten wollten alle Beteiligten einen Krieg; bspw. vor hundert Jahren bei der Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts. Das wiederum lag oft an solchen Leuten wie diesem sympathischen Zeitgenossen: https://de.wikipedia.org/wiki/Gabriele_D%E2%80%99Annunzio In letzter Zeit wird ja fast triumphal verkündet, dass eine Zustimmung als sicher gilt, als ob das dadurch gerechtfertigt wäre: „Man darf die Mehrheit nicht mit der Wahrheit verwechseln.“ Jean Cocteau Das ist auch der Grund, warum jetzt sofort abgestimmt wird, bevor irgendjemand auf die Idee kommt, aus der Schockstarre zu erwachen. Oder, wie es Immortal Technique in Harlem Streets (Revolutionary Volume II) beschreibt: ‘‘They vote for us to go to war instantly/ But none of their kids serve in the infantry’’ (Die Rede ist vom Irakkrieg). Dabei haben wir mit Merkel und Cameron schon gleich zwei Spitzenpolitiker, die mir einfallen, die da dafür waren. Und wenn es auch viele Gründe gibt, Schröder mit Misstrauen zu begegnen mag ich diesen Satz noch immer: „Wir sind zu Solidarität bereit. Aber dieses Land wird unter meiner Führung für Abenteuer nicht zur Verfügung stehen.“ Zwar kann die USA noch immer viel machen: http://www.spiegel.de/politik/ausland/internationales-strafgericht-us-kongress-droht-niederlanden-mit-invasion-a-200430.html , aber man muss ja nicht alles immer absegnen. Noch steht Deutschland trotzdem (so ungefähr).
    Andererseits- ist Nichtstun die Lösung? „Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin. Dann kommt der Krieg zu dir.“ Dieses Zitat, dessen erster Teil von Carl Sandburg stammt und von einem anonymen Autor ergänzt wurde, bringt genau die Resignation zum Ausdruck, die in der Passivität liegt. Die Vereinigten Staaten von Amerika, die seit dem Sezessionskrieg keinen Krieg auf ihrem Territorium mehr hatten, wechselten ja bekanntlich schon immer zwischen Internationalismus und Isolationismus, je nachdem, ob gerade die Monroe-Doktrin galt, Weltkrieg war oder was auch immer. Daraus entstanden solche Desaster wie Vietnam und die ganzem Stellvertreterkriege, aber auch der Wunsch nach globalem Frieden, der Ausdruck im gescheiterten Völkerbund fand. Dessen Nachfolger UNO ist auch nicht allzu viel besser, das sehen wir Tag für Tag… http://www.zeit.de/2002/06/200206_stimmts_brecht.xml Aber natürlich dürfen wir ab und zu mal träumen: https://www.youtube.com/watch?v=Fsu9WDElTSE
    Als die USA unter dem George H.W. Bush in Somalia zum ersten Mal eine teilweise humanitäre Mission am Start hatte (natürlich immer mit Hintergedanken, aber trotzdem) holten sie sich ja bekanntlich eine blutige Nase, und unternahmen beim Genozid an den Tutsis in Ruanda nichts, genauso wie im zerfallenden Jugoslawien. Genau hier sieht man das Dilemma. Militärisch eingreifen = moralisch fragwürdig und aggressiv nicht militärisch eingreifen= egoistisch und feige Und jetzt?
    Übrigens: In Burundi ist die Lage auch nicht so toll. Die UN zeigt sich: ‚‚entrüstet‘‘ ‚‚ernsthaft besorgt‘‘ usw. http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/afrika/steht-burundi-vor-einem-voelkermord-13851075.html Aber da ist kein Öl (USA ist raus), sie wollen nicht zu Neurussland (keine bekifften, russischen Soldaten ohne Hoheitszeichen werden sich dahin ‚‚verfahren‘‘, außerdem ist die Wodkaversorgung schlecht). Naja, inzwischen wird vermutlich auch Russland ein paar Bomben auf das Gebiet des IS werfen nach der Sache mit dem Flugzeug und dem Zwist mit den Türken, nachdem sie vorher leicht verschielt haben (80% in Nicht-IS Gebiet). Die mag inzwischen echt so gut wie keiner mehr, z.B. Al-Qaida oder neuerdings die Tschetschenen (ok, der ist in Putins Partei): http://www.spiegel.de/politik/ausland/islamischer-staat-ramsan-kadyrow-will-enthaupteten-tschetschenen-raechen-a-1065890.html#utm_source=politik#utm_medium=medium#utm_campaign=plista&ref=plista

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