Geistlosigkeiten sind nicht unbedingt Satire

Darf Satire alles? Vielleicht dürfte sie, wenn sie Satire wäre, zumindest Vieles. Aber ist ein solcher „Erguß” (Quelle: TestSpiel, ein paar Anstößigkeiten sind hier ausgelassen worden) denn tatsächlich Satire?

Sackdoof, feige und verklemmt,
ist […].

Sein Gelöt […],

Er ist der Mann […]

Am liebsten mag er […]

Kurden treten, Christen hauen,
und dabei […].

[… … …].

[…] der […].

Nein, das ist wohl weniger Satire als vielmehr der Versuch, auch mal im Licht der Öffentlichkeit zu stehen…

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Über ausgesucht

…desillusioniert
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53 Antworten zu Geistlosigkeiten sind nicht unbedingt Satire

  1. sweetkoffie schreibt:

    Das „Gedicht“ ist geistlos.
    Die Folgen die jetzt im Gang sind genauso unangemessen. Es bleibt spannend.
    Das Lied von Dieter Hallervorden, das ist m E Satire vom Feinsten.

  2. Chantao schreibt:

    Ich finde es einfach nur geschmacklos, aber ich habe auch schon in Satiremagazinen entdeckt, da wurde der Papst verunglimpft und da gab es nicht so ein Getöse. Ich finde, dass wenn es darum geht über lebende oder auch meinetwegen nicht mehr lebende Personen öffentlich (unter der Gürtellinie) herzuziehen, dass es da für jeden eine Bremse geben sollte, weil das eben Dinge sind, die sich nicht gehören. Andererseits, ob geschmacklos oder nicht hat kein Erdouan oder irgendein anderer ausländischer „Würdenträger“ von unserer Regierung zu fordern, was auch immer er fordern möchte. Flüchtlinge haben auch nicht zu fordern. Fordern können in Deutschland nur Deutsche und die Frau Merkel muss jetzt nicht unbedingt Herrn Erdouan den Ars**h küssen, denn sie ist für uns Deutsche zuständig und nicht für die Türken. Erdouan selbst, dieser Forderer, fordert, dass sich ausländische Politiker oder Journalisten nicht in seine Dinge einmischen, also soll er selbst mal die Füße still halten. Aber wäre unsere Kanzlerin die Kanzlerin der Deutschen, müßten ausländische Forderungen an ihr abperlen; ich denke auch, dass das sowieso wieder ausgesessen wird, weil man sich mehrere Tage Bedenkzeit erbittet… anstatt klare Kante zu demonstrieren wird ausgesessen; naja, und bei der Bundestagswahl 17 fragen sie sich wieder: Wieso nur ? Wieso ? Angelas Kopp der wackelt, wenn in einem Schauprozeß der Staat gegen die Meinungsfreiheit zu Gericht ziehen möchte.

    Und deshalb denke ich Verschwörungstheoretiker, dass Herr Böhmermann nur der Überbringer der Botschaft war und selbst nicht maßgeblich. Ich denke, da haben die Medien einfach nur Salz in die Wunde: Türkei-Deal, achnee, darf man ja nicht sagen: Deal, man muss ja Abkommen sagen. OK, aber der „Ziegen*cke*“ der macht die Runde im www, ob nun Schauprozeß oder nicht hähä. Und die GROSSEN MEDIENverbreiter schreiben auch „*iegenf**k**“ aus, nicht so, wie das der kleine blogger tut.

    • ausgesucht schreibt:

      Könnte es sein, daß Du gleich zwei Extreme „reitest” (allerdings zwei diametrale). Entscheide Dich für eines, und Dir wird Antwort … schätze ich. ^_^

  3. zweitesselbst schreibt:

    Ja, ich denk so eine Art Provokative Form von Therapie. Mir schwirrt zwar noch ein anderer Ausdruck im Kopf herum, kann den aber leider gerade nicht einfangen. Ja, der Böhmermann traut sich unverschämt zu sein. Ungefähr das wirft er ja auch dem Erdogan vor. ^^

  4. Meermond schreibt:

    Also ich weiß nicht, ich empfinde dieses „Gedicht“ als simple Aneinanderreihung ordinärer Beschimpfungen. Herr B. hat im Vergleich zu D. Hallervorden das Niveau eines rülpsenden Pubertierenden präsentiert.
    Bedauerlich, denn er könnte es eigentlich besser.

  5. Chantao schreibt:

    …. och, ich heische gar nicht auf Antworten auf das Posting…

    Aber wieder mal eine Geschichte, die mein Leben schrieb: Früher in meiner Lehrzeit(ich war ja vom Gymnasium in die Lehre gewechselt nach dem Abi) schrieb ich gerne auch Satire, allerdings solche die auch von der Definition her Satire war, also quasi reale Dinge zu überspitzen und auf quasi-ernstem Schrieb ins Lächerlich zu transformieren, in dieser Art wird Satire von der Grundform her angedacht. Also, ich wollte die Sache, dass mein Lehrbetrieb alle Arbeiten selbst die schweren, wie Container entladen von seinen Auszubilden verrichten ließ anprangern. Also anstatt für derlei Dinge ausgebildetes Personal zu beschäftigen, erledigten billige Arbeitskräfte sowas; Heute nimmt man dafür Leihsklaven, sowas gabs damals noch nicht, da waren die Gesetze enger gefasst.

    Und ich schrieb darüber Satire (hahaha mein NiHi-Männchen, gerne denke ich an es) und hängte sie an die Wände der Klos des Betriebs und Tags später waren nur noch die Ecken an den Wänden, hahahaha Man kann auch über „Zie**r“ herziehen, in dem man ihre menschlich hochstehende Seite ins Extrem hochlobt, also Satire ist in diesem Fall, dass man das genaue Gegenteil der Realität über den Klee lobt, also der türkische Vorsitzende als Presse- und Kurdenliebhaber und das Ganze dann ins Extreme hochstilisiert. Also, dass er zuuu lieb zu allen ist, das ist Satire und kein Abschmähen. Wenn man also anhand der Definition von Satire überhaupt nachweist, dass Böhmermann gar keine Satire eingesetzt hat ...Aber das wollen ja die Medien gar nicht. Die Medien wollen ablenken mit Panama und Böhmermann von den Themen, die sie in den letzten Monaten zu sehr strapaziert haben, damit der dumme Deutsche an was anderes denkt bis zur Urlaubszeit.

  6. Chantao schreibt:

    Ja mit Ockhams Rasiermesser hätten wir zumindest die Möglichkeit den Spannungsbogen des Threads zur Philososophie hin abzuschwächen.

  7. Patrick H. schreibt:

    Schade, Dass Du solch Gedankengut ein Podium bietest. Wäre Ignorieren oder Gegen-Agieren nicht sinnvoller?
    So degradierst Du Dich zum Multiplikator.

    Ich habe Dich besser kennen-gelesen 🙂
    Nicht böse sein, aber genau das ist meine Meinung dazu…

  8. Chantao schreibt:

    Ob Satire-Freiheit oder Bloggen, alles Vorzüge der Demokratie und gewagt ist es schon, die Reime abzu“drucken“, die man als Stein des Anstoßes kaum noch in Reinform als Video, da „gelöscht“ im www findet; der Rechercheur findet natürlich dennoch. Und die GROESSTE SATIRE ist doch zu meinen durch Verbot und Bestrafung würde Verbreitung verhindert, ist doch gerade erst das vermeintlich Verbotene interessanter als das Erlaubte. Hätte der Erste Türke im Lande der Osmanen die Schmähung ignoriert wäre das Ganze in 3 Tagen erledigt gewesen. Ich möchte gerne den Berg der Pekunien auf einen Haufen sehen, die das Ganze schon eingebracht hat.

    Schon jetzt wird Klein-Böhmermann bei den Osmanen als Hassprediger gehandelt, der alle Osmanen beleidigt hat, ich warte schon darauf, dass die Deutschlandfahne verbrannt wird. Die Realität ist leider die größte Satire.

    • ausgesucht schreibt:

      So ganz sicher bin ich mir nicht, ob „die Realität leider die größte Satire [ist]”. Realität ist Realität, nicht mehr und nicht weniger.

      Ich stimme Dir zu, daß man kaum mehr Publicity mit ein paar Beleidigungen erzeugen kann. Aber noch vor wenigen Tagen wurden Beleidigungen doch noch als Satire verpackt und dadurch nicht nur erlaubt, sondern als wesentliches Element im Kampf der Gutmenschen deklariert. Und nun? Erwarten wir eine offizielle Entschuldigung von Seiten der Bunten Republik oder des Urhebers der Beleidigungen? Oder erwarten wir doch nur dessen Verurteilung? Oder erwarten wir das Anwachsen aggressiver politischer Handlungen (die dann freilich als Terror durch die Medien gepeitscht würden) gegen die schwarz-rot-goldne Ethnie…

  9. kiki0104 schreibt:

    Es gibt auch bei Satire eine Grenz und die ist bei Beleidigung erreicht, finde ich. Erdogan als pädophil zu bezeichnen geht schon eine Stufe zu weit und auch was die anderen „Verse“ angeht ist der Text einfach nur geschmacklos.
    Pressefreiheit ja. Satire gerne! Aber solche Beleidigungen würde ich mir auch nicht gefallen lassen.

  10. knipserei schreibt:

    Satire soll überspitzen, überverdeutlichen, auf die Spitze treiben, es auf den Punkt bringen, es mit 10.000 Watt beleuchten, soll etwas bloßstellen, soll etwas aufzeigen … und unter diesen Bedingungen darf Satire ALLES! Aber jemanden einen kleinen Schwanz zu unterstellen, oder das er Kinderpornos schaut oder „Schrumpelklöten“ hat – das hat nix mit Satire zu tun sondern ist pubertäres Ausprobieren von sexualisierte Fäkalsprache. Satire muss sich an der Realität messen / von ihr ausgehen – darf aber nicht einfach frei erfinden.

    • ausgesucht schreibt:

      Da bin ich ganz bei Dir: „Satire muss sich an der Realität messen / von ihr ausgehen”. Aber ich glaube, sie darf frei erfinden. Neinnein, keine „Fakten”, sondern sie darf Zusammenhänge, also Interpretationen erfinden und sie artikulieren, bevor sie Realität geworden sind. Nur so kann sie warnen und auf gefährliche Entwicklungsmöglichkeiten aufmerksam machen.

  11. alphachamber schreibt:

    Ich hätte diesen Schwachsinn auch lieber nicht gelesen. Aber ich verstehe, dass Sie die Meinungen dazu interessieren.
    Gute Satire kommt ohne diese verbale Kloake aus. MMn. degradiert sich der Autor damit selbst. Der Ton wird in Deutschland immer schlimmer. Mir ist es peinlich, wenn bei jedem „A….ch“ und „Sch….e“ in z.B. der „Heute Show“ oder „Satiregipfel“ erwachsene Zuschauer mit Entzücken und hysterischem Applaus förmlich auf ihren Sitzen hüpfen.
    Darf ich dazu diesen Link anführen:
    https://huaxinghui.wordpress.com/2015/12/21/begrifflicher-untergang/

    • ausgesucht schreibt:

      Da stimme ich zu, daß der Autor sich selbst disqualifiziert hat. Unangenehm ist nur, daß dieses „Machwerk”, das literarisch und inhaltlich unterste Schublade ist, politisch Bedeutung erlangt hat. Das ist brisant. Ich würde, an Erdogans Stelle, den Antrag auf Strafverfolgung gnädig zurückziehen mit einem öffentlichen Hinweis an ◊Mutti, daß sie mit der Erziehung ihrer „Lausbuben” wohl offensichtlich überfordert ist, was man ihr diesmal durchgehen lassen wolle…

      • alphachamber schreibt:

        D’accord, eine Protestnote an den deutschen Emissär hätte gereicht. (Vergessen wir nicht, da ist immer die Möglichkeit gezielter Ablenkung von Wichtigerem, oder beabsichtigte Stimmungsmache für eine geplante Maßnahme. Denen ist alles zuzutrauen.)

  12. lawgunsandfreedom schreibt:

    Ich sehe mir das mal mit mehr Abstand und im Kontext an …

    Das „Gedicht“ (wenn man diese Aneinanderreihung von Reimen so nennen mag) ist ja die passende Ergänzung zu dem vorangegangenen Spottlied auf Erdogan (auf das dieser so ganz und gar nicht souverän reagierte, vor allem, weil es die traurige Realität darstellte) und – nach meiner Interpretation (eine von mehreren Ebenen) – ein schöner Hinweis auf das, was Meinungsfreiheit ist und das, was Beleidigung ist.

    – Meinungsfreiheit ist nicht strafbar
    – Beleidigung schon
    Für Erdogan, die Mimose, ist beides nicht zu unterscheiden. Und Böhmermann bringt damit gerade Regierung und Behörden in eine ganz entzückende Zwickmühle:
    https://blog.fefe.de/?ts=a9f40f22

    Meiner Meinung nach hat Böhmermann (den ich nicht besonders mag) da einen hübschen Haufen gesetzt. Der ist auch (vielleicht sogar im Besonderen) für die deutschen Medien und die Bürger bestimmt, die anderen Leuten gerne ihre eigenen Ansichten von gut und richtig aufdrücken wollen. Also für Leute, für die schon eine eigene Meinung eine Beleidigung sein kann, wenn sie nämlich von ihrer eigenen abweicht. Böhmermann zielt da auch auf seinen Arbeitgeber, das ZDF.

    Böhmermann geht da wenig subtil vor – brachial trifft’s besser. Ich fand übrigens dieses Interview mit einer Anwältin zum Thema sehr nett:
    http://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/zuendfunk/netz-kultur/interview-gabriele-rittig-boehmermann100.html

    Auf einer Ebene scheint das Gedicht einfach nur eine plumpe Beleidigung und der Egotripp eines Spaßmachers, der seine Grenzen nicht kennt. Aber es gibt noch einig andere Ebenen und Konsequenzen die sich aus diesem Haufen von Reimen ergeben, und die sind ausgesprochen spannend.

    • ausgesucht schreibt:

      Ja, „ausgesprochen spannend” trifft’s wohl ganz gut. Ich hatte in diesem Kommentar das Wort ‚brisant‘ verwendet. Schau’n wir mal, wie lange diese Welle „erschütternd” genug ist, um in den Medien, Blogs und Kommentar-Threads geritten zu werden…

  13. »Nun glauben wir aber unsern Lesern eine Entwickelung schuldig zu sein, wie es möglich gewesen, eine solche Masse von Schmähgedichten, wohlgezählt 410, auf einen einzigen Mann auszuschütten, der kein verdienstloser schlechter Mensch, aber wohl eine ungeschickte, zudringliche, anmaßliche Person gewesen sein mag. Hätte nun der Dichter seinen Haß bloß verneinend ausgesprochen, seinen Gegner nur gescholten, ihm durch Verkleinerungen allen Wert und Würde zu rauben gesucht, so wär‘ es ihm schwerlich geglückt, den Leser anzuziehen und festzuhalten«
    – Johann Wolfgang Goethe, Schriften zu Literatur und Theater I, 1771 – 1807

  14. Marcello Francé schreibt:

    Naja, ich möchte anmerken, dass so eine Zitierung des Gedichts dem Kontext nicht gerecht wird. Hier ist ein Transkript der Originalversion: https://justpaste.it/svdv Das Gedicht ist beleidigend, absichtlich. Aber es ist als Satire gemeint, und daher ein Paradoxon in sich. Allerdings ist die Berichterstattung über den Gesamtzusammenhang echt miserabel. Ob das zulässig ist? Schwierig, denn man kann alles mögliche unter dem Deckmantel der Satire verbreiten. Ich denke aber mal, dass es darum geht, genau diese Reaktion zu provozieren. Doch diese aggresiven Formen der Satire (bis zur Unerkenntlichkeit oder Entfremdung derselben) fordern ihre Opfer, meistens nicht unter den Beleidigten, sondern unter den selbsterklärten Satirikern (manche müssen sogar ins Europaparlament). Dem mit dem Licht der Öffentlichkeit stimme ich nur halb zu- Natürlich spielt das auch eine Rolle, aber m.E. nicht die entscheidende. Warum? Erstens, weil Böhmermann sowieso schon davor bekannt war und zweitens, weil die Aufmerksamkeit nicht in Relation zur möglichen Anklage steht. Ich nehme an, ohne seine Meinung persönlich zu kennen, dass eher eine merkwürdige, etwas infantiler Humor und ein Hang zum Grenzgängertum den ebenfalls möglichen Grund der Geltungssucht überwiegt. Nicht umsonst wird die heute-show erwähnt, weil sie eben massentaugliches Kabarett macht.

    Muss man das gesamte als Kunst sehen? Nicht unbedingt; wenn doch handelt sie aber nicht von Erdogan- sondern ist L’art pour l’art- und hinterfragt deren Grenzen, die anscheinend alle abgelehnt werden. Ob und warum man das so geschmacklos ausdrücken muss, ist mir allerdings nicht klar. Allerdings könnte auch noch ein anderer Aspekt zum Ausdruck kommen. Die Ungleichbehandlung der verschiedenen Gruppen die durch echte/vermeintliche Satire dargestellt werden. Vor allem betrifft das den Islam- Auf der einen Seite stehen fundamentale Muslime, die gar keine Kritik vertragen, weil der Islam (bzw. ihre Auslegung des Islams) unantastbar ist, auf der anderen Seite Personen (v.a. rechte Kreise und fundamentalen Atheisten und Christen, im Hass vereint), die Wert darauf legen, so viele Muslime wie möglich zu diffamieren, lächerlich zu machen usw. Hier wird sich meistens traditionell auf die Seite der Islam“satiriker“ geschlagen, meistens auch zu Recht – allerdings auch unter lauten Gegenstimmen. Christliche Würdenträger dürfen dagegen eigentlich jederzeit beleidigt werden, zumindest wesentlich mehr als andere Gruppierungen. Das interessiert kaum jemanden, und wenn doch- dann meistens um wieder “besorgt“ sein zu dürfen.

    Aber Staatsmänner sind ja auch schon öfter betroffen gewesen. Als beispielsweise Steinbrück die damaligen italienischen Spitzenkandidaten Beppe Grillo als „beruflich tätigen Clown“ und Silvio Berlusconi als „Clown mit einem besonderen Testosteron-Schub“ bezeichnete (Anm. das war auf einer Town Hall- Veranstaltung mit dem vielsagenden Namen “Klartext“), hat sich außer Schulz kaum einer aufgeregt; außerdem hat Steinbrück ja in beinahe trumpesker Weise gezeigt, dass die Leute kein sehr langes Gedächtnis besitzen (nicht dass es ihm geholfen hätte). Napolitanos Besuch in München habe ich dagegen live gesehen; obwohl ich mir ziemlich sicher bin, das Napolitano keinen der beiden Kandidaten sonderlich mochte, sah er aus, als ob er ihn für diese Indiskretion umbringen könnte. In gewisser Hinsicht ging der Besuch, der unter dem Titel, vereint für Europa, durch diese Aussage an seiner eigenen Zielsetzung vorbei. War das auch eine Beleidigung nach §103 StGB? Und außerdem, wozu gibt es den überhaupt? Sollte es sich um eine persönliche Beleidigung handeln, wieso kommt dann nicht https://dejure.org/gesetze/StGB/185.html in Frage? Weil Majestätsbeleidigung (insbesondere bei Erdogan) schwerer wiegt?

    • ausgesucht schreibt:

      Ich bin nicht Deiner Meinung, „dass es darum [ging], genau diese Reaktion zu provozieren”. Provozieren, ja das war wohl intentiert. Aber zu vermuten, der Einsatz einer infantilen Fäkalsprache zum Zwecke der Beleidigung (und dadurch ist es eben keine Satire) sei gezielt erfolgt, um eine konkrete Reaktion hervorzurufen, scheint mir denn doch zu gewagt. Plausibler scheint es eher, B. habe sich auf seinen Ego-Trip begeben, ohne groß über politische Kollateralschäden nachzudenken…

      • Marcello Francé schreibt:

        Über politische Kollateralschäden? Wenn ein absichtlich provozierendes – und eigentlich vollkommen irrelevantes – Gedicht den türkischen Vize-Präsidenten Kurtulmuş zu der Aussage bewegt, es handle sich offenbar dabei um ein “Verbrechen gegen die Menschlichkeit“, während er ohne mit den Augen zu zucken den Völkermord an den Armeniern leugnet, dann ist das nicht B.s Schuld. Böhmermann hat keine Kollateralschäden VERURSACHT, er hat bestehende Probleme nur auf brachiale Weise offen gelegt. Aber http://www.zeit.de/politik/2016-04/jan-boehmermann-tuerkei-ermittlungen-schmaehgedicht-menschlichkeit . Politiker haben meistens keine Ideale mehr, und darum echauffieren sie sich auch nicht mehr über so etwas, sondern über irgendwelche “Satiriker“. Meinetwegen war es ein Vergehen gegen die Menschlichkeit [einer Person], aber was die Türkei institutionalisiert betreibt, ist eine Geißel der Menschheit insgesamt. Das Politiker so handeln, ist nachvollziehbar, aber dennoch ethisch fragwürdig: “Vielleicht hatten sie mal Ideale, zu der Zeit als es wohl auf dem Mars auch noch Wasser gab./ Doch sie vergruben. was weg musste, untot, klammheimlich und stümperhaft in einem lockeren Grab./ Darum spukt oft noch was rum, wenn sie reden und wer ihnen zuhört wird manchmal selber ganz stumm, weil er sich plötzlich ertappt einen Halbsatz zu glauben, dann fröstelt ihn jäh und er schaltet schnell um.“ Sebastian Krämer – “Politiker können nichts dafür“

        • ausgesucht schreibt:

          Da möchte ich widersprechen. Mißstände anzuprangern ist erst möglich, da gebe ich Dir vollkommen recht, wenn sie vorliegen. Aber ist denn nicht der Akt des Anprangerns in diesem ganz konkreten Fall nicht selbst ein Mißstand? Aber einer, der nicht Historisches berührt, sondern Zukünftiges auslöst…
          Und was soll das Aufrechnen von Unrecht? Unter Barbaren und Diktaturen heiligt der Zweck die Mittel, aber auch unter sich selbst zivilisiert nennende Menschen? Der moralisch erhobene Zeigefinger ist nicht besser als die, die er zu bekehren sucht, wenn er in deren Duktus verfällt.

  15. schlingsite schreibt:

    In der Übersetzung des Böhmer`schen Vortrages hat sich ein Fehler eingeschlichen: Schweinefurz und nicht etwa Scheinepfurz muß es heißen. Das Ganze ist doch nur ein Lausbubenstück in welchem auf der Tafel hinter der Lehrerin, ich ficke gern, steht. Außerdem wäre heute ein Film mit Charlie Chaplin: „Der große Diktator“ auch strafbewehrt.

    • ausgesucht schreibt:

      … darüber mögen Generationen von Kunsthistorikern dereinst befinden, ob sich die Elle, mit der Kunst gemessen wird, an beides gleichermaßen anlegen läßt.

  16. hmm schreibt:

    Als Gedicht zum Rappen recht gut.

    […] youtube […]

    [Anmerkung von sinnsucht: Wegen der eklatanten Unsicherheit bei Urheberrechten im allgemeinen und dem Inhalt des erwähnten Videos im speziellen verzichte ich auf die Veröffentlichung derartiger Links. Der Beitrag, auf den im Kommentar verwiesen wird, ist auf youtube unter der Kennung „mTNpndAmGyo” einsehbar]

    • ausgesucht schreibt:

      So recht bin ich nicht davon überzeugt, daß diskreditieren ein sinnvolles Mittel ist, sich mit einer Person auseinanderzusetzen, auch oder gerade wenn man sie nicht mag.

  17. YDU schreibt:

    Durchwirkt vom Geiste sind die Zeilen,
    die über die Synapsen eilen,
    Hochgeistiges kann ich erkennen,
    während diese Zeilen sich einbrennen,
    außerdem muss man noch sagen,
    Herrn Goethe sollte man befragen,
    was er würd‘ schätzen an den Zeilen,
    die vom Norden südwärts eilen,
    um zu erzürnen einen Herrn,
    der lebt auf einem anderen Stern,
    der seine Ehre sieht beschmutzt,
    drum reagiert mehr als verdutzt!
    Was er nicht weiß, auch nicht kann wissen,
    dass Promilledichtkunst klingt verschi..en,
    dass nach der Säfte fröhlichem Genuss,
    das Hirn hervorbringt nur noch Stu..
    Was Satire genannt wird dann und wann,
    leider manchmal aus der tiefsten Gosse kam!
    Nein, die feine Klinge, die man erwarten würde,
    war dem Dichter des Textes oben eine Bürde,
    er nahm die Axt, die Machete aus dem Keller,
    wollte uns weismachen, das wäre hochgeistiges Geböller.
    Nun, wer es glaubt, wem es gefällt,
    durch dessen Augen möchte ich nicht sehen diese Welt ….

  18. berndg42blog schreibt:

    …stimme voll zu! Lest meinen Beitrag: berndg42blog,wordpress. com

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