unsinnige Strategie

Ging es nur mir so? Als die Physikkanzlerin den „Wendelstein 7-X”-Knopf drückte, wurde mir warm zwischen den Beinen und vor allem ganz feucht, Quelle: SZ (ja, das Wortspiel ist beabsichtigt).
Da ist also für reichlich 1000 000 000 Euronen ein Spielzeug Testreaktor in Betrieb genommen worden, mit dem nun auch in Deutschland Plasmaforschung betrieben werden kann, um der „H→He”-Fusion näher zu kommen. Und siehe da, nach dem Merkelschen Knopfdruck konnte eine Viertel Sekunde lang ein „e” gemorst werden (e = • im Morse-Alphabet). Der Anfang ist gemacht (übrigens seit Dutzenden von Jahren ist er das schon, allerdings nicht gerade in Deutschland). Aber bis Frau Merkel endlich auch den fusions­generierten Rest lesen kann: „nergiewende”, dürften wohl noch ein paar Milliarden im Plasma verdampft und ein ökologischer Fußabdruck hinterlassen werden, in dem mehrere Kohlekraftwerke mitsamt ihren Braunkohlentagebauen bequem Platz fänden.
Und es handelt sich nicht nur um einen Testreaktor, sondern um einen sehr komplizierten, sehr komplexen Apparat. Wie auch perspektivisch eine Maschine, die aus dem Fusions­prozeß Energie für den Alltagsgebrauch freisetzt, aufwendig, kompliziert und komplex sein dürfte. Was wohl Murphy dazu sagen würde? Eine winzige Störung, eine Nachlässigkeit bei der Wartung, eine marginale Toleranzüberschreitung bei Bauteilen oder während Regelungs­prozessen, und schon hinterläßt das Plasma etwas mehr als nur unschöne Brandblasen im Lack…


Was bleibt unterm Strich? Ob es wohl mehr ist als Hybris? Das wird man vielleicht in zwanzig Jahren wissen, wenn diese Form der Energiefreisetzung alltagstauglich geworden ist. Oder in mehreren hundert Jahren, wenn Wissenschaft und Technologie weit genug entwickelt sind, um die „H→He”-Fusion tatsächlich zu beherrschen.
Bis dahin sollte die, ach, so kluge Menschheit allerdings nicht versuchen, einen Reaktor auf der Erde basteln zu wollen und eine funktionierende(!) Fusionsmaschine geringzuschätzen. Und sie funktioniert nicht nur, sie funktioniert schon seit mehreren Milliarden Jahren, und das ohne Störfälle. Und sie wird wohl noch mehrere Milliarden Jahre lang funktionieren.
Ob es vielleicht sinnvoll ist, statt etwas Bestehendes mit unabsehbaren Folgen zu imitieren, besser die Anstrengungen darauf zu richten, das Vorhandene (und schwerlich verbesser­bare) zu nutzen, wo und wie es nur geht? Das strategische Ziel dürfte wohl eine optimale Ausnutzung des bestehenden Fusionsreaktors (sprich: der Sonne) sein, nicht dessen Nachbau.

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Über ausgesucht

…desillusioniert
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10 Antworten zu unsinnige Strategie

    • ausgesucht schreibt:

      Ist die „kalte Fusion” nicht schon öfter einmal immer wieder wie Kai aus der Kiste gesprungen, um kurz danach klanglos wieder in der Versenkung zu verschwinden? 🙂

      • lawgunsandfreedom schreibt:

        Etliche male. Rossi hat für’s Ami-Militär so einen containergroßen 1-MW-„Reaktor“ gebaut. Ich will das immer noch nicht als völligen Unsinn abtun, also liegt es bei mir immer auf Wiedervorlage.

        • ausgesucht schreibt:

          Naja nun, vielleicht hat man im US-Militär tatsächlich schon ein Bataillon von Nano-Robotern, das aus ein paar Hundertschaften von Piko-Robotern (besser noch Femto-Robotern) besteht. Diese würden mit Freude Atomkern-Puzzle spielen und sich dann aus dem Hot-Spot ihrer „Kampfhandlungen” verfatzen, ehe es wegen der Energiebilanz brenzlig wird… :mrgreen:

  1. kiki0104 schreibt:

    So werden wir verarscht… Energiewende… lass mal so einen Fussionsreaktor ungeplant reagieren, dann hat sichs ausregiert
    Ich nutze das mal als Inspiration für einen Beitrag, ja?

    • ausgesucht schreibt:

      … auch Ikarus wurde nachdrücklich von Dädalus gewarnt – wir wissen, wie’s ausging.

      Und weißt Du, daß Du mich mit Deiner Frage zu einem glücklichen(!) Menschen gemacht hast? 😉
      Der Artikel, zu dem Du dich hast anregen lassen, gefällt mir (aber ‚Like‘ & Kommentar hast Du sicher längst gesehen). 🙂

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