philanthropisches Nein

Eine Bank im Park. Ich hatte es mir auf ihr gemütlich eingerichtet. Meine Gedanken hatte ich in die laue Frühlingsluft auf Reisen geschickt und wollte sie in aller Gemütlichkeit auf der Parkbank zurückerwarten. Vermutlich würden sie einen langen Weg zu absolvieren haben, denn schließlich sollten sie nicht weniger erkunden als eine mögliche Antwort auf die Frage, was dran ist am Leben in der Matrix. Warum umgaukeln meine Gedanken eine derart belanglose Frage, während mir keine sinnvolle Antwort auf deutlich drängendere Fragen einfällt, beispielsweise der existenziellen Frage nach einer Arbeitsstelle. Wirkt hier vielleicht die Matrix?
„Bist Du ein Menschenfreund?” Ich hatte die Person gar nicht bemerkt, die mich so seltsam anquatschte. Was geht das Dich an? Warum sollte ich antworten? Warum sollte ich wahrheitsgemäß antworten? Bin ich denn überhaupt ein Menschenfreund? Wohl kaum, wer ein solches Blog verfaßt, kann kein Philanthrop sein, oder? Warum sollte ich anderer­seits so hart mit mir selbst ins Gericht gehen? Wie steht’s denn mit einer Gegenfrage? Wer ein solches Blog verfaßt, muß doch philanthropisch sein, nicht wahr? Und warum heißt die Frage: „Bist Du ein Menschenfreund?” und nicht „Empfindest Du Dich als einen Menschen­freund?” oder vielleicht auch „Bist Du überwiegend ein Menschenfreund?”
Nun sah die Person, aus der die Frage gekommen war, nicht gerade so aus, als würde die dialektischen Ausarbeitung des Themas sie philosophisch glücklicher machen. Also spielte ich in einem Akt schonender Nächstenliebe den Ball zurück: „Hilf mir mal mit ein bißchen Kontext”. Und dann kam ein Monolog. Nach zwei Halbsätzen war dieser langweilig genug, daß ich wieder nach meinen Gedanken Ausschau hielt, deren Rückkunft ich sehnlichst erwartete. Aber die hatten sich in wohl in alle Winde zerstreut. So hörte ich noch den Schlußsatz des Monologs: „… kannste mir mit 43,80 € für eine Fahrkarte entgegenkom­men?” „Nein, ich bin zwar durchaus ein Menschenfreund, aber ein einkommensloser”.

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Über ausgesucht

…desillusioniert
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8 Antworten zu philanthropisches Nein

  1. Chantao schreibt:

    … und wenn er „leihen“ gesagt hätte 😉

  2. alltagsfreak schreibt:

    Ein starkes Stück. Da bin ich auch, trotz solidarischer Ader eher misanthropisch verortet. Fragt mich Jemand: „Hast Du mal ne Kippe?“ sage ich generell nein, trotzdem ich als total Nikotinabhängiger die Entzugserscheinungen kenne. Kommt Jemand mit einen Geldstück und fragt: „Kann ich eine Zigarette abkaufen?“ Antworte ich in der Regel mit: „Behalten Sie Ihr Geld und gebe Jenen eine.“ Bei Straßenmusikern lasse ich ab und zu auch mal ein 10 Cent Stück „fallen“ oder kaufe mir mal ne „Straßenzeitung“
    Es fragte mich mal einer ob ich was zu verschenken habe – meine Antwort: „Ja. Schlechte Laune – sehr schlechte Laune :)“

    • ausgesucht schreibt:

      … ich weiß zwar nicht, was der „schlechte Laune”-Spruch bei jenem bewirkt hat, bei mir jedenfalls verscheuchte er die schlechte Laune. ^_^

    • Chantao schreibt:

      Wenn ich aus dem Penny Markt komme steht da oft jemand und verkauft die Straßenzeitung „Hinz-und-Kunz“, im Ruhrgebiet auch als Bo_Do bekannt, also so eine Obdachtlosenzeitung, dem drücke ich gerne mal 5-Euro (au wenn’s kein Bargeld mehr gibt, der Arme … *soifz) in die Hand. ich bin seit 13 Jahren trocken und froh, dass es andere auch geschafft haben…. Di Leute mit den Kippen, nun ja, leider bin ich so jemand, wenn nach Hilfe gefragt wird stehe ich in der ersten Reihe und pfletsche mit den Fingern, aber da ich lange nicht mehr rauche. Einmal wollte mir das so ein Pärchen garantiert nicht glauben und lallte mich voll … Die Runde Schmalzler jedoch wollten sie nicht annehmen, selbst Schuld aber auch zu meinem Glück.

      • ausgesucht schreibt:

        … vermutlich wird bargeldloser Zahlungsverkehr auch für die, die durch das soziale Sieb gefallen sind (oder gedrückt wurden) nicht wirklich ein Problem sein: Vater Staat muß, wenn er die Gesetzgebung zur gültigen Zahlungsweise zugungsten virtuellen Geldes ändert, jedem – ohne Ansehen von Person und Religion – einen nichtdiskriminierten bzw. grundgesetzkonformen Zugang zum Giralgeld verschaffen. Deinem Bo-Do-Verkäufer also mindestens Laptop mit Kartenlesegerät für Deinen Heiermann oder Smartphone und Buchungs-App. Da sind die sogenannten Volksparteien mal wirklich gefordert, nicht wahr?

  3. smswp schreibt:

    „Gefällt mir“ bezieht sich auf den Beitrag und auf den Menschenfreund, nicht dass der einkommenslos ist. Also frage ich nicht, ob du meine Kreditkartenabrechnung ….

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