Betroffensein, nicht ~heit

Wegen der jüngsten Terroranschläge in Brüssel (siehe u. a. hier) werden gegenwärtig in allen Medien – mit Verlaub gesagt – Betroffenheitsarien gesungen. Für persönlich Betrof­fene haben Tragödien stattgefunden, ihnen gilt mein aufrichtiges Mitgefühl.
Aber wie ist es mit den übrigen? Ob da vielleicht Betroffensein – wo die Gesellschaft angegriffen wird, sind nunmal alle betroffen – und Betroffenheit verwechselt werden?

Der Obrigkeitskaste kommt überdimensioniertes Betroffensein durchaus zupaß, um in solchen Zeiten unpopuläre Entscheidungen durchzupauken. Aber wie ist es mit den übrigen? Wenn das Bösesein zum Menschen gehört, warum wird ihm dann diese ungebührliche Beachtung zuteil? Falls jedoch nicht, wäre dann das Erkunden der Ursachen (und ggf. das Ändern der möglicherweise Terror generierenden Gewohnheiten) nicht weit wichtiger als ein Lamento, das ängstlich-konservativ jede Ursachenanalyse übertönt?

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…desillusioniert
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6 Antworten zu Betroffensein, nicht ~heit

  1. petschmi schreibt:

    Was soll man zum Thema „rituelle Betroffenheit“ a la „Je suis“ sagen? Natürlich haben die Opfer und ihre Angehörigen Mitleid und Beileid verdient. Ansonsten bringt dieser Blog hier die Dinge vermutlich auf den Punkt:

    http://hinter-der-fichte.blogspot.de/2016/03/brussel-die-unendliche-betroffenheits.html

    • ausgesucht schreibt:

      Den im verlinkten BlogSpot-Artikel zitierten Satz: „Moralische Entrüstung ist eine Methode, Idioten Würde zu verleihen.“ würde ich gern überarbeitet wissen: Moralische Entrüstung ist der Versuch, menschliche Größe vorzugaukeln.

      Ansonsten sehe ich im genannten Blog-Artikel ziemlich genau die Aspekte genannt, auf die mein Artikel – freilich nicht in so vollendeter Prosa! – auch hinweist. Die (Gedanken-)Welt scheint klein genug zu sein, immer wieder auf Bekanntes zu stoßen… 😉

  2. chris schreibt:

    Mir geht dieses immer gleiche Betroffenheitsgedusel in den Medien und insbesondere in der Politikerkaste gehörig auf den Wecker, dass dann gleich wieder in Forderungen nach schärferer Überwachung von uns lieben Schäfchen mündet. Und welche Farbe der Eiffelturm gerade hat, interessiert die wirklich betroffenen Angehörigen und Freunde der Opfer sicherlich auch nicht. Stattdessen wird tagelang über die Täter schwadroniert und deren Namen und Bildchen hundertfach veröffentlicht – was nützt uns das? Wo sind die Opfer, wer gibt ihnen eine Stimme? Widerlich das alles…. 🙄

  3. YDU schreibt:

    Ursachen suchen ist schwierig, die Änderung von Gewohnheiten betrachte ich als sehr schwierig, Lamentieren bietet sich förmlich an …

    • ausgesucht schreibt:

      Vielleicht sollte man es sich – lamentieren kann man schließlich als Plan B noch immer! – zur festen Gewohnheit machen, sich von festen Gewohnheiten zu trennen? ^_^ 😉

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