Selbstabstoßung

Die Natur ist von Natur aus sparsam: sie favorisiert von zwei Lösungswegen, die an dasselbe Ziel führen, unfehlbar den mit dem geringsten Energieaufwand. Sie leistet sich nicht den Luxus, eine körperliche Funktion aufrechtzuerhalten, wenn die zu ihrer Erreichung erforderlichen Stimuli nicht mehr wirken.
Wie verhält es sich aber mit geistigen Fähigkeiten? Was passiert z. B. mit dem Denk­vermögen, wenn sich so ein Menschlein in eine Situation navigiert hat, in der es aufs Analysieren und Aufbereiten von Zusammenhängen und erst recht aufs Synthetisieren neuer Gedanken nicht mehr ankommt? Und das auf unüberschaubare Zeithorizonte?
Wird das Immunsystem permanent unterfordert, kann es zu Situationen kommen, in denen es sich gegen den eigenen Organträger wendet (so mancher Allergiker wird an dieser Stelle mit dem Kopf nicken). Wer aber stößt wen ab, wenn die Kognition auf Dauer leerläuft, der Körper den Geist oder der Geist den Körper?

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Über ausgesucht

…desillusioniert
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22 Antworten zu Selbstabstoßung

  1. neuetraeumer schreibt:

    In unseren westlichen Industrienationen wird Intellekt mit Intelligenz gleichgesetzt und da ist der Wurm drin.

    • ausgesucht schreibt:

      Oh ja, das sehe auch ich als schwierigen Punkt an, aber wie soll man aus dem „Dilemma” herauskommen? Wo es – jetzt mal hemdsärmelig gesprochen – Aufklärer bräuchte, „posieren” Intelligenzbestien… ^_^

  2. Chantao schreibt:

    Nun, der Taoist könnte etwas dazu meinen, enthält sich aber jeglicher Spekulation 😉

  3. Chantao schreibt:

    Nein, doch ein Spekulation oder aber auch Eigenerfahrung: Wenn Aufgabenstellungen in Sicht sind, die geistige Superlative erfordern sich Zeit lassen, bis die Entscheidung quasi auf den Nägeln brennt: Dann schaltet der Geist automatisch auf Superleistung, wenn auch die Not am größten erscheint.

    • ausgesucht schreibt:

      Du meinst „positiven Streß”. Bekannte Tatsache und bekanntes „Handlungsschema” – größte Gefahr ist die „Gewöhnung”; wenn man so lange prokrastiniert, bis als einzige „Motivation” nur noch die Reduzierung des stressiges Stresses übrig bleibt.
      Aber wie ist das, wenn keine »Aufgabenstellungen in Sicht sind, die geistige Superlative erfordern«??

      • Chantao schreibt:

        Dann hat das menschliche Bewußtsein die Möglichkeit friedlich auszuplätschern, vielleicht kommt so auch Alzheimer zum Zug. Für die Nächsten ein Fluch, für den Betreffenden vielleicht ein Segen ….im Jammertal der Existenz. Leider und vielleicht auch „Gott-sei-dank“ neige ich eher zu melancholischer Sicht der Dinge auf die Existenz und das Drum-herum. Durch Bipolarität: Himmel hoch jauchzend, zu Tode betrübt, und wenn wir ehrlich sind, was soll uns bei der endlich begrenzten Situation als Menschlein denn auch himmel hoch jauchzend bis ans Ende unserer Tage sein lassen ? Ich wurde gestern 61 und bin geistig gesund, was manchmal auch ein Fluch sein kann …. so what…

        • ausgesucht schreibt:

          Na, dann zunächst einmal alles Gute für den weiteren Lebensweg!

          Ich frage mich aber dennoch, ob es zum Wesen des „menschlichen Bewußtseins” gehört, auf lange Zeit (vielleicht sogar bis zum geistigen oder vollständigen Verdämmern) im Leerlauf dahinzuplätschern…

          • Chantao schreibt:

            Naja, vom Wesen her glaube ich es eigentlich nicht, denn der natürliche Weg ist ja vom Fortschritt geprägt. Wie wir oben herausfanden auf energiearmen Wege. Vielleicht beinhaltet das Dämmern ja auch gewissen Fortschritt. Die Evolution hat eben sehr viel Zeit und kann sich Langsamkeit erlauben. Für die Evolution sind wir menschlein weniger als ein Fu**z im Winde. Es kommt halt immer auf den Standpunkt und die Sichtweise an. 😉

            • ausgesucht schreibt:

              Fortschritt, ach, wie ich dieses Wort liebe: wer immer hübsch artig im Kreis läuft, kann im Laufe seines Lebens Schritt für Schritt ein beträchtliches Fortschreiten für sich verbuchen, ist aber keinen Schritt vorangekommen… ^_^

  4. YDU schreibt:

    Nix mit Abstoßung, wenn ich das so sagen darf, denn der Geist ist ja nicht mehr da – einfach wegrationalisiert! Fazit: Kein Stoßen, kein Rempeln, einfach nur Ruhe und unendliche Langeweile oder alternativ ein permanent fröhliches Lachen, für das eigentlich keinen echten Grund gibt ….

    • ausgesucht schreibt:

      So also werden weltanschauliche Selbstrealisierungskonzepte kreiert?! Wenn das mal kein echter Grund zu einem „permanent fröhlichen Lachen” ist. 🙂

  5. kiki0104 schreibt:

    Harter Tobak… muss ich erstmal drüber nachdenken.

  6. lawgunsandfreedom schreibt:

    Das menschliche Gehirn ist das größte Organ des Körpers und verbraucht auch mit am meisten Energie. Das ganze Streben des Menschen ist dagegen auf’s Energiesparen bzw. auf Energieeffizienz ausgerichtet … dafür strengt er hin und wieder sein Gehirnkastl an, um es bequemer zu haben und auch weniger denken zu müssen.

    Paradox – denken um das denken abzuschaffen – um den Gedanken mal zuzuspitzen. Idiocracy?
    https://de.wikipedia.org/wiki/Idiocracy

    • ausgesucht schreibt:

      Ähm, wie hatte sich Sheldon Cooper (TBBT) mal so treffend geäußert: »Ich hoffe, Du provozierst nicht ohne Grund«? Worauf beziehst Du: „das Größte” in Deinen Einstiegssatz? Ich schreibe jetzt nicht, daß mein gluteus maximus wohl doch größer als mein Gehirn ist (weil das mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausgelegt wird als: weniger Verstand im Kopf als im Hintern). Ich schreibe auch nicht, daß die Haut mit bis zu um die 2 m² das größte Organ sei, weil die Oberfläche der Darminnenwände deutlich größer ist, von der Oberfläche aller Lungenbläschen ganz zu schweigen…

      Auch der Versuch, das Ganze in Teilfunktionen zu separieren, ist mit größter Vorsicht zu genießen. In einem Auto verbraucht der Motor den meisten Kraftstoff. Toll! Und was sagt das über ein ein Auto aus?

      Aber was hat „das ganze Streben des Menschen [nach] Energiesparen […], um es bequemer zu haben” damit zu tun, weniger denken zu müssen? Anders und anderes, ja. Aber weniger, nein.

      Der Link ist spannend, ich muß mir den Film mal anschauen (falls er sich nicht als Buch konsumieren läßt), eine These aus dem verlinkten Text erinnert mich an diesen Artikel… ^_^

      • lawgunsandfreedom schreibt:

        Autsch – falsche Formulierung. Da sind die Finger wieder schneller als der Korrektor (oder der Zensor war pinkeln). Das Organ, das die meiste Energie verbraucht, meinte ich.

        Was Existenz/Überleben angeht, so neigt der Mensch zur Effizienz. Möglichst wenig Energieeinsatz – größter Nutzen daraus. Dafür strengt er sein Gehirn an – um, im Gegenzug, sein Gehirn weniger anstrengen zu müssen. Daß sich daraus diverse Paradoxa und Sackgassen ergeben … :mrgreen:

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